Mittelmanagement hat wenig Einfluss 
Freitag, 28. September 2012 - Studien
Manager der mittleren Ebene haben wenig Einfluss auf die Unternehmensstrategie und verbringen zu wenig Zeit damit, ihre Mitarbeiter zu führen - so das Ergebnis einer Umfrage unter 103 Unternehmen im Auftrag der Personalberatung Penning Consulting. Im Schnitt wendet das Mittelmanagement nur 20 Prozent seiner Zeit für Führungsaufgaben auf, was sich auf den Unternehmenserfolg auswirke, denn bei den Firmen, die steigende Erträge erwirtschaften, werden laut Penning drei Viertel der Mittelmanager ihren Führungsaufgaben gerecht. Ein wunder Punkt: 40 Prozent der Zeit, die für Führung aufgewendet wird, wird mit reaktiver Führung verbracht, also mit dem Lösen von Problemen. Hier sehen die Personalexperten extremen Nachholbedarf, denn nur wer in Eigenverantwortung proaktiv vorgehen könne, könne auch gute Ergebnisse erzielen. Der Verantwortungsbereich des Mittelmanagement indes ist in vielen Firmen sehr klar begrenzt. 67 Prozent räumen ein, dass die Führungskräfte nur einen geringen bis maximal mittleren Einfluss auf die Unternehmensstrategie haben. Bei den Firmen mit steigenden Erträgen sieht das anders aus - hier haben die zweite und dritte Führungsebene in 85 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit, an der Gesamtstrategie mitzuwirken.
Manager führen zu wenig, WiWo 21.9.12


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Arbeitslosigkeit schafft Frust 
Donnerstag, 27. September 2012 - Studien
Das Klischee, dass viele Arbeitslose eigentlich Drückeberger seien, hält sich - nicht zuletzt seit durch die Hartz-IV-Reformen das Fordern und Sanktionieren verschärft wurde. Eine Studie der Universität Lausanne und des Swiss Centre of Expertise in Social Sciences indes zeigt, dass Arbeitslose extrem unter ihrer Situation leiden. Der Verlust des Jobs setze Menschen mehr zu als die Trennung von einem Partner, so eine Erkenntnis der Untersuchung, die auf Daten aus dem Sozioökonomischen Panel und dem Swiss Household Panel basiert. Über die Dauer der Arbeitslosigkeit hinweg trete hier auch kein Gewöhnungseffekt an das eigene Schicksal ein. Und Menschen, die in Regionen mit vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit leben, also ihre persönliche Situation als eine erleben, die sie mit vielen anderen in ihrer Umgebung teilen, leiden nicht weniger als Menschen, die in Regionen mit hoher Beschäftigung ihre Stelle verlieren. "Es ist ein Trugschluss, dass eine kluge Arbeitsmarktpolitik die Leute noch härter anfassen und sanktionieren muss. Sie sind ganz offensichtlich schon äußerst frustriert durch den Zustand der Arbeitslosigkeit an sich", so Studienautor Oliver Lipps.
"Die Zeit heilt keine Wunden", FAZ 20.9.12


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Bizarre Vergütungs-Debatte 
Mittwoch, 26. September 2012 - Studien
Einer Umfrage der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner zufolge, schlägt der Unmut der Deutschen über eine zu hohe Managervergütung wieder einmal Wellen. 69 Prozent der Deutschen betrachten überzogene Bonuszahlungen als grundlegendes Problem des Vergütungssystems. Gegen das Prinzip der leistungsorientierten Bezahlung hat die Mehrheit indes grundsätzlich nichts - 52 Prozent würden dieses Modell für sich bevorzugen. Für die Autoren der Studie ist der Unmut über die Managerhonorare eher einem Kommunikationsproblem geschuldet. So würden die führenden börsennotierten Unternehmen alle die Anforderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex im Hinblick auf eine Bezahlobergrenze erfüllen. Das Problem liege also eher darin, dass die Unternehmen dies nicht kommunizieren. Andererseits: 64 Prozent der Befragten sind auch der Meinung, dass der bisherige gesetzliche Rahmen für die Vergütung von Dax-Vorständen nicht geeignet sei. Welche "Wahrheit" steckt hier zwischen den Zeilen? Unternehmen orientieren sich an einem Kodex und sind auch rechtlich auf der sicheren Seite. Die Bevölkerung kann sich dennoch mehrheitlich nicht des Eindrucks erwehren, dass viel zu viele Manager viel zu viel verdienen. Das ist letztlich keine Frage der Kommunikation - wohl aber eine des Gerechtigkeitsempfindens. Und das lässt sich auch durch den Verweis auf Regelwerke, die eingehalten werden, nicht nivellieren.
Deutsche kritisieren hohe Manager-Vergütung, WiWo 20.9.12


