Mehr Bewusstheit in der Wirtschaft 
Mittwoch, 2. September 2015 - Wissenschaft
Die Zeit stellt in einem Beitrag das ReSource-Projekt "einer der wichtigsten säkularen Ethikerinnen unserer Zeit" vor, der Neurowissenschaftlerin Tania Singer, die auf Basis der Daten von 300 Probanden die Wirkungen von Meditation und anderer mentaler Trainingsmethoden erforscht. Singer geht es längst nicht mehr nur um die Erkundung von Achtsamkeitsmethoden. Sie will auch die Wirtschaft verändern, weshalb sie mit dem Kieler Institut für Weltwirtschaft zusammenarbeitet und in dieser Kooperation neue Wirtschaftsmodelle entwerfen möchte, die kooperative, prosoziale und nachhaltige ökonomische Verhaltensweisen ermöglichen sollen. "Das alte Narrativ muss mit einem realistischeren Menschbild ersetzt werden, was auf psychologischen und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen beruht un dem man auch globale Kooperation und mehr Prosozialität zumuten kann", so Singer. In ihrem Forschungsprojekt beleuchtet sie beispielsweise, mit welchen Methoden sich Mitgefühl verbessern lässt oder die Bewusstheit für die eigenen Handlungsmotive. Das Projekt ist ambitioniert und wird im Zuge der auf mehrere Jahre angelegten Auswertung sicherlich noch spannende Einsichten zutage fördern. Interessant wird auch sein, welches Menschenbild Singer selbst zugrunde legt. Während Meditation ursprünglich im Rahmen der großen spirituellen Traditionen immer damit verbunden war, vom eigenen Ich auch absehen und darüber hinaus gehen zu können, werden unter säkularen Vorzeichen inzwischen viele der Methoden eher zur Ich-Stärkung genutzt. Und gerade diese Selbstbezogenheit ist es ja, die nicht zuletzt dazu beiträgt, dass wir heute mit Wirtschaftsformen leben, die uns längst das Wasser abgraben.
Abschied vom Homo oeconomicus, Zeit online 12.8.15

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Künstliche Intelligenz im Auge behalten 
Donnerstag, 9. Juli 2015 - Wissenschaft
Während Unternehmen wie Google Millionenbeträge in die Erforschung künstlicher Intelligenz investieren, bringen sich nun auch die KI-Skeptiker immer mehr in Position. Tesla-Gründer Elon Musk beispielsweise spendete zehn Millionen Dollar an das Future of Life Institut in Boston, das Forschungsprogramme betreibt, die sicherstellen sollen, dass die künstliche Intelligenz nicht irgendwann aus dem Ruder läuft. Musk betrachtet das Erschaffen künstlicher Intelligenz laut Zitat in der Welt als genau so gefährlich wie den "Teufel herbeizuzitieren". 37 Forschungsprojekte gehen der Frage nach, wie sich die Macht solcher Systeme begrenzen lässt, wie diese ethische Gesichtspunkte integrieren können und wie sie unter sinnvolle menschliche Kontrolle gestellt werden können. "Es gibt einen Wettlauf zwischen der wachsenden Macht der Technologie und der wachsenden Weisheit, wie wir die Macht kontrollieren", so der Präsident des Instituts Max Tegmark.
Millionen, damit Computer uns nicht töten, Die Welt 2.7.15

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Entspannungstraining to go 
Freitag, 26. Juni 2015 - Wissenschaft
Nun hat die Meditations-App 7Mind, für die ich gemeinsam mit dem Zen-Lehrer Paul Kohtes und dem gleichnamigen Start-up 7Mind Meditationen entwickele, auch höhere medizinische Weihen erhalten. Die Ärzte-Zeitung empfiehlt die Achtsamkeits-app als "Entspannungstraining to go". "Das Smartphone war bisher vor allem mit Ablenkung, Informationsflut und ständiger Erreichbarkeit assoziiert. Nun soll es über eine Meditations-App gegen den alltäglichen Stress helfen", so das Fachblatt. Der Beitrag stellt die bereits erhältliche Gratisversion der App vor, die einen Einführungskurs mit sieben siebenminütigen Meditationsübungen enthält sowie einen ebenso umfangreichen Kurs zum Stressmanagement. Die Business-App von 7Mind, die im Herbst erscheint und kostenpflichtig sein wird, richtet sich dann an Führungskräfte in Unternehmen und bietet besondere Meditationen zu Kreativität, Intuition, Führung und Selbstführung sowie Business Skills.
Die App gegen Alltagsstress, Ärzte-Zeitung 17.6.15

