Ehrlicher als erwartet 
Dienstag, 2. Juli 2019 - Studien
Vielleicht sind wir selbstloser als gedacht. Eine großangelegte internationale Studie zeigt zumindest, dass selbst Unehrlichkeit einer gewissen Ethik zu folgen scheint. Die Wissenschaftler platzierten Geldbörsen, gefüllt mit Beträgen zwischen 14 und fast 100 Dollar in verschiedenen Ländern als verlorene Gegenstände und untersuchten, wie viele davon zurückgegeben wurden. Interessanterweise war der Rücklauf mit 72 Prozent bei den prallgefühllten Börsen höher als bei jenen, die mit weniger Geld liegengelassen wurden (61 Prozent). Außerdem war die Rückgabequote insgesamt höher, wenn sich auch ein Schlüssel im Geldbeutel befand. Die Forscher glauben, dass Menschen das Zurückhalten hoher Beträge eher als Diebstahl einstufen und deshalb hier ehrlicher sind. Bei kleineren Beträgen könne man sich vor sich selbst eher herausreden - keine Zeit gehabt, nicht so wichtig. Bei der hohen Rückgabequote von Geldbörsen mit Schlüsseln ist womöglich Empathie im Spiel, schließlich weiß jede*r, wie nervend es ist, sich um verloren gegangene Schlüssel zu kümmern oder gar Schlösser austauschen zu müssen. Wenn's drauf ankommt, können wir also ehrlich.
Der Homo oeconomicus ist gar nicht so, spektrum.de 21.6.19

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Dem eigenen Denken zuschauen 
Montag, 1. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Achtsamkeit macht wacher, nicht nur, wenn es darum geht, im Job vielleicht ein bisschen besser zu sein. Auf Business Insider schreibt die Autorin Laura Lewandowski darüber, welche Erfahrungen sie beim Meditieren macht. Eine davon - wacher werden für die eigene Gedankenwelt. "Dinge, die ich denke, denke ich nicht einfach nur noch so. Ich begreife, welche Sätze in meinem Kopf entstehen. Was ich mir oft unbewusst einrede, was mich runterzieht, womit ich mich selbst klein mache", beschreibt sie, was ihr so durch den Kopf geht, wenn sie mal richtig still wird. Wie ihr dürfte es vielen gehen, die vielleicht gar nicht bemerken, wie sich ihre Sensitivität erweitert. Denn oft sind wir so darauf gepolt, vor allem nach Effekten zu suchen, die wir erwarten. Bin ich kreativer? Kommen mir coole Ideen? Kann ich mich besser konzentrieren? Lewandowski schreibt auch über diese Effekte. Aber sich selbst beim Denken zusehen - das ist doch wirklich was.
Meine Produktivität hat sich radikal gesteigert, als ich etwas Wichtiges über Meditation verstanden habe, Business Insider Deutschland 20.6.19

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Wie spirituell sollte Bildung sein? 
Freitag, 28. Juni 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Der Achtsamkeits-Trend hat Meditation auf breiter Basis von ihren spirituellen Wurzeln entkoppelt. Für viele Menschen, die heute Achtsamkeit praktizieren, um sich zu entspannen und gesünder zu sein, ist Meditieren eine Methode ähnlich wie Sport. Man macht sie, aber denkt nicht weiter darüber nach. Ein Projekt der University of Applied Sciences Frankfurt (UAS) zu "Persönlichkeit – Reflexion – Gesellschaft" sieht das anders. Mit dem Kongress "Meditation und die Zukunft der Bildung", der am 25. Oktober 2019 in der UAS stattfinden wird, möchte die Bildungsinstitution den spirituellen Kontext von Meditation und seine Bedeutung für die menschliche Entwicklung in Bildungskontexten näher betrachten. Der Kongress stellt Fragen wie: Sind Wissenschaft und Spiritualität Gegensätze oder sich ergänzende, komplementäre Erkenntnisweisen? Kann die Perspektive von Meditation und Spiritualität so rational sein wie die von Wissenschaft? Sind Fakten und Werte unterschiedliche Welten? Welches Menschenbild haben wir? Kann sich der Mensch selbst verändern? Brauchen wir für Schule, Studium und Beruf ein neues Persönlichkeitsprofil, um mit den Anforderungen komplexer Systeme besser und gelassener umgehen zu können? Ist die Evolution unseres Bewusstseins denkbar und notwendig für die Gesellschaft der Zukunft? Ich finde es spannend, wie hier existenzielle Perspektiven angedacht werden. Aus der bisherigen Meditationsforschung wissen wir, welche Wirkungen Achtsamkeit auf einer eher funktionalen Ebene hat. Vielleicht ist nun die Zeit reif dafür, tiefer zu gehen und auch zu fragen, wie Meditation unser Menschsein in der Tiefe öffnen und verändern kann.
Kongressankündigung