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Dienen als oberste Führungsaufgabe 
Dienstag, 25. September 2012 - Management
In einem Beitrag für Spiegel Online legt der Management-Experte Reinhard K. Sprenger den Daumen in eine der tieferen Wunden des Themas Führung - er spricht von der Wichtigkeit des Dienens. "Arbeit ist immer Arbeit für andere. Man leistet nicht für sich. Sondern die Frage lautet: Was kann ich für andere leisten? Was kann ich dazu beitragen, dass meine Arbeit die Arbeit anderer befruchtet?", so Sprenger. Eine Perspektive, die in den Augen des Führungs-Gurus vor allem im Top-Management nur allzu gerne außer acht gelassen wird: "Viel Geld stimuliert nicht die Bereitschaft, anderen zu dienen. Im Gegenteil: Es lässt glauben, dass man es nicht mehr nötig hat. Es läuft darauf hinaus, dass man es nicht mehr nötig hat. Es läuft auf den Wunsch hinaus, zu verdienen ohne dienen zu müssen. Diese Geisteshaltung belegt Arbeit, die für andere geleistet wird, mit Geringschätzung und bevorzugt Selbstoptimierer als Führungskräfte." Laut Sprenger stellt sich echte Führungsverantwortung nur ein, wenn es Managern gelingt, die Ziele des Unternehmens über ihre eigenen zu stellen. Und wenn sie nicht selbst der Beste sein wollen, sondern andere dabei unterstützen, ihre Potentiale zu entfalten. Keine kleine Aufgabe, denn: "Der erforderliche Wandel bedeutet nichts Geringeres, als sich selbst neu zu erfinden."
Ab jetzt sind Sie ein Agent des Kapitals, Spiegel Online 19.9.12


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Change braucht Offenheit und eine Beziehungskultur 
Montag, 24. September 2012 - Management
Im Interview mit dem Manager Magazin erklärt Change-Experte Willibert Schleuter, welche Ressourcen Unternehmen aktivieren sollten, um Veränderungsprozesse erfolgreich zu bewerkstelligen. Wenn der Wandel scheitert, liege das häufig an einer fehlenden Vision, schlechter Kommunikation und einer nicht funktionierenden Einbeziehung der Mitarbeiter. Wie ein Prozess aussehen kann, der eine Beziehungskultur etabliert, die trägt, beschreibt er am Beispiel Audi: "Mit Visionen und dazu heruntergebrochenen Zielen haben wir die Mitarbeiter fokussiert und fasziniert. Das gelingt umso besser, wenn die Mitarbeiter bei diesem Prozess eingebunden sind. Wir haben das ergänzt um Mitarbeiterbefragungen, bei denen die Fragen von den Mitarbeitern mitentwickelt wurden. Das Zielesystem wurde durch eine von den Mitarbeitern mitgestaltete balanced scorecard hinterlegt. Damit wurden die Ziele permanent gemonitort. Die Mitarbeiter haben dadurch gesehen, dass die von ihnen mitgestalteten Prozesse erfolgreich sind. Daraus folgt: Erfolg bringt weiteren Erfolg." Ein weiteres essenzielles Kriterium für Change-Prozesse ist laut Schleuter Offenheit: "Wenn man Offenheit umsetzt und das Vertrauen der Mitarbeiter gewinnt, führt das in den Abläufen im Unternehmen zu Schnelligkeit. Man ist in der Lage, mit einer scheinbar kleineren Mannschaft mehr zu leisten, als Unternehmen mit mehr Mitarbeitern aber verkrusteten Strukturen." Und last but not least: Ohne gelebte Wertschätzung bis runter zur Basis geht laut Schleuter gar nichts.
"Mittelständler tun sich meist leichter", Manager Magazin 13.9.12

