Die Last der Komplexität 
Donnerstag, 9. Oktober 2014 - Management
In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche geht der Kommunikationsexperte Joachim Klewes der Frage nach, welche zentralen Herausforderungen an Führung mit dem rasanten digitalen Wandel verbunden sind, der zur so genannten "Industrie 4.0" führe. Für Klewes ist augenscheinlich, dass die gegenwärtigen Innovationsprozesse zu einer bisher nicht dagewesenen Komplexität führen werden, die "extrem" sei und nicht nur neues Wissen erfordere, sondern vor allem "die Veränderung fundamentaler Einstellungen und Verhaltensweisen". Da der einzelne Mitarbeiter nur noch Bruchteile des jeweiligen Gesamtsystems überblicken könne, gewinne Vernetzung und Prozessdesign eine besondere Bedeutung. Aber: "Nur ein Bruchteil der heutigen Mitarbeiter ist in der Lage, mit diesen komplexen Prozessen umzugehen." Für Führende, die bisher einen großen Teil ihrer Identität aus der "Entscheidungshoheit" ihrer Führungsrolle bezogen hätten, erwartet Klewes ein erhebliches Frustrationspotential aufgrund des "Sinn-Verlusts", der für sie mit den neuen Vernetzungsgraden, die notwendig werden, verbunden sein wird. Dieser müsse durch Change Management konstruktiv aufgefangen werden.
Industrie 4.0: Warum niemand wirklich darauf vorbereitet ist, WiWo 30.9.14


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Führung setzt ein Metabewusstsein voraus 
Mittwoch, 8. Oktober 2014 - Management
In einem Beitrag auf Zeit online bringt der Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun eine neue Führungsperspektive ins Spiel. Seiner Erfahrung nach brauchen Leader vor allem eines - ein Metabewusstsein. Darunter versteht Schulz von Thun weniger eine Form der Abstraktionsfähigkeit, die sich von konkreten Inhalten und Sachfragen löst, sondern das Talent, "veränderte Zustände" zu schaffen. Insbesondere die "implizite Metakommunikation" kann eine neue Art der Lösungsorientierung ermöglichen, da sie sich nicht direkt auf unerwünschtes Verhalten richtet, sondern implizit versucht, zum erwünschten Verhalten zu ermutigen. Sie interveniert also nicht durch ein explizites Thematisieren, sondern greift das, was ist auf, und führt es konstruktiv weiter.
Wie gute Führung gelingen kann, Zeit online 29.9.14


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Wie das Ich seinen inneren Kompass verliert 
Dienstag, 7. Oktober 2014 - Wissenschaft
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche spricht der Soziologe Heinz Bude über ein subtiles Angstphänomen, das immer mehr unser menschliches Selbstbild zu prägen scheint. In der Multioptionsgesellschaft gerät seiner Ansicht nach das liberale Ich in die Krise, weil es immer weniger eine Antwort auf die Frage, was will ich eigentlich, zu finden scheint. "Ich glaube, dass die Ära des selbstbestimmten, innengeleiteten Menschen sich dem Ende zuneigt. Dieser Mensch hatte noch einen sehr individuellen Lebensplan. Er fragte sich etwa: Soll ich einen guten Bildungsroman lesen, mich mit Gottesfragen beschäftigen oder die Relativitätstheorie zu verstehen suchen? Ein solcher Typ suchte und fand Anerkennung - nicht zuletzt bei sich selbst", so Bude. Da in der Arbeitswelt immer mehr die Anpassung zähle, entwickeln in den Augen des Soziologen immer mehr Menschen eine Art "Geschmeidigkeit", die sie ihren inneren Kompass verlieren lässt. Die Folge: "Der außengeleitete Mensch muss ständig auf den Anderen schauen, sich vergleichen. Daraus erwächst eine permanente Angst des Ungenügens. Keine spezifische, leicht adressierbare Angst, sondern eine allgemeine, diffuse Angst im Hinblick auf andere", erklärt der Soziologe. Das Fatale daran: "Diese Angst ist eine Stimmung. Im Unterschied zum Affekt, der plötzlich aufblitzt, bildet sie den atmosphärischen Rahmen für die Art und Weise, in der wir die Welt wahrnehmen. Vielleicht kann man am besten mit einem Bild beschreiben: Die Stimmungsangst hat etwas Rieselndes, sie dringt unmerklich in die Poren der Gesellschaft ein."
Die rieselnde Angst vor dem eigenen Ungeschick, WiWo 28.9.14