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Richtiges Feedback bringt die Firma in Schwung 
Donnerstag, 27. Juni 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Feedback geben reduziert sich für viele Führungskräfte oft auf das alljährliche Mitarbeitergespräch. Ein Fehler, findet Feedback-Expertin Nora Heer, denn: "Es gibt drei Dinge, die Menschen mehr als alles andere motiviert: Die Identifikation mit einer Aufgabe oder mit dem Unternehmen, die Anerkennung von Kolleginnen oder Führungskräften und die Selbstwirksamkeit. Das bedeutet, dass wir merken möchten, dass unser Tun eine Auswirkung auf unser direktes Umfeld hat, also auf das Unternehmen oder auch auf die Kolleginnen. Feedback ist der zentrale Hebel für Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Arbeit und ist damit ein wichtiger Treiber für Zufriedenheit." Führungskräfte sollten aufpassen, in Mitarbeitergesprächen den rechten Ton zu finden, denn kommt Kritik falsch rüber, kann sie Mitarbeiter oft langfristig frustrieren und demotivieren. Für Herr gilt - Kritik in der Sache ist notwendig, wenn etwas schief läuft, aber sie braucht den Resonanzraum der Wertschätzung der Person. In der deutschen Feedbackkultur stehe Loben nicht unbedingt an erster Stelle. Hierzulande sei der Optimierungsgedanke sehr stark. Das von ihr gegründete Unternehmen Loopline bietet Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Entwicklung einer Feedbackkultur unterstützen. Das System erlaubt es, innerhalb des Unternehmens auf breiter Basis Feedbacks einzuholen, um so ein differenziertes Bild der Mitarbeiter und ihrer Leistungen zu gewinnen. Für die Mitarbeitenden gibt es außerdem eine Art Stimmungsbarometer-Tool, in dem sie anonym auf Fragen zur Unternehmenskultur antworten können. So entsteht ein größerer Resonanzraum, der weit mehr Aspekte in die Wahrnehmung bringt als ein simples Gespräch zwischen Chef und Mitarbeiter.
"Gutes Feedback ist eine Frage von Führung", zeit.de 20.6.19

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Vertrauen oder Stechuhr? 
Mittwoch, 26. Juni 2019 - Arbeit, Management
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Pflicht der Arbeitszeiterfassung hat viele Unternehmen kalt erwischt. In einer Zeit, in der immer mehr Firmen zur Vertrauensarbeitszeit übergehen, wirkt es vielleicht wie eine kalte Dusche. Klar ist aber auch - gerade in stark leistungsgetriebenen Unternehmenskulturen kann die Selbstkontrolle der Arbeitnehmer leicht nach hinten losgehen. Der Outdoor-Ausrüster Vaude beispielsweise hatte einige Klippen zu überwinden, bis die Vertrauensarbeitszeit im Unternehmen wirklich funktionierte. Denn es gab durchaus Mitarbeiter, die zu viel arbeiteten und um ihrer Gesundheit willen ein bisschen gebremst werden mussten. Im Telko-Unternehmen Sipgate hingegen gibt es seit Jahren wieder eine Stechuhr. Die Geschäftsführung empfindet sie als Erleichterung, um sicherzustellen, dass Mitarbeiter auch wirklich Feierabend machen und sich nicht ständig unter Druck fühlen. Die Bielefelder Digitalagentur Rheingans hat sich längst vom typischen Acht-Stunden-Tag verabschiedet - weil in Wissensberufen acht Stunden kontinuierliche Leistung ohnehin ein Mythos seien. Hier wird nur fünf Stunden pro Tag gearbeitet, was allerdings manche Mitarbeiter durchaus auch unter Druck setzt. Die Beispiele zeigen - es kommt nicht nur auf die formale Stundenzahl an, die gearbeitet wird, sondern auch auf den Gesamtkontext. Auch protokollierte Acht-Stunden-Tage können richtig stressen, wenn die Arbeitskultur nicht stimmt. Wer sich mit verdichteter Arbeit in fünf Stunden auspowert, hat zumindest noch den Rest des Tages, sich wieder zu erholen.
Stechuhr? Aber gerne! faz.net 19.6.19

