Leistung stiftet kaum Sinn 
Mittwoch, 1. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit
Was die Sinnforscherin Tatjana Schnell in ihren Studien herausgefunden hat, sollte Arbeitgeber, die auf eine besondere Leistungskultur pochen, zum Aufhorchen bringen. Und könnte Beschäftigten, die, obwohl sie erfolgreich sind im Job, unter einer Sinnkrise leiden, so manches erklären. Schnell hat nämlich in verschiedenen Studien belegt, dass Leistung "kein super Sinngeber" ist. Im Interview mit Psychologie heute erklärt sie auch, warum: "Vermutlich weil Leistung relativ external erlebt wird, also jemand anders definiert, was eine gute Leistung ist. Oft liegt der Leistung auch ein sozialer Vergleich zugrunde, und soziale Vergleiche tun uns ohnehin nicht gut." Am stärksten tragen laut ihren Forschungen Generativität, Fürsorge, Religiosität, Harmonie und Entwicklung zur Sinngebung bei. Hört sich vielleicht ein bisschen altbacken an, doch ist mit all diesen Faktoren anscheinend eine Tiefendimension unseres Daseins angesprochen. Sinn entsteht anscheinend nicht an der glatten Oberfläche.
„Plötzlich bin ich ein Teil von etwas Großem“, Psychologie heute 10.8.21

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Home Office scheint sich zu etablieren 
Dienstag, 31. August 2021 - Studien, Arbeit, Management
Zwar kehren immer mehr Menschen zurück an ihre Büroarbeitsplätze, doch zeigen Erhebungen gleichzeitig, dass sich der Trend zum Home Office zu verstetigen scheint und die Arbeitswelt diesbezüglich in einem längerfristigen Umbruch ist. Dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge beabsichtigten im Juni vergangenen Jahres bereits 64 Prozent der befragten Unternehmen in der Informationswirtschaft, ihren Beschäftigten auch nach der Pandemie die Arbeit von Zuhause aus zu ermöglichen. Aktuell ist diese Zahl bereits auf 74 Prozent gestiegen. Dieser Wandel erreicht selbst das Gewerbe, das häufig weniger fürs Home Office geeignete Arbeitsplätze bereitstellt. Vor der Pandemie konnten sich nur 24 Prozent der Betriebe für ihre Mitarbeiter regelmäßige Heimarbeit vorstellen. Vor einem Jahr waren es bereits 37 Prozent und inzwischen rechnen sogar 46 Prozent der Firmen damit, dass ein Teil ihrer Angestellten künftig mindestens einmal in der Woche von daheim arbeitet.
Unternehmen rechnen mit deutlich mehr Homeoffice, spiegel.de 4.8.21

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Coaching-App als Stress-Helfer 
Montag, 30. August 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Erfinder der App Pocketcoach möchten Menschen Helfen, bevor Stress ihnen psychische Probleme beschert. Dafür verbindet der digitale Helfer Meditation, Atemübungen und Dialoge mit einem Chat-Bot. In der in Zusammenarbeit mit Therapeuten entwickelten Chatfunktion können die User ihren Problemen auf den Grund gehen. Und die App bietet ein Repertoire von etwa 400 Übungseinheiten, mit denen dann gezielt an den Ursachen der individuellen Herausforderungen gearbeitet werden kann. So bekommen die Anwender genau die Hilfe, die sie gerade benötigen, lautet das Versprechen.
Ihre App soll euch vor Stress schützen – und die Krankenkasse zahlt, Businessinsider 28.7.21

