Alles eine Frage der Organisation 
Donnerstag, 17. September 2015 - Management
Führung in Teilzeit? In Deutschland ein noch exotisches Modell, denn nur 1,2 Prozent der männlichen und 14,6 Prozent der weiblichen Führungskräfte sind hierzulande in Teilzeit beschäftigt. Die Managementexpertin Brigitte Abrell erklärt in einem Interview mit der Zeit, dass Unternehmen gut daran tun, in Zukunft auch die Arbeit in Führungspositionen zu flexibilisieren. Letztlich sei Teilzeit-Führung nur eine Frage der Organisation, die sich durchaus bewerkstelligen lasse. Mit klaren Aufgabendefinitionen, einer Fokussierung auf Kernaufgaben und dem Mut zum Delegieren, brauche es für funktionierende Führung keine Vollzeit-Präsenz. Hinzu komme, dass Flexibilität bei Führungspositionen für Firmen immer mehr ein Vorteil im Kampf um knapper werdende High Potentials werde. "Vor allem macht es Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv und ist insofern ein Wettbewerbsvorteil. In Zeiten knapper Arbeitskräfte kein unbedeutender Faktor. Außerdem sind Führungskräfte in Teilzeit gezwungen, sehr effektiv zu arbeiten und erbringen mit ihrem Team in ihrer verkürzten Arbeitszeit und mit weniger Gehalt dasselbe Ergebnis wie ihre vollzeitbeschäftigten Kollegen. Eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer", erklärt Abrell.
"Jeden Job kann man in Teilzeit ausüben", Zeit online 7.9.15

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Zermürbung und Konkurrenz im Management 
Freitag, 4. September 2015 - Management
Ein Artikel der New York Times über die Arbeitsbedingungen im Amazon-Management hat in den letzten Wochen zu einer Diskussion darüber geführt, wie die von typisch amerikanischen Wettbewerbsdenken geprägten Unternehmenskulturen auf die Befindlichkeit der Mitarbeiter, selbst derer im Management, abträglich wirken. "Amazon kultiviert seine eigene Leistungsorientiertheit durch Auswahl und Beförderung extrem engagierter Mitarbeiter und Zermürbung oder eben Abgang der anderen. Der Nachteil ist eine hohe Homogenität der Belegschaft auf Kosten von Diversität. Letztere braucht man jedoch für eine nachhaltige Kreativität und Innovationskraft im Unternehmen", diagnostiziert Felix Brodbeck, Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Geld, das Prestige des Arbeitgebers, aber auch die laxe Sozialgesetzgebung in den USA schaffen ein Klima, in dem die Lust auf Leistung nur allzu leicht in Selbstausbeutung kippen kann. Brodbeck spricht von einer McDonaldisierung der Unternehmenskultur - Aufgaben sind genauestens strukturiert und getaktet, so dass selbst in Führungspositionen alle Mitarbeiter jederzeit ersetzbar seien. "Möglich, dass es besonders in digitalen Gründerorten wie dem Silicon Valley besonders gute Voraussetzungen dafür gibt. Was mich dabei erstaunt, ist die Naivität, mit der die Personalabteilungen solche Werkzeuge einsetzen. Ich habe den Eindruck, die Digitalisierung beraubt sie ihrer moralischen Grundwerte. Eine Firmenkultur zu entwickeln, ist ein aktiver Prozess, der sich nur gemeinsam erarbeiten lässt - mittels Gesprächen, Transparenz und Menschenkenntnis", so das Fazit des Organisationspsychologen.
Wenn Konkurrenzdenken zum Gift wird, SZ 19.8.15

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Abschied von der Diktatur der Kennzahlen im Personalwesen 
Donnerstag, 3. September 2015 - Management
Es ist eine Nachricht mit Reichweite. Pierre Nanterme, CEO der Unternehmensberatung Accenture, verkündete, dass das Unternehmen sich im neuen Geschäftsjahr von der bisher praktizierten Mitarbeiterbewertung verabschieden werde. Die Vergleiche mit Kollegen hätten in der Vergangenheit enormen Aufwand verursacht, aber wenig Ertrag gebracht. Immerhin sechs Prozent der Fortune-500-Unternehmen haben sich bereits von Rankings verabschiedet. In einer Umfrage gaben 90 Prozent der Personaler an, dass die üblicherweise praktizierten Feedbackrunden ohnehin keine verwertbaren Informationen lieferten. Eine Studie aus den späten 1990er Jahren hatte sogar ergeben, dass Feedbacks vom Chefs bei jedem dritten Mitarbeiter zu einer Verschlechterung der Arbeitsleistung geführt hatten - möglicherweise, weil diese dann versuchen, die ausgesprochenen Anforderungen möglichst gut zu erfüllen, aber ihren Blick auch darauf beschränken und anderes außer Acht lassen. Direkte Leistungsvergleiche untergraben außerdem das Vertrauen innerhalb von Unternehmen, da sie Kollegen zu Konkurrenten werden lassen. Die wissenschaftlichen Studien deuten darauf hin, dass der Mitarbeiterentwicklung mehr damit gedient ist, Feedbacks am Arbeitskontext auszurichten. Chefs sollten kontinuierlich mit ihren Mitarbeitern im Gespräch sein. Manchmal braucht es wohl einfach die rein menschliche Dimension und Zahlen allenfalls als Hintergrundrauschen.
So geht gute Führung, WiWo 11.8.15

