Hat das Feindbild Chef ausgedient? 
Montag, 13. Oktober 2014 - Studien
Der Boss als der Böse - diese Art von Feindbild hat für die große Mehrheit der Beschäftigten anscheinend ausgedient. In einer Repräsentativbefragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung gaben 78 Prozent der Beschäftigten an, mit ihrem Chef zufrieden zu sein. Freiräume und eigenverantwortliches Arbeiten tragen bei der Hälfte der Befragten zu diesem Wohlbefinden bei. Wer als kompetent anerkannt wird und beim Vorgesetzten Gehör findet, hat auch Vertrauen zum Chef. Bestrafung, Druck und Drohungen hingegen verhindern eine positive Beziehung zum Chef. Doch nur rund ein Fünftel der Befragten gibt an, solch schlechte Erfahrungen mit direkten Vorgesetzten zu machen.
Deutsche Arbeitnehmer zufrieden mit ihren Chefs, Die Welt 30.9.14

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Gefangen in einem überholten System 
Freitag, 10. Oktober 2014 - Studien
Mitarbeiterbefragungen zeigen immer wieder, dass Angestellte ihren Führungsrkäften nur mäßige Noten geben, weil diese offenbar an den Bedürfnissen der Belegschaft und dem Puls der Zeit vorbeisteuern. Eine Umfrage der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" unter 400 Managern zeigt nun, dass die Führenden das oftmals ganz ähnlich sehen. Auch sie fühlen sich bisweilen wie Gefangene in einem überholten System. So glaubt noch nicht einmal mehr jeder zweite Chef, dass die Führungskultur, die im eigenen Unternehmen praktiziert wird, für die Zukunft tauge. Eine Mehrheit bezweifelt, dass Management via Hierarchie noch zeitgemäß und zielführend ist. Viel wichtiger seien bewegliche Führungsstrukturen, die sich an der Dynamik sich selbst organisierender Netzwerke orientieren. Wichtigste Perspektiven für die Motivation der Mitarbeiter sind in den Augen der Manager Wertschätzung, Entscheidungsfreiräume und Eigenverantwortung. Kooperation und Empathie werden zu den Anforderungen, die für Führungskräfte künftig wohl unerlässlich sein werden. Dafür benötige es die Möglichkeit zur Reflektion, weshalb viele Befragte dem Coaching eine große Bedeutung zuweisen.
Manager halten deutsche Führungskultur für überholt, Zeit online 30.9.14

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Die Last der Komplexität 
Donnerstag, 9. Oktober 2014 - Management
In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche geht der Kommunikationsexperte Joachim Klewes der Frage nach, welche zentralen Herausforderungen an Führung mit dem rasanten digitalen Wandel verbunden sind, der zur so genannten "Industrie 4.0" führe. Für Klewes ist augenscheinlich, dass die gegenwärtigen Innovationsprozesse zu einer bisher nicht dagewesenen Komplexität führen werden, die "extrem" sei und nicht nur neues Wissen erfordere, sondern vor allem "die Veränderung fundamentaler Einstellungen und Verhaltensweisen". Da der einzelne Mitarbeiter nur noch Bruchteile des jeweiligen Gesamtsystems überblicken könne, gewinne Vernetzung und Prozessdesign eine besondere Bedeutung. Aber: "Nur ein Bruchteil der heutigen Mitarbeiter ist in der Lage, mit diesen komplexen Prozessen umzugehen." Für Führende, die bisher einen großen Teil ihrer Identität aus der "Entscheidungshoheit" ihrer Führungsrolle bezogen hätten, erwartet Klewes ein erhebliches Frustrationspotential aufgrund des "Sinn-Verlusts", der für sie mit den neuen Vernetzungsgraden, die notwendig werden, verbunden sein wird. Dieser müsse durch Change Management konstruktiv aufgefangen werden.
Industrie 4.0: Warum niemand wirklich darauf vorbereitet ist, WiWo 30.9.14


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Führung setzt ein Metabewusstsein voraus 
Mittwoch, 8. Oktober 2014 - Management
In einem Beitrag auf Zeit online bringt der Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun eine neue Führungsperspektive ins Spiel. Seiner Erfahrung nach brauchen Leader vor allem eines - ein Metabewusstsein. Darunter versteht Schulz von Thun weniger eine Form der Abstraktionsfähigkeit, die sich von konkreten Inhalten und Sachfragen löst, sondern das Talent, "veränderte Zustände" zu schaffen. Insbesondere die "implizite Metakommunikation" kann eine neue Art der Lösungsorientierung ermöglichen, da sie sich nicht direkt auf unerwünschtes Verhalten richtet, sondern implizit versucht, zum erwünschten Verhalten zu ermutigen. Sie interveniert also nicht durch ein explizites Thematisieren, sondern greift das, was ist auf, und führt es konstruktiv weiter.
Wie gute Führung gelingen kann, Zeit online 29.9.14


