Share Economy noch mehr Hype als Realität 
Freitag, 31. Oktober 2014 - Studien
Glaubt man den Medien, ist die so genannte Share Economy einer der gegenwärtig heißesten Trends. Hotels und Transportunternehmen sehen sich bereits von den Modellen der Ökonomie des Teilens, bei denen Privatpersonen ihre Wohnungen temporär untervermieten oder Mitmenschen via App-Vermittlung unkompliziert per Auto zu ihren Reisezielen bringen, bedroht und überziehen die Anbieter Airbnb und Uber, die Anbieter und Nachfragende über Internetplattformen zusammenbringen, mit Klagen. Eine Umfrage von GfK und Spiegel online legt indes nahe, dass die Ökonomie des Teilens immer noch sehr in den Kinderschuhen zu stecken scheint. 55,5 Prozent der Befragten wissen, was Carsharing ist, gut 30 Prozent kennen die Plattformen für private Zimmervermittlung. Doch die reale Nutzung hinkt noch weit diesem Wissen hinterher. So liegt der Anteil derer, die schon einmal via Airbnb und Co. ein Zimmer gemietet haben, je nach Altersgruppe zwischen knapp 5 und 12,5 Prozent. Verleihplattformen, z.B. für Werkzeug, Geräte und andere Dinge des Alltags, rangieren gar bei einem Nutzungsgrad zwischen zwei und fünf Prozent. Bei den Fahrdiensten sind es zwischen vier und zwölf Prozent der Befragten, die Angebote schon einmal genutzt haben. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen mag man sich wundern, warum die etablierten Unternehmen, deren Geschäftsmodelle von den neuen Teilangeboten kanibalisiert werden könnten, bereits dermaßen auf die Barrikaden gehen. Und die künftigen Entwicklungspotentiale und möglichen Gefahren scheinen gegenwärtig ebenso noch recht überschaubar. 42,9 Prozent der Befragten konnten sich in der Umfrage vorstellen, selbst zum Anbieter zu werden. 46 Prozent bekundeten Interesse, Nutzer solcher Angebote zu werden.
Share Economy: Deutsche teilen nicht, Spiegel online 17.10.14


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Gamification - die virtuelle Karotte 
Donnerstag, 30. Oktober 2014 - Arbeit
Die Welt geht in einem Beitrag der Frage nach, wie Gamification, das spielerische Lernen mittels Computerspielen, die für die Arbeitswelt entwickelt wurden, zu positiven Verhaltensänderungen führen kann. Mit Spielen Fähigkeiten zu entwickeln, die im Job helfen, funktioniert laut Artikel dann am besten, wenn das Spieldesign sowohl optimal auf das gewünschte Einsatzgebiet zugeschnitten ist als auch für regelmäßige Herausforderungen und Langzeitmotivation sorgt. Das Beispiel zur möglichen Wirkung des Systems SoInteractive Gamification Framework bringt mich dann aber doch zum Grübeln. Hier wird gezeigt, wie ein Mitarbeiter, der häufig zu spät zur Arbeit erschien und nicht sonderlich motiviert war, durch das Spiel sein Verhalten innerhalb weniger Wochen veränderte - er kam plötzlich pünktlich und zeigte deutlich mehr Engagement. Die Erklärung: Um im Spiel Punkte zu sammeln und weiterzukommen, musste der Mitarbeiter sich auch im Hinblick auf seine Pünktlichkeit und seinen Einsatz verbessern - und sein Spieltrieb scheint dabei größer gewesen zu sein als sein zuvor zum Ausdruck gebrachter innerer Widerstand. Klingt nach plumper Manipulation ... Im Artikel heißt es: "Wichtig ist es immer, Gamification in die bestehende Unternehmenskultur zu integrieren. Auf diese Weise kann daraus ein Wettbewerbsvorteil erwachsen. Denn wo Menschen die Möglichkeit geboten wird, direktes Feedback zu erhalten, können sie mit ihren Aufgaben wachsen." Ein zitierter Berater von Accenture weist explizit darauf hin, dass es dabei nicht darum gehe, "die virtuelle Peitsche zu schwingen". Nun, die ist ja dann auch nicht mehr nötig, denn die gewünschte Anpassungsleistung wird ja dann gewissermaßen wie von selbst erbracht - auch wenn es eigentlich ein Spiel ist.
Unternehmen machen Mitarbeitern zu Spielern, Die Welt 18.10.14