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Narzissmus entsteht bereits im Kindesalter 
Mittwoch, 3. Juni 2015 - Wissenschaft
In einem Beitrag über Narzissmus geht die FAZ der Frage nach, welchen Anteil Eltern mit ihrer Erziehung daran haben, wenn Menschen eine übertriebene Selbstliebe entwickeln. In einer Studie zeigte sich, dass die Kinder, deren Eltern ihnen regelmäßig zeigten und sagten, dass sie etwas Besonderes seien, über die Zeit ein entsprechendes Selbstbild entwickelten. Langzeitstudien mit Studenten wiederum legen nahe, dass in den letzten 25 Jahren deren Werte auf der Narzissmus-Skala immer höher ausfielen. "Vielleicht sind die Jugendlichen heute einfach ehrlicher, wenn sie die entsprechenden Fragebögen ausfüllen. Für viele Autoren und Forscher hat der zunehmende Narzissmus jedoch kulturelle Gründe. Es fallen Schlagworte wie Leistungsdruck, Selbstoptimierung, Individualisierung. Im Grunde meinen alle das Gleiche. Eine Gesellschaft, die immer versucht, das Maximum aus dem Einzelnen herauszuholen, fördert eine übersteigerte Selbstliebe. Bei den Kindern, die das Gefühl haben, etwas Besonderes sein zu müssen. Und bei den Eltern, die das Gefühl haben, ihre Kinder zu etwas Besonderem machen zu müssen", so die Einschätzung der FAZ. Bestes Gegenmittel gegen diese Tendenzen - menschliche Wärme. Interesse und Zuneigung ermöglichen es Kindern, selbst herauszufinden, wer sie sind - und an der Reibung am Leben zu wachsen.
Denn Narzissmus hält ein Leben lang, FAZ 26.5.15

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Spiritualität stärker als Ressource nutzen 
Montag, 1. Juni 2015 - Wissenschaft
David Brooks, Kolumnist der New York Times, plädiert dafür, Spiritualität als Ressource der persönlichen Entwicklung und der Resilienz ernster zu nehmen. Am Beispiel der Forschungen von Lisa Miller, Psychologin an der Columbia-Universität, zeigt er, dass spirituelle Bewusstheit, nach Miller der "innere Sinn einer Beziehung zu einer höheren Macht, die liebend und führend ist, Menschen dafür stärken kann, den Herausforderungen des Lebens besser zu begegnen. Laut Miller basiert (gemessen in Studien mit Zwillingen) die spirituelle Bewusstheit zu 29 Prozent auf genetischem Erbe, zu 24 Prozent auf der familiären Umgebung und zu 47 Prozent auf den individuellen Lebensumständen. Menschen, die sich spirituell gegründet fühlen, neigen um 70 bis 80 Prozent seltener zu Suchtverhalten und junge Erwachsene, die sich im Alter von 26 Jahren als sehr spirituell betrachten, haben zu 75 Prozent einen Schutz gegenüber Depressionen. Brooks zieht aus diesen befunden den Schluss, dass wir es uns in einer Zeit, in der immer mehr Erwachsene unter die Räder zu kommen scheinen, nicht leisten können, die Vorteile spiritueller Entwicklung zu ignorieren.
Building Spiritual Capital, New York Times 22.5.15

