Erschöpfung kann lange anhalten 
Montag, 31. August 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Seit Burnout ein gesellschaftliches Thema geworden ist, gibt es viele Therapieansätze, die versuchen, Betroffenen zu helfen. Die Wissenschaft zeigt allerdings inzwischen auch, dass die Genesung von solchen tiefgehenden Erschöpfungsphasen im Leben nicht ganz so einfach ist, wie gedacht. Eine schwedische Studie etwa begleitete 217 Menschen, die einer Klinik eine entsprechende Therapie absolviert hatten, über sieben Jahre, um die Entwicklung ihres Gesundheitszustandes zu dokumentieren. Dabei zeigte sich, dass sich nur 16 Prozent der Betroffenen nach diesen sieben Jahren als wirklich genesen betrachteten. 80 Prozent fühlten sich zwar besser als vor der Therapie, litten aber weiterhin unter belastenden Symptomen wie einer geringen Stresstoleranz (73 Prozent), extremer Müdigkeit (46 Prozent) oder Gedächtnisproblemen (43 Prozent). Vier Prozent der Betroffenen meinten sogar, dass es ihnen gleich schlecht oder sogar schlechter wie vor der Therapie ginge. Die Wissenschaftler führen diese ernüchternde Situation darauf zurück, dass Burnout-Symptome einerseits sehr hartnäckig sein könnten und andererseits sich oftmals die belastenden äußeren Umstände im Leben der Menschen nicht veränderten.
Burnout glimmt lange nach, spektrum.de 20.8.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mehrheit kann sich 4-Tage-Woche in der Krise vorstellen 
Freitag, 28. August 2020 - Lebensart, Studien, Arbeit
Die Corona-Krise eröffnet stetig neue Felder für ein Umdenken, wie wir unser Leben und Arbeiten organisieren. Der Vorschlag der IG Metall, in der Krise die Arbeitszeit auf eine 4-Tage-Woche zu verkürzen, um Stellenabbau zu vermeiden, stößt einer repräsentativen Umfrage von YouGov zufolge auf breite Resonanz in der Bevölkerung. 61 Prozent können diesem Gedanken etwas abgewinnen (21 Prozent voll und ganz, 40 Prozent eher). Unter Frauen ist die Zustimmung etwas höher als unter Männern. Politisch findet die Idee die meiste Akzeptanz bei Anhängern der Grünen und der SPD. In den letzten Jahren zeigen Studien immer wieder, dass es eine nennenswerte Zahl von Menschen gibt, die gerne ihre Arbeitszeit verkürzen würden. Viele tun es nicht, weil sie Einbrüche ihrer Karrieren befürchten - und viele andere, weil sie es sich schlicht nicht leisten können, auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten. Wer weiß, wie sich unsere Arbeitswelt und unsere Präferenzen, zwischen mehr Geld oder freier Zeit zu entscheiden, über die Zeit verändern, wenn es immer mehr verschiedene Modelle gibt, die auch den Weg mitten in die Gesellschaft finden? Vorschläge wie die 4-Tage-Woche sind wie ein Anstoß, einfach mutiger zu werden und Neues auszuprobieren.
Mehrheit der Deutschen für Viertagewoche in Corona-Krise, zeit.de 19.8.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditation ist immer eine Gratwanderung 
Mittwoch, 26. August 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Seit Meditation schon fast ein neuer Volkssport geworden ist, mehren sich auch Studien über mögliche negative Wirkungen. Jeder Meditationsanfänger dürfte das Phänomen kennen: Wenn man erst einmal in Kontakt mit der Stille kommt, nimmt man plötzlich auch viel stärker wahr, wie viel Lärm eigentlich das eigene Leben durchzieht. Für Menschen, die als Teil einer Therapie gegen Angststörungen oder Depressionen auch meditieren, kann dieser Effekt, der ganz natürlich ist, durchaus auch problematisch werden. Eine neue Übersichtsstudie etwa zeigt, dass - konservativ geschätzt - etwa acht Prozent der Probanden, die in solchen therapeutischen Settings Achtsamkeit üben, sogar mehr Ängste zeigen als zuvor. Die Wissenschaftler möchten das nicht als eine Kontraindikation für Meditation verstanden wissen. Eher deuten diese Erkenntnisse darauf hin, wie wichtig es ist, beim Meditieren kompetente Begleitung zu haben.