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Armutsgefahr steigt 
Freitag, 21. September 2012 - Studien
Laut den Daten des Statistischen Bundesamtes steigt in Deutschland die Gefahr, in die Armut abzurutschen. Lag die so genannte Armutsgefährdungsquote 2010 noch bei 14,5 Prozent, betrug sie im vergangenen Jahr bereits 15,1 Prozent. Als armutsgefährdet gelten Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Für Einpersonenhaushalte lag die Schwelle 2011 hier bei Einkommen von weniger als 848 Euro. Besonders groß ist die Armutsgefahr in Bremen (22,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (22,2 Prozent), am geringsten in Bayern (11,3 Prozent) und Baden-Württemberg (11,2 Prozent).
Mehr Menschen von Armut bedroht, taz 13.9.12


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Zu viel Arbeit schadet dem Herzen 
Donnerstag, 20. September 2012 - Studien
Eine Meta-Studie des Finnischen Instituts für Arbeitsgesundheit legt nahe, dass ein Übermaß an Arbeit Herzerkrankungen begünstigt. Wer täglich länger als acht Stunden arbeite, habe ein um rund 40 Prozent erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten. Die Forscher werteten Studien mit den Daten von mehr als 22.000 Menschen aus den Jahren 1958 bis 2010 aus Japan, den USA und Ländern Westeuropas aus. Zwar lässt sich in der Meta-Analyse kein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und Herzerkrankungen nachweisen, wohl aber eine Korrelation, die den Zusammenhang statistisch sehr wahrscheinlich sein lässt.
Lange Arbeitszeiten machen herzkrank, WiWo 13.9.12


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Denksysteme hinterfragen 
Mittwoch, 19. September 2012 - sonstiges
In einer Analyse in der FAZ hinterfragt Oskar Lafontaine die Diskursbildung in westlichen Gesellschaften, indem er den Zusammenhang zwischen Besitz, Macht und öffentlich verwendeten Begrifflichkeiten untersucht. In Berufung auf den Aufklärer John Locke erinnert Lafontaine daran, dass Eigentum eigentlich durch eigenes Tun entstehen solle. Wo sich jedoch ungerechte Eigentums- und Vermögensstrukturen etablieren und selbst verstärken, weil das direkte Tun in einem System, in dem Kapital vermeintlicherweise "arbeitet", immer weniger wert hat und kaum noch öffentlich wirksam ist, werde eine undemokratische Machtverteilung verstärkt. "Wer Vermögen hat, vermag etwas", heiße nun die Devise, so Lafontaines Kritik: "Vermögens- und Machtstrukturen erneuern und verstärken sich und stehen den als notwendig erkannten gesellschaftlichen Veränderungen wie ein scheinbar unüberwindliches Hindernis gegenüber." Doch gehe es letztlich nicht nur um diese vordergründigen Machtstrukturen, sondern auch um das Denken, das durch sie verfestigt werde: "Entscheidender ist, dass die Denk- und Urteilsstrukturen, denen wir unterworfen sind, der geistige Überbau dieser Machtverhältnisse sind. ... Wer die Begriffe prägt, bestimmt das Denken. ... Ein Beispiel unserer Tage für die Macht der Begriffe ist, dass das Wort Bankenkrise aus dem öffentlichen Diskurs über die sogenannte Euro-Krise verschwunden ist. Stattdessen wird nur noch von der Staatsschuldenkrise gesprochen. Der Bankenlobby ist es wieder einmal gelungen, die Politik auf die falsche Spur zu setzen. Die Folge ist, dass statt einer Zerschlagung der Großbanken und einer strengen öffentlich-rechtlichen Regulierung der Geldhäuser eine Demokratie zerstörende und ökonomisch kontraproduktive Austeritätspolitik zur Lösung der vermeintlichen Staatsschuldenkrise verordnet wird. Zeitgeist, Sprache, Begriffsapparat und die realen Machtstrukturen stehen also der Durchsetzung linker Reformen im Wege." Ich kann dieser Diskursbetrachtung nur zustimmen. In den täglichen Nachrichten ist meist weniger interessant, was tatsächlich geschieht, als eher, welche Voraussetzungen, die den Berichten zugrunde liegen, unhinterfragt und teils auch unausgesprochen bleiben.
Warum die Linke oft recht hat, es aber nur selten bekommt, FAZ 11.9.12


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