Das Missverständnis mit der Ethik 
Montag, 31. August 2009 - Management
Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V., legt in einem Beitrag für das Magazin ManagerSeminare den Finger in eine Wunde ethischer Missverständnisse. Es wird gegenwärtig viel diskutiert über Aufrichtigkeit und Ethik, über Angemessenheit und Werte. Doch warum scheinen sich viele dieser Diskussionen und ethisch wohlgemeinten Anregungen eher im Kreise zu drehen als einen Wandel in der Wirtschaft zu beflügeln? Für Posé liegt der Grund in einem grundlegenden Missverständnis. Für Aristoteles verlaufe die Grenze zwischen Redlichkeit und Unredlichkeit entlang einer vorurteilsfreien Betrachtung. "Redlich ist für ihn derjenige, der weiß, worüber er spricht. Der redliche Mensch spricht von den Dingen selbst, nicht von den Gefühlen, die er hat, wenn er an sie denkt", so Posé. Und genau hier beginnt der Irrweg, denn häufig werde eine Art Gefühlsethik propagiert, die sich nicht an den Tatsachen messe. Ein Missverständnis: "Ethisch gut ist, wenn Menschen sich bei dem, was sie tun, gut fühlen. Nur wenige fragen sich, ob es auch wirklich gut ist. Dieser emotionale Brei führt zu Unredlichkeit im Sprechen und Handeln", meint Posé. Gutes Gewissen, gepaart mit Inkompetenz könne jedoch kaum eine Ethik beflügeln. Der Präsident des Ethikverbandes fordert deshalb eine neue "semantische Redlichkeit", die sich den Dingen, wie sie sind, wieder zuwendet, anstatt auf der Gefühlsebene zu verharren. Dann erscheint vieles in einem neuen Licht. Beispiel: Das Leistungsprinzip, das viele Führungskräfte verfechten und das vorsieht, Mitarbeiter nach der erbrachten Leistung zu honorieren. Dem hält Posé entgegen: "Das kapitalistische Entlohnungsprinzip ist jedoch das von Marktwert und Nutzwert. Der vom Unternehmer erwartete Nutzen entscheidet über den Wert der Arbeit, nicht die Leistung. Somit ist die emotionale Forderung nach dem Leistungsprinzip semantisch völlig unsinnig." Vielleicht führt der Weg zum Sinn ja über das rechte Denken zum rechten Handeln ...
Ethisches Missverständnis: Redlich ist, wer sagt, was er meint, ManagerSeminare September 2009

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Es ist Krise und nur wenige spüren die Auswirkungen 
Freitag, 28. August 2009 - Studien
Nur 26 Prozent der deutschen Bevölkerung sehen den kommenden Monaten mit Befürchtungen entgegen - so das Ergebnis einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach. Genau so viele Deutsche gehen davon aus, dass die Wirtschaft das Schlimmste bereits überstanden hat. Allerdings erwartet knapp die Hälfte der Befragten, dass uns das Schlimmste noch bevorstehe, beispielsweise in steigenden Arbeitslosenzahlen. Gut jeder vierte Arbeitnehmer bangt inzwischen um seinen Arbeitsplatz - in den unteren Einkommensschichten sind es sogar 41 Prozent der Beschäftigten. Der verhaltene Optimismus der Bürgerinnen und Bürger liegt auch daran, dass sich erst sechs Prozent aller Deutschen bisher stark von der Krise betroffen sehen und 29 Prozent begrenzt. Ein Viertel kann keine Auswirkungen auf die persönliche Lage feststellen, befürchtet jedoch, dass sich dies in den kommenden Monaten ändern könnte. 38 Prozent der Befragten glauben hingegen nicht, dass die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise sie betreffen werden und fühlen sich auch aktuell auf der sicheren Seite. Dies trifft vor allem für die Altersgruppe unter 30 Jahre und über 60 Jahren zu und auf Bevölkerungskreise mit überdurchschnittlichem Einkommen. Unter dem Strich sind die ersten Krisenverlierer also die prekär Beschäftigten.
Fatalistische Gelassenheit, FAZ 19.8.2009

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Allzeit bereit und immer verfügbar 
Donnerstag, 27. August 2009 - Studien
Jeder dritte Arbeitnehmer ist rund um die Uhr für berufliche Belange erreichbar, so das Ergebnis einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter 1.000 Personen ab 14 Jahren in Privathaushalten. Satte 36 Prozent gaben an, nach Büroschluss jederzeit ansprechbar zu sein. Ein Drittel der Befragten ist unter der Woche am Abend erreichbar, vier Prozent sind es auch am Wochenende. Der Grad der Erreichbarkeit variiert nach Alter und Geschlecht. So sind 77 Prozent der Männer außerhalb der normalen Arbeitszeiten per Handy oder E-Mail erreichbar, bei den Frauen 68 Prozent. Die Erreichbarkeit steigt mit dem Alter der Befragten - wohl auch, weil dann die Aufgaben wachsen. So sind von den Arbeitnehmern bis 29 Jahre "nur" 53 Prozent in der Freizeit erreichbar, bei den 30- bis 49-Jährigen hingegen 83 Prozent. Feierabend war gestern ...
Pressemitteilung Bitkom

