Unternehmenswelt auf Kuschelkurs? 
Dienstag, 10. September 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
"Vorsicht vor dem Kuschelkapitalismus", warnte kürzlich die Zeit, nachdem 181 Firmenchefs, die dem Business Roundtable, einer starken Lobbygruppe von US-Großkonzernen, angehören, öffentlich gemacht hatten, künftig nicht mehr allein dem Shareholder-Value-Denken folgen zu wollen, sondern ihr Augenmerk auch auf das Wohlergehen von Mitarbeitern, Kunden und dem Gemeinwesen zu legen. Allein, dass ein solches Statement zur Nachricht wird, zeigt schon, in welcher Welt wir tatsächlich leben. Konkurrenz und Gier sind eben die vorherrschenden Modi der Unternehmenswelt. Da lässt es aufhorschen, wenn die, die Milliarden bewegen und verdienen, auf einmal vorgeben, künftig nett sein zu wollen. "Während jedes Unternehmen seinen individuellen Unternehmenszweck erfüllt, teilen wir alle eine grundsätzliche Verantwortung gegenüber allen unseren Interessengruppen. Wir verpflichten uns, für sie alle wertschöpfend zu handeln, um dem künftigen Erfolg unserer Unternehmen, unseres Gemeinwesens und unseres Landes zu dienen", behauptet das Manifest der Unternehmer. Man darf gespannt sein, ob daraus etwas wird - oder ob das Ganze nur ein kleiner Sommerloch-Hype war. Eine nicht unwesentliche Frage dürfte ja auch sein, wer mit "unsere Interessengruppen" wirklich gemeint ist. Sicherlich nicht jene Menschen, die bisher unter den Geschäftspraktiken dieser Business-Giganten leiden.
Vorsicht vor dem Kuschelkapitalismus, Ziet 27.8.19

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Die Privatisierungsfalle der Achtsamkeit 
Montag, 9. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Achtsamkeit ist womöglich auch so populär geworden, weil sie unser Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken kann. Zu viel Stress? Ein nerviger Job? Rundum überfordert? All das, so zumindest das vielfache Versprechen, lässt sich mit Achtsamkeit in den Griff bekommen. Der Tagesspiegel geht in einem Beitrag der Frage nach, inwieweit ein solch individuelles Gegenwirken bei Herausforderungen, die gerade nicht allein dem persönlichen Verhalten oder gar Zugriff geschuldet sind, nicht auch zur Falle werden kann. Wer ganz damit beschäftigt ist, gegen das eigene Unwohlsein mit Meditation vorzugehen, vergesse leicht, dass die Ursachen oft in größeren Kontexten liegen, auf die man selbst wenig Einfluss hat. Das wird Achtsamkeit leicht zu ein bisschen Kompensation, ohne dass das eigentliche Problem gelöst wird. Gesellschaftliche Schieflagen können sich so verfestigen. Und statt die steigenden kollektiven Herausforderungen endlich in Angriff zu nehmen, verliert man sich leicht im Rückzug ins Private. Dann wird das Ich zur permanenten work-in-progress und verfestigt die ohnehin schon kulturell stark ausgeprägte Ich-Fixiertheit. All das ist natürlich nicht die Schuld von Achtsamkeit. Diese möglichen Gefahren zeigen eher, was geschieht, wenn eine überindividualisierte und entsolidarisierte Gesellschaft neue Tools schmackhaft gemacht bekommt, die diese Zustände verfestigen. Achtsamkeit als wirkliches Loslassen vermag auch Türen zu öffnen - im Geist wie im Herzen. Und dann wird man vielleicht wach für das, was wirklich getan werden sollte.
Die gefährlichen Folgen der Achtsamkeitslehre, Tagesspiegel 19.8.19

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Zeit für Achtsamkeit 
Montag, 19. August 2019 - sonstiges
Achtsamkeit ist nicht nur immer wieder Thema auf diesem Blog, sondern auch in meinem Leben. think.work.different macht Sommerpause, da ich einige Zeit im Retreat sein werde. Wir sind ab 9. September dann wieder mit frischen News für Sie da. Und ich wünsche Ihnen schöne Sommertage!