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Das eigene Leben bewusster gestalten 
Freitag, 27. August 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Viele Menschen hoffen, dass wir die Pandemie bald überwunden haben und damit ein Zurück zur gewohnten Normalität verbunden sein wird. Der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt beobachtet aber auch, wie sich bei manchen ein grundlegender Einstellungswandel vollzogen hat. Im Interview mit dem Manager Magazin erklärt er: "Wir beobachten tatsächlich einen neuen Trend: JOMO – Joy of missing out. Corona hat bei einigen den Reset-Knopf gedrückt. Sie wollen das Leben wieder mehr genießen und 'müssen' nicht mehr überall dabei sein. Der Grundsatz 'Eine Sache zu einer Zeit' erlebt eine Renaissance. Also entweder Freunde treffen oder ins Restaurant gehen, Fernsehen oder telefonieren, und das auch gern mal länger als zwei Stunden am Stück." Im momentanen Übergang zeigt sich allerdings auch, wie fragil diese innere Neujustierung ist. "Wäre das Angebot wieder bei 100 Prozent dessen, was vor Corona möglich war, würden wahrscheinlich drei von vier Bürgern wieder so agieren wie vorher. ... Aber die Entscheidung, wie sie ihre knappe Zeit einsetzen, treffen viele eben deutlich bewusster", so Reinhardt. Wäre doch toll, wenn wir dieser Bewusstheit mehr Aufmerksamkeit schenken und sie nicht einfach aufgeben, wenn die Verführungen im Außen wieder so sind, wie sie einmal waren ...
"Corona hat bei einigen den Reset-Knopf gedrückt", Manager Magazin 26.7.21

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Wie Musik uns Kraft gibt 
Freitag, 27. August 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Musik kann uns durch die Tiefen des Lebens tragen, wie eine Studie des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik mit 5.000 Menschen aus sechs Ländern auf drei Kontinenten zeigt. Die Untersuchung während des ersten Lockdowns zeigt: "Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, Musik zur Bewältigung emotionaler und sozialer Stressfaktoren zu verwenden." Menschen, die stark durch negative Emotionen belastet waren, fanden im Musikhören Hilfe, mit Depressionen, Angst und Stress besser umzugehen. Für Menschen mit eher positiver Grundstimmung wurde die Musik zum Ersatz für soziale Interaktionen - wenn sie den Klängen lauschten, hatten sie eher das Gefühl, einer Gemeinschaft anzugehören. Selber Musik zu machen, könne in den Augen der Forscher ein gutes Mittel zur Selbstreflexion sein.
Musik hilft durch Krisenzeiten, spektrum.de 26.7.21

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Was ist schon normal? 
Mittwoch, 25. August 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Was wir als normal empfinden, ist uns häufig unbewusst und tritt erst in die Wahrnehmung, wenn das Unerwartete unsere Wege kreuzt. Gerade die Pandemie mit ihren teils dramatischen Veränderungen unserer Alltagswelt hat uns dies deutlich vor Augen geführt. Die divergierenden Reaktionen auf verschiedenste Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie haben dabei deutlich werden lassen, welch unterschiedliche Ansprüche im Hinblick auf Normalität es gibt. "Ist es normal, dass wir unsere Freiheiten, unsere individuelle Maximierung von Lust einschränken zugunsten einer Allgemeinheit? Ist das legitim, durchsetzbar, erwartbar? Oder ist es nicht normal?", fragt etwa die Soziologin Villa Braslavsky im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Für sie ist eine Lehre aus der Pandemie, "dass zu unserer Normalität, gesellschaftlich wie individuell, immer eine eigene Verwundbarkeit gehört, eine physische, biologische, wie eine gesellschaftliche Verwundbarkeit". Was aber bedeutet es, diese Verwundbarkeit anzuerkennen? Die Illusion von Normalität ist ja immer auch ein Selbstschutz, weil sie uns eine Vorstellung gibt, wie die Dinge sein sollten. Im Prinzip bricht hier die Vorstellung eines kontinuierlichen Halts im Leben in sich zusammen. Können wir uns längerfristig als Kultur darauf einstellen, das das ständig sich Verändernde die eigentliche Normalität sein könnte? Und wie könnten wir uns in dieser prozesshaften Volatilität dennoch verankern? Die Pandemie hat große existenzielle Fragen aufgeworfen, die, auch wenn sie einmal überwunden sein sollte, immer noch von Belang sind. Villa Braslavsky ist etwas skeptisch im Hinblick auf ein solches Umdenken, denn sie beobachtet, "dass sich für sehr viele Menschen das 'Zurück zur Normalität' mit einer gewissen Sorglosigkeit verbindet, dass es sich verbindet mit der magisch anmutenden Idee: Es wird wieder alles, wie es nie war."
„Unsere Vorstellung von Normalität ist ideologisch verzerrt“, Deutschlandfunk Kultur 25.7.21

