Mit Anlauf scheitern hilft 
Dienstag, 17. September 2013 - Management
Scheitern ist im Business etwa so beliebt wie die rote Karte im Fußball. Der Wirtschaftspsychologe Heinrich Wottawa kritisiert bei Führungskräften eine "selbstwertschonende Tendenz", Fehlschläge eher äußeren Umständen oder anderen Menschen zuzuschreiben, als nach eigenen Fehlern zu suchen. Die "hedonistische Verzerrung" beraube die Betroffenen jedoch eines wichtigen Lerneffekts, denn: "Nur stark erlebte Dissonanzen führen zu affektiven Veränderungen." Wer den eigenen Anteil an Misserfolgen nicht auf den Grund gehe, beraube sich damit hilfreicher Lernerfahrungen. Deshalb rät Wottawa vom Wegducken ab und sieht in der Offensive den einzig konstruktiven Weg zum Umgang mit Katastrophen: Zugeben, dass etwas schief gelaufen ist; den Fehlschlag auch in seiner emotionalen Bedeutung spüren. "Wenn Sie ganz unten sind und sich ausgetobt haben, fangen Sie irgendwann an zu verhandeln. Sie denken weiter, überlegen Alternativen. ... Es folgt die Neuorientierung. Man muss überlegen: Was hat dieser Totalabsturz aus und mit mir gemacht? Wie geht es weiter? Wie geht es anders?", so Wottawa. Es sind eben häufig die Fragen und nicht vermeintliche Antworten, die uns weiter bringen ...
"Schreien Sie, toben Sie!" Karrierespiegel 19.7.13

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Mit den Umständen wachsen 
Montag, 16. September 2013 - Bücher
Gerade ist ein spannendes Buch einer UN-Menschenrechtsbeauftragten, die in Afghanistan tätig war, erschienen, das mich sehr berührt hat. Die Neuseeländerin Marianne Elliott beschreibt in "Mit dem Herzen einer Kriegerin" neben all den politischen Herausforderungen ihrer Arbeit vor Ort auch einen zutiefst inspirierenden Weg des persönlichen Wachstums. Diese Inneneinsichten sind es in meinen Augen, die politische Krisen und mögliche Antworten darauf überhaupt erst versteh- und erkennbar machen. Von außen betrachtet scheint die Situation in Afghanistan in gewisser Weise hoffnungslos zu sein, denn es vergeht kein Tag, an dem Bevölkerungsgruppen miteinander in Konflikte geraten, Menschen leiden oder gar sterben. Rein politische Betrachtungen der Lage blenden die menschliche Dimension jedoch weitgehend aus. Marianne Elliott hingegen stellt sich den Herausforderungen auch als Mensch und beschreibt in ihrem Buch unter anderem, wie ihr ihre tägliche Yoga- und Meditationspraxis dabei geholfen haben, sich für das, was ist, wirklich zu öffnen. "Ich bin sicher, dass Verletzlichkeit und Sensibilität wichtige Dimensionen unserer eigenen langfristigen emotionalen Belastbarkeit sind, die eine sehr wichtige Art von Stärke ist. Es erfordert viel Mut, um verletzlich sein zu können – was grundsätzlich einschließt, dass wir uns auf das Risiko einlassen, verletzt zu werden. Wir müssen wirklich unseren eigenen Fähigkeiten vertrauen, um uns vom Schmerz zu erholen und uns zu erlauben, verletzlich zu sein. Ich denke, Mut, Belastbarkeit und Verwundbarkeit sind sehr eng miteinander verbunden. Und Sensibilität ist – wenn man es bedenkt – einfach die Fähigkeit, subtilere Anzeichen und Auslöser mitzubekommen und darauf zu reagieren als manch andere Leute. Ein empfindsames System ist ein System, das kleine Änderungen wahrnehmen und darauf reagieren kann. So half mir meine eigene Sensibilität zu bemerken, wenn Situationen nicht stimmig waren, und früher zu reagieren, als wenn ich vielleicht nicht so empfindsam gewesen wäre", beschreibt Elliott ihre Erfahrungen in einem Interview, das Amelie Ullrich vom Aurum Verlag mit ihr geführt hat. Das vollständige Gespräch ist online in der Pressemitteilung des Verlags verfügbar. Ich kann das Buch, das Sie direkt beim Verlag bestellen können, nur wärmstens empfehlen.

