Der Mensch will's einfach herausfinden 
Dienstag, 20. September 2016 - Studien
Neugier scheint zutiefst in uns verwurzelt zu sein. Wir probieren Dinge aus, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass wir uns damit kalkulierten Risiken aussetzen. In einer amerikanischen Studie wurden Probanden in ein Wartezimmer gebeten. Auf dem Tisch hatten sie verschiedene Kugelschreiber zur Auswahl. Grüne waren ungefährlich, beim Betätigen der roten erwartete den Benutzer ein Stromschlag, bei gelben war es eine Überraschung, ob der Stift einen Schlag auslöst oder nicht. Im Test zeigte sich, dass die Kugelschreiber, von denen nicht klar war, wie sie auf die Benutzung reagieren, bei den Probanden auf die größte Resonanz stießen. Es ging ihnen also nicht, wie in anderen bereits durchgeführten Experimenten, darum, sich einfach durch Stromschläge die Langeweile des Wartens abwechslungsreicher zu gestalten. Vielmehr wollten viele der Probanden einfach immer wieder herausfinden, wie ein Kugelschreiber reagiert. Die Neugier scheint also größer als die Sorge vor einem erwartbaren Schmerz.
Der Fluch der Neugier, Zeit online 12.9.16

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Zugewandtheit hilft beim Führen 
Montag, 19. September 2016 - Management
Befehlen und Kontrollieren als Führungsinstrumente scheinen immer mehr zum Auslaufmodell zu werden. Heute zählt vor allem ein guter Draht zu den Mitarbeitern - und der entwickelt sich am besten durch aufrichtige Zugewandtheit. "Menschen haben drei psychologische Grundbedürfnisse: Zusammengehörigkeit, Kompetenz und Autonomie. Erst wenn diese befriedigt sind, kann so etwas wie intrinsische Motivation entstehen", erklärt Managementprofessor Niels Van Quaquebeke. Offene Fragen zu stellen, die Mitarbeiter in ihrer Kompetenz und Autonomie ansprechen, sei dabei genauso wichtig wie wirklich zuzuhören. Ein Zuhören, dass manche Führungskräfte erst lernen müssen: "Zuhören ist das Zünglein an der Waage. Wenn der Chef eine Frage stellt und dann bei der Antwort auf dem Smartphone herumspielt oder aus dem Fenster schaut, dann geht der Schuss nach hinten los. Dann pervertiere ich den Zweck der Frage. Das ist so, als würde ich sie zu einer Party einladen, und wenn sie kommen, schlage ich ihnen die Tür vor der Nase zu. Erst erweckt man Erwartungen, und dann werden diese brutal enttäuscht."
"Wer öfter fragt, hat motiviertere Mitarbeiter", FAZ 8.9.16

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Ziele auch ohne Verbissenheit erreichen 
Freitag, 16. September 2016 - Studien
Wer etwas erreichen möchte, muss sich permanent anstrengen, glauben wir gerne. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Rita Coelho do Vale von der Katholischen Universität in Lissabon untersuchte, ob es nicht auch entspannter geht. Dazu verglichen die Wissenschaftler 36 Probanden, die abnehmen wollten. Die eine Gruppe hielt sich strikt über zwei Wochen täglich an ihre Diät, die Vergleichsgruppe durfte an einem Tag in der Woche schlemmen. Die Erfolge waren in beiden Gruppen ähnlich. Die sporadischen Schlemmer berichteten allerdings, dass sie die Diät mit Auszeit als angenehmer empfanden. Gerade bei größeren Vorhaben, sei es nun das Abnehmen einiger Kilos oder ein großes Businessprojekt, könnte die relaxtere Variante von Vorteil sein, denn wer ist schon gerne über längere Zeiträume so extrem festgelegt und verplant, dass für die schönen Seiten des Lebens kein Raum mehr ist? Irgendwann scheitert erfahrungsgemäß die größte Selbstdisziplin daran, dass wir nicht eindimensional sind.
Diät? Morgen wieder! Psychologie heute 8.9.16

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Fünf Stunden im Job pro Tag reichen auch 
Donnerstag, 15. September 2016 - Arbeit
Der amerikanische Paddle-Board-Hersteller Tower hat mit einem ungewöhnlichen Vorstoß für Aufsehen gesorgt. Das 10-Mann-Unternehmen hat die tägliche Arbeitszeit auf fünf Stunden verkürzt. Die Mitarbeiter sind, von Ausnahmen bei höherem Arbeitsanfall abgesehen, nur noch von 8 bis 13 Uhr in der Firma. Firmengründer Stephan Aarstol ist allerdings kein Gutmensch, eher ein cleverer Pragmatiker. Das neue Arbeitszeitmodell basiert darauf, dass die Angestellten in der verkürzten Zeit doppelt so viel leisten, wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer den ganzen Tag. Ein Modell, das bei den Betroffenen auf positive Resonanz stieß. Und es scheint zu funktionieren. Der Jahresumsatz erhöhte sich jedenfalls von 7,2 auf 9 Millionen Dollar.
Ein Fünf-Stunden-Tag für alle, FAZ 8.9.16

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Die Sorgen der Digitalisierung 
Mittwoch, 14. September 2016 - Studien
Die Industrie 4.0 ist in aller Munde. Vor allem der deutschen Wirtschaft wird dabei oft vorgeworfen, den Trend zur Digitalisierung immer noch zu verschlafen. Das hat vielleicht gute Gründe, denn die Studie "Digitalisierung der Arbeitswelt – Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit", für die die im Bereich Gesundheitsmanagement tätige Ias-Gruppe 280 Beschäftigte befragte, zeigt, welche Sorgen viele Arbeitnehmer mit dem digitalen Wandel verbinden. Nahezu 90 Prozent der mittelständischen Betriebe fühlen sich von der wachsenden Digitalisierung betroffen und gehen davon aus, dass deren Bedeutung auch in den nächsten zehn Jahren anhalten wird. Ebenso viele rechnen damit, dass sich durch die Digitalisierung die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens erhöhen wird. Doch was ist mit den Menschen? Zwei Drittel der Befragten rechnet mit positiven Auswirkungen auf ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit, im Umkehrschluss heißt dies jedoch auch, dass ein Drittel hier Zweifel hegt. Unter den Mitarbeitern glauben 45 Prozent, unter den Führungskräften sogar 55 Prozent, dass der Digital-Trend mit höheren mentalen Belastungen verbunden ist. Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen, IT-Business 7.9.16

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Identitätspflege statt Marketing 
Dienstag, 13. September 2016 - Management
Ein Beitrag im Harvard Business Manager zeigt, wie sich die Welt der Werbung und des Marketings verändert. Kunden wollen sich nicht mehr einfach als umgarnte Käufer wissen, sondern leben durch den Kauf bestimmter Produkte ihre Identität. Damit reicht Marketing als Verkaufsmasche nicht mehr aus, und sei es noch so gut. Am Beispiel von Apple, der nachhaltig aufgestellten Fast-Food-Kette Chipotle und dem Mode-Anbieter J. Crew zeigt der Artikel, dass Marken und Produkte, die erfolgreich sind, in sich bereits ein Identitätsversprechen tragen, sei es schickes Design, der Gesundheitsaspekt des Essens oder gleich die Vermittlung eines ganzen Lebensgefühls. "Kunden erwarten von einer Transaktion Bequemlichkeit, doch tief im Herzen sehnen Sie sich nach Bedeutung. Ein reines Marketing-Geschrei, das im Brustton von Gottes Stimme vom Berg herab ruft, wird sofort als das erkannt, was es ist - ein unzusammenhängendes Wirrwarr leerer Worte, das von den Wänden des Tales widerhallt. Zum Aufbau von Loyalität gehört mehr: Es reicht nicht, die Kunden zu schätzen. Man muss sie so gern haben, dass man jeden Tag mit ihnen eine Konversation führen möchte. Wer diese Konversation mit Leidenschaft und Begeisterung führen will, sollte von den eigenen Produkten und der eigenen Mission überzeugt sein", so der Artikel.
Marketing ist tot und Loyalität hat es umgebracht, HBM 6.9.16

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Das gefühlte Unbehagen im Sozialstaat wächst 
Montag, 12. September 2016 - Studien
In der Bevölkerung scheint sich immer mehr das Gefühl zu verstärken, vom Absturz nur wenige unglückliche Entwicklungen entfernt zu sein. Nicht nur die Politik tut sich mit dieser Entwicklung schwer. Auch manche Medien versuchen das real gefühlte Unbehagen mit Fakten wegzudiskutieren. Die Welt beispielsweise führt in einem Artikel an, dass zwischen 2009 und 2013 die Bruttoerwerbseinkommen der unteren zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten um 6,6 Prozent gestiegen seien, währen die reichsten zehn Prozent ihre Einkommen im selben Zeitraum um 2,8 Prozent gesteigert haben. Die Schere gehe also nicht weiter auseinander. Auch ein Zahlenvergleich mit den USA soll zeigen, dass in Deutschland doch alles zum Besten stehe. In beiden Ländern zählt laut Welt ein Drittel der Bevölkerung zur Gruppe der Einkommensschwächeren. Der Einkommensmitte seien in Deutschland allerdings 27 Prozent zuzurechnen, in den USA nur 23 Prozent. Bei der oberen Mitte herrscht fast Gleichstand - 20 Prozent in Deutschland und 19 Prozent in den USA gehören ihr an. Die Kluft zu den Reichen ist in Deutschland kleiner - hier sind es elf Prozent, in den USA 16 Prozent. Die Wahrnehmung der eigenen Lebenssituation hat jedoch nicht unbedingt etwas mit Statistik zu tun. Und: So viel besser als in Amerika ist die Einkommenslage hier ja gar nicht. Der Versuch des Welt-Artikels, mit Zahlen eine heile Welt zu zaubern, deutet auf das eigentliche Problem. Vielen Menschen geht es in Deutschland heute tatsächlich gut. Doch erleben sie im Alltag auch, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Jobverlust, eine Krankheit oder schlicht das nahende Rentenalter - all diese gefühlten Bedrohungen des eigenen Lebensstandards sind nun einmal real. Und viele Bürger erkennen nicht, dass die Politik etwas unternähme, um diese existenziellen Sicherheiten zu verbessern. Statistische Kniffe sorgen da kaum für eine bessere Wahrnehmung, solange die Fakten darum herum sich nicht verbessern.
Den Deutschen geht es besser, als sie sich fühlen, Die Welt 5.9.16


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Meditation bewirkt mehr als ein Urlaub 
Freitag, 9. September 2016 - Studien
Eine Woche Meditation ist wirksamer als eine Woche Urlaub, so die Erkenntnis einer amerikanischen Studie. Die Wissenschaftler untersuchten dafür 94 gesunde Frauen im Alter von 30-60 Jahren. Alle verbrachten eine Woche in einem Resort in Kalifornieren, wobei die Hälfte von ihnen schlicht Urlaub machte, während die andere Hälfte an einem Meditationsretreat teilnahm. Bei den Urlauberinnen zeigte sich ein starker und sofortiger Einfluss auf die molekularen Netzwerke, die mit Stress und dem Immunsystem assoziiert sind. Außerdem verbesserte sich kurzfristig ihr Wohlbefinden, gemessen am Vitalitätsgefühl und geringerer Stressbelastung. In der Gruppe der Meditierenden wurden in den molekularen Netzwerken auch antivirale Aktivitäten gemessen. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Meditierenden auch in der Nachbetrachtung weniger Symptome im Hinblick auf Stress und Depression zeigten als die Urlauber. Die Wissenschaftler betonen, dass nicht nur die psychische Wirkung der Meditation bedeutsam sei, sondern auch die physiologischen Effekte bemerkenswert sind.
Systems biology research study reveals benefits of vacation, meditation, Science Daily 30.8.16


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