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Zwei Stunden Grün pro Woche tun der Seele gut 
Dienstag, 25. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
In der Natur zu sein, wirkt wie Balsam auf die menschliche Seele und tut der Gesundheit gut. Im Rahmen einer Gesundheitsstudie mit 20.000 Teilnehmenden in England konnten Wissenschaftler nun klassifizieren, wie viel Naturerfahrung dabei das höchste Wohlgefühl auslöst. Es ist egal, ob man immer mal wieder in den Park geht oder am Wochenende einen längeren Ausflug aufs Land macht. In der Datenauswertung zeigt sich, dass Menschen, die jede Woche 120 Minuten in grüner Umgebung verbringen, in der Studie die besten Werte im Hinblick auf Gesundheit und Wohlbefinden aufwiesen. Dabei ist es gleich, ob diese Zeit in kleinen Einheiten oder am Stück draußen verbracht wird. Auch stellten die Forscher fest, dass mehr als diese zwei Stunden diese positiven Werte nicht weiter verbessern. Zwei Stunden, das ist selbst in einem sehr beschäftigten Alltag nicht viel. Es lohnt sich also, zwischendurch immer mal wieder rauszugehen.
Zwei Stunden Natur pro Woche sind optimal, wissenschaft.de 14.6.19

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Laune hängt auch vom Essen ab 
Montag, 24. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Viele Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln werben damit, dass sich mit zugeführten Vitaminen und Nährstoffen auch die Stimmung verbessern lasse. Doch stimmt das wirklich? Die Forschung zeigt: Wer ausreichend Gemüse und Ballaststoffe zu sich nimmt, hat gute Chancen, ausgeglichen zu sein. Insbesondere bei Übergewichtigen, deren Disposition zu Depressionen höher ist, ist dies hilfreich. Eine Studie untersuchte nun, ob Übergewichtige auch von Nahrungsergänzungsmitteln profitieren, die die Vitamine und Spurenelemente enthalten, denen eine depressionsminderne Wirkung nachgesagt wirkt. Bei einer Untersuchung mit mehr als 1.000 Übergewichtigen, geteilt in eine Kontrollgruppe, die Placebos erhielt, und eine Gruppe, die mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln versorgt wurde, zeigte sich indes keine vorbeugende Wirkung. Ernährungs- und Stimmungsberatungen hingegen erwiesen sich als hilfreich. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Wissenschaft versucht, komplexe menschliche Vorgänge auf überschaubare, behandlungsfähige Sachverhalte zu reduzieren. Vielleicht sind es nicht nur die Vitamine, die über den Stoffwechsel unsere Stimmung beeinflussen, sondern auch das Wohlgefühl, das sich einstellt, wenn wir uns mit Dingen ernähren, die Körper und Geist gut tun - und dieses Guttun und Wohlfühlen ist eben weit mehr als nur eine chemische Reaktion.
Gute Ernährung statt Kapseln, psychologie-heute.de 8.5.19

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Die Bewusstseinsindustrie im Visier 
Freitag, 21. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Die Selbstoptimierungserwartungen unserer Kultur werden in letzter Zeit häufiger in den Blick genommen, insbesondere im Kontext des um sich greifenden Achtsamkeits-Trends. "Abschalten, auftanken, durchstarten: Wer zu dieser Wortwahl greift, der signalisiert bereits, worum es geht. Nämlich gerade nicht darum, wirklich innezuhalten und zu sich zu kommen, sondern darum, eine Maschinenwartung durchzuführen", so der Philosoph Philip Kovce in einem Essay für den Deutschlandfunk. Kovce deutet darauf, dass es letztlich in unserer Hand liegt, was wir von all den Achtsamkeits- und Meditationsmethoden erwarten - und welche Schlüsse wir aus dem ziehen, was wir durch sie erfahren. Sind wir auf der Suche nach authentischer Inspiration? Streben wir nach einem besseren Stand im Leben, danach, Herr über die eigene Sinngebung zu sein? Oder wollen wir einfach nur in vorgegebenem Rahmen besser funktionieren? Kovce lädt dazu ein, genauer hinzuschauen: "In Goethes 'Maximen und Reflexionen' heißt es: 'Alles, was unsern Geist befreit, ohne uns die Herrschaft über uns selbst zu geben, ist verderblich.' Dass sich der Geist jedoch weitaus leichter befreien lässt, wenn er, anstatt sich zu beherrschen, sich selbst aufgibt, ist dabei die Crux. Das Erfolgsgeheimnis zahlloser Selbstoptimierungsangebote besteht dementsprechend darin, dass sie ausgerechnet das Selbst außen vor lassen. Sie gaukeln dem erschöpften Selbst vor, sich von seinen Sorgen und Nöten freikaufen zu können, und fesseln dabei gerade das freie, unerschöpfliche Ich, das sich allein am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann."
Mit Achtsamkeit besser funktionieren, Deutschlandfunk 13.6.19

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