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Verquere Arbeitswelt 
Dienstag, 24. August 2021 - Lebensart, Arbeit, Management
Wir nehmen die Bedingungen unserer Arbeitswelt leicht als unverrückbar gegeben hin und vergessen dabei gerne, wie diese Einstellung historisch gewachsen ist. Im Interview mit dem Philosophie Magazin erklärt der Soziologe Harald Welzer: "Deutschland ist eines der frühindustrialisierten Länder, in dem sich die entsprechende Produktionsart mitsamt dem zugehörigen Zeitregime sowie einer dazu passenden, normativen Hochbewertung von Arbeit über mehrere Generationen in die Psyche eingeschrieben hat." Vieles, was wir mit Arbeit verbinden, hat bis heute unsere Gegenwartskultur entscheidend geprägt. "Man muss auch sehen, dass mit dem bereits beschriebenen Prozess der Industrialisierung die Arbeit als Erziehungsmittel etabliert wurde. Wir merken mitunter heute noch, dass Begriffe wie Arbeit, Erziehung, Disziplin, ordentliche Lebensführung usw. stark miteinander verkoppelt sind", so Welzer. Vielleicht fällt es uns gerade deshalb so schwer, unsere Perspektive zu verändern? Die aktuellen Diskussionen um das Grundeinkommen oder auch eine 4-Tage-Woche illustrieren, wie Initiativen heute verstärkt versuchen, mehr Souveränität in das System zu bringen. Doch das ist gar nicht so einfach: "Es ist schlicht und ergreifend eine Tatsache, dass Zeit nicht als politische Gestaltungsaufgabe begriffen wird, denn was macht man mit den Produktivitätszuwächsen, die es ohne Zweifel gibt? Man übersetzt sie in die Generierung von weiterem Mehrwert und nicht in kürzere Arbeitszeit. ... Aber immerhin gibt es bei der IG Metall jetzt Tarifabschlüsse mit der Wahl zwischen mehr Einkommen oder mehr Freizeit. Das sind also schon kleine Anzeichen dafür, dass es eine Renaissance der Arbeitszeitdiskussion gibt. Ansonsten wird aus Arbeitnehmerperspektive allerdings meist für mehr Lohn optiert, während aus Arbeitgeberperspektive der Produktivitätszuwachs so investiert wird, dass man noch produktiver sein kann. Zudem handelt es sich bei dem Drang, ständig beschäftigt zu wirken schließlich auch um ein Kulturphänomen. Etwas also, das sich nicht ohne Weiteres ändern lässt." Wir scheinen in einer Art Spirale festzustecken, doch vielleicht hilft es bereits, die Frage, wie wir Arbeit anders denken und leben können, einfach immer wieder zu thematisieren, um die verfestigten Denk- und Handlungsstrukturen langsam, aber sicher durchlässiger werden zu lassen.
Harald Welzer: „In manchen Berufen wird nur noch Unsinniges gemacht“, Philosophie Magazin 22.7.21

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Die Erfolgsgeschichte der Achtsamkeit im Sozialen 
Montag, 23. August 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Achtsamkeit ist heute vielen Menschen ein geläufiger Begriff, selbst wenn sie noch keine praktischen Erfahrungen damit haben. Der Boom der letzten zehn Jahre ist nicht zuletzt wissenschaftlich fundierten Angeboten zu verdanken, die eine Brücke geschlagen zwischen den modernen Ambitionen im Hinblick auf die Wirksamkeit von Meditation und der Möglichkeit, entsprechende Angebote sinnvoll in praktischen Kontexten zu verankern. Zu den Vorreitern dieser Bewegung gehört auch Andreas de Bruin, der 2010 mit dem Münchner Modell den Startschuss gab, in akademischen Institutionen Programme zu entwickeln, die es erleichtern, Achtsamkeit in die Bereiche Soziale Arbeit, Pflege, Bildung und Erziehung zu integrieren. Schon für sein erstes Angebot im Studiengang "Soziale Arbeit" gab es eine lange Warteliste. Mittlerweile nehmen an den Programmen jedes Semester 150 Studierende aus 24 Studiengängen teil. Vom Kindergarten bis zur Altenpflege können sich fundierte Übungskontexte auf diese etablieren, denn viele ehemalige Studierende wirken bereits selbst als Lehrbeauftragte. Es ist spannend zu sehen, wie sich in nur zehn Jahren in diesem Feld so unglaublich viel entwickeln konnte.
Achtsamkeit in die sozialen Berufe integrieren, AVE Institut 10.7.21

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