Achtung Lippenbekenntnisse! 
Mittwoch, 22. September 2010 - Wissenschaft
Mal wieder über den Chef gelästert oder über Kollegen getratscht? Die Psychologie gewinnt aus der Art und Weise, wie wir über andere reden, wesentliche Erkenntnisse über unsere eigene Verfassung. Ein Experiment der amerikanischen Wake Forest University zeigt: Wer schlecht über andere spricht, verfügt meist selbst über eine Vielzahl der als negativ bewerteten Eigenschaften. Wer hingegen positiv über seine Mitmenschen redet, ist meist selbst begeisterungsfähig, gutherzig, höflich, ausgeglichen und leistungsfähig. Die negative Wahrnehmung von Mitmenschen ist häufig ein Indikator für eigene negative Persönlichkeitseigenschaften, darunter auch eine stärkere Neigung zu Narzissmus und antisozialem Verhalten, aber auch Depressionen. Versucht man dagegen gezielt, andere mit Wohlwollen zu betrachten, können die eigenen negativen Verhaltensmuster sich verringern. Allerdings sind unsere Wahrnehmungen relativ stabil, denn die Forscher stellten auch fest, dass die Einschätzungen anderer sich, als der Test ein Jahr später wiederholt wurde, kaum verändern - wenn man es nicht gezielt versucht.
Was einer über andere spricht ..., Psychologie heute 16.8.10

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Arm, aber gläubig 
Dienstag, 21. September 2010 - Studien
Der Glaube versetzt Berge - oder tröstet zumindest darüber hinweg, wenn dies nicht gelingt. Diesen Schluss legt eine Studie des Gallup-Intistute nahe, die den Zusammenhang zwischen Einkommen und Religiosität untersuchte. Das Ergebnis: Je ärmer Menschen sind, umso größer ist ihr Glaube ausgeprägt. Untersucht wurden 114 Länder. Besonders ausgeprägt ist der Zusammenhang in den ärmsten Ländern. So sagten mindestens 99 Prozent der Einwohner von Bangladesch, Niger, Jemen, Indonesien, Malawi und Sri Lanka, dass der Glaube in ihrem Leben eine bedeutsame Rolle spiele. In den reichen Nationen waren es deutlich weniger: 17 Prozent in Schweden, 24 Prozent in Japan und Hongkong und 27 Prozent in Großbritannien. Deutschland (40 Prozent) und die Schweiz (41 Prozent) liegen im Mittelfeld. Einen Ausreißer stellen die Vereinigten Staaten dar, denn hier spielt der Glaube für 65 Prozent der Bürger eine große Rolle. Im weltweiten Durchschnitt spielt der Glaube im Alltag für 84 Prozent aller Menschen eine große Rolle. Bei den Personen mit einem Jahreseinkommen von weniger als 2.000 US-Dollar sind es 95 Prozent, bei Menschen, die mehr als 25.000 US-Dollar verdienen, hingegen lediglich 47 Prozent.
Je ärmer, desto frömmer, CiW

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Willenskraft wird häufig unterschätzt 
Montag, 20. September 2010 - Arbeit
Wer im Flow ist, einer Tätigkeit mit voller Leidenschaft nachgeht und völlig von ihr absorbiert ist, ist meistens auch erfolgreich. Das Problem: Nicht in jeder beruflichen Situation gelingt uns das. Wer dennoch seine Ziele erreichen möchte, ohne sich zu verschleißen, sollte ein Augenmerk auf die Willenskraft richten - Neudeutsch Volition. Sie erleichtert es uns nämlich, am Ball zu bleiben, auch wenn die Dinge mal nicht rund laufen, und das, was wir eigentlich wollen, auch umzusetzen. Der Psychologe Julius Kuhl nennt fünf Fähigkeiten, die für Volition ausschlaggebend sind: Die Aufmerksamkeitskontrolle (sich also nicht von seinen Zielen durch Nebensächlichkeiten ablenken zu lassen), die Emotionskontrolle (sich nicht vom Frust überwältigen zu lassen, sondern seine Gefühle im Griff zu behalten), die Misserfolgsbewältigung (Rückschläge zu akzeptieren, sich aber von ihnen nicht aus der Bahn werfen zu lassen), Motivationskontrolle (sich selbst Anreize zu setzen, wenn die eigentliche Motivation nachlässt) und Umweltkontrolle (Störreize auszuschalten, um die Konzentration auf das Ziel beizubehalten). Willenskraft braucht Training, denn wenn wir es nicht gewohnt sind, am Ball zu bleiben, müssen wir häufig sehr viel Energie aufwenden und verschleißen uns darüber.
Wie man Tatendrang trainiert, WiWo 15.9.10

