Burn-out ist eine Frage der Strukturen 
Donnerstag, 9. September 2010 - Management
Betriebliches Gesundheitsmanagement, Work-Life-Balance, Auszeiten - Ansätze, wie Arbeitende ihre seelische Balance bewahren und im Job nicht ausbrennen, gibt es viele. Sie setzen jedoch häufig auf der falschen Ebene an, meint der Psychologe Markus Väth. Immer mehr Experten weisen in den letzten Monaten darauf hin, dass eine Burn-out-Prophylaxe, die allein auf der persönlichen Ebene ansetzt, also individuelle Maßnahmen und Verhaltensveränderungen empfiehlt, nicht hinreichend ist. "Die meisten Arbeitnehmer leiden nicht unter einem Burn-out-Syndrom, sondern sind einfach überlastet von den Arbeitsprozessen. Das nenne ich einen strukturellen Burn-out. Die eigene Persönlichkeit ist der innerste Kreis in einem System, das von den Bereichen des Unternehmens umschlossen wird. Der präventive Ansatz müsste außen ansetzen. Bevor ich selbst etwas tun kann, muss das Unternehmen aktiv werden und seine Strukturen ändern", so Väth. Der Psychologe rät zu einem konsequenten Abschied von der verbreiteten Multi-Tasking-Kultur und zu einer Wertediskussion in den Unternehmen. "Es gibt viele unausgesprochene Regeln in einem Unternehmen, auch solche, die schädlich sind", sagt Väth. Deshalb helfe es wenig, wenn Mitarbeiter versuchen, zu innerer Balance zu finden, wenn es ihre Umgebung ist, die sie krank macht, beispielsweise weil die Strukturen eines Unternehmens Dinge verlangen, die individuell gar nicht leistbar sind.
Der nächste Burn-out kommt bestimmt, SZ 20.8.10

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Vor der Krise steht der Optimismus 
Mittwoch, 8. September 2010 - Management
Die amerikanische Bestseller-Autorin Barbara Ehrenreich geht in einem Beitrag für die Wirtschaftswoche mit ihren Landsleuten hart ins Gericht. Ihre These: Mit ihrem überbordenden Optimismus übertreiben die Amerikaner nicht nur, sondern eine falsch verstandene positive Grundhaltung kann auch Krisen fördern. Der Wunsch, auch im Negativen noch einen positiven Kern zu sehen, treibt laut Ehrenreich bizarre Blüten: "In der amerikanischen Kultur hat sich jedoch auch die weitaus weniger rationale Theorie verbreitet, dass unsere Gedanken die materielle Welt auf mysteriöse Weise unmittelbar beeinflussen können. Negative Gedanken führen irgendwie zu einem negativen Ergebnis, positive Gedanken hingegen realisieren sich in Form von Gesundheit, Wohlstand und Erfolg." Überspitzt formuliert ist es diese Grundhaltung, die mit zu den Auslösern der Wirtschaftskrise gehört. So glaubt beispielsweise die Mehrheit der Amerikaner, sie werde in Zukunft mehr als das Durchschnittseinkommen zur Verfügung haben, obwohl das mathematisch unmöglich ist. "Gewiss hat zur waghalsigen Akkumulation von nicht rückzahlbaren Schulden und Risikokrediten der nahezu einmütige Optimismus der Experten beigetragen, aber den gleichen Anteil daran hatte auch die ständige überdrehte Euphorie vieler normaler Amerikaner. Unsere Bereitschaft, uns hoch zu verschulden und weiterhin Geld auszugeben, ist aufs Engste mit unserem Optimismus verknüpft. Und die Ideologie des positiven Denkens goss eifrig Öl in das Feuer dieses Optimismus und der dazugehörigen Anspruchshaltung", so Ehrenreich. Die Sozialkritikerin setzt dem überbordenden Optimismus, der positiv mit gut gleichsetzt, einen realistischen Blick entgegen: "Die Alternative zum positiven Denken ist nicht Verzweiflung. Negatives Denken kann genauso realitätsfremd sein wie positives. In beiden Fällen besteht eine Unfähigkeit, Gefühl und Wahrnehmung voneinander zu trennen, und die Einbildung wird zur Realität, wegen des damit verbundenen 'guten Gefühls'. Die Alternative zu beidem besteht darin, dass wir aus uns heraustreten und die Dinge so sehen, 'wie sie sind', also möglichst wenig gefärbt durch unsere Gefühle und Fantasien. Dann erkennen wir, dass die Welt voller Möglichkeiten und voller Gefahren ist, dass wir zugleich die Chance großen Glücks und die Gewissheit des Todes haben."
Die Diktatur des positiven Denkens, WiWo 22.8.10

