Angst vor Katastrophen und Terror 
Freitag, 11. September 2015 - Studien
War über Jahrzehnte eine der größten Ängste der Deutschen die vor Inflation, hat sich das Blatt aktuell deutlich gewendet, wie eine regelmäßig erhobene repräsentative Befragung der R+V Versicherung zeigt. Inzwischen sind die Angst vor Naturkatastrophen (53 Prozent) und vor Terrorismus (52 Prozent) die am stärksten ausgeprägten Ängste innerhalb der deutschen Bevölkerung. Auch die Sorge, im Alter ein Pflegefall zu werden (49 Prozent), Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (49 Prozent) und eine Überforderung von Politikern (48 Prozent) beschäftigen die Deutschen in besonderem Maße. Die Inflationsangst ist für 48 Prozent nach wie vor relevant. Weniger Sorgen machen sich die Deutschen um Arbeitslosigkeit (32 Prozent), Straftaten (26 Prozent) oder das Zerbrechen der Partnerschaft (15 Prozent).
Den Deutschen ist ihre Urangst abhanden gekommen, Welt 3.9.15

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Uns geht es doch gut ... 
Donnerstag, 10. September 2015 - Studien
91 Prozent der 30- bis 59-jährigen Deutschen betrachten die Lebensqualität im Lande als gut oder sehr gut, 76 Prozent schätzen gleichermaßen ihre persönliche Situation ein. Es geht uns also wirklich gut, könnte man meinen, wenn man sich die Erhebung im Auftrag des Versicherungsverbands GDV anschaut. De facto sind die Lebensbedingungen in Deutschland jedoch deutlich heterogener, denn es sind vor allem Menschen mit hohem sozioökonomischen Status, die rundum zufrieden sind. Unter ihnen haben 94 Prozent eine gute oder sehr gute Lebensqualität. In der Gruppe mit niedrigem sozioökonomischen Status sind es indes nur 48 Prozent - und 40 Prozent von ihnen geben an, dass sich ihre Lebensqualität in den letzten Jahren verschlechtert habe.
Die satte Generation, Spiegel online 2.9.15

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Kein Job ist gänzlich ohne Stress 
Mittwoch, 9. September 2015 - Studien
Wer möglichst wenig Stress im Job möchte, sollte am besten Materialwissenschaftler werden. So könnte man zumindest die Studie des amerikanischen Karriereforschers Laurence Shatkin deuten, der anhand von Daten des US-Arbeitsministeriums ein Job-Ranking im Hinblick auf den jeweiligen Stressfaktor erstellt hat. Die Materialwissenschaftler sind seiner Auswertung zufolge mit einem Wert von 53 auf einer Skala von 0 bis 100 die Berufsgruppe mit dem geringsten Stress im Ranking. Auch Mathematiker (57,3), Geografen (58), Politikwissenschaftler (60,8) und Jura-Professoren (62,8) kommen noch vergleichsweise gut weg, was die Stressbelastung ihrer Tätigkeit angeht. Warum indes gerade die Optiker mit einem Stresslevel von 70,3 am schlechtesten wegkommen, erklärt der Beitrag nicht.
Bei diesen 12 Jobs ist der Stresslevel gering, FR 1.9.15

