Kommunikation als (Lebens-)Kunst 
Mittwoch, 15. Oktober 2014 - Veranstaltungen
Wir sind es so gewohnt, zu kommunizieren und durch unsere Worte die Welt zu gestalten, dass uns das Wunder des Gelingens, das sich auf diese Weise immer wieder schöpft, oft gar nicht mehr bewusst ist. Was Kommunikation bedeutet, wird uns oft erst dann gewahr, wenn sie nicht gelingt, wenn unsere Worte ungehört verhallen oder sogar Widerstand hervorrufen. In einem Beitrag für das anthroposophische Magazin info3 habe ich deshalb einmal den Versuch unternommen darzustellen, welche Facetten und Möglichkeiten unsere heutige Kommunikationsfähigkeit beinhaltet - von der Möglichkeit, der Welt Klarheit und Richtung zu geben, über unseren einzigartigen Prozess der menschlichen Individuation selbst, die eng verbunden ist mit den Worten, die wir für uns selbst und die Welt finden, bis hin zu den Errungenschaften der Postmoderne, die unsere Gefühlswelten im sprachlichen Ausdruck manifestiert. All diese Fähigkeiten nutzen wir heute meist unbewusst, weil sie schlicht zum Standardrepertoire unserer kulturellen Fähigkeiten gehören. Doch dann gibt es diese Momente des Ringens, Momente, in denen bestehende Worte das, was gesagt werden will, nicht mehr zu fassen vermögen. Oder in denen das Leben Antworten einer neuen Qualität von uns erwartet. Diese Ahnung des Möglichen hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass wir in der Reibung an den Herausforderungen der Zeit nach neuen Kommunikationsformen suchen, die unsere bisherigen Fähigkeiten in einen noch größeren Kontext stellen und diesen Kontext selbst zugleich erweitern. Methoden wie der Bohmsche Dialog oder der U-Prozess von Otto Scharmer zeugen davon. Der info3-Artikel beschreibt eine kurze Reise durch all diese Möglichkeiten von Kommunikation. Und er ist eine kleine Preview auf die Herbstakademie Frankfurt, die vom 14. bis 16. November 2014 in Oberursel stattfinden. Sie wird die Frage "Wie gelingt Kommunikation?" weiter vertiefen. Infos zur Akademie und zur Anmeldung finden sich am Ende des Artikels.
Aus der Zukunft sprechen, info3 Oktober 2014

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Zweifel an der Share Economy 
Dienstag, 14. Oktober 2014 - Medien
Teilen statt besitzen - unter dem Schlagwort "Share Economy" etablieren sich immer mehr Geschäftsmodelle, die bisherige Konsummodelle unterwandern. Was von den einen als Befreiung der Verbraucher gefeiert wird, ruft bei anderen zunehmend Skepsis hervor. "Schlimmstenfalls verwandelt die Sharing Economy uns in ewige Verkäufer und zementiert unsere Eingebundenheit in den Weltmarkt. Der Imperativ des Teilens diktiert uns, dass alles, was wir besitzen, von materiellen Vermögenswerten bis hin zu immateriellem wie Gedanken und Ideen, kategorisiert und mit irgendeiner Form der Identifizierbarkeit, etwa einem QR-Code, versehen werden kann", kritisiert etwa Evgeny Morozow im Freitag. Er verweist auf die politischen Implikationen, die diese neuen Vorstöße haben - und auf Verwerfungen, die durch sie nur weiter zementiert werden könnten: "Doch das eigentliche Probleme mit diesen utopischen Zukunftsvisionen besteht darin, dass sie die Pathologien des bestehenden politischen und ökonomischen Systems rationalisieren und sie als unsere bewussten Lifestyle-Entscheidungen darstellen. Es ist schön, sich in einer Position zu befinden, in der man wählen kann, ob man eine Sache mieten oder kaufen möchte. Doch viele haben eben nicht die Wahl. Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig, als zu mieten." Laut Morozow könnte das vielgepriesene Teilen zwar die Negativfolgen der Wirtschafts- und Finanzkrise für viele Menschen erträglicher machen, lasse aber zugleich deren Ursachen unangetastet. Er kritisiert, dass der Sharing-Hype eher dazu beitrage, Politisches zu ignorieren und eine Taubheit gegenüber Unrecht und Ungleichheit zu befördern.
Zugang on demand, Der Freitag 30.9.14