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Konformität reicht nicht mehr 
Mittwoch, 22. Juli 2015 - Management
"Machen Sie Ihr eigenes Ding", rät der Psychologe und Coach Roland Geschwill Führungskräften. Sie sollten sich eher als Künstler verstehen, Regeln brechen, Ungewohntes wagen. "Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und dessen sollten sich die Manager bewusst werden. Es bringt ihnen nichts auf Konformität zu setzen, sie müssen neue, eigene Ideen durchsetzen. ... Es geht darum, dass die Manager ihre etablierten Denkmuster aufbrechen, Visionen entwickeln. Meistens sind sie operativ sehr eingebunden. Manager müssen sich die Zeit nehmen über die großen, strategischen Herausforderungen nachzudenken. Künstler haben große Entwürfe, Manager brauchen sie", so Geschwill. Der Coach weist darauf hin, dass Künstler nichts erzwingen können. Kommen sie bei einem Projekt nicht weiter, machen sie Pause oder arbeiten an etwas anderem. Durchbrüche seien nicht planbar, und entstünden häufig, nachdem zig anderen Ansätze verworfen wurden. "m Moment sind alle auf der Suche nach Kreativität und Innovation. Das hat vor allem einen Grund. Die digitale Ökonomie wird immer mehr Routinearbeit überflüssig machen und Geld wird mit der Lösung von komplexen Aufgaben verdient werden. Viele Geschäftsmodelle werden neu entstehen. Vieles ist heute noch nicht vorhersehbar. Künstler sind besser in der Lage auf Unvorhergesehenes zu reagieren", sagt Geschwill. Für Unternehmen, die die Künstlerhaltung fördern wollen, bedeute dies auch Herausforderungen, denn Kreativität brauche Freiheiten, Zeit statt Ergebnisdruck, die Fähigkeit, ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen. Hört sich an wie der Abschied vom Konformismus, der gegenwärtig in den Führungsetagen noch hoch im Kurs steht.
"Machen Sie Ihr eigenes Ding", WiWo 13.7.15

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Loyalität ist ein Geben und Nehmen 
Freitag, 10. Juli 2015 - Management
"Wer Peanuts zahlt, bekommt Affen", sagt Raffaele Sorrentino, früher Concierge im Nobelhotel Adlon, heute Inhaber eines eigenen Concierge-Services. Für den Unternehmer beginnt die Loyalität der Mitarbeiter bei der Fairness des Arbeitgebers: "Vielleicht muss man als Firma dafür auf zwei bis drei Prozent der Margen verzichten - aber es zahlt sich einfach doppelt und dreifach aus, wenn ich meine Mitarbeiter anständig bezahle." Die Mitarbeiterkultur in Deutschland sei gegenwärtig hingegen meist eine andere. "In Deutschland herrscht leider die Maxime, alles aus einem Angestellten rauszuholen. Aber auch seine Leute muss man so behandeln, dass sie der Firma gerne erhalten bleiben. Denn wie soll ein Mitarbeiter Kunden loyalisieren, wenn ich als Unternehmen ihm keinen Grund gebe, mir gegenüber loyal zu sein?", so Sorrentino. In seinem eigenen Unternehmen ist er dabei, Betriebsrenten einzuführen. Und an ihrem Geburtstag haben seine Mitarbeiter automatisch frei.
"Wer Peanuts zahlt, muss mit Affen arbeiten", Karriere-Spiegel 3.7.15