[ 1 Kommentar ]     Permalink
Fairer Handel als Erfolgsmodell 
Mittwoch, 26. August 2009 - Studien
Der faire Handel trotzt der Wirtschaftskrise. Laut einer Verbraucherstudie des bundesweiten Netzwerks Forum Fairer Handel ist der Absatz von fair gehandelten Waren in Deutschland in vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen. Ob Kaffee, Bananen oder Kleidung - immer mehr Bundesbürger greifen zu Produkten, die unter gesellschaftsverträglichen Bedingungen hergestellt wurden. Die Verbraucher schätzen diesen Konsum-Aktivismus anscheinend mehr als eine paternalistische Spenden-Mentalität. "Auf die Frage, wie man sich in Deutschland am besten gegen Armut in Entwicklungsländern engagieren könne, landete der Kauf von fair gehandelten Produkten mit 39 Prozent auf dem ersten Platz, vor Spenden oder Formen des freiwilligen Engagements von Unternehmen", schreibt die taz.
Fair Gehandeltes hoch im Kurs, taz 11.8.2009

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Autopilot im Hirn blockiert Innovationen 
Dienstag, 25. August 2009 - Management
Unser Gehirn ist unser größter Feind auf dem Weg zur Realisierung von Innovationen. Pro Tag müssen wir rund 20.000 Entscheidungen treffen - von banalen bis hin zu gravierenden. Um mit dieser Flut von Denkprozessen zu Rande zu kommen, schaltet das Gehirn in vielen Fällen auf Autopilot. So werden 95 Prozent dieser Entscheidungen vom Gehirn gewissermaßen autark gefällt und erreichen nicht einmal die Bewusstseinsschwelle - wir reagieren aufgrund früherer Erfahrungen und aus Gewohnheit. Eine Studie zeigt: Wer sich auf Routinen verlässt und typischen Büroritualen huldigt (beispielsweise der täglichen Benutzung der privaten Kaffeetasse oder der Wahl der Lieblingskrawatte für wichtige Meetings) leistet mehr, arbeitet effektiver und ist weniger anfällig für Stress. Die Kehrseite der Medaille: Aufgrund dieser Automatismen sind wir nicht nur sehr veränderungsresistent, sondern blockieren auch Innovationen. Studien zeigen, dass rund 60 Prozent aller Change-Projekte scheitern, wobei zu zwei Dritteln eine Veränderung der Einstellungen und Denkweisen die Hürde darstellt. Die Moral von der Geschichte: Wandel ist harte Arbeit am Bewusstsein. Schon kleinste Veränderungen - etwa eine veränderte Haltung der Hände beim Beten - brauchen etwa zwei Wochen, bis das Gehirn nicht mehr dagegen revoltiert.
Gewohnheiten verhindern Innovationen, WiWo 10.8.2009

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mitarbeiter-Dressur für mehr Effizienz 
Montag, 24. August 2009 - Management
Mehr Effizienz und höhere Produktivität sind gerade in Krisenzeiten für viele Unternehmen unverzichtbar. Ein Beitrag in der Financial Times Deutschland zeigt jedoch auch die Kehrseite übertriebener Optimierungsszenarien. Am Beispiel von Starbucks, das die Arbeitsabläufe in seinen Filialen verbessern will, illustriert der Artikel, dass viele Mitarbeiter solche Dressurprogramme, die alle notwendigen Handgriffe bis in die kleinsten Details straffen sollen, nur wenig goutieren, weil sie sich zu Maschinen degradiert fühlen. Man mag einwenden, dass Tätigkeiten mit ohnehin einfachen Arbeitsabläufen den Mitarbeitern ohnehin wenig Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Doch gerät dabei nur allzu leicht außer Acht, dass Schnelligkeit allein nicht der einzige Erfolgsfaktor im Wettbewerb ist. Die Drive-Through-Kundschaft bei Starbucks muss nun statt 25 Sekunden nur noch 23 Sekunden auf ihren Kaffee warten. Ob das freundliche Lächeln und ein Gruß des Personals da noch einkalkuliert sind?
Starbucks coffee too slow, FTD 10.8.2009

