Philosophieren als neue Führungsqualität 
Montag, 27. Oktober 2014 - Management
Mit Muße nachdenken, den Geist schweifen lassen, über das eigene Dasein reflektieren - im hektischen Business-Alltag sind solche Geistesbewegungen für Führungskräfte meist allein schon aus Zeitgründen undenkbar. Ein Beitrag im Harvard Business Manager richtet indes das Augenmerk auf die Frage, "Wie Philosophieren Sie zu einem besseren Manager macht". Wo im Coaching zumeist systematische Verhaltensänderungen im Vordergrund stünden, eröffne eine gezielte Selbstreflexion, beispielsweise im Rahmen "philosophischer Beratung" ganz neue Perspektiven. Der Beitrag argumentiert neurowissenschaftlich, dass die Reflexion eine Hirnregion aktiviere, die es erleichtere, "Diskrepanzen zwischen dem tatsächlichen und dem erwünschten Zustand" zu erkennen, was eine "Integration und Evaluation emotionaler, motivationaler und kognitiver Informationen" ermögliche. Der Beitrag führt mehrere Beispiele dafür an, wie Top-Manager durch das philosophische Reflektieren besser mit konkreten Krisensituationen umgegangen sind, und zieht daraus die Schlussfolgerung: "Das Nachdenken über zeitlose philosophische Werte kann uns zu sehr zeitgemäßen Verhaltensänderungen inspirieren, die unserem inneren Wachstum und einem nachhaltigen Erfolg förderlich sind." Nun, klingt wie das schlichte Bemühen des gesunden Menschenverstands. Was die Frage aufwirft, welche Rolle dieser bisher bei der Besetzung von Führungspositionen spielt ...
Wie Philosophie Sie zum besseren Manager macht, HBM 13.10.14


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Kuriose Mitarbeiterbindung 
Freitag, 24. Oktober 2014 - Management
Der Vorstoß von Facebook und Apple, ihren Mitarbeiterinnen künftig das Einfrieren von Eizellen zu finanzieren, um eine mögliche Schwangerschaft freier zu planen, zeigt, in welchem Irrsinn moderne Unternehmen gefangen sind. Das immer schneller, höher und weiter scheint nun auch vor solch bizarren Ideen nicht mehr zurückzuschrecken. Was manche vielleicht einfach nur cool oder zeitgemäß finden mögen, erinnert andere bereits an die nahende Verwirklichung dessen, was Dave Eggers in seinem Roman "Der Circle" beschreibt - eine zunehmende Abhängigkeit von Arbeitgebern, die immer mehr internalisiert wird. Kritiker weisen, beispielsweise in einem Beitrag in der Zeit, denn auch darauf hin, dass es letztlich vielleicht weniger um Förderung von Frauen gehe, sondern eher um Kontrolle. Der beste Mutterschaftsurlaub wäre in diesem Sinne der, der nicht stattfindet. Dabei ist den Firmen, die mit der Idee nun vorpreschen, nicht allein ein Vorwurf zu machen. Denn letztlich tragen wir alle, indem wir mal mehr, mal vielleicht weniger und unter Kritik, immer wieder mit machen, wenn es darum geht, Leistung und Präsenz als das Wichtigste im Arbeitsleben zu betrachten.
Ein Hoch auf die Produktivität, Zeit online 16.10.14


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Radio-Download: Führung jenseits von Kontrolle und Konsens 
Donnerstag, 23. Oktober 2014 - Management
In der letzten Woche war ich zu Gast bei "Radio evolve" und habe mit Dr. Tom Steininger über das Thema "Führung neu denken - eine neue Kultur jenseits von Kontrolle und Konsens" gesprochen - als kleinen Appetit-Happen auf die nächste Ausgabe des evolve Magazins zu diesem Themenfeld. Der Begriff Leadership ist ja eigentlich längst ein alter Hut - zumindest bemüht sich die Business-Fachliteratur seit den 1960er Jahren darum, neue Führungsperspektiven aufzuzeigen, die unserem Menschsein gerechter werden. In der Praxis dauert dann alles doch ein bisschen länger. In der Radiosendung spannen wir einen sehr weiten Bogen und versuchen zu erkunden, wie das inzwischen durchaus verbreitete systemische Denken nun zu einem nächsten Schritt führen kann - vielleicht zu einem systemischen führen und leben, bei dem wir nicht mehr nur betrachtende Beobachter sind, sondern aus diesem weiterem Erkenntnisradius heraus handeln. Wie kolossal anders die Dinge dadurch werden, versuchen wir anhand von Beispielen aus dem Buch "Reinventing Organizations" von Frederik Laloux zu zeigen (das übrigens im Frühjahr auch auf Deutsch erscheinen wird).
Sendung anhören oder downloaden

