Der ganz alltägliche Verschleiß, der krank macht 
Dienstag, 8. September 2009 - Studien
Nachdem bereits verschiedene Studien von Krankenkassen immer deutlicher werden lassen, dass Arbeit immer mehr Menschen krank macht, bestätigt nun auch das Statistische Bundesamt diese Entwicklungen. Die Statistiker hatten eine Arbeitskräftestichprobe von 80.000 Personen aus dem Jahr 2007 zu Arbeitsunfällen, erwerbsbedingten Gesundheitsbeschwerden und psychisch belastenden Faktoren befragt. Bereits jeder achte Erwerbstätige (12,3 Prozent) empfindet seine Arbeit unabhängig von akuten Erkrankungen als sehr belastend. Allein 11,2 Prozent der Befragten nennen Zeitdruck und Arbeitsüberlastung als Gründe. 215.000 leiden unter Stress und Beklemmungen. Besonders betroffen von arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen sind über 50-Jährige mit 8,8 Prozent. Bei den 35- bis 49-Jährigen sind es erst 6,6 Prozent, bei den unter 35-Jährigen lediglich 3,6 Prozent. Das hat auch wirtschaftliche Konsequenzen, denn 56,6 Prozent der Betroffnen fehlen im Jahr durch ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen zwei oder mehr Arbeitstage, 21,7 Prozent sogar bis zu neun Tage. 21,7 Prozent der angeschlagenen Arbeitnehmer bleiben dem Job beschwerdebedingt sogar zehn und mehr Tage fern.
Krumm gebuckelt, SZ 1.9.2009

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Spiritualität als Ausweg aus dem Konsumismus 
Montag, 7. September 2009 - Wissenschaft
Der amerikanische Kommunitarist deutscher Herkunft Amitai Etzioni, dem für sein Lebenswerk im Dezember der von der Identity Foundation, Düsseldorf, ausgelobte Meister Eckhart Preis verliehen wird, beschreibt in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein interessantes Dilemma der gegenwärtigen Wirtschaft und einen nicht minder spannenden Ausweg. Laut Etzioni liegt eines der Urprobleme des Wirtschaftssystem, das mithin auch zur gegenwärtigen Krise geführt haben dürfte, darin, dass eine Mehrzahl der Menschen krampfhaft versucht, höhere menschliche Bedürfnisse auf der Konsumebene zu befriedigen. In Anlehnung an die Maslowsche Bedürfnispyramide zeigt Etzioni, dass die materiellen Bedürfnisse - zumindest in den meisten westlichen Gesellschaften - längst befriedigt sind. Doch anstatt sich nun der Sinnfrage zuzuwenden, für die, wenn das Individuum nicht mehr genötigt ist, seine Grundbedürfnisse im täglichen Überlebenskampf abzusichern, nun mehr Raum währe, versucht eine Mehrheit der Menschen die durchaus wahrgenommenen Sinndefizite auf einer niedrigeren Ebene durch Konsum zu kompensieren. "Zu einem obsessiven konsumistischen Umgang mit Gütern und Dienstleistungen kommt es, wenn man versucht, mit ihrer Hilfe höhere Bedürfnisse zu befriedigen", konstatiert Etzioni. Das Problem: Durch Reaktionsweisen wie diese wird eine fast unendliche Konsumspirale angetrieben, da es schlicht nicht möglich ist, dem Urbedürfnis nach Transzendenz auf der materiellen Ebene gerecht zu werden. So verdeutlichen zahlreiche Studien über kapitalistische Gesellschaften, dass das wahrgenommene Glück gerade nicht proportional zu den materiellen Möglichkeiten einer Gesellschaft wächst. Für den Wissenschaftler ist deshalb die Frage entscheidend, was ein gutes Leben überhaupt ausmacht. Hier bringt er die Spiritualität ins Spiel, da sie die Dimension ist, in der der Mensch Sinn und Erfüllung finden kann, die auf der materiellen Ebene in dieser Form gerade nicht erreichbar sind. "Zu den transzendenten Zielsetzungen gehören spirituelle Interessen im weitesten Sinne einschließlich religiöser, kontemplativer und künstlerischer Betätigungen. Ein Leben, das Raum für fortgesetzte Bildung, für Reflexion, Meditation, Musik und andere Ausdrucksmöglichkeiten lässt, führt nach Ansicht Maslows zur Selbstverwirklichung. Wenn eine Gesellschaft die Konsumorientierung überwindet und sich der Befriedigung höherer menschlicher Bedürfnisse mit gemeinschaftsorientierten und transzendenten Zielsetzungen zuwendet, können sich die meisten oder sogar alle ihre Mitglieder am ehesten an solchen Projekten beteiligen", sagt Etzioni.
Eine florierende Gesellschaft, FAZ 29.8.2009


