Leerlauf ist nicht mehr vorgesehen 
Mittwoch, 7. Oktober 2015 - Arbeit
Gestresst sein ist längst nicht mehr nur ein gesundheitliches Warnsignal. In der Hochleistungskultur der Gegenwart wird es auch zum Statussymbol oder Überlebensmechanismus, je nachdem, von welcher Seite man schaut. Die Werbeagentur Havas Worldwide befragte mehr als 10.000 Menschen in 28 Ländern. Dabei zeigte sich, dass immer mehr Leute sich gestresster geben, als sie eigentlich sind. Geschäftigkeit auszustrahlen scheint in Zeiten der Überwachbarkeit und ständigen Erreichbarkeit zur Notwendigkeit zu werden. "In unserer Gesellschaft sind wir extrem auf Leistung gepolt, da dürfen Angestellte natürlich niemals durchleuchten lassen, dass sie nicht 180 Prozent Gas geben. Wenn diese Menschen dann auch noch das Damokles-Schwert des drohenden Jobverlusts über sich spüren, dann geben sie schon aus reinem Selbstschutz vor, mehr zu tun, als sie wirklich leisten. Das hat mit Faulheit nichts zu tun, sondern damit, dass Menschen an ihre Grenzen getrieben werden und ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt", kommentiert Zeitmanagement-Coach Cordula Nussbaum in der SZ diesen perversen Trend. Wo früher Müßiggang gesellschaftlich als Musezeit akzeptiert war, wird er heute als überflüssig betrachtet. Laut Nussbaum eine besorgniserregende Entwicklung: "Wir brauchen Phasen, in denen wir Gedanken nachhängen können. Erholte Mitarbeiter sind um vieles produktiver als gestresste. Wenn Top-Führungskräfte behaupten, sie kämen mit vier Stunden Schlaf aus, dann verschweigen sie dabei, dass ihre Gehirnleistung der eines Menschen mit zwei Promille entspricht."
Angst vor der Überflüssigkeit, SZ 30.9.15

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Gefallen an sich selbst finden 
Mittwoch, 30. September 2015 - Arbeit
Im Interview mit Spiegel Online sensibilisiert die Philosophin Ina Schmidt für den Unterschied zwischen Entspannung und wirklicher Gelassenheit. "Wir haben einen sehr hohen Anspruch daran, was einen gelungenen Alltag ausmacht. Bilder davon, wie die Dinge idealerweise sein sollten, bestimmen unser Denken und Handeln; wir rackern uns damit ab, diese Vorstellungen zu erfüllen. Dabei passen sie oft gar nicht zu uns. Viel zu selten fragen wir uns: Was wäre für unseren Alltag eigentlich angemessen, damit wir gelassen sein können?", gibt Schmidt zu bedenken. Die Philosophin rät mit Seneca dazu, zu einer neuen Form der Selbstakzeptanz zu finden: "Es geht um Selbstakzeptanz innerhalb der eigenen Grenzen. Also keinesfalls ein egoistischer Narzissmus, den ja manche heute als "Selbstoptimierung" sogar als Ideal ansehen. Sondern dass wir uns aller Ecken, Kanten und Unwägbarkeiten so bewusst werden, dass wir trotzdem einen liebevollen Blick entwickeln auf das, was uns ausmacht." Für Schmidt steht dieses Bemühen immer im Kontext der Gemeinschaft. Es geht also nicht um einen nur noch durchdachteren Ego-Trip, denn: "Wir sollen uns nicht um uns selbst bemühen um unseres persönlichen Glücks willen, sondern um damit am besten zur Gemeinschaft beizutragen."
"Häufig verwechseln wir Gelassenheit mit Entspannung", Spiegel online 19.9.15