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Aufschwung wirkt weniger aufs Gemüt als Krisen 
Mittwoch, 22. Oktober 2014 - Studien
Eine Studie der London School of Economics und der Harvard Business School zeigt, dass ein Wirtschaftsaufschwung zwar die Lebenszufriedenheit erhöht, aber die emotionale Wirkung von Abschwüngen deutlich stärker ausfällt. Die Wissenschaftler warfen bewusst einen Blick auf die psychologische Wirkung von Konjunkturschwankungen, da die Politik sich vor allem auf die Förderung von Wachstum und eher weniger auf das Verhindern von Krisen fokussiere. Die Forscher gehen davon aus, dass Abschwünge, weil sie oft finanzielle Unsicherheit mit sich bringen, Stress und Angst auslösen, während ein bisschen mehr Lebenszufriedenheit in Zeiten des Aufschwungs nicht so stark ins Gewicht falle. Ihre Empfehlung an die Politik: Lieber Krisen vermeiden als dem nächsten Boom hinterherzuhecheln.
Krisen machen unglücklich, WiWo 8.10.14


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Reichtum verselbstständigt sich 
Dienstag, 21. Oktober 2014 - Studien
Reichtum ist relativ, und ab einer bestimmten Größenordnung verselbstständigt er sich - so könnte man zumindest die Erkenntnisse einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung deuten, die die Reichtumsentwicklung in Deutschland ins Visier nimmt. Legt man die wissenschaftliche Definition von Reichtum zugrunde, erscheint die Sache noch recht harmlos. Als reich gilt demnach, wer jährlich nach Abzug von Steuern und Abgaben und nach Anrechnung von privaten und staatlichen Transferleistungen als alleinstehende Person 36.000 Euro zur Verfügung hat, sehr reich ist man ab 54.000 Euro. Gemäß dieser Bezugsgrößen stieg der Anteil der Reichen und sehr Reichen an der Bevölkerung von 5,6 Prozent im Jahr 1991 auf 8,1 Prozent im Jahr 2011. Zählten vor 20 Jahren davon nur 0,9 Prozent zu den sehr Reichen, waren es 2011 bereits 2,2 Prozent. Im Schnitt stiegen die Einkommen der Reichen in diesem Zeitraum um 5 Prozent, die der sehr Reichen um ganze 20 Prozent. Das mag unter anderem daran liegen, dass letztere beinahe 30 Prozent ihres Einkommens aus Vermögen beziehen, während dieser Anteil bei den nur Reichen um die Hälfte niedriger liegt. Die Forscher sehen die "entscheidende" Entwicklung darin, dass sich die Gruppe der sehr Reichen geradezu "von der übrigen Bevölkerung absetze".
Die Reichen in Deutschland werden noch reicher, Die Welt 8.10.14

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Depression statt Befreiung 
Montag, 20. Oktober 2014 - Arbeit
Der Soziologe Heinz Bude hat in seinem neuen Buch das Phänomen "Gesellschaft der Angst" erkundet und erklärt in einem Interview mit Spiegel online, warum die Generation der heute 40-Jährigen immer mehr zu Sklaven einer Idee von Work-Life-Balance zu werden scheint. Der Soziologe beschreibt, dass alle Bemühungen darum kreisen, ein gelungenes Leben zu verwirklichen, doch da dies in der heutigen Wahrnehmung nicht mehr allein durch eine Karriere oder ein glückliches Familienleben möglich werde, sondern möglichst alles Vorstellbare im eigenen Leben auch zum Tragen kommen müsse, werde das eigene Leben immer öfter als Scheitern erlebt. "Wir haben es hier mit einer Generation Null Fehler zu tun, die sämtliche Bereiche des Lebens auszutarieren versucht. Wer das nicht hinkriegt, gehört zu den wirklichen Losern, von denen man sich besser fernhält. ... Eigentlich wird ja die perfekte Work-Life-Balance angestrebt. Man wird aber zum Sklaven dieser Work-Life-Balance. Was ursprünglich eine Befreiungsidee war, um sich vor den Tücken der Arbeitswelt zu schützen, wird nun zum Auslöser einer Depression. Das existenzielle Optimierungsprogramm ist schwer durchzuhalten. Früher sagte man: Ich bin, der ich bin. Heute denkt man: Ich bin, der ich sein könnte", erklärt Bude. Die Foucaultsche Idee der Selbsttechnologie, der Befreiung von Fremdsteuerung, werde unter den Vorzeichen der Zeit pervertiert in eine "Unterwerfung unter Eigensteuerung". Alles werde gegeneinander abgewogen und austariert, doch man gebe sich keiner Sache mehr ausschließlich hin, so der Soziologe. Das erstrecke sich bis zu den großen Lebensfragen: "Bei Fragen der letzten Bedeutung, so meine Erfahrung, herrscht auf einmal diese austernhafte Verschlossenheit. Man will sich durch Ernsthaftigkeit nicht aufs Kreuz legen lassen. Die letzten Dinge haben durchaus einen Widerhall, aber sie werden ausgespart."
"Sklaven der Work-Life-Balance", Spiegel online 6.10.14