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Körperhaltung beeinflusst Gefühle 
Mittwoch, 29. Oktober 2014 - Studien
Eine Studie der Queen's University zeigt, dass unser Körper nicht nur häufig Rückschlüsse auf unsere Gefühle zulässt, sondern umgekehrt die Haltung unsere Emotionen ebenfalls beeinflusst. Die Wissenschaftler legten den Probanden Listen mit positiven und negativen Wörtern vor. Anschließend mussten die Teilnehmer aufs Laufband, wo ihnen durch geschickte Intervention bestimmte Laufstile vermittelt wurden. Anschließend wurden sie befragt, an welche der zuvor gezeigten Wörter sie sich erinnerten. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die zu einem eher schleppenden Gang mit hängenden Schultern veranlasst worden waren, häufiger Begriffe mit negativer Konnotation wie "ängstlich" oder "besorgt" erinnerten. Die Forscher ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass der Laufstil nicht nur das Gedächtnis, sondern wohl auch die Gemütslage beeinflusse, denn negative Erinnerungen führten Erfahrungsgemäß auch zu entsprechenden Gefühlen. Wäre interessant, einmal zu betrachten, ob zu langes Sitzen am Schreibtisch, verbunden mit Verspannungen, ähnliche Konsequenzen hat.
Schlurfender Gang macht traurig, Spektrum.de 16.10.14


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Die unbewussten Chauvinismen in der Arbeitswelt 
Dienstag, 28. Oktober 2014 - Wissenschaft
Die Schlussfolgerungen, die wir aus wissenschaftlichen Studien ziehen, zeigen häufig mehr über unsere Kultur als den eigentlichen Untersuchungsgegenstand. So berichtet der Journalist Ferdinand Knauß in der Wirtschaftswoche über eine amerikanische Studie, die die Stressreaktionen von Frauen und Männern, die an ischämischen Herzkrankheiten litten, also beispielsweise einen Herzinfarkt hinter sich hatten, untersuchte. Dabei zeigte sich, dass die Männer unter Stress weniger emotionale Reaktionen zeigten als die Frauen und sich lediglich bei 41 Prozent der Blutzufluss zum Herzen verringerte (was gesundheitlich bedrohlich werden kann), während dies bei 57 Prozent der Frauen der Fall war. Stress setzt den Frauen also mehr zu als den Männern. Knauß' Deutung der Ergebnisse: "Und die politisch-gesellschaftlichen Implikationen? Nun, man könnte auf die naheliegende Idee kommen, dass die Überrepräsentanz von Männern in jenen gesellschaftlichen Bereichen, die besonders stark von Stress geprägt sind, möglicherweise nicht nur mit kulturellen, historisch überkommenen Prägungen, sondern mit biologischen Voraussetzungen zu tun hat. Dass mit anderen Worten das biologische Geschlecht (sex) und das gesellschaftlich konstruierte (Gender) eben doch nicht so klar zu trennen sind, wie das Kultur- und Sozialwissenschaftler behaupten." Ist das der Backlash zur immer noch gärenden Diskussion über Frauenquoten für Führungspositionen? Sollten Frauen also besser zurück an den Herd, um ihr Herz zu schonen? Oder sollten wir vielleicht lieber einmal darüber nachdenken, wie wir Gesundheitsgefährdungen in der Arbeitswelt insgesamt verringern können? Anstatt mit unterschwelligen Chauvinismen zu suggerieren, dass Frauen besser ihrer Biologie gerecht werden (wie auch immer), indem sie keine Führungsposition anstreben, um nicht vorzeitig an einem Herzinfarkt zu sterben.
Frauenherzen leiden stärker unter Stress, WiWo 15.10.14

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Philosophieren als neue Führungsqualität 
Montag, 27. Oktober 2014 - Management
Mit Muße nachdenken, den Geist schweifen lassen, über das eigene Dasein reflektieren - im hektischen Business-Alltag sind solche Geistesbewegungen für Führungskräfte meist allein schon aus Zeitgründen undenkbar. Ein Beitrag im Harvard Business Manager richtet indes das Augenmerk auf die Frage, "Wie Philosophieren Sie zu einem besseren Manager macht". Wo im Coaching zumeist systematische Verhaltensänderungen im Vordergrund stünden, eröffne eine gezielte Selbstreflexion, beispielsweise im Rahmen "philosophischer Beratung" ganz neue Perspektiven. Der Beitrag argumentiert neurowissenschaftlich, dass die Reflexion eine Hirnregion aktiviere, die es erleichtere, "Diskrepanzen zwischen dem tatsächlichen und dem erwünschten Zustand" zu erkennen, was eine "Integration und Evaluation emotionaler, motivationaler und kognitiver Informationen" ermögliche. Der Beitrag führt mehrere Beispiele dafür an, wie Top-Manager durch das philosophische Reflektieren besser mit konkreten Krisensituationen umgegangen sind, und zieht daraus die Schlussfolgerung: "Das Nachdenken über zeitlose philosophische Werte kann uns zu sehr zeitgemäßen Verhaltensänderungen inspirieren, die unserem inneren Wachstum und einem nachhaltigen Erfolg förderlich sind." Nun, klingt wie das schlichte Bemühen des gesunden Menschenverstands. Was die Frage aufwirft, welche Rolle dieser bisher bei der Besetzung von Führungspositionen spielt ...
Wie Philosophie Sie zum besseren Manager macht, HBM 13.10.14


