Gefallen an sich selbst finden 
Mittwoch, 30. September 2015 - Arbeit
Im Interview mit Spiegel Online sensibilisiert die Philosophin Ina Schmidt für den Unterschied zwischen Entspannung und wirklicher Gelassenheit. "Wir haben einen sehr hohen Anspruch daran, was einen gelungenen Alltag ausmacht. Bilder davon, wie die Dinge idealerweise sein sollten, bestimmen unser Denken und Handeln; wir rackern uns damit ab, diese Vorstellungen zu erfüllen. Dabei passen sie oft gar nicht zu uns. Viel zu selten fragen wir uns: Was wäre für unseren Alltag eigentlich angemessen, damit wir gelassen sein können?", gibt Schmidt zu bedenken. Die Philosophin rät mit Seneca dazu, zu einer neuen Form der Selbstakzeptanz zu finden: "Es geht um Selbstakzeptanz innerhalb der eigenen Grenzen. Also keinesfalls ein egoistischer Narzissmus, den ja manche heute als "Selbstoptimierung" sogar als Ideal ansehen. Sondern dass wir uns aller Ecken, Kanten und Unwägbarkeiten so bewusst werden, dass wir trotzdem einen liebevollen Blick entwickeln auf das, was uns ausmacht." Für Schmidt steht dieses Bemühen immer im Kontext der Gemeinschaft. Es geht also nicht um einen nur noch durchdachteren Ego-Trip, denn: "Wir sollen uns nicht um uns selbst bemühen um unseres persönlichen Glücks willen, sondern um damit am besten zur Gemeinschaft beizutragen."
"Häufig verwechseln wir Gelassenheit mit Entspannung", Spiegel online 19.9.15

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Demonstrativer Reichtum verstärkt Ungleichheit 
Dienstag, 29. September 2015 - Studien
In einem Spielexperiment mit knapp 1.800 Teilnehmern untersuchte die Yale Universität, wie sich zur Schau gestellter Reichtum auf Gesellschaften auswirken kann. Es wurden Gruppen mit 17 Personen gebildet, von denen jede zu Beginn Teil eines sozialen Netzwerks mit ungefähr fünf Freunden war. Die Teilnehmer konnten in jedem Durchgang entscheiden, ob sie freiwillig auf etwas Geld verzichten, um dafür allen Gruppenmitgliedern einen Bonus zu sichern. Alternativ durften sie aussetzen und ihr Guthaben blieb konstant. Nach jeder Runde wurden alle Einzelentscheidungen bekannt gemacht und die Teilnehmer konnten Netzwerkverbindungen lösen oder neue eingehen. Durchgespielt wurden mehrere Szenarien - gleiches oder ungleiches Startkapital der Teilnehmer, sichtbares Vermögen oder unsichtbares Vermögen. Interessant dabei: Nicht etwa die Ungleichheit selbst löste Effekte im Verhalten der Teilnehmer aus, wohl aber deren Sichtbarkeit. In diesem Szenario kappten die Reichen häufig die Verbindungen, um ihr Kapital zu sichern. Und die Ärmeren kooperierten stärker untereinander. Die Forscher gehen davon aus, dass je deutlicher Ungleichheit in einer Gesellschaft sichtbar sei, umso stärker diese Segregation zunehme.
Zur Schau gestellter Reichtum fördert Ungleichheit, wissenschaft.de 9.9.15

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Weniger Selbstkontrolle bei Stress 
Montag, 28. September 2015 - Studien
Ein Experiment der Universität Zürich zeigt, dass bereits moderater Stress die Selbstkontrolle von Menschen beeinträchtigen kann. An der Studie nahmen Probanden teil, die nach eigenen Angaben einen gesunden Lebensstil pflegten, Sport trieben und auf gesunde Ernährung achteten. 29 der Versuchsteilnehmer wurden dabei moderatem Stress ausgesetzt - sie mussten ihre Hände für drei Minuten in Eiswasser tauchen und wurden dabei beobachtet und bewertet. Anschließend mussten die Teilnehmer - wie auch die Probanden der Kontrollgruppe, denen dieser erste Teil erspart blieb - im Tomographen zwischen zwei Speisen wählen. Diese waren entweder schmackhaft, aber eher ungesund oder gesund, aber weniger schmackhaft. Dabei zeigte sich, dass die Probanden mit Stresserfahrung mit höherer Wahrscheinlichkeit die ungesunde Speise wählten als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Die Untersuchung im Tomographen dokumentierte, dass sich bei den gestressten Teilnehmern die neuronalen Verbindungsmuster zwischen den für Selbstkontrolle verantwortlichen Hirnregionen verändert hatten. Damit zeigt sich, dass bereits vergleichsweise geringe Stressoren das Gleichgewicht im Gehirn, das die Selbstkontrolle möglich macht, stört.
Stress sabotiert die Selbstkontrolle, Psychologie heute 3.9.15

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Bei Dax-Konzernen ist die Luft dicker als im Mittelstand 
Freitag, 25. September 2015 - Studien
Dax-Konzerne üben auf Berufseinsteiger nach wie vor einen großen Reiz aus, doch wenn es um die Stimmung geht, steht der Mittelstand deutlich besser da. Eine Untersuchung von Boris Gloger Consulting zeigt: Während in Familienunternehmen 75 Prozent der befragten Führungskräfte zufrieden oder sehr zufrieden sind, sind es in den Konzernen lediglich 65 Prozent. Befragt wurden 389 Fach- und Führungskräften ab 40 Jahren. In den Dax-Unternehmen ist vor allem die Sorge um den Arbeitsplatz ein Thema - die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie die Arbeitsplatzsicherheit heute als viel geringer einschätzen als vor zehn Jahren.
Schlechte Stimmung in Konzernen, WiWo 18.9.15