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Sich selbst wieder näher kommen und gelassener werden 
Dienstag, 8. September 2015 - Arbeit
Auf der Webseite des Netzwerkes Human Capital Care erklärt der Neurowissenschaftler Ulrich Ott, was hinter dem gegenwärtigen Achtsamkeitstrend steckt. "Als Wissenschaftler kann ich sagen: Es steckt Substanz dahinter, und zwar im doppelten Sinn. Zum einen gibt es heute rund 2.800 wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema Achtsamkeit bzw. englisch „mindfulness“. Zum anderen nimmt tatsächlich die graue Substanz in bestimmten Hirnregionen zu, wenn Personen ein Training in Achtsamkeit absolvieren", so der Meditationsforscher. Das wachsende Interesse an der stillen Innenschau hat in seinen Augen handfeste Gründe: "Vielen Menschen erfahren heutzutage Stress und Zeitdruck bis hin zum Burnout und suchen dementsprechend nach Möglichkeiten der Erholung. Meditation ist eine der Methoden, deren entspannende Wirkung in vielen klinischen Studien gezeigt werden konnte. Darüber hinaus wird auch die Konzentration gesteigert, und viele Menschen machen die Erfahrung, dass Meditation sie wieder mehr zu sich selbst bringt, zu ihrer inneren Mitte." Weitere positive Effekte: Wem es gelingt, sich von der äußeren Hektik nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen, dessen Horizont kann sich weiten, was gut für die Kreativität ist. Auch entwickeln Meditierende leichter Sensibilität - für sich selbst und die eigenen Belastungsgrenzen wie auch als Empathie für andere.
"Meditation hat Effekte auf Aktivität und Struktur des Gehirns", Human Capital Care 31.8.15

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So geht Meditation 
Montag, 7. September 2015 - Arbeit
"Meditieren ist kein ominöses Esoterikspielchen. Es hilft, mit Stress besser umzugehen und sich selbst bewusster wahrzunehmen. Dafür braucht es nicht viel: Man muss nur regelmäßig üben und am Anfang etwas Geduld haben" - was klingt, wie der gediegene Ausschreibungstext zu einem Volkshochschulkurs ist eine Handreichung für die stressgeplagten High Potentials, die das Manager Magazin lesen. Das Business-Magazin hat einen ganzen Artikel dem Thema Meditation gewidmet und lässt zwei Meditationslehrer erklären, mit welchen Methoden sich Einsteiger am besten mit den Achtsamkeitsübungen vertraut machen. Wo sich im letzten Jahr bereits Norbert Reihofer von BMW und Peter Terium von RWE als Meditierende outeten, ist nun die Praxis angesagt. Meditation für jedermann im Management. Bisweilen verblüffend, welchen "Siegeszug" das Thema Achtsamkeit in den letzten Jahren angetreten ist. Einziger Wehrmutstropfen: Das große Interesse rührt nicht zuletzt daher, dass immer weniger Menschen mit dem zum Teil exorbitanten Stress im Berufsleben zurechtkommen.
Wie man in wenigen Minuten total entspannt, Manager Magazin 30.8.15

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Zermürbung und Konkurrenz im Management 
Freitag, 4. September 2015 - Management
Ein Artikel der New York Times über die Arbeitsbedingungen im Amazon-Management hat in den letzten Wochen zu einer Diskussion darüber geführt, wie die von typisch amerikanischen Wettbewerbsdenken geprägten Unternehmenskulturen auf die Befindlichkeit der Mitarbeiter, selbst derer im Management, abträglich wirken. "Amazon kultiviert seine eigene Leistungsorientiertheit durch Auswahl und Beförderung extrem engagierter Mitarbeiter und Zermürbung oder eben Abgang der anderen. Der Nachteil ist eine hohe Homogenität der Belegschaft auf Kosten von Diversität. Letztere braucht man jedoch für eine nachhaltige Kreativität und Innovationskraft im Unternehmen", diagnostiziert Felix Brodbeck, Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Geld, das Prestige des Arbeitgebers, aber auch die laxe Sozialgesetzgebung in den USA schaffen ein Klima, in dem die Lust auf Leistung nur allzu leicht in Selbstausbeutung kippen kann. Brodbeck spricht von einer McDonaldisierung der Unternehmenskultur - Aufgaben sind genauestens strukturiert und getaktet, so dass selbst in Führungspositionen alle Mitarbeiter jederzeit ersetzbar seien. "Möglich, dass es besonders in digitalen Gründerorten wie dem Silicon Valley besonders gute Voraussetzungen dafür gibt. Was mich dabei erstaunt, ist die Naivität, mit der die Personalabteilungen solche Werkzeuge einsetzen. Ich habe den Eindruck, die Digitalisierung beraubt sie ihrer moralischen Grundwerte. Eine Firmenkultur zu entwickeln, ist ein aktiver Prozess, der sich nur gemeinsam erarbeiten lässt - mittels Gesprächen, Transparenz und Menschenkenntnis", so das Fazit des Organisationspsychologen.
Wenn Konkurrenzdenken zum Gift wird, SZ 19.8.15