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Blackberry-Sklaven und die Freiheit 
Freitag, 17. September 2010 - Management
Wie frei können Führungskräfte sein, wenn sie nur ein Tastendruck von ihren E-Mails trennt? Nach Feierabend, in der Freizeit, im Urlaub. Unternehmensberater Wolfgang Zieren, Vorstand der KPMG, meint: Alles Kopfsache. Der Berater checkt im Urlaub alle zwei Tage seine Mails - weil er auf dem Laufenden bleiben möchte. Und fühlt sich dadurch in einer Entspannung nicht gestört, eher im Gegenteil. Er weiß aber auch, dass jeder Mitarbeiter hier seinen eigenen Weg gehen muss: "Die einen können nur dann wirklich abschalten, wenn sie auch mal eine Phase haben, in der sie keine Mails lesen. Wenn es wirklich brennt, kann man die Kollegen ja immer noch anrufen. Andere können sich gerade dann gut entspannen, wenn sie ihre Mails checken und feststellen: alles in Ordnung." Wo Zieren kein Problem mit allzeitiger Präsenz hat, geht es vielen Führungskräften indes längst anders. Und mit dafür verantwortlich ist der permanente, implizite Druck, der im Business längst allerorts ausgeübt wird. Zieren beispielsweise meint: "Wir erwarten gerade von Führungskräften, dass sie ihre Jobs erstklassig erledigen. Wie sie das machen, muss jeder für sich entscheiden." Erstklassig meint aber auch, für die Kunden immer da zu sein. Wer nach zwei Wochen urlaubsbedingter Mail-Abstinenz im Büro auftaucht, um dort von den Krisen der letzten Tage zu erfahren, kann wahrscheinlich sicher sein, dass "erstklassig" für ihn vorbei ist. Und so warnen Experten immer deutlicher vor Strukturen dieser Art, bei der Forderungen unausgesprochen bleiben, aber dafür umso mehr Druck erzeugen.
Berufliche E-Mails im Urlaub? Selbstverständlich, SZ 10.9.10

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Die neue Generation der Angepassten 
Donnerstag, 16. September 2010 - Arbeit
Die Angst sitzt ihnen im Nacken, um beruflich später Chancen zu haben, häufen sie Praktika und Zusatzqualifikationen an und ihr größtes Ziel ist Sicherheit. Das Rheingold Institut Köln hat in einer Studie zur Jugendkultur die neue "Generation Angst" ausgemacht, die heute 18- bis 24-Jährigen, deren Lebensperspektive von zunehmender Unsicherheit geprägt ist und die darauf mit Anpassung und Folgsamkeit reagieren. Befragt wurden 100 Teilnehmer der Altersgruppe in Form von tiefenpsychologischen Interviews. "Die Angst vor dem Absturz ist zum zentralen Lebensgefühl der Jugendlichen geworden", so Rheingold-Chef Stephan Grünewald über das grundlegende Lebensgefühl der Befragten. Was früher als spießig galt - Bausparverträge, Versicherungen, Strebsamkeit während der Ausbildung - wird für die heutige Jugend zu einem Rettungsanker in einer immer unberechenbareren Welt. Auf fehlende Sicherheit und Verlässlichkeit reagieren die jungen Leute mit Abgrenzung nach unten. Verlierer werden geschmäht und verachtet, um die Illusion zu nähren, selbst hoffentlich zu den Gewinnern zu gehören und das eigene Leben in der Hand zu haben. Da klare Feindbilder fehlen, reagieren viele Kids mit Rückzug - beispielsweise in den Schonraum der mütterlichen Geborgenheit. "Die Mütter werden häufig hymnisch verehrt, als Bastian verlässlicher und bedingungsloser Liebe, die nicht an Erfolgskriterien geknüpft ist und einen nach dem Absturz auffängt", so Grünewald. Der Psychologe zieht in Erwägung, dass die von den jungen Leuten artikulierte Sehnsucht nach Verlässlichkeit, stabilen Werten und Wahrheiten in einigen Jahren zu einem politischen Fundamentalismus führen könnte, dessen Färbung noch nicht abzusehen sei.
Generation Biedermeier, SZ 11.9.10

