Frischer Wind in der Ökonomie 
Freitag, 28. September 2007 - Wissenschaft
An den Ökonomie-Lehrstühlen tut sich einiges. In einem Beitrag über die neuen Shootingstars der Wirtschaftswissenschaften zeigt die Wirtschaftswoche, wie die jungen Nachwuchsforscher die selbstauferlegten Grenzen des Denkbaren ihres Faches sprengen und damit frischen Wind in die Forschung bringen. Spieltheoretiker Axel Ockenfels beispielsweise kratzt mit praktischen Experimenten und Simulationen am Bild des rationalen Entscheiders. Armin Falk, der einst für seine Diplomarbeit mit dem geplanten Thema "Ökonomie des Vertrauens" noch keinen Professor fand, blieb seinem Thema dennoch treu und sorgte so dafür, dass diese Sichtweise heute zum Allgemeingut der Wirtschaftswissenschaften gehört.
Die Shootingstars der deutschen Wissenschaftsszene, WiWo 10.9.2007

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DGB: Nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer haben gute Arbeit 
Donnerstag, 27. September 2007 - Studien
In seiner aktuellen Erhebung "Gute Arbeit 2007" kommt der DGB zu dem ernüchternden Ergebnis, dass nur zwölf Prozent aller Arbeitnehmer gute Jobs haben. 54 Prozent der Angestellten gehen immerhin noch einer mäßigen Arbeit nach, während für 34 Prozent die Arbeitsbedingungen schlecht seien. In seinem Index fragt der DGB unter anderem nach Entwicklungsmöglichkeiten, Führungstil, Unternehmenskultur und Arbeitsplatzsicherheit. Indexwerte von 0-50 signalisieren "schlechte" Arbeit, zwischen 50 und 80 liegt das Mittelmaß und erst ab 80 Punkten fängt die gute Arbeit an. Schlusslichter der diesjährigen Befragung bildeten das Einkommen der Beschäftigten (39), die Aufstiegsmöglichkeiten (45) und die beruflichen Zukunftsaussichten (47). Selbst die Top-Performer unter den abgefragten Werten erreichten ausschließlich das Mittelfeld: Sinngehalt der Arbeit (77), Kollegialität (76) und Gestaltung der emotionalen Anforderungen (71). Unternehmenskultur, Führungsstil, Möglichkeiten für Kreativität oder Gestaltungsmöglichkeiten erreichten lediglich Werte im 60-er Bereich und sind damit aus Sicht der Arbeitnehmer gegenwärtig allenfalls ein wenig besser als "schlecht" in den Unternehmen umgesetzt.
DGB-Bericht "Gute Arbeit"

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Wissen und Wohlstand machen Märkte moralischer 
Mittwoch, 26. September 2007 - Wissenschaft
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche erklärt der Kulturwissenschaftler Nico Stehr, wie ein gestiegener Wohlstand und mehr Wissen die Märkte von heute moralischer machen. Im gegenwärtigen Trend zu dieser Moralisierung sieht Stehr keinen grundsätzlichen Wandel der Marktwirtschaft, denn deren Prinzipien würden nicht verändert und die kapitalistischen Rahmenbedingungen nicht angetastet. Neu hingegen sei, dass der Trend von den Konsumenten gesteuert werde. Steht betrachtet die Globalisierung als entscheidenden Motor für diese neue Perspektive, da durch die immer enger werdenden globalen Handelsbeziehungen bei den Konsumenten das Gefühl entstehe, verantwortlich zu sein: "Es gibt zwei Voraussetzungen für den Trend: erstens der historisch einmalige Anstieg des durchschnittlichen Wohlstands der Gesellschaft: Viele können es sich heute leisten, ethisch zu handeln. Zweitens der historisch einmalig gestiegene Bildungsstand der Bevölkerung: Früher war der Kunde Analphabet - und für die Produzenten Mittel zum Zweck. Heute ist er aufgeklärt - und bestimmt die Zwecke und Ziele der Produzenten."
"Genuss und Gewissen", WiWo 19.9.2007

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MBA-Absolventen machen Bogen um Soft Skills 
Dienstag, 25. September 2007 - Studien
Viele MBA-Absolventen legen keinen gesteigerten Wert auf Soft Skills, weil sie der Ansicht sind, dass diese ihnen bei der Jobsuche keine Vorteile bringen. Die Professoren Robert S. Rubin und Erich C. Dierdorff von der DePaul University stellen in ihrer Studie „How Relevant is the MBA? Assessing the Alignment of MBA Curricula and Managerial Competencies” fest, dass viele Business Schools auf Druck der Studenten Fächer mit "softer" Orientierung oft nur noch stiefmütterlich berücksichtigen. In einer Befragung von über 8600 Managern in 52 Managementberufen eruierten die Wissenschaftler, welche Kompetenzen in der Praxis am wichtigsten sind und stießen dabei auf große Diskrepanzen zu den Lehrplänen. Während die Führungskräfte beispielsweise dem Managen von Entscheidungsprozessen die größte Bedeutung beimaßen, tauchen diese Fähigkeiten bei den Pflichtkursen erst an fünfter Stelle auf. Die Curricula werden dagegen von finanzlastiger Unternehmensführung angeführt, ein Schwerpunkt, der von den Praktikern erst auf Rang fünf genannt wurde.
"Studie: MBA-Studenten gegen Soft Skills", FTD 20.9.2007