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Wie das Ich seinen inneren Kompass verliert 
Dienstag, 7. Oktober 2014 - Wissenschaft
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche spricht der Soziologe Heinz Bude über ein subtiles Angstphänomen, das immer mehr unser menschliches Selbstbild zu prägen scheint. In der Multioptionsgesellschaft gerät seiner Ansicht nach das liberale Ich in die Krise, weil es immer weniger eine Antwort auf die Frage, was will ich eigentlich, zu finden scheint. "Ich glaube, dass die Ära des selbstbestimmten, innengeleiteten Menschen sich dem Ende zuneigt. Dieser Mensch hatte noch einen sehr individuellen Lebensplan. Er fragte sich etwa: Soll ich einen guten Bildungsroman lesen, mich mit Gottesfragen beschäftigen oder die Relativitätstheorie zu verstehen suchen? Ein solcher Typ suchte und fand Anerkennung - nicht zuletzt bei sich selbst", so Bude. Da in der Arbeitswelt immer mehr die Anpassung zähle, entwickeln in den Augen des Soziologen immer mehr Menschen eine Art "Geschmeidigkeit", die sie ihren inneren Kompass verlieren lässt. Die Folge: "Der außengeleitete Mensch muss ständig auf den Anderen schauen, sich vergleichen. Daraus erwächst eine permanente Angst des Ungenügens. Keine spezifische, leicht adressierbare Angst, sondern eine allgemeine, diffuse Angst im Hinblick auf andere", erklärt der Soziologe. Das Fatale daran: "Diese Angst ist eine Stimmung. Im Unterschied zum Affekt, der plötzlich aufblitzt, bildet sie den atmosphärischen Rahmen für die Art und Weise, in der wir die Welt wahrnehmen. Vielleicht kann man am besten mit einem Bild beschreiben: Die Stimmungsangst hat etwas Rieselndes, sie dringt unmerklich in die Poren der Gesellschaft ein."
Die rieselnde Angst vor dem eigenen Ungeschick, WiWo 28.9.14

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Die Ökonomie braucht ein Update 
Montag, 6. Oktober 2014 - Management
Otto Scharmer, Senior Lecturer am MIT, geht in einem Beitrag im Guardian darauf ein, warum die Ökonomie ein Update braucht - und stellt acht Blickwinkel vor, die zur notwendigen Transformation beitragen könnten. Scharmer spricht von drei großen Trennungen, die zu den Krisen in den vergangenen Jahren geführt haben. Die ökologische Trennung findet ihren Ausdruck in wachsender Umweltzerstörung, die soziale in zunehmender Ungleichheit und Polarisierung, die spirituelle zeige sich darin, dass 2010 mehr Menschen sich selbst das Leben genommen hätten, als in Kriegen, durch Naturkatastrophen oder Morde gestorben seien. Scharmers Vorschläge für einen Wandel: 1. Die Natur als Ökosystem zu behandeln, das unsere Pflege braucht. 2. Arbeit als von Leidenschaft inspiriertes Unternehmertum betrachten. 3. Ein Geldsystem, das der Realwirtschaft dient. 4. Technologie nutzen, um aus Verbrauchern Schöpfer werden zu lassen. 5. Leadership als Raum, der eine Kokreation der Zukunft ermöglicht. 6. Anstelle einer Steuerung von außen durch bürokratische Systeme aus einer geteilten Bewusstheit heraus handeln, die das große Ganze sieht. 8. Eigentum nicht mehr als Privatsache betrachten, sondern als gemeinschaftliches Anliegen, das sich auf Fürsorge richtet. "Diese acht Akkupunkturpunkte könnten dabei helfen, vom Auslaufmodell Kapitalismus zu einer Ökonomie des 21. Jahrhunderts zu kommen, die Wohlbefinden für alle möglich macht", so Scharmers Vision.
8 institutional innovations that could update the economic system, Guardian 26.9.14


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Zu viel Empathie macht aggressiv 
Donnerstag, 2. Oktober 2014 - Studien
Empathie wird gerne als einhellig positive Eigenschaft gesehen, doch eine Studie der State University of New York in Buffalo bringt nun eine kritischere Perspektive ins Spiel. In verschiedenen Testszenarien wurden die Probanden mit fiktiven Szenen konfrontiert, in denen Menschen schwierige Situationen zu durchleben hatten. Je mehr diese Herausforderungen ihnen zusetzten, umso stärker die Empathie, die die Probanden ihnen gegenüber entwickelten. In einem zweiten Test hatten die Probanden dann die Gelegenheit, in solche Situationen einzugreifen, beispielsweise in dem sie die Kontrahenten, die der Auslöser für die Kalamitäten der Leidenden waren, bestrafen konnten. Dabei zeigte sich: Je stärker die "Opfer" sich betroffen fühlten, umso härter fielen die Interventionen der Testteilnehmer zu deren Gunsten aus. Die Wissenschaftler wollten mit dem Versuch beweisen, dass aggressives Verhalten nicht allein aus Impulsivität oder einem aggressiven Charakter entsteht, sondern auch ein empathischer Impuls zum Auslöser werden kann.
Aggressiv aus Empathie, wissenschaft.de 26.9.14


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Kritik an goldener Rente für Vorstände 
Mittwoch, 1. Oktober 2014 - Studien
Das Einkommen der Vorstände großer Konzerne, das sich meist auf zweistellige Millionenbeträge summiert, hat in den vergangenen Jahren vielfach Kritik ausgelöst. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung wirft nun auch einen Blick auf die Altersversorgung der Top-Manager. Vielfach werden diesen nämlich auch enorme Rentenzahlungen garantiert, so dass die Rückstellungen für die Betriebspensionen in den Firmen längst enorm sind. Für Stada-Chef Hartmut Retzlaff beispielsweise muss das Unternehmen 35 Millionen Euro Rücklagen bilden, um ihm später seine Betriebspension auszahlen zu können. Bei Daimler-Chef Dieter zetsche sind es 29,9 Millionen Euro, und VW muss für Martin Winterkorn 22,1 Millionen Euro zurücklegen. Die Hans-Böckler-Stiftung kritisiert die hohen Rentenzahlungen als nicht mehr zeitgemäß, da Vorstände ohnehin schon sehr hohe Vergütungen hätten. Betriebsrenten hätten einst den Sinn gehabt, den früher weitaus geringer bezahlten Top-Managern einen angemessenen Lebensabend zu ermöglichen.
Vorstände kassieren das 250-fache eines Angestellten, HB 25.9.14


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