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Yoga im Business 
Mittwoch, 8. Juli 2015 - Management
Das Online-Portal "Mittelstand - die Macher" widmet ein großes Feature dem Thema Meditation und Yoga im Business. "Gute Führungskräfte vertrauen nicht ausschließlich auf das Rationale und Analytische. Sie nutzen Werkzeuge um zu verstehen, wie sie selbst ticken und wahrnehmen. Auf dieser Basis entwickeln und verankern sie neues, hilfreiches Führungsverhalten. Auch und besonders dann, wenn der Druck groß ist und viel auf dem Spiel steht. Ich sage meinen Kunden häufig: Der Schlüssel für gute Führung ist nicht Ihre Handlungs–Toolbox. Der Schlüssel sind Sie selbst. Hier hat der Yoga eine Menge zu bieten, denn er ist ein Übungsweg zur Selbsterkenntnis und- wahrnehmung mentaler Kontrolle sowie Erforschung und Entwicklung des eigenen Bewusstseins. Bessere Selbstführung ist die Basis besserer Führung, d.h. der Gestaltung gelingender Führungsbeziehungen", zitiert der Beitrag etwa den Unternehmensberater Michael Schwalbach, der auch eine Ausbildung zum Yoga-Lehrer hat. Unternehmensberaterin Janina Bäder, ebenfalls ausgebildete Yoga-Lehrerin, sieht im Yoga einen Weg, der Führungskräften wieder einen Zugang zu sich selbst eröffnet - zur inneren Stimme, dem intuitiven Potential. Und das scheint bitter nötig zu sein, zumindest wenn man betrachtet, wie wenig typische Führungskräfte-Entwicklungsprogramme diese Aspekte adressieren. "Ein Großteil der Maßnahmen zur Führungskräfteentwicklung trivialisiert das Thema Veränderung der Haltung und Persönlichkeit. Die Interventionen sind zu kurz und/oder gehen nicht tief genug. Insofern stellt sich für mich, etwas provokativ zwar, aber mit durchaus ernstem Hintergrund, die Frage, wie lange es ohne Yoga in der heutigen Zeit überhaupt noch gehen kann", meint Michael Schwalbach.
Yoga für Führungskräfte, Mittelstand - die Macher 1.7.15

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Banker sollen weniger arbeiten, aber immer noch zu viel 
Montag, 29. Juni 2015 - Management
Es klingt, denkt man an das deutsche Arbeitsrecht, bizarr - ist aber ernst gemeint: Die Investmentbank Goldman Sachs hält ihre Praktiken mit einer neuen Richtlinie dazu an, zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens nicht zu arbeiten. Schon zuvor hatte das Unternehmen den Nachwuchs-Bankern ans Herz gelegt, doch zwischen Freitag, 21 Uhr, und Sonntag, 9 Uhr nicht zu arbeiten. Um die überlangen Arbeitszeiten war eine öffentliche Diskussion entbrannt, nachdem ein Praktikant der Bank of America unerwartet starb, was allerdings nicht direkt der hohen Arbeitsbelastung zuzuordnen war. Die Bank of America bittet ihre Angestellten nun immerhin, an vier Wochenendtagen pro Monaten dem Arbeitsplatz fernzubleiben. Aus Sicht des deutschen Arbeitsrechts wären Vorschläge wie diese immer noch deutlich oberhalb des gesetzlich Erlaubten. Hierzulande stehen Arbeitnehmern nach einem Arbeitstag elf Stunden ununterbrochene Ruhezeit zu. Auch darf in Deutschland offiziell nicht länger als sechs Stunden ohne Pause gearbeitet werden. Und die tägliche Arbeitszeit ist auf zehn Stunden begrenzt. Die US-Banker dürften auch bei Einhaltung der verkündeten Arbeitszeitbeschränkungen immer noch auf eine 80 bis 100 Stunden-Woche kommen.
17 Stunden täglich reichen, SZ 18.6.15

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Anthroposophische Unternehmen: Wohlfühlklima und Gutes tun 
Dienstag, 23. Juni 2015 - Management
Die SZ nimmt in einem Beitrag die besondere Kultur anthroposophisch orientierter Unternehmen in den Blick. Rund 600 Firmen hierzulande orientieren sich laut SZ an der Philosophie Rudolf Steiners. "Viele Mitarbeiter fühlen sich angezogen von dem wahrgenommenen Sinnbezug der Arbeit, dem ganzheitlichen Ansatz und der Art des Umgangs untereinander", erklärt Susanne Blazejewski, BWL-Professorin an der anthroposophischen Alanus-Hochschule. Die in den Firmen gelebte Anthroposophie speise sich aus einer Lebenshaltung, die den ganzen Menschen betrachtet. Persönliche Weiterentwicklung habe deshalb in vielen der Unternehmen einen besonders hohen Stellenwert - sei es durch Kunst, Eurythmie oder andere Ausdrucks- und Lernformen, die nicht zwingend in Bezug zur konkreten Geschäftstätigkeit stehen. Auch beim Thema Gewinn gehen die Firmen oft andere Wege als die konventionelle Wirtschaft. Überschüsse werden häufig in Unternehmensstiftungen eingebracht. Löhne und Gehälter weisen oft eine deutlich geringere Spreizung auf als in traditionellen Firmen. Der Vorstand der GLS-Bank beispielsweise verdient das Siebenfache des am niedrigsten entlohnten Mitarbeiters.
Sinn gibt's gratis, SZ 12.6.15

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