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Lösungen beginnen an der Basis 
Mittwoch, 15. September 2010 - Wissenschaft
Lösungen lassen sich am besten von unten nach oben entwickeln, meint die Wissenschaftlerin Elinor Ostrom, die 2009 - als erste Frau! - für ihre Forschungen zu Gemeingütern mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden war. Die FAZ widmet ihr ein Portrait, in dem erklärt, auf welchen Wegen sich Nachhaltigkeit am besten erreichen lässt. In zahlreichen Feldstudien und untermauert durch stichhaltiges Datenmaterial hat Ostrom bewiesen, dass Gemeingüter - also die Sorge für und Nutzung eines Gutes durch Viele, ohne dass ihnen dieses Gut in Form persönlichen Besitzes gehört - funktionieren, und zwar unter ganz bestimmten Umständen: "Sofern das Gut eingrenzbar ist und die betroffene Gruppe der Nutzer überschaubar, funktioniert Selbstregulierung besser, als wenn der Staat eingreift." Ostrom kritisiert, dass im Umweltschutz der dominierende Ansatz hingegen von oben nach unten verläuft und damit die Menschen kaum in eine Rolle der Verantwortung hineinwachsen. Die Wisenschaftlerin meint: "Wir dürfen die Leute vor Ort nicht zur Seite schieben. Solange wir sie als Teil des Problems, nicht als potentiellen Teil der Lösung ansehen, solange wird der Erfolg gering bleiben."
Vom Hörsaal in den Dschungel, FAZ 4.9.10

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Zen als neuer Zugang zur Ethik im Business 
Dienstag, 14. September 2010 - Bücher
Über Ethik gibt es inzwischen Unmengen Bücher am Markt. Sie ergehen sich in Tipps, wie man im Business zu mehr Fairness finden kann, setzen dabei aber vielfach nur auf der strukturellen Ebene an. In seinem Buch "Die Linie im Chaos" geht der Zen-Meister Hinnerk Polenski einen anderen Weg. Er erklärt, wie aus der Philosophie des Zen eine Ethik erwachsen kann, die auf der persönlichen Ebene wirklich verankert ist. Was nutzen uns die schönsten Verhaltensregeln, wenn wir uns nicht im Stande sehen, ihnen zu folgen? Weil tief in unserem Inneren ungelöste Widersprüche gären und uns immer wieder aufs Neue zu destruktiven Handlungen verleiten. Polenski geht mit seinem Buch an die Wurzeln, zeigt, wie wir Einsicht in unsere Handlungsmotivationen gewinnen und uns von häufig unbewussten Reflexen frei machen können. Das Buch glänzt durch seine kraftvolle Verbindung von Innen- und Außenperspektive, denn wer nur eine Seite der Medaille betrachtet, wird zum Scheitern verurteilt sein. Ein absoluter Lesetipp für alle, die nicht nur nach neuen Verhaltensmaßstäben suchen, sondern sich vielleicht auch einfach nur ein bisschen besser kennenlernen möchten!
Weitere Informationen zum Buch

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Die Wirtschaft braucht einen Bewusstseinswandel 
Montag, 13. September 2010 - Arbeit
"Entspannung ist meiner Meinung nach eine zentrale Voraussetzung dafür, dass sich ein nachhaltiges Bewusstsein entwickeln und etablieren kann", sagt Deutschlands PR-Papst, Zen-Lehrer und Management-Coach Paul J. Kohtes in einem Interview mit dem Info-Portal Nachhaltigkeit.org. Für ihn liegt im Zen der Schlüssel dazu, sich nicht in einstiegen Gewissheiten zu verlieren, sondern mit offenem Blick zu erkennen, welche Herausforderungen vor einem liegen: "Zen führt zu einem andern Bewusstsein, heraus aus dem einseitigen Fokus auf bestimmte Paradigmen oder Wertsysteme. Diese werden damit nicht obsolet, doch man wird sich der Tatsache bewusst, Teil eines Ganzen zu sein. Und in diese ganzheitliche Perspektive kann man jedes Wertsystem selbstverständlich integrieren. Eine solche Adlerperspektive kann in jedes Businessmeeting hineingenommen werden." Laut Kohtes liegt die Wurzel vieler Probleme in der Wirtschaft schlicht in der Angst der Akteure: "Ich glaube, dass viele Wirtschaftsprobleme wesentlich durch tief sitzende Angst in allen Beteiligten vorprogrammiert sind. Das Sicherheitsbedürfnis ist hierbei nicht entscheidend, sondern die Angst. Angst bedeutet immer Enge – und wenn ich eng bin, kann ich nicht weit denken. In diesem engen Denken wird Scheitern mit einer Katastrophe gleichgesetzt. Im Zen hingegen machen Sie die Erfahrung des Scheiterns häufig, Sie lernen damit umzugehen. Wenn Sie sich hinsetzen und still sind, merken sie, dass Sie nicht alles kontrollieren können. Das ist eine frustrierende Erfahrung – furchtbar, gerade für eine Führungskraft. Nun steht sie nicht mehr unter dem Druck des Kontrollierens und Handelns, sondern ist ausgeliefert. Nur wer hiermit vertraut ist, kann die Angst verkleinern."
Entspannt euch!, Nachhaltigkeit.org 1.9.10

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