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Schlechte Chefs untergraben die Arbeitszufriedenheit 
Freitag, 4. September 2009 - Studien
Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum illustriert eindrücklich, dass selbst in erfolgreichen Unternehmen die Stimmung mies ist, wenn die Chefs nichts taugen. An der Online-Befragung nahmen bisher 3.500 Arbeitnehmer teil. Die Erhebung zeigt eindrücklich, dass viele Arbeitnehmer zwar ihren persönlichen Erfolg und auch den des Unternehmens sehen, doch wenn sie mit ihrem Vorgesetzten unzufrieden sind, leidet auch ihre Arbeitszufriedenheit insgesamt. 69 Prozent der Befragten betrachten sich selbst als erfolgreich, lediglich 15 Prozent finden sich nicht erfolgreich. Ähnliche Werte zeigen sich beim Unternehmenserfolg. So glauben 71 Prozent, dass ihr Unternehmen erfolgreich, nur 17 Prozent finden das explizit nicht. Die Firmen und Mitarbeiter scheinen trotz schlechter Chefs Erfolg zu haben, denn 23 Prozent der Befragten geben ihren Vorgesetzten die schlechteste Note, insgesamt 63 Prozent beurteilen sie schlecht bis sehr schlecht. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Arbeitszufriedenheit aus: 49 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sind mit ihrer Arbeit unzufrieden, nur 40 Prozent zufrieden bis sehr zufrieden.
Pressemitteilung der Ruhr-Universität

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Multitasking ist schlimmer als Kiffen 
Donnerstag, 3. September 2009 - Studien
Immer mehr Studien entzaubern den Mythos des Multitaskings. Manche gehen sogar so weit und zeigen, dass selbst bekiffte Arbeitnehmer produktiver sind als chronische Multitasker. So ließen Forscher des Londoner King's College Versuchspersonen, die zuvor einen Joint geraucht hatten, gegen solche antreten, die während der Bewältigung derselben Aufgaben mehrere E-Mails erhielten und sich auch mit diesen beschäftigten: Ergebnis: Die Kiffer erzielten die besseren Arbeitsergebnisse. Wissenschaftler der Stanford University fanden in einem Vergleichstest heraus, dass Multitasking die Fähigkeit, aus einem breiten Informationsfluss unwichtige Details herauszufiltern und die entscheidenden Informationen im Gedächtnis zu speichern, deutlich leidet, da die starken Multitasker immer alle Informationen, die auf sie einprasseln, verarbeiten. Der amerikanische Psychotherapeut Edward Hallowel diagnostiziert eine neue Managerkrankheit, das Attention Deficit Trait (ADT) - eine Konzentrationsschwäche bei Kopfarbeitern. Er schätzt, dass bis zu 40 Prozent der Manager darunter leiden.
Multitasking mindert die Konzentrationsfähigkeit, WiWo 25.8.2009