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Abschied von der Diktatur der Kennzahlen im Personalwesen 
Donnerstag, 3. September 2015 - Management
Es ist eine Nachricht mit Reichweite. Pierre Nanterme, CEO der Unternehmensberatung Accenture, verkündete, dass das Unternehmen sich im neuen Geschäftsjahr von der bisher praktizierten Mitarbeiterbewertung verabschieden werde. Die Vergleiche mit Kollegen hätten in der Vergangenheit enormen Aufwand verursacht, aber wenig Ertrag gebracht. Immerhin sechs Prozent der Fortune-500-Unternehmen haben sich bereits von Rankings verabschiedet. In einer Umfrage gaben 90 Prozent der Personaler an, dass die üblicherweise praktizierten Feedbackrunden ohnehin keine verwertbaren Informationen lieferten. Eine Studie aus den späten 1990er Jahren hatte sogar ergeben, dass Feedbacks vom Chefs bei jedem dritten Mitarbeiter zu einer Verschlechterung der Arbeitsleistung geführt hatten - möglicherweise, weil diese dann versuchen, die ausgesprochenen Anforderungen möglichst gut zu erfüllen, aber ihren Blick auch darauf beschränken und anderes außer Acht lassen. Direkte Leistungsvergleiche untergraben außerdem das Vertrauen innerhalb von Unternehmen, da sie Kollegen zu Konkurrenten werden lassen. Die wissenschaftlichen Studien deuten darauf hin, dass der Mitarbeiterentwicklung mehr damit gedient ist, Feedbacks am Arbeitskontext auszurichten. Chefs sollten kontinuierlich mit ihren Mitarbeitern im Gespräch sein. Manchmal braucht es wohl einfach die rein menschliche Dimension und Zahlen allenfalls als Hintergrundrauschen.
So geht gute Führung, WiWo 11.8.15

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Mehr Bewusstheit in der Wirtschaft 
Mittwoch, 2. September 2015 - Wissenschaft
Die Zeit stellt in einem Beitrag das ReSource-Projekt "einer der wichtigsten säkularen Ethikerinnen unserer Zeit" vor, der Neurowissenschaftlerin Tania Singer, die auf Basis der Daten von 300 Probanden die Wirkungen von Meditation und anderer mentaler Trainingsmethoden erforscht. Singer geht es längst nicht mehr nur um die Erkundung von Achtsamkeitsmethoden. Sie will auch die Wirtschaft verändern, weshalb sie mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft zusammenarbeitet und in dieser Kooperation neue Wirtschaftsmodelle entwerfen möchte, die kooperative, prosoziale und nachhaltige ökonomische Verhaltensweisen ermöglichen sollen. "Das alte Narrativ muss mit einem realistischeren Menschbild ersetzt werden, was auf psychologischen und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen beruht un dem man auch globale Kooperation und mehr Prosozialität zumuten kann", so Singer. In ihrem Forschungsprojekt beleuchtet sie beispielsweise, mit welchen Methoden sich Mitgefühl verbessern lässt oder die Bewusstheit für die eigenen Handlungsmotive. Das Projekt ist ambitioniert und wird im Zuge der auf mehrere Jahre angelegten Auswertung sicherlich noch spannende Einsichten zutage fördern. Interessant wird auch sein, welches Menschenbild Singer selbst zugrunde legt. Während Meditation ursprünglich im Rahmen der großen spirituellen Traditionen immer damit verbunden war, vom eigenen Ich auch absehen und darüber hinaus gehen zu können, werden unter säkularen Vorzeichen inzwischen viele der Methoden eher zur Ich-Stärkung genutzt. Und gerade diese Selbstbezogenheit ist es ja, die nicht zuletzt dazu beiträgt, dass wir heute mit Wirtschaftsformen leben, die uns längst das Wasser abgraben.
Abschied vom Homo oeconomicus, Zeit online 12.8.15

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