Nie mehr arbeiten? 
Mittwoch, 17. Juli 2019 - Lebensart, Studien, Arbeit
Wer wünscht es sich nicht - genügend Geld auf dem Konto, um nicht mehr für den Lebensunterhalt arbeiten zu müssen. Für knapp jede*n hundertsten Deutsche*n ist das Realität, so eine Datenanalyse des Statistischen Bundesamts, denn diese Minderheit lebt von Kapitalerträgen oder Einnahmen aus Vermietungen. Zu glauben, dass die Mehrheit aller Deutschen arbeiten muss, um zu leben, läuft allerdings an der Realität vorbei. Den Zahlen zufolge leben nämlich gerade einmal 47 Prozent der Bevölkerung "von ihrer Hände Arbeit", wie man so schön sagt. Der Rest kann noch nicht arbeiten (Kinder) oder hat bereits genug gearbeitet (Rentner*innen). Öffentliche Sozialleistungen ermöglichen es sieben Prozent, über die Runden zu kommen.
Weniger als die Hälfte lebt in erster Linie von eigener Erwerbstätigkeit, FAZ 11.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wenn jeder feiert, wann er will 
Dienstag, 16. Juli 2019 - Lebensart, Arbeit, Management
Die niederländische Mietplattform HousingAnywhere macht einen ungewöhnlichen Vorstoß. Statt an gesetzlichen Feiertagen alle Mitarbeiter nach Hause zu schicken, hat die Firma die Feiertage nach Kalender abgeschafft und jedem Mitarbeiter künftig eine entsprechende Zahl von Urlaubstagen, die nach freier Wahl genommen werden können, gegeben. "Wir haben festgestellt, dass manche Feiertage für unsere Mitarbeiter gar keine Bedeutung haben. Der Pfingstmontag zum Beispiel, kaum einer hat dazu eine emotionale Beziehung. Wir haben 90 Mitarbeiter aus 28 Nationen, im Schnitt 29 Jahre alt. Was die Konfession angeht, haben wir natürlich keine offiziellen Daten. Ich weiß aber, dass es Anhänger mehrerer christlicher Kirchen gibt, einige Mitarbeiter sind Muslime, andere haben einen buddhistischen Hintergrund, wieder andere sind gar nicht religiös. Es ist also ziemlich divers hier", erklärt Geschäftsführer Djordy Seelmann die Hintergründe der Entscheidung, die von den Mitarbeitern einstimmig gefällt wurde. Es hört sich natürlich gut an, so mehr Flexibilität bei der eigenen Lebensgestaltung zu haben. Aber was bedeutet das längerfristig für unsere Kultur und ihren Zusammenhalt? Feiertage schaffen in einer Zeit, in der alle rund um die Uhr beschäftigt und/oder online sind, zumindest ansatzweise Phasen einer quasi-kollektiven Ruhe, manchmal sogar Stille. Man könnte auch sagen: An solchen Tagen atmet nicht nur das Individuum durch, sondern eine Gesellschaft als Ganzes (wenn man mal davon absieht, dass jede Menge Berufsgruppen ohnehin schon von diesen Zyklen entkoppelt sind). Ich frage mich, ob wir alles individualisieren sollten, was sich individualisieren lässt. Denn unterschwellig bringen solche Veränderungen nicht nur ein bisschen mehr persönliche Freiheit, sie nehmen uns auch Zusammenhalt.