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Systematisches Auspowern durch Leiharbeit 
Mittwoch, 2. September 2009 - Studien
Eine von der IG Metall in Auftrag gegebene Studie zeigt: Leiharbeit wird von vielen Unternehmen längst nicht mehr nur zum Ausgleich von Arbeitsspitzen verwendet, sondern zunehmend auch in strategischen Bereichen. Die Folge: Festangestellte und Leiharbeiter stehen so zunehmend in direkter Konkurrenz zueinander - und stacheln sich dabei wechselseitig zu Höchstleistungen an. Der Arbeitssoziologie Klaus Dörre, der die Studie begleitete, spricht hier sogar von systematischem Auspowern. "Die Festangestellten haben permanent das Gefühl, ihr Privileg eines relativ sicheren Jobs permanent gegen die Leiharbeiter verteidigen zu müssen. Die Leiharbeiter wiederum wollen natürlich so gut arbeiten, dass sie irgendwann ein Jobangebot erhalten. Ein reales Beispiel aus unserer Studie: In einem westdeutschen Betrieb wird Akkord und im Zweischichtbetrieb gearbeitet; eine Schicht besteht nur aus Leiharbeitern, die andere nur aus Stammbeschäftigten. Zuerst haben die Leiharbeiter zehn Prozent über Soll gearbeitet, dann zog die Stammbelegschaft nach. Dann legten wieder die Leiharbeiter vor und so weiter und so fort. Zum Untersuchungszeitraum lag der Betrieb bei 170 Prozent der Leistung", erzählt Dörre. Der Forscher kritisiert, dass die Lohneinbußen von Leiharbeitern verglichen mit Angestellten bei 20 bis 30 Prozent lägen, und das, obwohl aufgrund der häufigen Wechsel und der Energie, die für eine neue Einarbeitung seitens der Leiharbeiter aufgebracht werden müsse, ihr Stresspegel deutlich höher liege als bei Angestellten. "Ein Leiharbeiter ist im Durchschnitt drei Monate in einem Betrieb, manchmal sind es auch nur drei Wochen. Dann steht ein Wechsel an. Für diese Flexibilität müssen Leiharbeiter eine enorme Energie aufbringen. Deshalb sollte flexible Arbeit teurer sein, das würde der Leistung der Menschen viel mehr entsprechen. Dann würde Leiharbeit sogar attraktiv werden, vor allem für junge, gut ausgebildete Berufseinsteiger", so Dörre.
"Das System powert die Leute systematisch aus", SZ 19.8.2009

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Reichtum schützt vor Sorgen nicht 
Dienstag, 1. September 2009 - Studien
Genügend Geld ermöglicht ein sorgenfreies Leben - diesem Trugschluss hält das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine neue Studie entgegen, die belegt, dass die aus materieller Freiheit resultierende Sorglosigkeit eher ein Auslaufmodell. Nach Erkenntnissen der Forscher ist trotz des in den letzten Jahren gestiegenen materiellen Wohlstands nur ein Prozent aller Deutschen "sorgenfrei reich". Ein Grund dafür könnte sein, dass die herkömmliche Reichtumsdefinition (wer mehr verdient als das Doppelte des nationalen Durchschnittsnettoeinkommens gilt hierzulande als "reich") im Alltag vielleicht mehr Handlungsspielräume erkennen lässt, aber eben nicht unbegrenzte. In Deutschland können sich knapp drei Prozent glücklich schätzen, fünf Jahre in Folge zu den "Reichen" gezählt zu haben, was einem kleinen Anstieg um einen Prozentpunkt gegenüber 1999 entspricht. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Personengruppe nicht mehr gezwungen wäre, ihren Lebensunterhalt auch künftig durch Arbeit zu bestreiten - ein Faktor, der zeigt, dass es mit der Unabhängigkeit vieler Reicher nicht weit her ist. So fällt schließlich nur ein Prozent der Bevölkerung in die Kategorie (immer reich und sorglos". Die Zahl derer, die hingegen "nie ohne Sorgen" sind, ist seit den 90-er Jahren von gut 40 Prozent auf heute gut 50 Prozent gestiegen. Die Forscher stießen jedoch auch auf eine interessante Vergleichsgruppe, denn es gibt auch den Typus des Deutschen, der sehr entspannt "immer sorglos aber nie reich" ist - dies trifft auf immerhin rund vier Prozent der Bevölkerung zu.
DIW-Bericht