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Wenn Belohnungen verpuffen 
Freitag, 13. September 2013 - Studien
Eine Studie der TU München legt nahe, dass Anreizsysteme ganz unterschiedliche Wirkungen entfalten, je nachdem wie zufrieden diejenigen sind, denen die Gratifikationen zugute kommen. Die Forscher untersuchten die Selbstwahrnehmung ihrer Probanden im Hinblick auf die persönliche Zufriedenheit und ließen sie dann verschiedene Belohnungen bewerten. Es zeigte sich, dass die Glücklichen Belohnungen insgesamt deutlich positiver bewerteten als Unzufriedene. Vor allem bei eher kleinen Goodies zeigten die positiv Gestimmten eine deutlich höhere Zufriedenheit, während größere Belohnungen von beiden Untersuchungsgruppen ähnlich wahrgenommen wurden. Die Ergebnisse legen nahe, dass man chronisch unzufriedene Mitarbeiter mit Kleinigkeiten kaum hinter dem Ofen hervorlocken kann.
Glückliche Menschen schätzen Belohnungen mehr, Wirtschaftspsychologie aktuell 29.8.13


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Auch im Erwachsenenalter kann man persönlich noch wachsen 
Donnerstag, 12. September 2013 - Wissenschaft
In einem Interview mit Spiegel online erklärt die New Yorker Psychologie-Professorin Ursula Staudinger, dass der Prozess des menschlichen Reifens nicht, wie von der Persönlichkeitspsychologie lange angenommen, mit Erreichen des Erwachsenenalters ein Ende findet. Vielmehr sei es möglich, Persönlichkeitseigenschaften auch in fortgeschrittenen Jahren noch zu verändern. Menschen, die sich immer wieder neuen Erfahrungen aussetzen, die sich neue Aufgaben vornehmen und dazu lernen, um diese zu bewältigen, durchlaufen dadurch auch im inneren einen Wachstumsprozess. Wichtig ist in den Augen der Psychologin, dass sie das Gefühl haben, die Dinge selbst in die Hand nehmen zu können. Doch auch, wer diesbezüglich in eher negativen Denkmustern festhängt, kann etwas tun - nämlich sich diese Muster bewusst machen und einen Perspektivwechsel trainieren. Interessant ist die Unterscheidung, die Staudinger zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Entwicklungswegen trifft: "Meist sind wir auf dem Wohlbefindensweg: Wir konzentrieren uns darauf, dass es uns und den Personen, die uns wichtig sind, gutgeht und sich alle wohlfühlen. Das führt häufig dazu, dass man das Erreichte erhalten möchte und eher nicht das Risiko eingeht, durch Veränderung das Glück aufs Spiel zu setzen. ... Auf dem Weisheitsweg geht es darum, das große Ganze zu verstehen und zum Wohle aller weiterzuentwickeln. Die Zielsetzungen dieser Menschen gehen über das Wohl der eigenen Person und des eigenen Umfelds und auch über die Gegenwart hinaus."
Das Leben ist eine Baustelle, Spiegel online 29.8.13


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Kontaktsperre zum Schutz der Arbeitnehmer 
Mittwoch, 11. September 2013 - Studien
Das Bundesarbeitsministerium prescht voran in der Frage, wie Arbeitnehmer vor unnötigem Berufsstress in ihrer Freizeit besser geschützt werden können. Für die 1.100 Mitarbeiter des Ministeriums wurden nun "Regeln zur ausnahmsweisen Erreichbarkeit außerhalb der individuellen Arbeitszeit" festgelegt. Diese regeln, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur noch in begründeten Ausnahmefällen nach Dienstschluss in der Freizeit per Mail oder Telefon kontakten dürfen und Mitarbeiter, die außerhalb der regulären Arbeitszeit ihre Empfangsgeräte komplett ausschalten, nicht benachteiligt werden. Legitim sind Anrufe und Mails demzufolge lediglich, wenn Aufgaben "unaufschiebbar" sind, eine Ausnahmesituation vorliegt und die Angelegenheit auf keinen Fall bis zum nächsten Dienstbeginn warten kann.
"Geringstmöglicher Eingriff in die Freizeit", SZ 29.8.13