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Manager sind oft pragmatische Systemerhalter 
Freitag, 21. August 2009 - Management
In einem Beitrag des Harvard Business Managers nimmt der PR-Guru Paul J. Kohtes die Sinn- und Wertebezüge der Top-Manager unter die Lupe. Gemeinsam mit der Universität St. Gallen hatte die von ihm gegründete Wissenschaftsstiftung Identity Foundation 200 deutsche und Schweizer Führungskräfte zu ihren Handlungsmotivationen und Visionen im Business befragt. Die Ergebnisse der Studie sind zum Teil recht ernüchternd, denn ein Großteil der Befragten arrangiert sich mit einem "business as usual" und bezieht Sinn vor allem aus der eigenen Leistung und deren Anerkennung. "Eine Selbstverwirklichung, die neben der beruflichen Aufgabe auch das persönliche Menschsein zum Thema macht, blenden sie als für den Job nicht relevant aus. Die Mehrheit der Befragten glaubt, dass sie ihr Selbst am besten entfalten können, indem sie ihre beruflichen Ziele erreichen. 96 Prozent haben den Anspruch an sich, eine Sache voranzutreiben und damit erfolgreich zu sein. Nur 37 Prozent messen der Forderung, einen Beitrag für die Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten, höchste Priorität bei", so Kohtes. Kreativität oder gar der Hang, das System als solches in Frage zu stellen, kommen aufgrund der sehr pragmatischen Orientierung der Führungseliten dabei eher zu kurz. "Weniger positiv steht es freilich um eine andere Fähigkeit, die für die Bewältigung der aktuellen Herausforderungen mindestens genauso wichtig ist: Kreativität. Die Ergebnisse zeigen eine vor allem operativ orientierte Managementelite. Sie kennt ihr Geschäft, erfüllt diszipliniert und pflichtbewusst ihre Aufgaben und ahnt mehr und mehr, dass sie nicht nur den Shareholdern zu dienen hat, sondern das Umfeld der Unternehmenswelt im Ganzen ins Visier nehmen muss, um den Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden. Was diesen Führungskräften fehlt, liegt auf der Hand. Es ist die Lust an neuen Ideen, der Wille, den eigenen unbeirrbaren Impulsen zu folgen, der Mut, einmal formulierte Spielregeln zu hinterfragen, oder - wie der Ökonom Joseph Schumpeter es ausgedrückt hat - das scheinbar Bewährte 'schöpferisch zu zerstören'. Hier zeigt sich die Kehrseite der in der Studie zutage tretenden pragmatisch-funktionalistischen Orientierung", beschreibt Kohtes den Status quo in den Führungsetagen.
Das Selbstbild moderner Manager, Harvard Business Manager 30.7.2009

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Vertrauen als "harter" Erfolgsfaktor 
Donnerstag, 20. August 2009 - Management
Zwischenmenschliche Faktoren werden im Arbeitsleben nur allzu gerne als weiche Faktoren mit untergeordneter Bedeutung belächelt, doch der Managementexperte Stephen M.R. Covey zeigt mit seinem gerade auf Deutsch erschienenen Buch "Schnelligkeit durch Vertrauen", dass Glaubwürdigkeit im Business eine ernstzunehmende Währung darstellt. Das Weiterbildungsmagazin ManagerSeminare widmet deshalb in der August-Ausgabe dem Faktor Vertrauen das Titelthema. Eine Studie der Beratungsgesellschaft Watson Wyatt zeigte bereits 2002, dass die Rendite, die Unternehmen mit ausgeprägter Vertrauenskultur erwirtschaften, drei Mal so hoch ausfällt wie in Firmen, die wenig Vertrauen genießen. Der Sarbanes-Oxley-Act, der nach den großen Bilanzierungsskandalen der Jahrtausendwende wieder mehr Transparenz herstellen soll, kostet amerikanische Aktiengesellschaften jährlich 35 Milliarden Dollar und verdeutlicht, wie gesunkenes Vertrauen Prozesse erheblich verlangsamt und teurer macht. Dem hält Covey 13 Regeln des Vertrauens entgegen: Ehrlich sein, Respekt zeigen, Transparenz schaffen, Fehler wiedergutmachen, loyal sein, Ergebnisse liefern, sich verbessern, sich der Realität stellen, Erwartungen klären, Verantwortung übernehmen, erst zuhören, Versprechen halten, anderen Vertrauen schenken. Klingt unspektakulär und eher nach gesundem Menschenverstand als nach "großer Managementlehre" - aber anscheinend haben viele Firmen genau hier noch immensen Nachholbedarf.
Wie Manager wieder glaubwürdig werden, ManagerSeminare August 2009

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter