Erfolgsfaktor Verantwortung 
Dienstag, 8. August 2006 - Bücher
Corporate Social Responsibility ist in aller Munde, doch nur allzu oft fragt man sich, welche Konzepte und Strategien eigentlich "wirklich" hinter diesem Begriff stecken, der in letzter Zeit für fast alles herhalten muss, was auch nur ansatzweise mit sozialen Aktivitäten von Unternehmen zu tun hat. Das kürzlich im Springer-Verlag erschienene Buch "Erfolgsfaktor Verantwortung" versucht, Antworten zu geben und lotet aus, wie Firmen eine wohlverstandene CSR in ihre Unternehmensstrategie integrieren können. Basierend auf der "Good Company"-Studie, die Kirchhoff Consult im Winter 2004/05 zusammen mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte durchführte, bündelt das Buch Beispiele erfolgreicher Firmen, denen es bereits gelungen ist, im Geflecht von Kapital, Umwelt, Ressourcen, Menschen und Gesellschaft Ansätze umzusetzen, die die Interessen von Shareholdern und Stakeholdern in Einklang bringen. Da die Autoren aus der Wirtschaftsprüfung kommen, ist es nicht verwunderlich, dass sie CSR vor allem unter dem Blickwinkel der Wertschöpfung betrachten. So fordern sie, dass soziale Aktivitäten von Unternehmen nicht Selbstzweck sein sollten, sondern die Maßnahmen auch zur Wertsteigerung des Unternehmens beitragen müssen. Die Forderung, CSR auf allen Ebenen der Unternehmensstrategie einzubetten, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Allerdings fällt bei den Beispielen immer wieder auf, dass gerade solche Aktivitäten (beispielsweise das kulturelle Engagement der Deutschen Bank) unter CSR subsumiert werden, obwohl sie gerade nicht in das Tagesgeschäft integriert sind. Dies ist nicht unbedingt eine Schwäche des Buches, sondern eher der gegenwärtigen Realität. Denn immer mehr Unternehmen bringen zwar ihre Kernkompetenzen im sozialen Bereich ein, doch die Rückkopplung und direkten Bezüge zum operativen Geschäft fehlen meistens noch. Das Buch liefert eine ausgewogene Betrachtung und Einordnung gegenwärtiger CSR-Aktivitäten und gibt Führungskräften viele Hilfestellungen, wie sie das Thema im eigenen Unternehmen angehen können. Für die Frage, wie Firmen ihre gesamten Geschäftsprozesse und Strategien im Hinblick auf CSR überarbeiten können, liefert es jedoch nur am Rande einige Anhaltspunkte. In diesem Sinne ist das Buch eher eine Dokumentation des Status quo als eine vorausschauende Handreichung, die die gegenwärtige CSR-Praxis über den bisherigen Stand der Dinge weiterentwickeln könnte.
"Erfolgsfaktor Verantwortung", Springer-Verlag

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Helmut Maucher: Die Wirtschaft braucht "anständige Kerle" 
Montag, 7. August 2006 - Management
Der langjährige Chef des Nestlé-Konzerns Helmut Maucher kritisiert in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung das in Vorstandsetagen immer mehr um sich greifende Quartalsdenken und den Opportunismus heutiger Manager. Sein Rat an alle Führungskräfte, die sich im Zuge des globalen Wettbewerbs zu Rationalisierungen gezwungen sehen: Umstrukturierungen über längere Perioden strecken, damit die Mitarbeiter motiviert und die Kunden treu bleiben. Eine längerfristige Perspektive schmälere zwar den kurzfristigen Gewinn, verhindere aber zugleich deutliche Imageschäden. Der Faktor Menschlichkeit kommt laut Maucher heute in vielen Unternehmen zu kurz: "Wir müssen bei der Auswahl unserer Führungseliten nicht nur darauf achten, ob sie in Mathematik eine Eins haben. Viel wichtiger ist, ob es anständige Kerle sind."
"Unsere Generation ist länger standhaft geblieben", FAS 6.8.2006