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Weniger arbeiten, mehr erreichen 
Donnerstag, 24. September 2015 - Studien
Schweden macht sich einmal mehr zum Vorreiter, dieses Mal beim Austesten, was kürzere Arbeitstage bringen. In Göteborg und bald auch Umea experimentieren die Skandinavier damit, den Arbeitstag von acht auf sechs Stunden zu verkürzen. Der Stanforder Ökonom John Pecavel stellte im letzten Jahr die These auf, dass aufgrund über den Tag sinkender Motivations- und Produktivitätskurve die Arbeitsdauer nicht zwangsläufig zu mehr Produktivität führe - und Studien der OECD belegen, dass Länder mit längeren Arbeitszeiten nicht produktiver sind als solche mit kürzeren. In den schwedischen Testbetrieben probieren gegenwärtig Ärzte, Pflegepersonal, aber auch Mechaniker im Schichtdienst aus, wie das in der Praxis aussieht. Erste Effekte des Experiments: weniger Krankheitsfälle, weniger Stress, und mehr Zeit und Energie - für die Dinge, die im Job wesentlich sind. Ob sich die durch die Arbeitszeitverkürzung steigenden Personalkosten auch auf dem Papier rechnen, weil geringere Fehlzeiten und die höhere Motivation der Arbeitenden die Mehrausgaben kompensiert, muss sich noch zeigen. Andererseits kann man auch umgekehrt einfach die Frage stellen: Wie viel ist uns ein gesundes, zufriedenes Arbeiten wert?
Mach' mal halbtags, jetzt.de 18.9.15

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Es lebe die Pause 
Mittwoch, 23. September 2015 - Studien
Pausen sind wichtig, um nicht im Energietief zu landen. Dabei kommt es auch darauf an, wann man während des Arbeitstages pausiert und wie man diese Pausenzeit verbringt. In einer Studie der Baylor Universität in Texas wurde das Pausenverhalten von 95 Angestellten im Alter zwischen 22 und 67 Jahren über eine fünftägige Arbeitswoche hinweg analysiert. Im Schnitt machten die Arbeitenden pro Tag zwei Pausen. Diejenigen, die ihre Pause später am Tag einlegten, fühlten sich dabei schlechter und hatten weniger Energie als die Kollegen, die früher pausierten. Eine weitere Erkenntnis der Untersuchung: Menschen, die in der Pause Dinge tun, die ihnen Freude machen, leben gesünder, zeigen weniger körperliche Symptome und sind zufriedener.
Wer häufiger pausiert, lebt gesünder, WiWo 15.9.15

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Social Entrepreneurship - mit anderem Bewusstsein wirtschaften 
Dienstag, 22. September 2015 - Management
In der Wirtschaftswoche erklärt Julian Müller-Schwefe, Geschäftsführer des Social Business On Purpose in Berlin, was Social Entrepreneurship von anderen Businessformen unterscheidet. On Purpose bietet Leadership-Programme für Sozialunternehmer an. "Ich glaube, es ist zumeist eine bewusste Entscheidung[, ein Sozial Business zu gründen]. Der Antrieb ist eben ein anderer. Bei jedem Unternehmer steht eine Problemlösung im Vordergrund und beim Social Entrepreneur ist das immer ein gesellschaftliches Problem", so Müller-Schwefe. Während in Ländern mit geringer ausgeprägten Sozialsystemen soziale und unternehmerische Welten und Kulturen deutlich stärker miteinander in Berührung sind, stehe Deutschland hier noch eher am Anfang: "Deutschland braucht mehr Social Entrepreneure, weil wir klassischerweise ein Land sind, bei dem gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen erst einmal getrennt scheinen von der wirtschaftlichen Welt. Sprich, wenn es hier jemandem nicht gut geht oder wir auf ein gesellschaftliches Problem treffen, ist der erste Reflex zumeist, der Staat muss sich darum kümmern." Interessant könnte es sein, diese kulturellen Voraussetzungen einmal von einer anderen Seite aus zu betrachten. Starke soziale Systeme bedeuten ja letztlich auch, dass es in diesem Feld bereits hohe Kompetenzen gibt. Und in diesem Sinne könnten Social Businesses dieses Potential schlicht auf eine noch breitere Basis stellen.
Social Entrepreneure: Warum Deutschland viele braucht, WiWo 14.9.15

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Ausgepowert als Normalfall 
Montag, 21. September 2015 - Management
Wie sehr das Ausgepowert-Sein im Top-Management schon der Normalfall zu sein scheint, zeigte der Schwächeanfall des BMW-Vorstandsvorsitzenden Harald Krüger in der vergangenen Woche bei der IAA. BMW ließ postwendend verkünden, dass Krüger aufgrund von Auslandsreisen und der damit verbundenen Belastungen bei seinem Messeauftritt schlicht nicht auf der Höhe gewesen sei, es ihm aber grundsätzlich gesundheitlich gut gehe. Immerhin kam der BMW-Chef so zu einer anscheinend dringend benötigten kleinen Erholungspause. Sein Verhalten wie auch das Umgehen des Unternehmens mit dem Zwischenfall zeigt schlicht, wie normal es heute ist, ständig aufgrund äußerer Erfordernisse über die eigenen Kräfte zu gehen. Eine Umfrage der Max Grundig Klinik mit 1.000 Führungskräften zeigte beispielsweise kürzlich, dass 70 Prozent sich zwar gesund oder sehr gesund fühlen, aber 61 Prozent sich auch stark unter Druck fühlen und weder ausreichend noch gut schlafen können.
Das gefährliche Leben der Manager, FAZ 15.9.15

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