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Sicherheit und Balance gehen vor 
Dienstag, 7. September 2010 - Studien
Herausforderungen sind schön und gut, aber im Kern sehnen sich die Deutschen vor allem nach Balance und einem sicheren Job, so das Ergebnis einer Umfrage der Beratungsgesellschaft für Employer-Branding Universum Communications unter 20.000 Studierenden. Gefragt nach ihren wichtigsten Karrierezielen, katapultierten die Studierenden "eine ausgewogene Work-Life-Balance" mit 50 Prozent auf Platz ihrer Karriereliste. Intellektuelle Herausforderungen folgten immerhin auf Platz 2 der Rangliste. 37 Prozent der Befragten wollen unbedingt einen sicheren und beständigen Job, immerhin 31 Prozent haben die Vision, einmal zur Führungskraft in leitender Position aufzusteigen. Entrepreneurship gilt vielen hingegen eher als Fremdwort - nur 25 Prozent der Befragten können sich vorstellen, "unternehmerisch oder kreativ/innovativ" zu sein. Selbstständigkeit und Unabhängigkeit kommen gar nur für 20 Prozent der Studierenden in Frage. Abgeschlagen auf dem letzten Platz landet die Option, dem Gemeinwohl zu dienen - das können sich nur zwölf Prozent der Befragten als Karriereziel vorstellen.
Arbeit und Freizeit unter einen Hut bekommen, FTD 12.8.10

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Befreiung aus dem Gefängnis des Lebens 
Montag, 6. September 2010 - Wissenschaft
In den letzten Monaten mehren sich die Berichte darüber, welche positiven Wirkungen von Meditation inzwischen wissenschaftlich belegt sind. Gerade die Arbeiten von WissenschaftlerInnen aus Deutschland, die beispielsweise im November auch bei dem Kongress Meditation & Wissenschaft in Berlin vorgestellt werden, haben großen Anteil an der Gewinnung dieser Erkenntnisse. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beleuchtet das Thema nun in einem Portrait des Schriftstellers Tim Parks von einer anderen Seite. Parks leidet seit vielen Jahren an sehr schmerzhaften Prostatabeschwerden - ein Umstand, der sein Leben zunehmend unerträglicher werden ließen. Keine Therapie konnte Abhilfe schaffen, kein Medikament die täglichen Schmerzen lindern. Doch Parks gab nicht auf, beschäftigte sich mit alternativen Heilmethoden und stieß schließlich auf eine Methode, die ihn einen Weg finden ließ, mit seinem Leiden konstruktiv umzugehen: Meditation. Zehn Tage Schweigen beim Meditationskurs - ein zunächst befremdliches Erlebnis für den Suchenden, doch schon bald wird der Skeptiker von seinen positiven Erfahrungen eines besseren belehrt. "Es ist möglich, sich diesen Dingen zu nähern, ohne gleich alles glauben zu müssen", sagt Parks in der FAS. Ihm verhilft die regelmäßige Meditation dazu, keine Medikamente mehr zu benötigen. Und er erkennt, dass viele Krankheiten wohl auch mit der Art, wie wir leben, verbunden sind. Bei der Betrachtung seines eigenen Lebens erkennt Parks, wie er größtenteils über Jahre hinweg als Getriebener durchs Leben eilte, sich anstrengte, wo es nur ging, mit übertriebenem Eifer. Seine Krankheit betrachtet er heute als Glücksfall: "Wäre ich nicht ein so großer Skeptiker, würde ich sagen, sie wurde mir vom Himmel geschickt, um mein Leben zu verändern." Parks ist kein Missionar, seine Erfahrungen hat er in einem Buch verarbeitet (Die Kunst stillzusitzen) - frei von Pathos. Ein Beispiel, wie es bereits viele gibt- schön, das sie auch immer öfter ihren Weg in die Medien finden.
Die Befreiung aus dem Gefängnis, FAS 29.8.10

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Stille macht Managern Angst 
Freitag, 3. September 2010 - Management
Mal wirklich Ruhe haben, das bleibt für viele Manager ein Traum. Stellt sich dieses friedliche Szenario dann doch einmal ein, geraten viele in Panik. Octavius Black beschreibt in einem Beitrag für die Financial Times Deutschland, dass Ruhe bei Führungskräften durchaus extreme Reaktionen auslösen kann. So verordnete der Trainer seiner Klientel im Rahmen einer dreitägigen Konferenz eine Stunde Schweigen - sie mussten ihre Blackberrys abgeben und sollten das gemeinsame Mittagessen in Stille verbringen - nicht nur, um die Ruhe zu genießen, sondern auch, um endlich einmal Zeit zum Nachdenken zu haben. Die Reaktionen der Beteiligten fielen höchst unterschiedlich aus. Manche protestierten, schlangen ihr Mittagessen herunter und flüchteten ins Freie, um der Schweigeklausel zu entkommen. Andere entdeckten eine völlig neue Zeitqualität und merkten, dass eine Stunde, die nicht zwanghaft gefüllt wird, sehr lang sein kann. Eine Managerin offenbarte eine für sie "erschreckende" Erkenntnis: "Ich dachte immer, ich habe keine Zeit nachzudenken, aber dann musste ich feststellen, dass ich gar nicht weiß, wie ich nachdenken soll, wenn ich mal die Zeit dazu habe. Das war eine unglaubliche und auch ein wenig erschreckende Erkenntnis."
Sprechverbot zwingt Manager zum Denken, FTD 17.8.10