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Die Ökonomie braucht ein Update 
Montag, 6. Oktober 2014 - Management
Otto Scharmer, Senior Lecturer am MIT, geht in einem Beitrag im Guardian darauf ein, warum die Ökonomie ein Update braucht - und stellt acht Blickwinkel vor, die zur notwendigen Transformation beitragen könnten. Scharmer spricht von drei großen Trennungen, die zu den Krisen in den vergangenen Jahren geführt haben. Die ökologische Trennung findet ihren Ausdruck in wachsender Umweltzerstörung, die soziale in zunehmender Ungleichheit und Polarisierung, die spirituelle zeige sich darin, dass 2010 mehr Menschen sich selbst das Leben genommen hätten, als in Kriegen, durch Naturkatastrophen oder Morde gestorben seien. Scharmers Vorschläge für einen Wandel: 1. Die Natur als Ökosystem zu behandeln, das unsere Pflege braucht. 2. Arbeit als von Leidenschaft inspiriertes Unternehmertum betrachten. 3. Ein Geldsystem, das der Realwirtschaft dient. 4. Technologie nutzen, um aus Verbrauchern Schöpfer werden zu lassen. 5. Leadership als Raum, der eine Kokreation der Zukunft ermöglicht. 6. Anstelle einer Steuerung von außen durch bürokratische Systeme aus einer geteilten Bewusstheit heraus handeln, die das große Ganze sieht. 8. Eigentum nicht mehr als Privatsache betrachten, sondern als gemeinschaftliches Anliegen, das sich auf Fürsorge richtet. "Diese acht Akkupunkturpunkte könnten dabei helfen, vom Auslaufmodell Kapitalismus zu einer Ökonomie des 21. Jahrhunderts zu kommen, die Wohlbefinden für alle möglich macht", so Scharmers Vision.
8 institutional innovations that could update the economic system, Guardian 26.9.14


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Zu viel Empathie macht aggressiv 
Donnerstag, 2. Oktober 2014 - Studien
Empathie wird gerne als einhellig positive Eigenschaft gesehen, doch eine Studie der State University of New York in Buffalo bringt nun eine kritischere Perspektive ins Spiel. In verschiedenen Testszenarien wurden die Probanden mit fiktiven Szenen konfrontiert, in denen Menschen schwierige Situationen zu durchleben hatten. Je mehr diese Herausforderungen ihnen zusetzten, umso stärker die Empathie, die die Probanden ihnen gegenüber entwickelten. In einem zweiten Test hatten die Probanden dann die Gelegenheit, in solche Situationen einzugreifen, beispielsweise in dem sie die Kontrahenten, die der Auslöser für die Kalamitäten der Leidenden waren, bestrafen konnten. Dabei zeigte sich: Je stärker die "Opfer" sich betroffen fühlten, umso härter fielen die Interventionen der Testteilnehmer zu deren Gunsten aus. Die Wissenschaftler wollten mit dem Versuch beweisen, dass aggressives Verhalten nicht allein aus Impulsivität oder einem aggressiven Charakter entsteht, sondern auch ein empathischer Impuls zum Auslöser werden kann.
Aggressiv aus Empathie, wissenschaft.de 26.9.14


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Kritik an goldener Rente für Vorstände 
Mittwoch, 1. Oktober 2014 - Studien
Das Einkommen der Vorstände großer Konzerne, das sich meist auf zweistellige Millionenbeträge summiert, hat in den vergangenen Jahren vielfach Kritik ausgelöst. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung wirft nun auch einen Blick auf die Altersversorgung der Top-Manager. Vielfach werden diesen nämlich auch enorme Rentenzahlungen garantiert, so dass die Rückstellungen für die Betriebspensionen in den Firmen längst enorm sind. Für Stada-Chef Hartmut Retzlaff beispielsweise muss das Unternehmen 35 Millionen Euro Rücklagen bilden, um ihm später seine Betriebspension auszahlen zu können. Bei Daimler-Chef Dieter zetsche sind es 29,9 Millionen Euro, und VW muss für Martin Winterkorn 22,1 Millionen Euro zurücklegen. Die Hans-Böckler-Stiftung kritisiert die hohen Rentenzahlungen als nicht mehr zeitgemäß, da Vorstände ohnehin schon sehr hohe Vergütungen hätten. Betriebsrenten hätten einst den Sinn gehabt, den früher weitaus geringer bezahlten Top-Managern einen angemessenen Lebensabend zu ermöglichen.
Vorstände kassieren das 250-fache eines Angestellten, HB 25.9.14