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Prestige hat eine eigene Dynamik 
Dienstag, 10. September 2013 - Studien
Eine Studie der Business School der University of New York zeigt, dass Prestige nicht nur von der absoluten Position abhängt, die Menschen im Beruf erreichen oder Institutionen in Rankings einnehmen, sondern auch von der Richtung der Bewegung, mit der diese Position erreicht wurde. In verschiedenen Tests sollten die Probanden das Ansehen von Mitarbeitern, die Kompetenz einer Universität oder ihre Begeisterung für eine Luxusuhr bewerten. Handelte es sich bei den Menschen, Institutionen und Produkten um Aufsteiger, die sich auf den aktuellen Rangplatz verbessert hatten, wurden sie dabei durch die Bank weg positiver bewertet als wenn sie den gleichen Rangplatz durch einen Abstieg von höherer Position erreicht hatten.
Prestige wird von Rangänderungen bestimmt, Wirtschaftspsychologie aktuell 28.8.13


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Zufrieden im Job, aber deutlich gestresst 
Montag, 9. September 2013 - Studien
Für die Bestandsaufnahme zur "Generation Mitte" befragte das Allensbach-Institut 1.420 Personen im Alter von 30 bis 59 Jahren zu ihren Lebensumständen. Was ihre berufliche und wirtschaftliche Lage angeht, zeigen sich die Mid Ager im großen und ganzen zufrieden. 74 Prozent fühlen sich bei ihrem Arbeitgeber wohl, nur 12 Prozent denken über einen Wechsel nach. Ein Fünftel der Befragten glaubt, dass die eigene wirtschaftliche Lage sich in den kommenden Jahren verbessern werde, 54 Prozent gehen davon aus, dass ihre Verhältnisse etwa gleich bleiben. Immerhin jeder Achte hat indes Angst vor einem finanziellen Abstieg. Das Wohlfühlklima wird allerdings getrübt durch die wachsenden Belastungen im Beruf. So gaben 49 Prozent an, häufiger unter Stress zu stehen, und 42 Prozent bemängelten einen hohen Leistungsdruck. Der Blick in die ferne Zukunft ist ebenfalls etwas getrübt, denn nur ein Viertel der Befragten glaubt, im Alter keine finanziellen Sorgen zu haben, während 55 Prozent in Sorge sind, ihren Lebensstandard nicht halten zu können. 69 Prozent glauben, die Politik könne viel dazu beitragen, die Planungssicherheit der Bürger zu verbessern. Allerdings glaubt nur jeder Vierte, dass sie diesen Spielraum auch nutze. 58 Prozent meinen hingegen, die Politik tue nicht sonderlich viel, 11 Prozent sehen sogar gar keinen Beitrag.
Allensbach-Bericht 28.8.13


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Wenn Arbeit zur Sucht wird 
Freitag, 6. September 2013 - Studien
Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK ist mindestens jeder neunte Arbeitnehmer in Deutschland arbeitssüchtig. 14 Prozent gelten als gefährdet, in die Arbeitssucht zu rutschen. Ein Indiz für ihre Erkrankung: Sie verbringen nicht nur mehr Zeit mit der Arbeit als mit Freizeit, sondern sie zeigen ohne Arbeit Entzugserscheinungen, vergleichbar mit denen von Drogenabhängigen. Hinzu kommt: 10,6 Prozent der Arbeitssüchtigen versuchen mit Medikamenten ihre Arbeitsleistung zu steigern. Besonders gefährdet seien Berufsgruppen wie Manager, Politiker oder Verbandsführer - Menschen, bei denen in besonderem Maße Macht, Ansehen und Einkommen von unermüdlichem Einsatz abhängen. Auch Menschen, die intensiv mit Menschen arbeiten wie Ärzte, Sozialarbeiter oder Lehrer haben ein größeres Risiko, arbeitssüchtig zu werden.
Jeder neunte Deutsche ist arbeitssüchtig, WiWo 27.8.13

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