Studie: Meditation können Depressionen und Angstzustände auch verstärken, Grenzwissenschaft aktuell 18.8.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Vier simple Tricks für mehr Produktivität 
Mittwoch, 26. August 2020 - Psychologie, Arbeit
Gestern hatte ich darüber geschrieben, wie viele Menschen die Gedanken, die ihnen ständig durch den Kopf gehen, als stetige Herausforderung empfinden. Es scheint, als wäre das unser Normalzustand. Und selbst wenn wir beispielsweise regelmäßig meditieren, um unsere Aufmerksamkeit zu fokussieren, werden wir, zurück im "Alltagsmodus", doch immer wieder von diesen geistigen Unterbrechungen heimgesucht. Im Harvard Business Manager gibt der Produktivitätsforscher Chris Bailey einige Tipps, wie wir unsere mentale Inkontinenz austricksen können. Mir scheint, dass hinter seinen Ratschlägen vor allem eine Erkenntnis steckt, nämlich: Wenn wir uns selbst einen Fokus setzen, der klar genug formuliert ist, und uns Rahmenbedingungen schaffen, um ihn zu verfolgen, bringen uns störende Gedanken viel weniger aus der Ruhe, weil sie weniger Einflugschneisen finden. Seine Tipps sind leicht umzusetzen:
1. Eine Arbeitsumgebung schaffen, die ablenkungsfrei ist - Handy weg, Tablett weg, alles, was unsere Aufmerksamkeit eben auf sich ziehen könnte.
2. Drei Ziele pro Tag setzen, am besten auf einem Zettel notiert. Das kann man im Blick behalten und man verzettelt sich nicht, indem man über all die anderen möglichen To-Do's (die man gut auf einem separaten Zettel notieren kann, um sie nicht zu vergessen) nachdenkt.
3. Sich größere Ziele setzen - denn wenn man sich zu wenig vornimmt, kommt man leicht ins Bummeln.
4. Künstliche Deadline setzen - das spornt an, wirklich bei der Sache zu bleiben. Und oft merkt man, dass man in weniger Zeit das Gleiche schafft.
Ich bin ja eigentlich keine Freundin solcher Optimierungs-Tipps. Aber diese hier sind überschaubar und man ahnt unmittelbar, dass sie wirklich hilfreich sein könnten.
Lassen Sie sich nicht ablenken!, HBM 17.8.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Übermächtige Gedanken 
Dienstag, 25. August 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Wir bewegen sie den ganzen Tag - und doch empfinden wir sie oft als lästig. Die Rede ist von unseren Gedanken. Der Psychologe Andreas Mayer zeigt in einem Forschungsüberblick, dass viele Menschen ihre Gedanken als etwas wahrnehmen, dass von außen in sie sie eindringt, ohne dass sie sich dessen erwehren könnten. Das führe zu einem Gefühl von Kontrollverlust, weil viele Betroffene kaum eine Möglichkeit sehen, diese geistigen Geschehnisse einfach sein zu lassen. Im Gegenteil: Sie fühlen sich gedrängt, sich mit dem, was in ihrem Geiste vorgeht, ständig auseinanderzusetzen. Die Psychologie hat dieses Phänomen bisher vor allem mit psychischen Dysfunktionalitäten in Zusammenhang gebracht, doch scheinen auch viele augenscheinlich gesunde Menschen unter diesem Phänomen zu leiden. Vielleicht rückt es auch erst in der heutigen Zeit so sehr in unsere Aufmerksamkeit, weil wir mit so vielen Einflüssen konfrontiert sind, dass in unserem Kopf eigentlich ständig etwas los ist. Womöglich stoßen Meditation und Achtsamkeit heute auch deshalb auf ein solch großes Interesse, weil immer mehr Menschen spüren, dass sie diesen Gedankenimpulsen eben nicht hilflos ausgeliefert sind, ja dass es eine Stille gibt, die man spüren kann, selbst wenn es im Geiste noch rumort.
Gedanken, die in unseren Kopf eindringen, Psychologie heute 7.8.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditation: Einfach nur wacher oder mehr selbstbezogen? 
Montag, 24. August 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Wir leben in einer Zeit, in der Meditation auch dafür gelobt wird, dem teils krankhaften Individualismus und den damit verbundenen Egomotivationen entgegenzuwirken. Meditation macht wacher, aber nicht zwingend auch für die eigenen Unzulänglichkeiten. Im Gegenteil: Wer sich durch Achtsamkeitsübungen gestärkt fühlt, kann damit auch leicht sein Ego stärken. Die WiWo geht in einem Artikel genau diesem Phänomen nach. Eine niederländische Studie etwa zeigt, dass Achtsamkeit unerwünschterweise auch Selbstüberschätzung fördern kann. Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt eine deutsche Yoga-Studie. Auch hier führte die entspannende Wirkung der Übungen nicht zwingend auch zu einer Entspannung des Ego. Es scheint, als würde unser Persönlichkeitssystem alle Erfahrungen, die wir machen, zunächst einmal durch die uns gewohnten Muster interpretieren. In Kulturen mit überstarkem Ich-Gefühl liegt es da nur nahe, dass das Ich, wie es ist, sich alle positiven Erfahrungen einverleibt. Ich finde es spannend, dass in der letzten Zeit immer mehr Studien zu diesen Phänomenen gemacht werden. Ihre Ergebnisse deuten in meiner Wahrnehmung nicht auf eine Schwäche der Meditation selbst, sondern eher auf die Engpässe der Kontexte, in denen hierzulande praktiziert wird. In den klösterlichen Kulturen, aus denen diese Übungen stammen, war die Überwindung des Selbst immer ein zentrales Anliegen. Doch heutzutage wird Achtsamkeit häufig mit Blick auf persönliches Wohlbefinden gelehrt und dies oft in leicht verdaulichen Kursen. Wer schon einmal ein längeres Retreat gemacht und über mehrere Tage jeweils viele Stunden in Stille gesessen hat, ahnt den Unterschied. In solchen Settings geraten die altbewährten dermaßen unter Druck, dass so manches von unserem Selbstbild schlicht nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, man könnte auch sagen, es kollabiert. Für Menschen, die sich ein starkes Ich wünschen, erscheint dies vielleicht zunächst wie ein völlig unerwünschter Effekt. Erfahrungsgemäß ist allerdings das Gegenteil der Fall. Denn gerade die Schwächen, denen man in der Meditation wirklich begegnet, ungeschminkt wahrzunehmen und zu erfahren, dass man irgendwie immer noch "da" ist, kann eine wirkliche Befreiung sein.