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Zu viel Sitzen schadet dem Hirn 
Dienstag, 30. September 2014 - Studien
Den ganzen Tag am Schreibtisch und abends zum Ausgleich eine Runde joggen gehen? Eine Studie der Universität Illinois legt nahe, dass es so leicht nicht getan ist. Die Wissenschaftler untersuchten, welche Auswirkungen langes Sitzen auf die Verfassung des Gehirns hat und ob und in welcher Form Bewegung hier Abhilfe schaffen kann. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die sich regelmäßig körperlich betätigen, weniger unter altersbedingten Schädigungen der Nervenverknüpfungen litten als solche, die nur sporadisch etwas für ihren Körper taten. Ob es dabei um eher moderate oder intensive körperliche Betätigung geht, ist laut der Studie zweitrangig - wichtiger sei die Regelmäßigkeit, die immer wieder lange Sitzphasen unterbreche.
Sitzen beschleunigt den geistigen Abbau, spektrum.de 18.9.14


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Der nächste Shift im Management 
Montag, 29. September 2014 - Management
Führung ist eine Praxis, die sich schon immer im Abgleich mit den Herausforderungen der jeweiligen Zeit entwickelt hat. Lag der Schwerpunkt des klassischen Managements vor allem in der Strukturierung von Arbeitsprozessen und in einem System aus Anweisung und Kontrolle, traten später eher die Fachkompetenzen der Führenden in den Vordergrund, also ihre Fähigkeit, in der Unternehmensentwicklung qualitative Unterschiede zu machen. Unter dem Stichwort Leadership gewannen schließlich auch Aspekte wie Persönlichkeit und emotionale Kompetenzen mehr Bedeutung. In einem Beitrag für den Harvard Business Manager geht die Leadership-Expertin Rita Gunther McGrath noch einen Schritt weiter: "Heute erwarten viele Menschen von einem Unternehmen, dass es ihnen ganzheitliche und sinnvolle Erfahrungen ermöglicht. Ich bin der Ansicht, dass das Management in eine neue Ära eingetreten ist: in das Zeitalter der Empathie." Das bedeute nicht nur eine neue Perspektive gegenüber Kunden zu entwickeln, sondern auch den Umgang mit Mitarbeitern grundlegend zu überdenken. Firmen müssten sich, so die Autorin, Fragen stellen wie der Ungleichheit, die durch wirtschaftliches Tun gefördert werde, einseitigem Profitstreben, das sich hauptsächlich an den Interessen der Shareholder orientiere oder auch, welches Wertversprechen ein Unternehmen seinen Mitarbeitern machen könne. "Aus meiner Sicht bedeutet dies, dass wir herausfinden müssen, wie Management aussehen kann, wenn die Arbeit nicht mehr über Befehlsketten, sondern über Netzwerke abläuft, wenn sie eine emotionale Bedeutung hat und die Manager dafür verantwortlich sind, für ihre Mitarbeiter Communities zu schaffen. Wenn von den heutigen Managern Empathie verlangt wird (und das ist mehr als Exekution und auch mehr als Fachkompetenz), dann müssen wir uns fragen: Was für neue Rollen und Unternehmensstrukturen sind in einem solchen Kontext sinnvoll, und wie soll man das Leistungsmanagement gestalten? Was für Eigenschaften muss eine Führungskraft jetzt mitbringen, um als Säule ihres Unternehmens fungieren zu können, und wie soll die nächste Managergeneration ausgebildet und geschult werden?", so McGrath. Wenn Firmen sich ernsthaft diesen Fragen zuwenden, könnte sich die Unternehmenswelt grundlegend verändern. Die Frage ist lediglich, wie viel Interesse Firmen heute bereits haben, sich diese Fragen zu stellen.
Das Zeitalter der Empathie, HBM 15.9.14


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