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Liberalismus braucht Fairness und soziale Durchlässigkeit 
Donnerstag, 21. Mai 2015 - Wissenschaft
In einem Gastbeitrag für die Welt analysiert der Ökonom Thomas Straubhaar, warum der Liberalismus gegenwärtig immer mehr zu seinem eigenen Feind zu werden scheint. In den Augen von Straubhaar sind es vor allem mangelnde Chancengleichheit, fehlende soziale Durchlässigkeit und die Pervertierung liberaler Freiheiten zugunsten von Eigeninteresse, die die Bürgergesellschaft von innen heraus untergraben: "Durchlässigkeit, Fairness, Anstand und Engagement für das Gemeinwohl sind die unverzichtbaren Fundamente einer offenen und liberalen Bürgergesellschaft. Politik und Rechtsstaat können nur die Rahmenbedingungen anordnen und kontrollieren. Entscheidend aber ist, dass Firmeneigentümer, Familienbetriebe, Manager, Führungskräfte – kurz die Wirtschaft – die Werte der Bürgergesellschaft als Vorbilder für Mitarbeiter(innen), Geschäftspartner und Öffentlichkeit vorleben. Wer seinen Nabel für den Mittelpunkt der Welt hält, nur noch eigene Interessen verfolgt, Gemeinwohl für lästiges Gedöns und soziale Verantwortung für überflüssig hält, trägt mit dazu bei, dass mehr und mehr Menschen alleine an sich denken und sich immer weniger für das große Ganze einsetzen."
Der Liberalismus ist sein eigener Feind, Die Welt 12.5.15

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Gehirntraining ist kein Allheilmittel 
Montag, 9. März 2015 - Wissenschaft
In einem Interview mit Spiegel online erklärt der Neuropsychologe Martin Meyer, dass Übungen zum Gehirntraining zwar einzelne Fähigkeiten auch in fortgeschrittenerem Lebensalter aufrechterhalten oder gar fördern können, für die gesamte neurologische Funktionsfähigkeit des Gehirns aber ganz andere Faktoren relevant seien. Für ihn stehen Motivation, Neugier und persönliche Identifikation viel stärker im Vordergrund. „Motivation und ein höheres Selbstwertgefühl können sich unmittelbar positiv auf die kognitiven Leistungen auswirken“, erklärt Meyer. Indirekt verweist er auch darauf, dass im Berufsleben eher Fähigkeiten des Gehirns genutzt werden, die gar nicht zu dessen Stärken gehören: „Viele Tätigkeiten im beruflichen Alltag erfordern Konzentrations- und Willensstärke und die Fähigkeit, aus vorhandenen Fakten abstrakte Schlüsse ziehen zu können, um möglichst rational und sachlich zu entscheiden. Das alles entspricht jedoch nicht unbedingt den Stärken des Gehirns, das sich in seinen Urteilen oft von Gefühlen, subjektiven Interpretationen und individuellen Erfahrungen leiten lässt.“ Vielleicht ist es also hilfreicher, einfach mehr Dinge zu tun, die einem Freude bereiten und das eigene Gefühlsleben ansprechen, anstatt mit Gehirnjogging-Apps herumzudaddeln.
Gehirnjogging? Bringt nix, KarriereSpiegel 12.2.15

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Spiritualität macht gesund 
Donnerstag, 19. Februar 2015 - Wissenschaft
Die Welt widmet einen großen Übersichtsbeitrag der Frage, wie sich religiöser Glaube und Spiritualität auf die Gesundheit auswirken. Eine Betrachtung dieser Ernsthaftigkeit wäre wohl vor einigen Jahren noch ein Unding gewesen. Heute hat sie beinahe schon etwas Selbstverständliches, denn nicht zuletzt durch die zahlreichen neurowissenschaftlichen Durchbrüche in der Meditationsforschung sind solche Themen längst von einer gewissen Alltäglichkeit. Der Artikel zeigt anhand zahlreicher Studien und Statements von Wissenschaftlern, dass der Glaube an etwas Größeres außerhalb der eigenen Existenz positiv auf die Psyche wirkt und auch der körperlichen Gesundheit dient. Vorgestellt werden verschiedene spirituelle Praktiken sowie ihre jeweiligen Vorteile in einem Alltag moderner Gesellschaften. So nutzenbezogen die jeweils angeführten Argumente auch erst einmal sind, letztlich zeigt der Beitrag eher, dass es gerade die menschliche Müdigkeit, immer funktionieren zu sollen, zu sein scheint, die die Faszination an solchen Themen ausmacht.
So gut ist Glauben für unsere Gesundheit, Die Welt 4.2.15

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