Achtsame Egomanen, WiWo 25.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Akademischer Nachwuchs ist überrealistisch 
Freitag, 21. August 2020 - Studien, Arbeit
Der jungen Generation, die ins Berufsleben einsteigt, sagt man gerne nach, potenziellen Arbeitgebern eine hohe Anspruchshaltung entgegenzubringen. Eine Untersuchung des Personaldienstleisters Studitemps in Zusammenarbeit mit der Universität Maastricht, für die 300.000 Studierende nach ihren Vorstellungen zu ihrem künftigen Arbeitsleben befragt wurden, zeigt indes, dass eine große Mehrheit mit ihren Wünschen oder besser den Einschätzungen, was für sie möglich sein wird, sehr auf dem Boden bleibt. Wenn es ums Einkommen geht, kommt die Erhebung zu dem Schluss, dass viele Studierende sich unter Wert verkaufen. Höhere Erwartungen an das Einkommen sind laut Studie auch mit höheren Erwartungen an die eigene Zufriedenheit verbunden - sie zeigen sich vor allem beim Nachwuchs, der in Branchen wie Soft- und Hardware, Automobil, Chemie und im Bankwesen zu arbeiten gedenkt. Was die künftigen Arbeitszeiten angeht, machen sich viele keine Illusionen. 52 Prozent rechnen mit einer 40-Stunden-Woche, 12 Prozent glauben, künftig bis zu 50 Stunden zu arbeiten und 17 Prozent stellen sich bereits auf ein höheres Arbeitspensum ein. Home Office ist für die junge Generation anscheinend kaum ein Thema. Etwa drei Viertel bevorzugen einen festen Arbeitsplatz im Büro, nur jede*r Zehnte kann sich vorstellen, dauerhaft von zu Hause aus zu arbeiten.
So bescheiden sind junge Akademiker – mit Ausnahme der Juristen, FAZ 22.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Intensität des Alleinseins 
Donnerstag, 20. August 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Seit Meditation fast schon zu einem Volkssport und coolen Lifestyle geworden ist, schätze ich immer mehr, wenn ich darüber lese, wie Menschen abseits dieses neuen Mainstreams auch Angebote machen, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Der Bayrische Rundfunk berichtete kürzlich über die Waldklause von Maria Eck im Chiemgau, eine Einsiedelei, in die man sich für eine Woche zurückziehen kann. "Der Sinn der Einsiedelei besteht darin, dass Menschen den inneren Schalter von 'machen und schaffen' auf 'empfangen und hören' umlegen. Und das ist sehr spannend. Die Einsiedler bekommen anfangs einfache Übungen: Sie sollen hören, riechen, nur da sein. Und möglichst nicht denken, sondern im Wahrnehmen bleiben. Und nach ein paar Tagen spürt man, wie sie immer mehr in die Stille kommen", erklärt Bruder Christian Schmidberger. Der Franziskaner Minorit begleitet die Einsiedler auf Zeit und ein tägliches Gespräch mit ihm ist einer der wenigen "Programmpunkte", die die Tage in Maria Eck haben. Er eröffnet den Menschen einen Weg in die Stille, die die konsumgerechten Versprechen vieler Achtsamkeitsangebote irgendwie in den Schatten stellt. "Es geht nicht darum, an einem Thema zu arbeiten. Sondern die Menschen sollen sich öffnen. Und meine Erfahrung zeigt: Wenn Menschen still werden und sich öffnen, geschieht etwas. Nicht durch nachdenken und analysieren. Sondern weil man offen ist und Gott wirken kann", sagt er.
Einsiedler auf Zeit: Auszeit für die Seele, BR 22.7.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter