Den Gefeuerten geht es bisweilen besser als denen, die bleiben 
Donnerstag, 29. Oktober 2009 - Studien
Eine Studie über das Unternehmen Boeing illustriert, wie sehr längerfristige Turn-arounds, die mit einer Vielzahl an Entlassungen verbunden sind, die Belegschaft schwächen können. In einer Langzeitstudie von 1996 bis 2006 wurden 3.500 Belegschaftsmitglieder regelmäßig über die Auswirkungen des Downsizings befragt. Es zeigte sich, dass für viele das "Ende mit Schrecken", also die Entlassung, wie ein erleichternder Befreiungsschlag wirkte. Umgekehrt litten die im Unternehmen verbliebenen Mitarbeiter häufig unter Schuldgefühlen, weil sie ihre Jobs behalten durften, und unter der Angst, bei der nächsten Entlassungsrunde selbst betroffen zu sein. Die durchschnittliche Anfälligkeit für Depressionen lag bei den verbliebenen Mitarbeitern etwa doppelt so hoch wie bei den gefeuerten. Während erstere weiter unter der Unsicherheit über ihre berufliche Zukunft litten, fanden letztere vielfach vergleichbare Jobs und damit neue Perspektiven. Von den 3.500 Beteiligten zu Studienbeginn arbeiteten bei Abschluss der Studie nur noch 525 für Boeing.
When the Laid-Off are better off, Business Week 22.10.2009

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Risikoscheu und gesellschaftliches Klima bremsen Innovationskraft 
Mittwoch, 28. Oktober 2009 - Studien
Deutschland ist nicht sonderlich innovativ, wie der Innovationsindikator 2009, der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erstellt wird, ausweist. Im internationalen Vergleich verlor die Bundesrepublik weiter an Boden und rutschte im weltweiten Ranking um einen Platz auf Rang 9 von 17 führenden Industrienationen. Die größten Schwachpunkte sind das gesellschaftliche Innovationsklima (Rang 11), ein unterfinanziertes und ineffizientes Bildungssystem (Rang 12), die Wettbewerbsbedingungen und Regulierung (Rang 13) und die Finanzierung von Innovationen (Rang 15). Statistisch betrachtet kann man die Deutschen wohl als innovationsscheu bezeichnen, denn mehr als viele andere Nationen sind die Bundesbürger davon überzeugt, dass ihnen neue Technologien unter dem Strich Nachteile bringen. Bei der "Einstellung zu unternehmerischem Risiko" landet Deutschland wie im Vorjahr auf dem letzten Platz. Bei der Umsetzung von Innovationen (Rang 5) gehört Deutschland jedoch zu den Spitzenreitern, denn trotz oft magerer Forschungsetats münden die Forschungsbemühungen hierzulande besonders häufig in marktfähige Produkte.
Pressemitteilung DIW 21.10.2009
Kurzfassung Innovationsindikator

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Selbstüberschätzung als Fehlerquelle 
Dienstag, 27. Oktober 2009 - Management
Selbstüberschätzung ist eine im Business noch immer zu wenig beachtete Fehlerquelle, findet der amerikanische Journalist und Managementexperte Joseph T. Hallinan. "Die meisten Fehler basieren darauf, dass wir uns und unsere Fähigkeiten überschätzen", sagt er im Interview mit der Wirtschaftswoche. Als Ursache macht der Experte nicht alleine Überheblichkeit aus, sondern auch die Art, wie das Gehirn Sinneseindrücke verarbeitet: Darauf getrimmt, komplexe Informationen in kürzester Zeit zu verarbeiten, nimmt das Gehirn meist nicht die vollständigen Informationen auf, sondern überfliegt sie nur und ergänzt sie automatisch. Sind Fehler erst einmal entstanden, wird eine häufig mangelnde Fehlerkultur zum nächsten großen Problem. Die Unfähigkeit, Fehler zu tolerieren, hängt nicht zuletzt davon ab, dass viele Menschen der Vorstellung folgen, Intelligenz sei eine fixe Größe. Folglich kann, wer Fehler macht, nicht intelligent sein. "Einen Fehler einzuräumen, gleicht in vielen Firmen einem Todesurteil für die Karriere", so Tallinan. Als positives Gegenbeispiel führt der Journalist den Investor Warren Buffett an, der als einer der klügsten Investoren weltweit gilt. Auch Buffett macht immer wieder Fehler, doch in den Newslettern an seine Kunden kommuniziert er diese.
"Fehler einzuräumen, gleicht einem Todesurteil für die Karriere", WiWo 19.10.2009

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Ehrbarer Kaufmann ist nur noch eine Theorie 
Montag, 26. Oktober 2009 - Studien
Redlichkeit, Sparsamkeit, Weitblick, Ehrlichkeit - diese und viele weitere Attribute sind mit dem Bild des ehrbaren Kaufmanns verbunden. Ein Bild, das bei Führungskräften zwar immer noch präsent ist, sich aber in der Praxis anscheinend als wenig praktikabel erweist. Eine Studie der Personalberatung Boyden Executive Search und des Instituts für Unternehmensethik der European Business School zeigtin in deren Rahmen Tiefeninterviews mit 30 Vorständen und Geschäftsführern geführt wurden, verdeutlicht. Viele Top-Manager würden gerne Kriterien wie Mäßigkeit, Genügsamkeit, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit in ihrem täglichen Wirken berücksichtigen, stoßen dabei aber schnell an die Grenzen des Systems. Während die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns auf Langfristigkeit angelegt sind, werden Führungskräfte meist an Ertragsgrößen gemessen, die sich an kurzfristigem Handeln orientieren - ein Widerspruch, der auf individueller Ebene kauf aufzulösen ist. Zwei Drittel der Befragten gaben an, Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns in ihren Leitbildern, Führungsgrundsätzlichen und Verhaltenskodizes festgeschrieben zu haben, aber mit 57 Prozent kommunizieren längst nicht alle diese Grundsätze auch in der Praxis - sie verschwinden in der Schublade. Viele Manager befürworten eine stärkere Werteorientierung im Wirtschaftsleben, weisen aber auch darauf hin, dass dieses ehrbare Verhalten auch Anerkennung findet. "Der finanzielle Erfolg darf nicht allein im Vordergrund stehen, sondern auch die Art und Weise, wie er erwirtschaftet wird, muss Beachtung finden", zitiert die FAZ.
Gegen die Rendite zieht die Moral den Kürzeren, FAZ 10.10.2009

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Studium Integrale Spiritualität mit Business-Modulen 
Freitag, 23. Oktober 2009 - Veranstaltungen
Das Integrale Forum Berlin bietet in den kommenden zwei Jahren für integral Interessierte ein Studium “Integrale Spiritualität” an, das umfassend in die integrale Theorie und Praxis einführt sowie mit wissenschaftlichen Hintergründen und alltagsnahen Methoden vertraut macht. Das von Matthias Ruff und Michael Habecker konzipierte Studium basiert auf den vier Basismodulen Körper, Geist, Sein/Spiritualität und Schatten und legt mit Körper- und Atemübungen, Lernen und Verstehen, Meditation sowie Schattenarbeit und Psychodynamik die Grundlagen für ein tieferes Verstehen und persönliches Erfahren integraler Zusammenhänge. In Zusatzmodulen werden Themenfelder wie Arbeit, Emotionen, Beziehungen, Ethik, Gender, Ökologie, Entwicklung, Kommunikation, Kunst und Kreativität, Wirtschaft, Geld und Politik behandelt. Das Studium richtet sich an TeilnehmerInnen, die die integrale Perspektive in ihr berufliches Wirken und den persönlichen Bewusstwerdungsprozess integrieren möchten. Pro Jahr finden zwei Ausbildungswochen im Benediktushof in Holzkirchen bei Würzburg statt und jeweils zwei Wochenenden beim Integralen Forum Berlin.
Weitere Informationen zum Curriculum


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Ein neurologischer Blick auf die Veränderungsresistenz 
Donnerstag, 22. Oktober 2009 - Wissenschaft
Der Neurobiologe Gerald Hüther wirft in einem Beitrag für die Zeitung Kurskontakte einen interessanten Blick auf das Thema Sinnsuche und zeigt, wie schwierig es für das Individuum ist, zwischen gesellschaftlich notwendigen Anpassungsleistungen und Selbstentfaltung zu pendeln. "Die Suche nach Sinn ist also kein nutzloses oder esoterisches Unterfangen, sondern eine sich aus der Arbeitsweise und der Strukturierung des menschlichen Gehirns zwangsläufig ergebende Notwendigkeit. Die Hirnentwicklung lässt sich als ein Prozess der sukzessiven Herausformung von in sinnvoller Weise den älteren Strukturen jeweils übergeordneten und diesen älteren Strukturen selbst wieder Sinn verleihenden Metarepräsentanzen verstehen. Durch die im Verlauf von Erziehung und Sozialisation gemachten Erfahrungen kommt es zu strukturell im Gehirn verankerten Anpassungsleistungen, die aus sozialer Sicht zwar sinnvoll, aber mit den am eigenen Leib gemachten Erfahrungen unvereinbar – sinnlos – sind. Die damit einhergehende Entfremdung wird so zur Triebfeder einer lebenslangen Suche nach Kohärenz zwischen selbstgemachten und von anderen übernommenen Erfahrungen – der Suche nach Sinn", erklärt Hüther. Die sich im Zuge der Sozialisation herausbildenden Hirnstrukturen wirken gewissermaßen wie ein Filter, denn Informationen, die zu dem, was im Gehirn bereits präsent ist, passen, werden deutlich leichter verarbeitet: "Was schon da ist, was an Verknüpfungen im Gehirn bereits entstanden ist, ist entscheidend dafür, wie das Neue beschaffen sein muss, damit es zum bereits Vorhandenen passt. Wenn es passt, hat es einen Sinn, wenn es nicht passt, wird es als Unsinn abgetan." Dieses Verarbeitungsprozedere erklärt auch, warum der Mensch sich mit Veränderungen so schwer tut, denn laut Hüther ist es bisweilen notwendig, die im Hirn bereits entstandenen Verschaltungsmuster auf neue Weise miteinander in Beziehung zu bringen, damit Neues sich sinnvoll in den vorhandenen Erfahrungsschatz integrieren lässt. Gleichzeitig ist das Gehirn jedoch grundsätzlich auf das Knüpfen von Verbindungen angelegt, also offen für neue Impulse. Diese Offenheit wird jedoch häufig von einer gesellschaftlichen Dynamik überlagert, die eher beschränkend wirkt. "In einer von Leistungsdruck und Konkurrenzdenken geprägten Gesellschaft, in der man bereits als Kind dazu angehalten oder zumindest ermutigt wird, sein Ich ... auf Kosten anderer zu stärken, sind ... Abgrenzungs- und Abspaltungsprozesse unvermeidlich. Für Menschen, die in eine solche, von Effizienzdenken, von Machbarkeitswahn und von Konkurrenzkampf geprägte Gemeinschaft hineinwachsen, hat weder Achtsamkeit noch Behutsamkeit irgendeinen Sinn. ... Langfristig haben solche Einschränkungen der Beziehungsfähigkeit von Menschen bzw. der Konnektivität ihrer neuronalen Verschaltungen im Gehirn ... einen hohen Preis und fatale Folgen: ein Verlust der Offenheit und Kreativität, eine sich ausbreitende Verunsicherung und Angst, ein Zerfall sozialer Bindungen und Unterbrechung der transgenerationalen Weitergabe von Erfahrungen." Dieser Negativdynamik hält Hüther die Vision entgegen, einen neuen gesellschaftlichen Konsens über sinnvolle gemeinsame Ziele herzustellen, der auf eine Verbesserung der Beziehungsfähigkeit abzielt.
Vom Reiz des Lernens, Kurskontakte Oktober 2009

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Bankenbündnis für Nachhaltigkeit im Finanzmarkt 
Mittwoch, 21. Oktober 2009 - Success Stories
Die im März 2009 gegründete "Global Alliance for Banking on Values", der elf alternative Banken aus der Schweiz, Italien, Nicaragua, Bangladesch, Dänemark, Peru, den USA, den Niederlanden, der Mongolei sowie die deutsche GLS Bank angehören, setzt neue Zeichen im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des Finanzsektors. So beschlossen die Institute, in den kommenden drei Jahren gemeinsam zwei Milliarden Euro Kredite weltweit für nachhaltige Projekte zu vergeben. Darüber hinaus erarbeitet die Allianz Vorschläge für einen global nachhaltigeren Finanzmarkt. Eine beim Green Hub des Massachusetts Institute of Technology in Auftrag gegebene Studie soll die Konzepte und Arbeitsweisen der Mitgliedsbanken der Allianz untersuchen, um auf dieser Basis übergeordnete Grundsätze für die Neuordnung des Finanzmarktrahmens zu erarbeiten. "Wir verbinden den Tätigkeits- und Wirkungskreis der einzelnen Partnerbanken miteinander und potenzieren somit unseren Einfluss auf eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Entwicklung", so GLS-Vorstandssprecher Thomas Jorberg.
Pressemitteilung der GLS Bank vom 13.10.2009