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Depression statt Befreiung 
Montag, 13. Oktober 2014 - Arbeit
Der Soziologe Heinz Bude hat in seinem neuen Buch das Phänomen "Gesellschaft der Angst" erkundet und erklärt in einem Interview mit Spiegel online, warum die Generation der heute 40-Jährigen immer mehr zu Sklaven einer Idee von Work-Life-Balance zu werden scheint. Der Soziologe beschreibt, dass alle Bemühungen darum kreisen, ein gelungenes Leben zu verwirklichen, doch da dies in der heutigen Wahrnehmung nicht mehr allein durch eine Karriere oder ein glückliches Familienleben möglich werde, sondern möglichst alles Vorstellbare im eigenen Leben auch zum Tragen kommen müsse, werde das eigene Leben immer öfter als Scheitern erlebt. "Wir haben es hier mit einer Generation Null Fehler zu tun, die sämtliche Bereiche des Lebens auszutarieren versucht. Wer das nicht hinkriegt, gehört zu den wirklichen Losern, von denen man sich besser fernhält. ... Eigentlich wird ja die perfekte Work-Life-Balance angestrebt. Man wird aber zum Sklaven dieser Work-Life-Balance. Was ursprünglich eine Befreiungsidee war, um sich vor den Tücken der Arbeitswelt zu schützen, wird nun zum Auslöser einer Depression. Das existenzielle Optimierungsprogramm ist schwer durchzuhalten. Früher sagte man: Ich bin, der ich bin. Heute denkt man: Ich bin, der ich sein könnte", erklärt Bude. Die Foucaultsche Idee der Selbsttechnologie, der Befreiung von Fremdsteuerung, werde unter den Vorzeichen der Zeit pervertiert in eine "Unterwerfung unter Eigensteuerung". Alles werde gegeneinander abgewogen und austariert, doch man gebe sich keiner Sache mehr ausschließlich hin, so der Soziologe. Das erstrecke sich bis zu den großen Lebensfragen: "Bei Fragen der letzten Bedeutung, so meine Erfahrung, herrscht auf einmal diese austernhafte Verschlossenheit. Man will sich durch Ernsthaftigkeit nicht aufs Kreuz legen lassen. Die letzten Dinge haben durchaus einen Widerhall, aber sie werden ausgespart."
"Sklaven der Work-Life-Balance", Spiegel online 6.10.14


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Hat das Feindbild Chef ausgedient? 
Montag, 13. Oktober 2014 - Studien
Der Boss als der Böse - diese Art von Feindbild hat für die große Mehrheit der Beschäftigten anscheinend ausgedient. In einer Repräsentativbefragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung gaben 78 Prozent der Beschäftigten an, mit ihrem Chef zufrieden zu sein. Freiräume und eigenverantwortliches Arbeiten tragen bei der Hälfte der Befragten zu diesem Wohlbefinden bei. Wer als kompetent anerkannt wird und beim Vorgesetzten Gehör findet, hat auch Vertrauen zum Chef. Bestrafung, Druck und Drohungen hingegen verhindern eine positive Beziehung zum Chef. Doch nur rund ein Fünftel der Befragten gibt an, solch schlechte Erfahrungen mit direkten Vorgesetzten zu machen.
Deutsche Arbeitnehmer zufrieden mit ihren Chefs, Die Welt 30.9.14

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Gefangen in einem überholten System 
Freitag, 10. Oktober 2014 - Studien
Mitarbeiterbefragungen zeigen immer wieder, dass Angestellte ihren Führungsrkäften nur mäßige Noten geben, weil diese offenbar an den Bedürfnissen der Belegschaft und dem Puls der Zeit vorbeisteuern. Eine Umfrage der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" unter 400 Managern zeigt nun, dass die Führenden das oftmals ganz ähnlich sehen. Auch sie fühlen sich bisweilen wie Gefangene in einem überholten System. So glaubt noch nicht einmal mehr jeder zweite Chef, dass die Führungskultur, die im eigenen Unternehmen praktiziert wird, für die Zukunft tauge. Eine Mehrheit bezweifelt, dass Management via Hierarchie noch zeitgemäß und zielführend ist. Viel wichtiger seien bewegliche Führungsstrukturen, die sich an der Dynamik sich selbst organisierender Netzwerke orientieren. Wichtigste Perspektiven für die Motivation der Mitarbeiter sind in den Augen der Manager Wertschätzung, Entscheidungsfreiräume und Eigenverantwortung. Kooperation und Empathie werden zu den Anforderungen, die für Führungskräfte künftig wohl unerlässlich sein werden. Dafür benötige es die Möglichkeit zur Reflektion, weshalb viele Befragte dem Coaching eine große Bedeutung zuweisen.
Manager halten deutsche Führungskultur für überholt, Zeit online 30.9.14

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Die Last der Komplexität 
Donnerstag, 9. Oktober 2014 - Management
In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche geht der Kommunikationsexperte Joachim Klewes der Frage nach, welche zentralen Herausforderungen an Führung mit dem rasanten digitalen Wandel verbunden sind, der zur so genannten "Industrie 4.0" führe. Für Klewes ist augenscheinlich, dass die gegenwärtigen Innovationsprozesse zu einer bisher nicht dagewesenen Komplexität führen werden, die "extrem" sei und nicht nur neues Wissen erfordere, sondern vor allem "die Veränderung fundamentaler Einstellungen und Verhaltensweisen". Da der einzelne Mitarbeiter nur noch Bruchteile des jeweiligen Gesamtsystems überblicken könne, gewinne Vernetzung und Prozessdesign eine besondere Bedeutung. Aber: "Nur ein Bruchteil der heutigen Mitarbeiter ist in der Lage, mit diesen komplexen Prozessen umzugehen." Für Führende, die bisher einen großen Teil ihrer Identität aus der "Entscheidungshoheit" ihrer Führungsrolle bezogen hätten, erwartet Klewes ein erhebliches Frustrationspotential aufgrund des "Sinn-Verlusts", der für sie mit den neuen Vernetzungsgraden, die notwendig werden, verbunden sein wird. Dieser müsse durch Change Management konstruktiv aufgefangen werden.
Industrie 4.0: Warum niemand wirklich darauf vorbereitet ist, WiWo 30.9.14


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Führung setzt ein Metabewusstsein voraus 
Mittwoch, 8. Oktober 2014 - Management
In einem Beitrag auf Zeit online bringt der Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun eine neue Führungsperspektive ins Spiel. Seiner Erfahrung nach brauchen Leader vor allem eines - ein Metabewusstsein. Darunter versteht Schulz von Thun weniger eine Form der Abstraktionsfähigkeit, die sich von konkreten Inhalten und Sachfragen löst, sondern das Talent, "veränderte Zustände" zu schaffen. Insbesondere die "implizite Metakommunikation" kann eine neue Art der Lösungsorientierung ermöglichen, da sie sich nicht direkt auf unerwünschtes Verhalten richtet, sondern implizit versucht, zum erwünschten Verhalten zu ermutigen. Sie interveniert also nicht durch ein explizites Thematisieren, sondern greift das, was ist auf, und führt es konstruktiv weiter.
Wie gute Führung gelingen kann, Zeit online 29.9.14


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Wie das Ich seinen inneren Kompass verliert 
Dienstag, 7. Oktober 2014 - Wissenschaft
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche spricht der Soziologe Heinz Bude über ein subtiles Angstphänomen, das immer mehr unser menschliches Selbstbild zu prägen scheint. In der Multioptionsgesellschaft gerät seiner Ansicht nach das liberale Ich in die Krise, weil es immer weniger eine Antwort auf die Frage, was will ich eigentlich, zu finden scheint. "Ich glaube, dass die Ära des selbstbestimmten, innengeleiteten Menschen sich dem Ende zuneigt. Dieser Mensch hatte noch einen sehr individuellen Lebensplan. Er fragte sich etwa: Soll ich einen guten Bildungsroman lesen, mich mit Gottesfragen beschäftigen oder die Relativitätstheorie zu verstehen suchen? Ein solcher Typ suchte und fand Anerkennung - nicht zuletzt bei sich selbst", so Bude. Da in der Arbeitswelt immer mehr die Anpassung zähle, entwickeln in den Augen des Soziologen immer mehr Menschen eine Art "Geschmeidigkeit", die sie ihren inneren Kompass verlieren lässt. Die Folge: "Der außengeleitete Mensch muss ständig auf den Anderen schauen, sich vergleichen. Daraus erwächst eine permanente Angst des Ungenügens. Keine spezifische, leicht adressierbare Angst, sondern eine allgemeine, diffuse Angst im Hinblick auf andere", erklärt der Soziologe. Das Fatale daran: "Diese Angst ist eine Stimmung. Im Unterschied zum Affekt, der plötzlich aufblitzt, bildet sie den atmosphärischen Rahmen für die Art und Weise, in der wir die Welt wahrnehmen. Vielleicht kann man am besten mit einem Bild beschreiben: Die Stimmungsangst hat etwas Rieselndes, sie dringt unmerklich in die Poren der Gesellschaft ein."
Die rieselnde Angst vor dem eigenen Ungeschick, WiWo 28.9.14

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