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Die Vereinbarkeits-Lüge 
Freitag, 17. Oktober 2014 - Arbeit
Die nach wie vor schwer zu realisierende Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird gerne öffentlich diskutiert, aber noch lange nicht grundsätzlich genug, finden Susanne Garsoffky und Britta Sembach, deren Buch "Die Alles-ist-möglich-Lüge" gerade erschienen ist. In einem Gastbeitrag für Zeit online stellen beide die Maßstäbe, die bei solchen Diskussionen angelegt werden, in Frage und plädieren für eine viel grundsätzlichere Systemkritik. So kritisieren die beiden, dass häufig die Lebenswege von Powerfrauen in gut dotierten Positionen als Beleg für die Vereinbarkeit von Job und Familie herangezogen werden. "Diese Powerfrauen sind Frauen, die man nicht wirklich gut leiden kann, aber heimlich ein bisschen beneidet. Weil sie Kraftpakete zu sein scheinen, die so gut wie nie müde, hungrig oder überarbeitet sind. Und dabei immer ausgeschlafen wirken und top frisiert sind. ... Powerfrauen liefern den Sound zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hey – dröhnt es aus allen Richtungen –, ihr müsst euch alle nur genügend anstrengen, dann seid ihr auch multitaskingfähig, unkaputtbar und leistungsstark. Der Druck, der dadurch auf die vielen Mütter und Väter entsteht, die verzweifelt versuchen, allen Anforderungen auch nur halbwegs gerecht zu werden, ist enorm." Garsoffky und Sembach wünschen sich eine Abkehr von der vorherrschenden Ideologie, miteinander vereinbaren zu wollen und zu sollen, was anscheinend nicht vereinbar ist. Ihr Plädoyer: "Hören wir endlich auf, die 'Vereinbarkeit' als ein rein individuelles Problem zu sehen, an dem jeder und jede aus persönlicher Unzulänglichkeit verzweifelt. Schauen wir uns genau an, unter welchen Umständen Familien in Deutschland diesen Spagat leben müssen – und ändern wir diese, bevor wir Eltern weiter auffordern, sich selbst und ihre Kinder immer weiter zu optimieren. Erkennen wir an, dass Familienarbeit eine ernstzunehmende, aufwändige und gesellschaftlich existentielle Arbeit ist – und hören wir auf, diejenigen zu bestrafen, die sich dafür entscheiden. Hören wir auf damit, nur Erwerbsarbeit einen Wert beizumessen, weil diese Haltung alle anderen Arbeiten gnadenlos entwertet. Machen wir die Gesellschaft fit für die On-off-Biografie! Einen Lebenslauf also, in dem Phasen der Erwerbsarbeit immer wieder mit Phasen der Familienarbeit abwechseln können, von der Gesellschaft getragen und den Unternehmen gefördert. Denn nur so können wir dem Fachkräftemangel begegnen und gleichzeitig Menschen Mut zur Familie machen. Viel zu viele hat dieser Mut längst verlassen."
Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind, Zeit online 2.10.14


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Gehalts-Grand-Canyon zwischen Chefs und Mitarbeitern 
Donnerstag, 16. Oktober 2014 - Studien
Übermäßig hohe Managergehälter führen seit vielen Jahren immer wieder zu öffentlichen Gerechtigkeitsdebatten. Eine Studie der Harvard Business School und der Chulalongkorn University in Thailand hat nun in einer Umfrage in 40 Ländern eruiert, welche Gehaltsunterschiede zwischen Chefs und ihren Mitarbeitern von der Bevölkerung toleriert werden. In der Umfrage glaubten die Befragten, dass Konzernbosse rund zehn Mal mehr verdienen als ihre Mitarbeiter. Als ideales Verhältnis empfanden sie ein 4,6-faches Salär. In der Realität ist die bestehende Lücke indes so groß, dass man schon eher von einem Grand Canyon sprechen kann. In den USA beispielsweise verdient der Durchschnitts-CEO 354 Mal mehr als ein einfacher Arbeiter, nämlich 12,2 Millionen Dollar. Nimmt man diese Marke als gegeben, müsste ein amerikanischer Arbeiter, um den Gerechtigkeitsvorstellungen der Bevölkerung gerecht zu werden, mit 1,8 Millionen Dollar entlohnt werden. Deutsche CEOs verdienen 147 Mal so viel wie ihre Mitarbeiter, nämlich knapp 6 Millionen Dollar (4,7 Millionen Euro). Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, müssten hierzulande Arbeitnehmer auf ein Jahresgehalt von 946.000 Dollar (750.000 Euro) kommen.
Was Manager verdienen sollten, HBM 2.10.14


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