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Kuriose Mitarbeiterbindung 
Freitag, 24. Oktober 2014 - Management
Der Vorstoß von Facebook und Apple, ihren Mitarbeiterinnen künftig das Einfrieren von Eizellen zu finanzieren, um eine mögliche Schwangerschaft freier zu planen, zeigt, in welchem Irrsinn moderne Unternehmen gefangen sind. Das immer schneller, höher und weiter scheint nun auch vor solch bizarren Ideen nicht mehr zurückzuschrecken. Was manche vielleicht einfach nur cool oder zeitgemäß finden mögen, erinnert andere bereits an die nahende Verwirklichung dessen, was Dave Eggers in seinem Roman "Der Circle" beschreibt - eine zunehmende Abhängigkeit von Arbeitgebern, die immer mehr internalisiert wird. Kritiker weisen, beispielsweise in einem Beitrag in der Zeit, denn auch darauf hin, dass es letztlich vielleicht weniger um Förderung von Frauen gehe, sondern eher um Kontrolle. Der beste Mutterschaftsurlaub wäre in diesem Sinne der, der nicht stattfindet. Dabei ist den Firmen, die mit der Idee nun vorpreschen, nicht allein ein Vorwurf zu machen. Denn letztlich tragen wir alle, indem wir mal mehr, mal vielleicht weniger und unter Kritik, immer wieder mit machen, wenn es darum geht, Leistung und Präsenz als das Wichtigste im Arbeitsleben zu betrachten.
Ein Hoch auf die Produktivität, Zeit online 16.10.14


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Radio-Download: Führung jenseits von Kontrolle und Konsens 
Donnerstag, 23. Oktober 2014 - Management
In der letzten Woche war ich zu Gast bei "Radio evolve" und habe mit Dr. Tom Steininger über das Thema "Führung neu denken - eine neue Kultur jenseits von Kontrolle und Konsens" gesprochen - als kleinen Appetit-Happen auf die nächste Ausgabe des evolve Magazins zu diesem Themenfeld. Der Begriff Leadership ist ja eigentlich längst ein alter Hut - zumindest bemüht sich die Business-Fachliteratur seit den 1960er Jahren darum, neue Führungsperspektiven aufzuzeigen, die unserem Menschsein gerechter werden. In der Praxis dauert dann alles doch ein bisschen länger. In der Radiosendung spannen wir einen sehr weiten Bogen und versuchen zu erkunden, wie das inzwischen durchaus verbreitete systemische Denken nun zu einem nächsten Schritt führen kann - vielleicht zu einem systemischen führen und leben, bei dem wir nicht mehr nur betrachtende Beobachter sind, sondern aus diesem weiterem Erkenntnisradius heraus handeln. Wie kolossal anders die Dinge dadurch werden, versuchen wir anhand von Beispielen aus dem Buch "Reinventing Organizations" von Frederik Laloux zu zeigen (das übrigens im Frühjahr auch auf Deutsch erscheinen wird).
Sendung anhören oder downloaden

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Aufschwung wirkt weniger aufs Gemüt als Krisen 
Mittwoch, 22. Oktober 2014 - Studien
Eine Studie der London School of Economics und der Harvard Business School zeigt, dass ein Wirtschaftsaufschwung zwar die Lebenszufriedenheit erhöht, aber die emotionale Wirkung von Abschwüngen deutlich stärker ausfällt. Die Wissenschaftler warfen bewusst einen Blick auf die psychologische Wirkung von Konjunkturschwankungen, da die Politik sich vor allem auf die Förderung von Wachstum und eher weniger auf das Verhindern von Krisen fokussiere. Die Forscher gehen davon aus, dass Abschwünge, weil sie oft finanzielle Unsicherheit mit sich bringen, Stress und Angst auslösen, während ein bisschen mehr Lebenszufriedenheit in Zeiten des Aufschwungs nicht so stark ins Gewicht falle. Ihre Empfehlung an die Politik: Lieber Krisen vermeiden als dem nächsten Boom hinterherzuhecheln.
Krisen machen unglücklich, WiWo 8.10.14


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