Geld - nur eine Selbsttäuschung? 
Freitag, 31. Oktober 2008 - Wissenschaft
In einem Interview mit der taz spricht der Soziologe Christoph Deutschmann über den Tunnelblick, der oftmals unser Umgehen mit Geld bestimmt: "Bei vielen mittelständischen Aktionären und Spekulanten kann man beobachten, dass der finanzielle Reichtum eine Art Tunnelblick zur Folge hat: Sie sehen nur noch das Geld und die finanziellen Gewinnchancen, alle anderen sozialen Rücksichten geraten aus dem Blick. Es wird zum Beispiel vergessen, dass Weizen und Reis nicht nur Spekulationsobjekte, sondern auch Lebensmittel sind. Die Leute geben sich großen Selbsttäuschungen hin und erhalten jetzt die Quittung dafür." Einerseits konstatiert Deutschmann, dass Geld mittlerweile in der Gesellschaft eine quasi-religiöse Funktion erfüllt, weist jedoch zugleich darauf, dass diese Konstruktion auf Dauer nicht tragfähig sein könne: "Eine Gesellschaft, die durch nichts anderes mehr zusammengehalten wird als durch den Markt, und die den finanziellen Erfolg zum obersten Lebensziel erhebt, wird Probleme bekommen. Geld ist ja nicht nur ein Tauschmittel, sondern ein Medium, das Individualisierung und persönliche Unabhängigkeit mitten in der Gesellschaft ermöglicht, aber in einer Gesellschaft, die uns alle in einer unvorstellbaren Weise voneinander abhängig gemacht hat. Diese Abhängigkeit vergessen wir gern und werden erst zwangsweise mit ihr konfrontiert, wenn das Finanzsystem nicht mehr funktioniert, wie in der gegenwärtigen Krise."
"Geld erfüllt religiöse Funktionen", taz 13.10.2008




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CSR auf Knopfdruck? 
Donnerstag, 30. Oktober 2008 - Management
Die CSR-Manie in Unternehmen treibt neue Blüten. So hat die Beratungsgesellschaft Pleon für ihre Kunden ein Tool entwickelt, das ihnen die Auswahl von geeigneten Sponsoring- und CSR-Aktivitäten erleichtern soll. Die Filter-Software wird zunächst mit individuellen Kriterien gefüttert, so dass mit ihr anschließend konkrete Projekt- und Förderangebote evaluiert werden können. Entscheiden müssen die Benutzer zwar noch selbst, aber durch das Tool lasse sich eine wahllose Förderung nach dem Gießkannenprinzip vermeiden und es werde leichter, mögliche Aktivitäten mit dem eigenen Anspruchsprofil abzugleichen. Ein neues Modell für CSR auf Knopfdruck? Sicher kann IT viele Prozesse im Business drastisch erleichtern, aber gerade beim Thema unternehmerische Verantwortung denkt man doch lieber an große Visionen, die von Menschen mit Herz und Verstand erdacht werden.
"Fördern ohne Gießkanne", CSR-News 24.10.2008


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Einsichten zu Meditation von Wolf Singer 
Mittwoch, 29. Oktober 2008 - Wissenschaft
Der Neurobiologe Wolf Singer spricht in einem Interview mit der Zeit über seine persönlichen Erfahrungen beim Meditieren. "Man kann viel darüber lernen, wie das Gesamtsystem im Grundzustand arbeitet. Man erlebt, was passiert, wenn einen nichts zwingt zu reagieren, sondern wenn sich einfach entfalten kann, was in diesem System alles steckt. In diesem Default-Zustand stellt sich ein Gefühl des »In-der-Welt-Seins« ein. Diese Erfahrung entspricht mit Sicherheit getreuer der Persönlichkeit, die man ist, als das, was man erlebt, wenn man ständig von Tagesereignissen getrieben wird", beschreibt Singer die Einsichten, die sich dem Meditierenden offenbaren. Dass Erkenntnisse wie diese kein Selbstzweck sind, wird deutlich, wenn der Neurobiologe darüber philosophiert, wie diese persönliche Erfahrung unsere Vorstellungen über moralische Werte und deren praktische Verankerung im Alltag beeinflussen könnte. "Man müsste, glaube ich, auch bereit sein, zuzugeben, dass man nicht durch schieres Nachdenken jede Lebenssituation im moralischen Sinne entscheiden kann. Und sicher spielt das Wort Demut eine große Rolle. Vielleicht kann man durch mentale Praktiken wie die Meditation Menschen dazu bringen, Einsichten zu gewinnen, die es ihnen erlauben, über den schnöden rationalen Egoismus hinauszusehen", sagt Singer.
"Der Weg zu sich selbst", Die Zeit 23.10.2008


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Manager haben andere Prioritäten als die Chefs 
Dienstag, 28. Oktober 2008 - Studien
Eine Studie der Personalberatung Personnel Decisions macht deutlich, dass viele Unternehmen die Motivationslage ihrer Mitarbeiter nicht richtig einschätzen. PDI befragte 530 Führungskräfte zu den Maßnahmen, die sie zur Mitarbeiterbindung einsetzen.32 Prozent setzen auf eine gezielte Weiterbildung ihrer Top-Führungskräfte, 22 Prozent setzen auf Boni und eine ergebnisorientierte Bezahlung. Grundsätzlich fiel den Personalberatern auf, dass die Unternehmen eher kurzfristige Ansätze favorisieren und vor einem längerfristig angelegten Talentmanagement eher zurückschrecken. Interessant ist dabei, dass Unit-Leader mit ihrer Prioritäteneinschätzung deutlich daneben liegen, da die Manager ganz andere Wertigkeiten sehen. So ist den Mitgliedern des Mittelmanagements vor allem eine inspirierende, herausfordernde Tätigkeit wichtig, gefolgt von der Entwicklung ihrer persönlichen Fähigkeiten, der Work-Life-Balance, dem Glauben an die Mission des Unternehmens und dem Einfluss auf die Entwicklung der Organisation. Die Unit-Leaders maßen dagegen dem Glauben an die Mission die höchte Bedeutung, gefolgt von Herausforderungen, der persönlichen Entwicklung, dem Einfluss auf Unternehmensziele und der Work-Life-Balance.
Studie von Personnel Decisions
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Work-Life-Balance verbessert sich 
Montag, 27. Oktober 2008 - Studien
Eine Studie der Association of Executive Search Consultants legt nahe, dass sich die Work-Life-Balance für Führungskräfte in Europa im Vergleich zur letzten Erhebung 2006 verbessert hat. Die Beratungsgesellschaft befragte 1134 Senior Executives. Die Zahl der Firmen, die Work-Life-Balance-Programme anbietet, stiegt seit 2006 von acht auf 25 Prozent. Heute finden 40 Prozent der Befragten, dass sich ihre Work-Life-Balance verbessert hat (2006: 35 Prozent). Die Zahl der Manager, deren Arbeitszeiten gestiegen sind, fiel von 59 auf 54 Prozent. Mehrarbeit aufgrund gestiegener Arbeitsbelastung wird nur noch von 39 Prozent der Befragten angeführt (2006: 46 Prozent). 66 Prozent der Führungskräfte würden ihre Arbeitszeiten nicht reduzieren, wenn sie dafür proportionale Einkommensverluste hinnehmen müssten (2006: 62 Prozent). Nach wie vor auf hohem Niveau pendelt sich die permanente Verfügbarkeit der Top-Manager ein. 60 Prozent von ihnen geben an, aufgrund der modernen Kommunikationstechnologien wie Blackberry weniger richtige Freizeit zu haben (2006: 59 Prozent).
AESC-Studie