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Personaler kritisieren geringe Sozialkompetenz von Bewerbern 
Montag, 24. September 2007 - Studien
Einer neuen Studien der Unternehmensberatung Kienbaum zufolge bringen Bewerber weniger Talent mit, haben aber höhere Ansprüche an ihren Job. So kritisieren 45 Prozent der befragten Personaler, dass den Jobaspiranten soziale Kompetenzen fehlten und 42 Prozent sehen Mängel bei der Persönlichkeit der Bewerber. Mit dieser Diagnose einher gehe eine deutlich gestiegene Anspruchshaltung. Interesse, Leistungsmotivation und die Bereitschaft, sich für ein Unternehmen flexibel und mobil zu engagieren, fehlen in den Augen der 122 Personaler, die Kienbaum befragte, dagegen.
Pressemitteilung Kienbaum

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Drei Workshops zu integraler Theorie und Praxis in Berlin 
Freitag, 21. September 2007 - Veranstaltungen
Das ISBerlin bietet von Oktober bis Dezember 2007 eine dreiteilige Workshop-Reihe zur integralen Theorie und Praxis von Ken Wilber an, die sich für Einsteiger anbietet, die nach einem weitreichenden Überblick über die Ansätze des amerikanischen Philosophen suchen. Auf der Agenda der jeweils dreitägigen Workshops stehen das AQAL-Framework als integrale Basis sowie integrale Spiritualität und integrale Lebenspraxis. Für die Buchung aller drei Veranstaltungen gibt es einen Rabatt.
Integrale Seminare ISBerlin

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Weniger geht! Führungskräfte in Teilzeit 
Donnerstag, 20. September 2007 - Management
Eine Studie der Wirtschaftsprofessorin Sonja Bischoff zeigt: immer mehr Führungskräfte wünschen sich, ihre verantwortungsvollen Aufgaben in Teilzeit erledigen zu können. Zwar sank der Anteil der Männer, die ihre Arbeitszeit gerne reduzieren würden, von 1998 bis 2003 von 29 auf 23 Prozent (wofür nicht zuletzt der größere Gruppen- und Selbstdarstellungsdruck unter männlichen Führungskräften verantwortlich gemacht wird), der Anteil bei den Frauen hingegen stieg von 39 auf 45 Prozent. Die Motivation der Geschlechter für die Reduzierung der Arbeitszeit ist dabei sehr geschlechtstypisch: Während bei den Frauen als Gründe vor allem mehr Zeit für Familie und Hausarbeit im Vordergrund stehen, kreisen auch bei immerhin 42 Prozent der Männer die Gedanken um Hausarbeit, aber satte 75 Prozent wollen die gewonnene Zeit hauptsächlich für persönliche Interessen wie Reisen, Wellness, Sport, aber auch Weiterbildung nutzen. Dass Teilzeit in den oberen Führungsetagen längst kein totales Tabu mehr ist, zeigt die Wirtschaftswoche mit einem Beitrag, in dem sie fünf Führungsfrauen, u.a. von Bahlsen, IBM und McKinsey vorstellt, die - alle aus familiären Gründen - ihre Arbeitszeit reduzierten. Die Konzentration auf Frauen liegt dabei in der Natur des gegenwärtigen Entwicklungsstandes: Immerhin elf Prozent der Führungskräfte in Deutschland arbeiten bereits in Teilzeit - 14 Prozent der weiblichen Chefs, aber nur zwei Prozent der männlichen. Der Beitrag zeigt deutlich: Wenn funktionierende Arrangements getroffen werden, ist die Abwesenheit der Chefinnen kein Problem. Wirtschaftswissenschaftlerin Désirée Ladwig von der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität weist beispielsweise darauf hin, dass Führungskräfte ohnehin rund 40 Prozent ihrer Arbeitszeit in Gremien oder auf Reisen verbringen und diese Abwesenheit das Tagesgeschäft nicht negativ tangiere. Da Teilzeit-Chef mehr delegieren und informieren müssen, hat die Reduktion der Arbeitszeit nebenbei auch positive Folgen, denn Mitarbeiter können selbstständiger arbeiten und der Wissenstransfer im Unternehmen wächst. Bei allen positiven Randbedingungen zeigt sich jedoch auch, dass vor allem die Frauen die beim Management im Job gesparte Zeit im Familienmanagement reinvestieren - von mehr Privatleben im ganz persönlichen Sinn und mehr Freiheiten also nicht wirklich die Rede sein kann.

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Im HR-Management hat menscheln wenig Chancen 
Mittwoch, 19. September 2007 - Studien
Das neue Barometer 2007 zum Thema Human Ressources Management von Capgemini Consulting lässt viel Raum für Ernüchterung. Wer bisher glaubte, HR-Arbeit diene nicht zuletzt dazu, die menschlichen Ressourcen möglichst menschenfreundlich zu nutzen, wird von den HR-Experten eines Besseren belehrt. Die nüchterne Bestandsaufnahme der Consultants: "Die HR-Administration ist inzwischen lediglich noch eine Routine, die, selbst wenn der „Gegenstand“ die Mitarbeiter sind, völlig emotionslos nach ökonomischen Prinzipien betrieben werden kann. ... Die Personalentwicklung mag vielleicht ursprünglich dem Gedanken eines Mehrwertes für die Mitarbeiter entsprungen sein. Inzwischen wird jedoch – wenig emotional und Business Case-basiert – nach dem Mehrwert von Entwicklungsmaßnahmen für das Unternehmen selbst gefragt. Die Frage lautet nicht mehr: 'Was ist schön für unsere Mitarbeiter?', sondern: 'Welche Kompetenzen brauchen wir in den Märkten von morgen?'" Dieser "neue Realismus" ist zwar unternehmerisch durchaus verständlich, die damit verbundene Funktionalisierung des HR-Managements dürfte jedoch längerfristig die Entfaltungsmöglichkeiten von Mitarbeitern weiter einschränken.
HR-Barometer 2007

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