Warum eine niederländische Firma die Feiertage abschafft, SZ 4.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Anstrengung ist nicht alles 
Montag, 15. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Der Begriff Burnout hat in den letzten Jahren eine sagenhafte Karriere hingelegt. Und damit in gewisser Weise eine erschreckende Normalität für Erschöpfungszustände geschaffen. Dabei gerät aus dem Blick, dass wir hier längst mitten in einem kulturellen Problem sitzen, das sich nicht einfach individuell wegbehandeln lässt. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche warnt der Psychiater Andreas Wahl-Kordon davor, wie schmal der Grat ist, wenn man versucht, dem Stress etwas entgegenzusetzen. Meditation oder ein besseres Zeitmanagement werden gerne empfohlen, um den äußeren Druck in den Griff zu bekommen. Aber: "Das hat auch immer einen Aspekt von Selbstoptimierung, den ich sehr kritisch sehe. Das Optimieren des eigenen Zeitmanagements wird in seiner Wirksamkeit sehr überschätzt. Es sollte nicht darum gehen, mehr zu leisten oder mehr Druck auszuhalten. Es geht darum, in der Lage zu sein, zu hinterfragen, ob ich mich selbst gerade ausbeute oder in Gefahr bringe. Viele Menschen glauben, sie können alles erreichen, wenn sie sich nur genug anstrengen. Das mündet in einer permanenten Selbstausbeutung. Wer schon überlastet ist, und glaubt, mehr leisten zu können, indem er seinen Tag effizienter einteilt, fährt vor die Wand." Wahl-Kordon spricht das kulturelle und gesellschaftliche Umfeld, das neben den Belastungen bei der Arbeit viele Unsicherheiten erzeugt, sehr deutlich an: "Mehr und mehr Menschen bis weit in die Mittelschicht hinein erleben zunehmende Unsicherheit. Der Druck ist heute weitaus höher als noch vor 30 Jahren. Viele gut ausgebildete Menschen können sich heute noch so sehr anstrengen, sie werden kein Geld für ein Eigenheim haben und leben in der ständigen Angst, ihren Job zu verlieren. Diese Verunsicherung führt zu Dauerstress, der sich physiologisch und psychologisch auswirkt – und auch die Resilienz am Arbeitsplatz unterminiert." Einen Fachbegriff für das individuelle Zusammenklappen unter diesen Vorzeichen zu haben, ist eine Sache. Therapie eine andere. Doch beides sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir die Lebensbedingungen insgesamt, die wir durch unser Verhalten schaffen, stärker hinterfragen sollten.
„Der Druck ist heute viel höher als vor 30 Jahren“, WiWo 2.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
England bringt Achtsamkeit in die Schulen 
Freitag, 12. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Zahlen sind alarmierend - laut National Health Survey zeigt jedes achte in England zur Schule gehende Kind im Alter von 5 bis 19 Jahren bereits mindestens eine psychische Störung. Die Regierung versucht nun gegenzusteuern. Der ambitionierte Plan: Bis 2021 soll an 370 Schulen das Thema psychische Gesundheit stärker verankert werden. Die Idee ist, Kinder systematisch mit Fragen des Wohlbefindens und Glücks in Kontakt zu bringen. Methodisch sollen Muskelentspannungstechniken, Atemübungen und Achtsamkeitsmethoden vermittelt werden. So können die Kids über zwei Jahre lernen, wie sie Selbstfürsorge praktizieren können. Auch in Deutschland gibt es bereits ein ähnliches Modellprojekt. In Solingen werden an 21 Grundschulen Achtsamkeitstechniken gelehrt. Im kommenden Jahr soll dieses Projekt ausgewertet sein.
Psychische Gesundheit: Englands Schulen lehren Achtsamkeit, goodimpact 29.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Harte Jobs kosten deutlich Lebenserwartung 
Donnerstag, 11. Juli 2019 - Studien, Arbeit
Unser Vorsorgesystem ächzt bereits aufgrund der Tatsache, dass wir immer älter werden. Doch nicht alle Menschen können sich über eine höhere Lebenserwartung freuen. Eine repräsentative Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen zeigt eindrücklich, wie stark die Schwere der beruflichen Beschäftigung auf die Lebenserwartung wirkt. Heute 65-jährige Männer, die in kräftezehrenden Berufen gearbeitet haben, werden heute im Schnitt nur 75 Jahre alt, während Altersgenossen mit weniger belastenden Tätigkeiten fünf Jahre länger leben dürften. Als belastend gelten laut Studie körperlich sehr beanspruchende Tätigkeiten ebenso wie Berufe mit besonderen emotionalen Belastungen und hohem Stress. Bei Frauen sind die Auswirkungen nicht ganz so groß. Die stärker Beanspruchten haben nach Renteneintritt statistisch betrachtet noch 15 Lebensjahre vor sich, die weniger Beanspruchten 19 Jahre. Dieser Unterschied dürfte vor allem daran liegen, dass Frauen im statistischen Mittel gesünder leben und sich mehr um ihre Gesundheit kümmern.