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Es geht nicht um Moral, sondern ums System 
Freitag, 24. Oktober 2008 - Management
Bei der Ursachenforschung zur weltweiten Finanzkrise wird immer wieder die Moral bemüht und die Gier von Einzelnen gegeißelt. Falsche Perspektive, meint der Wirtschaftsethiker Karl Homann, der die Entwicklungen an den Weltfinanzmärkten für ein Systemproblem und nicht für eine Folge persönlichen Fehlverhaltens hält: "Unser ganzer Wohlstand beruht auf dem Gewinnstreben, auf dieser Gier. Sie können im Wettbewerb gar nicht anders, weil sonst der andere Sie übernimmt." Homann rät zu einer maßvollen Regulierung, die Raum für Innovationen lasse, aber Exzesse verhindere. Und so sehr der Wirtschaftsexperte für Wettbewerb plädiert, räumt er doch ein, dass ein Wettbewerb in gänzlich ungeregeltem Raum ruinös werde. Die daraus erwachenden Folgen auf moralischer Ebene zu diskutieren, greife jedoch zu kurz. "Die verantwortlichen Manager müssen verschwinden. Ihr Vermögen muss herangezogen werden, dann werden sie sich ihr Verhalten in Zukunft gut überlegen", so Homann. Damit landet die Schuldfrage wieder beim Einzelnen, und es stellt sich die Frage, wie in einem so hochkomplexen System dieser Einzelne überhaupt noch erkennen soll, wann er den entscheidenden Schritt zu weit geht.
"Kategorien wie Gier führen in die Irre", FTD 14.10.2008


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Nicht jeder Manager wäre auch ein guter Unternehmer 
Donnerstag, 23. Oktober 2008 - Studien
Zwischen Unternehmern und Manager liegen Welten - das meinen jedenfalls die 500 Eigentümer mittelständischer deutscher Unternehmen, die von der Strategieberatung Weissman & Cie befragt wurden, welchen deutschen Top-Managern sie auch Erfolg in der Rolle des Unternehmers zutrauen. 96 Prozent der Befragten sehen in Porsche-Chef Wendelin Wiedeking einen Entrepreneur, gefolgt von Linde-Chef Wolfgang Reitzle (86 Prozent) und BMW-Vorstand Norbert Reithofer (85 Prozent). Auch Daimler-Boss Dieter Zetsche (82 Prozent) und Adidas-Vorstand Herbert Hainer (80 Prozent) würden wahrscheinlich auch als Firmeninhaber eine gute Figur machen. Eher gering ist das Vertrauen dagegen in Telekom-Chef Rene Obermann, dem nur 61 Prozent der Befragten unternehmerische Fähigkeiten zutrauen. Bei Eon-Chef Wulf Bernotat (58 Prozent) und Allianz-Boss Michael Diekmann (57 Prozent) haben die Mittelständler sogar noch weniger Zutrauen.
"Top-Manager taugen nur bedingt als Unternehmer", FTD 14.10.2008


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Frust im Job? Lieber gelassen bleiben ... 
Mittwoch, 22. Oktober 2008 - Arbeit
Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer ist mit ihrem Job nicht zufrieden. Mehr Gelassenheit täte ihnen gut, sagt Autor Volker Kitz, denn: "Wenn wir kündigen und uns einen neuen Job suchen, werden wir früher oder später wieder die gleichen Sorgen haben wie zuvor." Frustthema Nr. 1 ist für die meisten Angestellten eine als zu schlecht empfundene Zahlen - da sind sich laut Kilz alle vom Fließbandarbeiter bis zum Top-Manager einig, denn immer kennt man jemanden, der mehr hat als man selbst. Für Kilz sind nicht allein die sachlichen Rahmenbedingungen ein Grund für Unzufriedenheit, sondern die individuelle Neigung zum permanenten Vergleich. Kitz rät dazu, das persönliche Glück nicht allein vom Beruf abhängig zu machen. Darüber hinaus sei es hilfreich, das schätzen zu lernen, was man bereits erreicht hat und nicht immer nur nach dem zu schielen, was einem gerade fehlt.
"Der nächste Chef ist auch nicht besser", SZ 13.10.2008


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