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Beleidigte Ratgeber 
Freitag, 16. August 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Andere um Rat zu fragen, kann sehr hilfreich sein. Man sollte sich jedoch auch darüber im Klaren sein, dass diese Ratgeber bisweilen gar nicht amused reagieren, wenn man dann nicht auf sie hört - oder wenn man sich gar erdreistet, auch andere Menschen um ihre Perspektive zu bitten. Das zeigt eine Studienreihe der Harvard Business School. Kollegen oder Mentoren, die sich in ihrer Ratgeberrolle nicht gewürdigt fühlten, reagieren der Studie zufolge durchaus mit Kränkung oder torpedieren die Ratsuchenden sogar im Nachhinein. Menschen, die gerne unterschiedliche Meinungen einholen, werden der Studie zufolge auch als inkompetent wahrgenommen. Man sollte sich also gut überlegen, wen man um Rat fragt und warum. Die Studie rät, eigene Ziele zuvor offenzulegen, um keine Enttäuschungen oder gar Vergeltungsakte zu provozieren. Mich würde ja interessieren, ob die Untersuchung auch für die beleidigt Reagierenden Ratschläge parat hat.
Besser nicht ignorieren, HBM 16.8.19

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Unehrlichkeit gräbt sich ins Leben ein 
Donnerstag, 15. August 2019 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
Manchmal ein bisschen Flunkern, aber eigentlich ist man doch ehrlich? Viele Menschen dürften genau dieses Selbstbild von sich haben. Ich erinnere mich an eine Übungsaufgabe aus einem Buch des Beraters Lance Secretan, in der sich diese Lebenshaltung gut einfangen lässt. Er legte den Teilnehmenden seiner Kurse Fragenkataloge vor, bei denen sie ihre Selbsteinschätzung auf einer Skala von 0 bis 10 machen sollten. Eine der Fragen: Ich sage stets die Wahrheit. Die große Mehrheit der Kursteilnehmer machte hier ihr Kreuz im Bereich von 8 oder 9. Den Wenigsten war hingegen bewusst, dass der Wortlaut ein absoluter war - und man entweder mit 0 oder 10 hätte antworten können, während die Zwischenstufen schlicht Schönfärberei sind. Eine Studie mit den Daten eines gehackten Portals für Seitensprünge zeigt, wie tief sich Unehrlichkeit ins Leben graben kann. Die Wissenschaftler verglichen die Daten von 11.000 der registrierten Fremdgeher mit Datensätzen der Normalbevölkerung und fanden heraus, dass die, die Seitensprünge suchten, auch im Berufsleben deutlich öfter betrogen - die Wahrscheinlichkeit dafür war bei ihnen nahezu doppelt so hoch. Ehrlichkeit ist irgendwie ein ganz oder gar nicht Bereich - und wenn die Grenzen löchrig werden, ist man schnell auf der anderen Seite.
Wer privat fremdgeht, betrügt auch im Job eher, Manager Magazin 9.8.19


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Natürliche Unnatürlichkeit 
Mittwoch, 14. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Was empfinden wir in unserer modernen, vielerorts größtenteils von Menschenhand gestalteten Umwelt als natürlich? Dieser Frage ging eine Studie nach, für die 1.400 britische Parkbesucher befragt wurden. Die Naturliebhaber wurden dabei in ganz unterschiedliche Grünanlagen geschickt - manche urwüchsig-wild, andere dezent gestaltet, wieder andere klar ersichtlich die Schöpfung ambitionierter Gartenbauer. Dort, wo die Gärten sehr architektonisch angelegt waren, empfanden die Besucher*innen sie eher als unnatürlich. Ob ein Areal besonders wildwüchsig, also kaum von Menschenhand gezügelt war, oder dezent, aber doch deutlich wahrnehmbar gestaltet wurde, machte hingegen kaum einen Unterschied - beide Gestaltungsformen wurden von den Studienteilnehmenden als natürlich empfunden. Kritischer zeigten sich lediglich die Gebildeteren unter den Befragten, sie schätzten die Natürlichkeit der Parks generell deutlich niedriger ein. Es ist interessant, wie sehr wir anscheinend fast schon automatisch mit Grün auch Natürlichkeit verbinden. Ich fühle mich da sehr an einen Besuch in San Francisco erinnert. Die Stadt viele sehr, sehr schöne Parks. Ich begann mich seinerzeit jedoch schon nach kurzer Verweildauer irgendwie unwohl zu fühlen. Vielleicht, weil etwas in mir, und wahrscheinlich nicht nur der wissende Intellekt, spürte, dass vieles zwar natürlich aussah, aber eben doch sehr gezähmte Natur repräsentierte.
Ganz natürlich, Psychologie heute 10.7.19


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Gefangen im Selbstbezug? 
Dienstag, 13. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Irgendwie freue ich mich ja immer, wenn Massenmedien etwas über Achtsamkeit schreiben, denn ich denke, es kann vielen Menschen helfen, bewusster zu leben. Doch in letzter Zeit fällt mir immer wieder auf, dass viele solcher Ratgeber-Artikel auch einen besonders starken Selbstbezug in den Vordergrund rücken. Sicher, sich wohlzufühlen, ist wohl für die meisten Menschen eine sehr persönliche, ja private Angelegenheit. Und doch hat die Selbstbezogenheit der Tipps, die viele Anleitungen zu mehr Achtsamkeit im Alltag beinhalten, auch ihre Tücken. Man muss keine spirituellen Ambitionen haben, um durch Achtsamkeitsübungen positive Wirkungen zu verspüren. Aber letztlich geht ein Teil der Wirkung solcher Methoden auch darauf zurück, dass man einmal zumindest ein Stück weit von sich selbst absieht. Spätestens seit Buddha ist es quasi amtlich, dass viele unserer empfundenen Probleme schlicht darauf zurückzuführen sind, dass das Leben sich nicht immer nach unserem Willen richtet. Auf der Webseite von Cosmopolitan rät ein Achtsamkeitsartikel dazu, Moodboards zu erstellen, sich selbst einen Liebesbrief zu schreiben oder sich einfach mehr selbst zu vertrauen. Das ist alles gut gemeint. Aber es geht irgendwie auch an dem, was bei Achtsamkeit besonders wirkt, vorbei. Denn gerade die innere Freiheit, die entsteht, wenn ich mal von meinen Wünschen und Bedürfnissen absehe, ist es, die ein tieferes Wohlbefinden nach sich zieht. Weil es mir dann vielleicht nicht immer gut geht, ich das aber gar nicht sooo schlimm finden muss.
5 Tipps, die mehr Fokus, Glück und Achtsamkeit in dein Leben bringen, cosmopolitan.de 4.8.19

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Pessimismus ist gut fürs Sparen 
Montag, 12. August 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wem es gut geht, der nicht an mögliche schlechte Zeiten. So könnte man die Erkenntnisse von sieben Studien mit rund 4.000 Teilnehmenden aus Israel und den Niederlanden einordnen. In ihren Experimenten brachten die Wissenschaftler die Proband*innen in Situationen, die ihrem Selbstbild gut taten oder es ankratzten und testeten danach deren Bereitschaft, für ihre Zukunft durch Sparen vorzusorgen. Dabei zeigte sich der größte Sparwille bei den Studienteilnehmenden, an deren Selbstwertgefühl die vorhergehenden Tests besonders genagt hatten. Die Sparbereitschaft jener, die in den Tests gut abgeschnitten hatten, sank hingegen.
Optimisten sparen nicht gern, Psychologie heute 10.7.19

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