Hohe Belastungen im Job verringern die Lebenserwartung, zeit.de 3.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wissen um die eigenen Gefühl hält gesund 
Mittwoch, 10. Juli 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wer seine Gefühle versteht und richtig zu deuten weiß, hat bessere Chancen, Depressionen zu vermeiden. Das legt eine amerikanische Studie nahe, für die 200 Jugendliche im Abstand von eineinhalb Jahren zwei Mal befragt wurden. Die Kids sollten eine Woche lang vier Mal pro Tag ihre Gemütslage protokollieren. Untersucht wurden die Daten daraufhin, inwieweit die Jugendlichen in der Lage waren, ihre emotionale Verfassung zu erkennen und einzuordnen. Bei der Nachuntersuchung mit zweiter Erhebung zeigte sich: Kinder, die es schwierig fanden, ihre negativen Gefühle zu differenzieren und ihre Ursachen zu erkennen, neigten eineinhalb Jahre später stärker zu depressiven Beschwerden als jene, die ihr Innenleben besser verstanden. Die Forscher gehen davon aus, dass ein Verständnis für das eigene Gefühlsleben es Menschen erleichtert, das, was sie bedrückt, zu verändern, während jene, denen das nicht gelingt, eher im diffusen Unbehagen gefangen bleiben.
Blind für die eigenen Gefühle? spektrum.de 3.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditations-Apps werden zu Investment-Lieblingen 
Dienstag, 9. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Management
Meditieren ist eine der wunderbarsten Beschäftigungen, die man sich vorstellen kann - und es ist kostenlos. Und doch hat sich das Geschäft mit der Achtsamkeit in den letzten Jahren zu einem Multi-Millionen-Dollar-Markt entwickelt. Vor allem die Meditations-Apps wecken hier Begehrlichkeiten und locken die Investoren. Die App Calm verfügt inzwischen über Investorengelder in Höhe von 143 Millionen Dollar. Im letzten Jahr vervierfachte Calm seine Einnahmen von 20 auf 80 Millionen Dollar. Headspace, eine ebenfalls sehr bekannte Meditations-App hat über die Jahre immerhin 75 Millionen Dollar an Investorengeldern eingesammelt. Einerseits ist es ja schön zu sehen, dass Meditation und Achtsamkeit heute nicht mehr in die Esoterik-Ecke gestellt werden. Doch die Kommerzialisierung des Meditierens kreiert natürlich auch Kontexte, die mit dem spirituellen Unterbau von Achtsamkeit alles andere als kompatibel sind. Das App-Geschäft gehört zu den härtesten überhaupt und was sich gut verkauft, ist noch lange nicht das, was wirklich Sinn stiftet.
Meditation App Calm Adds $27M Extension To Series B, Crunchbase 1.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Um den Gemeinsinn der Kids könnte es besser stehen 
Montag, 8. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wächst in Deutschland eine Generation heran, der es an Gemeinsinn fehlt? Eine Studie der Bepanthen-Kinderförderung mit 1.000 Kindern und Jugendlichen aus Berlin, Leipzig und Köln, die bevölkerungsrepräsentativ für Großstädte ist, zeigt zumindest, dass es mit dem Gemeinschaftsgefühl beim Nachwuchs nicht zum Besten steht. Jedem dritten Jugendlichen und mehr als jedem fünften Kind bescheinigt die Studie jedenfalls einen Mangel an Gemeinsinn. Auffällig sind dabei die Geschlechterunterschiede. Bei männlichen Jugendlichen sind es 44 Prozent, denen die soziale Dimension eher fremd ist, während bei den weiblichen Jugendlichen nur 21 Prozent einen gering ausgeprägten Gemeinsinn haben. Diese Tendenz zeigt sich auf, wenn es um die Fähigkeit des Mitfühlens geht. Zwei Drittel der weiblichen Jugendlichen bringen die Fähigkeit zu starkem Mitgefühl mit, aber nur ein Viertel der Jungen. Die Wissenschaftler sehen durchaus Grund zur Sorge, weil hier der Keim für eine wachsende Entsolidarisierung gelegt werden könnte.
Generation Rücksichtslos? Deutschlandfunk Kultur 25.6.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter