Offen sein für die Gegenwart anderer 
Donnerstag, 27. September 2018 - Bewusstsein, Management
Manager sollten meditieren, findet der Jesuitenpater Michael Bordt, der 2011 das Institut für Philosophie und Leadership an der Hochschule für Philosophie in München gründete. Er begleitet Führungskräfte auf einem Weg der Selbsterkenntnis, der ihre Leadership-Qualitäten auf eine tiefere Grundlage stellen soll. Die Innenschau öffne nicht nur für die eigene Befindlichkeit, sondern lasse Menschen auch empathischer für andere werden. "Weil man in der Lage ist, immer mehr bei sich selbst wahrzunehmen – eine immer differenziertere Selbstwahrnehmung zu haben –, spürt man ganz anders die Gegenwart anderer Menschen, anderer Atmosphären, ist näher an seinen Intuitionen dran", so Bordt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur. Auch Enttäuschungen sind in seinen Augen ein Schlüssel, in besserem Kontakt mit der Welt zu sein und so auch bessere Entscheidungen zu treffen: "In jeder Ent-täuschung wird ja eine Täuschung weggenommen. Das heißt, wir kommen der Realität in jeder Enttäuschung näher."
"Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen", Deutschlandfunk Kultur 20.9.18


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Kranke Arbeitswelt 
Montag, 17. September 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Macht Arbeit krank? Ein Blick auf den Fehlzeitenreport, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK, der Universität Bielefeld und der Beuth Hochschule für Technik Berlin anhand der Daten von 2.000 Beschäftigten erstellt wurde, ist alarmierend. 45 Prozent der Befragten klagen über Erschöpfung, 32 Prozent über Nervosität und Reizbarkeit, 30 Prozent sind lustlos und fühlen sich ausgebrannt. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und diverse körperliche Beschwerden kommen noch hinzu. Ein Großteil der Befragten führt all diese Beeinträchtigungen wesentlich auf die eigenen Arbeitsbedingungen zurück. Mehr als 90 Prozent würden sich sichere und gesunde Arbeitsbedingungen wünschen, das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, und den Job mit Familie und Privatleben gut vereinbaren zu können. Die Studie zeigt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Leiden der Arbeitenden und den Rahmenbedingungen ihrer Jobs besteht. Von jenen, die ihre Arbeit als sinnhaft erleben, klagen "lediglich" 33 Prozent über Erschöpfung, bei Menschen, die keinen Sinn in ihrer Arbeit sehen, sind es 57 Prozent. Hier scheint sich seit Jahren kulturell etwas zusammenzubrauen. Leistungskultur hin oder her - die Arbeitswelt scheint immer mehr die menschliche Lebendigkeit aufzufressen.
Arbeit ohne Sinn macht krank, Zeit online 4.9.18

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Pragmatisches Verhältnis zur Arbeit ist nicht verkehrt 
Freitag, 14. September 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
"Dienst nach Vorschrift", das klingt in einer Leistungsgesellschaft leicht nach Drückebergerei. Der Arbeitssoziologe Falk Eckert sieht das anders. "Dienst nach Vorschrift hat einen schlechten Ruf, aber ich erkenne nichts Negatives darin, Arbeit als Pflichterfüllung zu sehen. Ich finde es gut, dass Menschen eine klare Grenze zwischen Arbeit und ihrem Leben ziehen. In diesem Sinn ist Dienst nach Vorschrift sogar gesund", sagt er in einem Interview mit Zeit online. Die Erwartungen an eine tiefere Identifikation der Arbeitnehmer mit ihrem Job und Arbeitgeber sei ein vergleichsweise neues Phänomen. "Ich würde sagen, dass die Erwartung, dass man am Arbeitsplatz gut drauf und motiviert sein soll, gestiegen ist. Vor 100 Jahren wäre man eher nicht auf die Idee gekommen, zu fragen, ob sich Arbeitnehmer emotional an den Arbeitgeber gebunden fühlen", so Eckert. Er warnt auch davor, dass hohe emotionale Erwartungen im Arbeitskontext individuellen Druck schüren: "Die Nachricht ist häufig: Sei glücklicher und erfüllter bei der Arbeit. Und wenn du es nicht bist, hast du etwas falsch gemacht. Dann musst du deine Einstellung wechseln oder den Job. Die Verantwortung wird auf die Einzelperson abgewälzt. Dabei liegt sie häufig bei den Organisationen."
"Dienst nach Vorschrift ist gesund", Zeit online 3.9.18

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Jeder Fünfte fühlt sich motiviert geführt 
Dienstag, 11. September 2018 - Studien, Arbeit, Management
Wann ist eine Meldung eine wirkliche Nachricht? Spiegel.de etwa titelte kürzlich: "Mehr als fünf Millionen Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt". Die Information war frisch, sie stammt aus dem neuesten Engagement-Index, denn Gallup jedes Jahr veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser Erhebung sind indes fast immer die gleichen. Etwa 14 Prozent der Beschäftigten fahren allenfalls Dienst nach Vorschrift und sind nicht wirklich bei der Sache. Am anderen Ende der Skala zeigen sich 15 Prozent hochmotiviert. Und der Rest bewegt sich irgendwo dazwischen. Vielleicht sollten wir anfangen zu erkennen, dass das, was Studien uns als höchste Motivation verkaufen, auch ein Wunschgebilde der wohl meisten Arbeitgeber darstellt. Der Befindlichkeit der Arbeitnehmerschaft scheint es jedenfalls nicht zu entsprechen. Man könnte auch sagen: Wie schön, dass jeder siebte Arbeitnehmer sich so über die Maßen im Job reinkniet. Und wie schön, dass etwas weniger Menschen wenig Lust auf Arbeit haben. Die Gallup-Studie legt immer wieder mit Zusatzfragen nahe, wie sehr es die Unternehmen in der Hand haben, das Klima zu verbessern. Laut Studie findet nur jeder fünfte Befragte, dass er sich in seinem Unternehmen auch ausprobieren könne und Fehler toleriert würden. Jeder Fünfte sagt: "Die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten." Allerdings scheint sich das nicht 1:1 in Höchstleistung zu übersetzen, denn, haben Sie mitgerechnet? - Gallup misst nur 15 Prozent Super-Power-Arbeitnehmer. Studien wie diese suggerieren, dass Firmen nur an ein paar Stellschrauben drehen müssen und schon läuft der Laden. So einfach scheint es indes nicht zu sein …
Mehr als fünf Millionen Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt, Spiegel.de 29.8.18

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Waldbaden, Kungfu oder Meditation - wie Manager abschalten 
Freitag, 7. September 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Das Handelsblatt zeigt in einem Beitrag, welche Methoden Führungskräfte nutzen, um heute im turbulenten Job-Alltag Kraft zu tanken und zur Ruhe zu kommen. Achtsamkeit, Yoga und Meditation scheinen da schon fast zu Klassikern zu avancieren - manche der über ihre Erfahrungen berichtenden Manager praktizieren sie schon seit vielen Jahren. Ein IT-Geschäftsführer hat es mit Waldbaden versucht und findet in der Natur wieder Erdung und dabei auch zu sich selbst. An Bürotagen gönnt er sich mittags, um nicht in den alten Trott zu fallen, 20 Minuten für sich zum Meditieren. Auch Kungfu scheint für Führungskräfte interessant zu sein. Hier können einerseits mentale Kraft und Stärke kultiviert werden, aber auch Entspannung in Aktion.
Zum Relaxen in den Wald, HB 23.8.18

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Wird Achtsamkeit zum Business-Tool? 
Freitag, 31. August 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Achtsamkeit wurde nicht zuletzt durch verschiedene Programme bei Google im Business salonfähig - und scheint sich immer mehr gleichberechtigt zu anderen Business-Tools zu etablieren. Der Berater Bruno Weidl erkundet in einem Interview mit Gopi Kallayil, der bei Google als Chief Evangelist Brand Marketing tätig ist und im Unternehmen auch Yoga unterrichtet, wie sich hier ein neues Feld zwischen Internet und "inner net" auftut. Kallayil wuchs in Indien mit den Yoga-Traditionen auf. Heute mixt er dieses kulturelle Erbe mit der Silicon Valley Kultur. "Die Frage ist, wie können wir dieses innere Netz auf Höchstleistung ausrichten", sagt er. Bewusste Entscheidungen sind für ihn ein wesentlicher Weg. "Unser Leben besteht aus den Entscheidungen, die wir jede einzelne Minute unserer Existenz treffen. Alles, was wir tun, ist unsere Wahl. Jede Wahl ist eine kritische Frage in einem bewussten Leben. Nur wenn ein Gehirn trainiert ist, die Unterscheidung zwischen richtig und falsch zu treffen, besteht die Chance auf ein Leben voller Bedeutung und Sinn", erklärt Kallayil. Im Kontext, den er setzt, wird deutlich, dass die typische neoliberale Leistungskultur für ihn zu den guten Entscheidungen gehört. Seine Folgerung: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Achtsamkeit - praktiziert als eine nichtbewertende Wachheit im Augenblick, die in Meditation, Buddhismus und Yoga gründet - zu einem wichtigen Business-Tool wird." Ich finde es fast ein wenig unheimlich, wie hier verschiedene Dimensionen vermischt werden. Wo der Buddhismus auf Leere und Loslassen abzielt, hört sich das, was Kallayil vorschwebt, sehr zielorientiert an. Hier wird Achtsamkeit in einen Dienst gestellt - ohne dass dieser Kontext hinterfragt würde. Das ist legitim. Es ist aber auch eine Form von Vereinnahmung.
"Leading yourself", 18.7.18, Interview von Bruno Weidl

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Wer sich reinkniet, macht eher Karriere 
Donnerstag, 30. August 2018 - Studien, Arbeit, Management
Wer länger arbeitet, macht eher Karriere, so die Erkenntnis einer Erhebung des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit. Aufstieg und Beförderungen scheinen demnach in engem Zusammenhang zu stehen mit dem zeitlichen Investment in den Job. Eine Studie aus Dänemark kommt zu ähnlichen Schlüssen. In zwei Langzeitstudien wurden hier die Daten von 170.000 Dänen ausgewertet. Hier zeigte sich, dass die Aufsteiger in Top-Positionen pro Woche 15 Prozent mehr arbeiteten als jene, die nicht befördert wurden. Diese Zusammenhänge wurden allerdings nur für Menschen untersucht, die im Unternehmen, in dem sie bereits arbeiten, aufstiegen.
Wer länger arbeitet, macht schneller Karriere, WiWo 24.7.18

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Auch Selbstorganisation folgt Regeln 
Freitag, 24. August 2018 - Arbeit, Management
Selbstorganisation mag für viele Führungskräfte ein Schreckgespenst sein, wenn sie hinter dem Prinzip vor allem eine subtilere Form der Anarchie vermuten. Ein Beitrag in der FAZ zeigt, dass auch agile Führung nicht auf Regeln verzichtet - sie setzt allerdings andere und schafft andere Umgebungen als hierarchische Führung. Autorität wird dann zum Beispiel "verteilt" und liegt in einzelnen Fragen bei denjenigen, die die momentane Kompetenz im jeweiligen Kontext haben. Transparenz ersetzt Kontrolle, mit dem Hintergedanken, dass alles, was in die gemeinsame Sichtbarkeit kommt, auch in diesem größeren Rahmen ausbalanciert wird. Außerdem lebe Selbstorganisation von "evolutionärem Lernen". Statt langfristiger Prognosen und festgezurrter Routinen wird jede Arbeitserfahrung zum Input für einen Lernprozess und entwickelt so die Fähigkeiten innerhalb des Arbeitssystems weiter. Dann spielt noch der Zweck der Organisation eine wesentliche Rolle. Damit meinen die Vertreter des Ansatzes nicht unbedingt Börsenwerte oder Bilanzen, sondern auch den Sinn, den ein Unternehmen stiftet. Und dieser Sinn entsteht auch im kollektiven Aushandeln. In der Gesamtschau wird deutlich, wie viel Selbstorganisation dem Einzelnen und dem System im Ganzen abverlangt. Wo die frühere Top-Down-Führung vor allem durch starre Regeln und nicht selten Verordnungen geprägt und auch gehalten ist, setzt Agilität sehr viel mehr gelebte und intrinsisch gewachsene Verantwortlichkeit voraus. Allein diese Voraussetzung zu schaffen, ist schon ein Projekt für sich.
Selbstorganisation braucht klare Regeln, FAZ 16.7.18

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