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Hirn-Doping oder Neuro-Enhancement? 
Dienstag, 20. Oktober 2009 - Wissenschaft
Hirn-Tuning ist ein Thema, das mit den wachsenden Erkenntnissen der Neurowissenschaften immer mehr an Bedeutung gewinnt. Studien zeigen, dass bereits rund 10 Prozent der in den USA Studierenden im Laufe ihres Studiums zu Neuro-Stimulanzien greifen, um ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Auch im Arbeitsleben gewinnen Pillen, die auf die eine oder andere Art kurzzeitig die Leistungsfähigkeit erhöhen, immer mehr an Bedeutung. 58 Prozent der Personen, die zu solchen Mitteln greifen, wollen damit ihre Konzentration verbessern, 43 Prozent zielen auf größere Wachheit ab. Das Magazin "Gehirn & Geist" hat nun ein Memorandum von sieben WissenschaftlerInnen veröffentlicht, die das Thema Hirn-Tuning unter die Lupe nehmen. Den Begriff "Hirn-Doping" lehnen die ExpertInnen dabei strickt ab, da er missbräuchliche Anwendungen nahe lege. Sie bevorzugen den Terminus "Neuro-Enhancement" als eher neutralen Begriff. Die AutorInnen widmen sich unter anderem der Diskussion darüber, welche Stimulanzien gesellschaftlich anerkannt sind und welche nicht. Während Meditation oder Coaching zum Teil hohes Ansehen genießen, wenn es um die Persönlichkeitsoptimierung geht, sei dies bei Mitteln zur Einnahme nicht der Fall. Die WissenschaftlerInnen kritisieren hier die Doppelmoral, mit der die Diskussion gegenwärtig geführt wird und weisen darauf hin, dass die erzielten Effekte durchaus vergleichbar sind und sich bei medizinischer Indikation auch kein Widerstand gegen den Einsatz von Tabletten formiere. Eine weitere wichtige Frage: Gefährdet das Hirn-Tuning die persönliche Authentizität? Die ExpertInnen sehen hier eher weniger Gefahren, zumindest im Hinblick auf die Frage, ob es einen Unterschied macht, wenn man sich oder seine Persönlichkeit durch eigene Anstrengung oder durch die Einnahme von Mitteln "verbessert". Die Frage ist ihrer Meinung nach eher, wie weit das realisierte Potenzial vom bisherigen Ist-Zustand abweicht. Ist die Diskrepanz groß, bestehe die Möglichkeit, dass man die ursprüngliche Persönlichkeit eher als defizitär erachte. Ein Aspekt, der für meine Begriffe in dieser Diskussion viel zu wenig berücksichtigt wird, ist die Frage, wie viel Wandel die Persönlichkeit verträgt. Methoden wie Meditation und Coaching haben den großen Vorteil, dass sie zumeist nicht ad hoc Veränderungen induzieren, sondern diese im Zuge eines längeren Prozesses entstehen und sich so auf der psychischen Ebene leichter integrieren lassen. Beschleunigt man mit einer Pille hingegen von 0 auf 100, ist die Diskrepanz erheblich größer und damit wächst die Gefahr, dass das Individuum sich schwerer tut mit der Integration dieser neuen Erfahrungsebene. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, warum wir uns "verbessern" wollen? Temporär die Müdigkeit auszuschalten oder die Konzentration zu steigern, mag sicherlich in vielen Kontexten nützlich sein. Schwierig wird es jedoch, wenn, wie beispielsweise im Arbeitsleben, die Anforderungen immer weiter steigen und man versucht, nun mit Tabletten Schritt zu halten. Dies setzt nicht nur eine quasi endlose Anpassungsspirale in Gang (die irgendwann einen natürlichen Höhepunkt erreichen dürfte, der sich nicht mehr erweitern lässt), sondern verhindert auch, dass wir die Regeln des Systems hinterfragen. Ich würde lieber fragen: Wie viele Belastungen am Arbeitsplatz und welche Leistungsanforderungen sind sinnvoll und wo übersteigen sie ein menschliches Maß?
Das optimierte Gehirn, Gehirn & Geist 11.2009

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