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Verbesserte Kommunikation kann Krankenstand senken 
Freitag, 4. August 2006 - Success Stories
Das communication college, Anbieter von PR-Weiterbildungen, beleuchtet in einer Pressemitteilung, dass sich in Unternehmen in Folge einer verbesserten Kommunikation krankheitsbedingte Fehlzeiten reduzieren lassen. Im Beispielfall konnte ein mittelständisches Unternehmen durch die Einführung regelmäßiger Abteilungsmeetings, die Einbeziehung der untersten Führungsebene in den Umlauf formaler Informationen (Pressespiegel, Führungskräfteverteiler), die Einrichtung von Beschwerdebriefkästen sowie durch ein System zur Vorgesetztenbeurteilung den Krankenstand in neun Monaten um zwölf Prozent senken. Zwar lässt sich ein direkter Zusammenhang zwischen der verbesserten Gesundheitsrate und den Kommunikationsmaßnahmen wissenschaftlich nicht nachweisen. Die Tatsache, dass viele kranke Mitarbeiter als Gründe für ihre Fehlzeiten eine konfliktbelastete Kommunikation unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern nannten, legt jedoch nahe, dass die genannten Kommunikationsmaßnahmen zu einer Besserung des Arbeitsklimas beigetragen haben.
Pressemitteilung des communication college

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Jahrestagung des Öko-Instituts: Wettbewerb für Nachhaltigkeit 
Donnerstag, 3. August 2006 - Veranstaltungen
Das Öko-Institut lädt am 22. und 23. September 2006 zu einer Jahrestagung nach Berlin ein. Das Oberthema lautet: Wettbewerb für Nachhaltigkeit. Vor dem Hintergrund der Strategie der Europäischen Union für eine nachhaltige Entwicklung und der Lissabon-Strategie zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, stellt sich die Frage, wie sich die unterschiedlichen Zielsetzungen zueinander verhalten. So fragt das Öko-Institut: Sind hohe Sozial- und Umweltstandards tatsächlich eine Gefahr für den Standort Deutschland und die wirtschaftliche Entwicklung in Europa? Oder sind nicht Nachhaltigkeit, Innovation und Wettbewerb vielmehr verschiedene Seiten ein und derselben Medaille? Auf der Tagung werden verschiedene Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft Themen wie "Emissionshandel, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit", "Nachhaltiger Konsum im Wettbewerb" und "Corporate Social Responsibility: Motor für Innovation und Wettbewerb" diskutieren.
Programm zur Jahrestagung des Öko-Instituts

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CSR: Medienkonzerne noch relativ planlos 
Mittwoch, 2. August 2006 - Studien
Die führenden deutschen Medienhäuser haben zwar die gesellschaftliche und unternehmerische Relevanz von Corporate Social Responsibility bereits erkannt, schöpfen das damit verbundene strategische Potential aber bei weitem noch nicht aus - so das Ergebnis eines Forschungsprojekts der Universität Hohenheim. Die Medienunternehmen zeigen sich bereits sehr engagiert und fassen die unterschiedlichsten Maßnahmen unter dem CSR-Begriff zusammen, beispielsweise setzt die Axel Springer AG vor allem auf Nachhaltigkeit, während bei Bertelsmann die unternehmerische Verantwortung im Mittelpunkt steht. Insgesamt treten die Verlage durch einen bunten Mix von Projekten und Maßnahmen auf, darunter Aktionen wie "Ein Herz für Kinder", "Mut gegen rechte Gewalt" oder der Henri-Nannen-Preis. Die Aktivitäten bei Bertelsmann haben eine Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, und mit einem verbindlichen Werte- und Zielsystem des Unternehmens korrelieren. Bei Burda sieht man CSR eher als strategisches Investment, das aktiv zum Unternehmenswert und zur Wertschöpfungskette des Unternehmens beiträgt. Ein Defizit zeigt sich jedoch laut Studie in allen Medienkonzernen: "Die CSR-Maßnahmen sind oft unkoordiniert, losgelöst vom Unternehmenszweck und werden nicht zentral gesteuert."
Universität Hohenheim, Institut für Kommunikationswissenschaften