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Das Missverständnis mit der Ethik 
Montag, 31. August 2009 - Management
Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V., legt in einem Beitrag für das Magazin ManagerSeminare den Finger in eine Wunde ethischer Missverständnisse. Es wird gegenwärtig viel diskutiert über Aufrichtigkeit und Ethik, über Angemessenheit und Werte. Doch warum scheinen sich viele dieser Diskussionen und ethisch wohlgemeinten Anregungen eher im Kreise zu drehen als einen Wandel in der Wirtschaft zu beflügeln? Für Posé liegt der Grund in einem grundlegenden Missverständnis. Für Aristoteles verlaufe die Grenze zwischen Redlichkeit und Unredlichkeit entlang einer vorurteilsfreien Betrachtung. "Redlich ist für ihn derjenige, der weiß, worüber er spricht. Der redliche Mensch spricht von den Dingen selbst, nicht von den Gefühlen, die er hat, wenn er an sie denkt", so Posé. Und genau hier beginnt der Irrweg, denn häufig werde eine Art Gefühlsethik propagiert, die sich nicht an den Tatsachen messe. Ein Missverständnis: "Ethisch gut ist, wenn Menschen sich bei dem, was sie tun, gut fühlen. Nur wenige fragen sich, ob es auch wirklich gut ist. Dieser emotionale Brei führt zu Unredlichkeit im Sprechen und Handeln", meint Posé. Gutes Gewissen, gepaart mit Inkompetenz könne jedoch kaum eine Ethik beflügeln. Der Präsident des Ethikverbandes fordert deshalb eine neue "semantische Redlichkeit", die sich den Dingen, wie sie sind, wieder zuwendet, anstatt auf der Gefühlsebene zu verharren. Dann erscheint vieles in einem neuen Licht. Beispiel: Das Leistungsprinzip, das viele Führungskräfte verfechten und das vorsieht, Mitarbeiter nach der erbrachten Leistung zu honorieren. Dem hält Posé entgegen: "Das kapitalistische Entlohnungsprinzip ist jedoch das von Marktwert und Nutzwert. Der vom Unternehmer erwartete Nutzen entscheidet über den Wert der Arbeit, nicht die Leistung. Somit ist die emotionale Forderung nach dem Leistungsprinzip semantisch völlig unsinnig." Vielleicht führt der Weg zum Sinn ja über das rechte Denken zum rechten Handeln ...
Ethisches Missverständnis: Redlich ist, wer sagt, was er meint, ManagerSeminare September 2009

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Es ist Krise und nur wenige spüren die Auswirkungen 
Freitag, 28. August 2009 - Studien
Nur 26 Prozent der deutschen Bevölkerung sehen den kommenden Monaten mit Befürchtungen entgegen - so das Ergebnis einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach. Genau so viele Deutsche gehen davon aus, dass die Wirtschaft das Schlimmste bereits überstanden hat. Allerdings erwartet knapp die Hälfte der Befragten, dass uns das Schlimmste noch bevorstehe, beispielsweise in steigenden Arbeitslosenzahlen. Gut jeder vierte Arbeitnehmer bangt inzwischen um seinen Arbeitsplatz - in den unteren Einkommensschichten sind es sogar 41 Prozent der Beschäftigten. Der verhaltene Optimismus der Bürgerinnen und Bürger liegt auch daran, dass sich erst sechs Prozent aller Deutschen bisher stark von der Krise betroffen sehen und 29 Prozent begrenzt. Ein Viertel kann keine Auswirkungen auf die persönliche Lage feststellen, befürchtet jedoch, dass sich dies in den kommenden Monaten ändern könnte. 38 Prozent der Befragten glauben hingegen nicht, dass die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise sie betreffen werden und fühlen sich auch aktuell auf der sicheren Seite. Dies trifft vor allem für die Altersgruppe unter 30 Jahre und über 60 Jahren zu und auf Bevölkerungskreise mit überdurchschnittlichem Einkommen. Unter dem Strich sind die ersten Krisenverlierer also die prekär Beschäftigten.
Fatalistische Gelassenheit, FAZ 19.8.2009

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