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Der Job ist nicht alles 
Donnerstag, 2. September 2010 - Studien
Geht es nach der aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse, ist der Job für die Deutschen längst nicht alles. Laut der TK-Umfrage können sich 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ein erfülltes Leben sehr gut auch ohne Berufstätigkeit vorstellen - 35 Prozent in den alten Bundesländern, 26 Prozent in den neuen Bundesländern. Auch Teilzeitarbeit steht bei den Befragten hoch im Kurs. 75 Prozent der Ostdeutschen und 69 Prozent der Westdeutschen wünschen sich nämlich mehr Zeit für ihre Familie und Hobbys. Die Arbeitszufriedenheit scheint hingegen sehr gut zu sein, denn lediglich jedem siebten Ostdeutschen und nur jedem elften Westdeutschen macht der Job keine Freude.
Pressemitteilung Techniker Krankenkasse, 12.8.10

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Angst und Unsicherheit machen Stress zum Risiko 
Mittwoch, 1. September 2010 - Arbeit
Nicht der Stress ist das Problem, sondern fehlende adäquate Reaktionsmöglichkeiten darauf, so der Arbeitspsychologe Tim Hagemann in einem Interview mit der Zeit. Zwar glauben viele immer noch, dass die Stressbelastung mit dem Anspruch der Arbeitstätigkeit steigt, also beispielsweise Manager deutlich belasteter sind als herkömmliche Angestellte, die Forschung hingegen zeigt, dass eher die Hilflosigkeit gegenüber den Anforderungen ausschlaggebend ist und negativer Stress vor allem entsteht, "wenn man mit einer Bedrohung konfrontiert ist und meint, sie nicht bewältigen zu können", so Hagemann. Dann nämlich entstehe Angst und Unsicherheit. Da Stress eine Vielzahl körperlicher Prozesse auslöst, helfen beispielsweise Ausdauersportarten besonders gut, Stresshormone wieder abzubauen. Darüber hinaus sieht der Arbeitspsychologe zwei wesentliche Strategien für den konstruktiven Umgang mit Stress: "Die eine wird aktive Bewältigung genannt. Man kann das Arbeitspensum reduzieren und versuchen, effizienter zu arbeiten. Weil das häufig nicht möglich ist, hilft die zweite Strategie, die kognitive Umdeutung. Man versucht, die bedrohliche Situation anders wahrzunehmen. Stellen wir uns Studenten in der Prüfung oder einen Angestellten vor dem Mitarbeitergespräch vor. Statt sich zu fürchten, könnte man versuchen, sich zu freuen, seine Kompetenzen zu zeigen und darauf zu vertrauen, wie gut man sich vorbereitet hat."
"Täglicher Stress ist kein Problem", Die Zeit 20.8.10

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Arbeitslosigkeit macht krank 
Dienstag, 31. August 2010 - Studien
In einer neuen Studie kommt der Deutsche Gewerkschaftsbund zu dem ernüchternden Schluss, dass Arbeitslosigkeit ein nicht unwesentlicher Faktor im Hinblick auf gesundheitliche Beeinträchtigungen darstellt. In seiner Untersuchung stellte der DGB fest, dass die Krankenrate Arbeitsloser beispielsweise deutlich über der der im Erwerbsleben aktiven Bevölkerung liegt. Während unter den Erwerbstätigen der Krankenstand bei 4,4 Prozent liegt, beläuft er sich bei den Beziehern von Arbeitslosengeld I bereits auf 7,9 Prozent und bei den Beziehern von Arbeitslosengeld II sogar auf 10,9 Prozent. Dabei sind diese Unterschiede nicht altersbedingt, denn über alle Altersgruppen hinweg zeigt sich, dass Arbeitslose eine deutlich höhere Krankenrate aufweisen. Auch der Bedarf an Antidepressiva ist in dieser Gruppe deutlich höher als innerhalb der arbeitenden Bevölkerung. Während 5 Prozent der arbeitenden Männer und etwa 10 Prozent der arbeitenden Frauen Antidepressiva einnehmen, sind es bei den arbeitslosen Männern mehr als 15 Prozent und bei den arbeitslosen Frauen sogar knapp 30 Prozent. Der DGB kommt vor diesem Hintergrund zu dem Schluss: "Arbeitslosigkeit ist ein Gesundheitsrisiko, das Spuren hinterlässt - körperlich wie seelisch!"
Pressemitteilung DGB, 16.8.10

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