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Innovationsmanagement: In vielen Unternehmen Fehlanzeige 
Dienstag, 1. August 2006 - Wissenschaft
In einer aktuellen Studie der European Business School (ebs) in Oestrich-Winkel gaben 80 Prozent der befragten Unternehmen an, kein Innovationsmanagement zu betreiben. Die Business School will mit dem Best Paper Award Innovation Management dieses wichtige Thema vorantreiben und Firmen dazu animieren, Wettbewerbs- und Ertragsvorteile nicht zu verschenken. Mitte Juli wurden die Forschungsprojekte von sechs Wissenschaftlern zum Thema Innovationsmanagement ausgezeichnet. Die Arbeiten beleuchten die Möglichkeit, Ideenwettbewerb als Methode zur aktiven Kundenintegration zu nutzen und evaluieren strategische und operative Aktivitäten als kritische Erfolgsfaktoren.
Best-Paper-Award Innovation Management
Bericht der FTD vom 29.7.06 zu den Arbeiten des Awards

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Mario Erdheim: "Macht macht bitter und krank" 
Montag, 31. Juli 2006 - Management
Über die Verletzlichkeit der Mächtigen spricht der Ethnopsychoanalytiker Mario Erdheim in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Erdheim legt in dem Gespräch dar, warum Macht viele Politiker und Führungskräfte bitter und krank macht. Die "Realität einer paranoiden Welt", wie Erdheim sie skizziert, ist geprügt von einer Unfähigkeit zu lieben, Einsamkeit und permanenter Selbstverteidigung. Der Psychoanalytiker kritisiert, dass Menschen in Machtpositionen sich meist mit Günstlingen umgeben, um ihre eigene Position abzusichern. Am Beispiel von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bereits zu ihrem Amtsantritt anmerkte, dass die ihr entgegengebrachte Bewunderung nicht ewig halten werde, beschreibt Erdheim den typischen Prozess der "gesellschaftlichen Produktion von Unbewusstheit": "Das ist eine Immunisierung der Kritik. Und ein Indiz, wie die Mächtigen die Realität nicht mehr adäquat zur Kenntnis nehmen. Ständig müssen Argumente gesucht werden, warum das, was versprochen wurde, nicht eintrifft." Der Psychoanalytiker ist weit davon entfernt, die von ihm skizzierten Prinzipien zu verteufeln, rät jedoch allen Mächtigen, sich der eigenen Verletzbarkeit bewusst zu werden.
"Macht macht bitter und krank", FAS 30.7.06

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Authentische Manager müssen sich selbst begreifen 
Freitag, 28. Juli 2006 - Management
Was macht eine gute Führungskraft aus? Götz Werner, Gründer der Drogeriekette DM, sagt dazu in einem Interview auf "In Führung gehen": "Eine gute Führungskraft ist jemand, der anderen zu Erfolg verhilft. Jemand, der Menschen dazu anleitet, ihre eigene Lebensbiographie zu gestalten." Doch wie wird ein Manager zum Enabler? Für Götz Werner steht außer Frage, dass nur Selbsterkenntnis die Basis bilden kann: "Vor allem braucht eine Führungskraft Selbstbewusstsein im wörtlichen Sinne. Sie muss ihr Menschsein zunächst einmal selbst er- und begreifen, um dann mit anderen wirken und auf andere einwirken zu können. Um authentisch zu sein, muss man sich immer im ersten Schritt seiner selbst bewusst werden."
Der Online-Dienst "In Führung gehen" ist ein Angebot der "Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft" in Bad Harzburg und veröffentlicht regelmäßig Interviews zu aktuellen Management-Themen.
Interview mit Götz Werner

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