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Ziele müssen Sinn machen 
Dienstag, 15. September 2015 - Arbeit
Ziele zu erreichen, erfordert nicht nur Willenskraft. Wenn Menschen auf tiefere Weise von einer Aufgabe berührt sind, setzen sie ungeahnte Kräfte frei. Im Interview mit der Zeit erklärt der Triathlet Christian Troger, wie Unternehmen diese Ebene der Motivation besser integrieren können. Troger weiß, wovon er spricht. Geboren ohne linkes Bein und linke Hüftpfanne hat er seine Vision, einmal einen Triathlon zu schaffen, in die Tat umgesetzt. Was es dazu braucht, vermittelt er nun auch Unternehmen. "Viele verwechseln Träume mit Zielen. Und wundern sich dann, warum sie diese nie erreichen. Wer als Unternehmer nur Träumen hinterherjagt, wird nicht dauerhaft erfolgreich sein oder am Markt bestehen können. Und wer als Chef versucht, mit Träumen seine Mitarbeiter zu motivieren, der wird sein Team nicht dazu bringen, ihm zu folgen. Aus einem Traum wird erst dann ein Ziel, wenn man einen konkreten Sinn dahinter erkennt. Und dieser Sinn muss einen Wert nicht nur für mich selbst haben, sondern auch für diejenigen, die mir dabei helfen, es zu erreichen. Darum sind bloße Unternehmenskennziffern kein gutes Ziel. Warum sollten sich Mitarbeiter dafür ins Zeug legen, nur damit die Bilanz stimmt? Sie sind hingegen motivierter, den Gewinn zu steigern, wenn sie wissen, dass sie daran beteiligt werden, beispielsweise direkt durch ihr Gehalt. Und neben Geld kommt es auf ideelle Werte an", so Troger. Es sei der konkrete Mehrwert, der aus Ideen und Träumen Ziele werden lassen, für die Menschen bereit sind, sich zu engagieren. Seien es gesellschaftliche Ziele oder einzigartige Projekte, was zählt, ist laut Troger, eine ideelle Motivation zu wecken.
"Ein Traum ist kein Ziel", Zeit online 4.9.15

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Bessere Arbeit fängt beim Schlafen an 
Montag, 14. September 2015 - Arbeit
Wach und erholt in den Arbeitstag zu starten, wird für immer mehr Deutsche zum Problem. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin leiden bereits 37,6 Prozent der männlichen und 41,8 Prozent der weiblichen Erwerbstätigen unter Müdigkeit und allgemeiner Erschöpfung am Arbeitsplatz. Nahezu sechs Prozent der Männer und knapp 13 Prozent der Frauen sind deshalb sogar in Behandlung. Aus Sicht von Schlafmedizinern tangieren die Anforderungen am Arbeitsplatz selbst wie auch lange Pendelzeit immer mehr die Erholung. Die Menschen schlafen zu wenig, zu schlecht oder zur falschen Zeit. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung kämpfen auf die ein oder andere Weise mit Schlafproblemen. Die Auswirkungen sind erheblich, denn Schlafmangel wirkt sich negativ auf das Denk- und Lernvermögen aus, die Problemlösungskompetenz und die Entscheidungsfähigkeit leiden darunter.
Schlaflos in der Arbeitswelt, FAZ 2.9.15

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Sich selbst wieder näher kommen und gelassener werden 
Dienstag, 8. September 2015 - Arbeit
Auf der Webseite des Netzwerkes Human Capital Care erklärt der Neurowissenschaftler Ulrich Ott, was hinter dem gegenwärtigen Achtsamkeitstrend steckt. "Als Wissenschaftler kann ich sagen: Es steckt Substanz dahinter, und zwar im doppelten Sinn. Zum einen gibt es heute rund 2.800 wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema Achtsamkeit bzw. englisch „mindfulness“. Zum anderen nimmt tatsächlich die graue Substanz in bestimmten Hirnregionen zu, wenn Personen ein Training in Achtsamkeit absolvieren", so der Meditationsforscher. Das wachsende Interesse an der stillen Innenschau hat in seinen Augen handfeste Gründe: "Vielen Menschen erfahren heutzutage Stress und Zeitdruck bis hin zum Burnout und suchen dementsprechend nach Möglichkeiten der Erholung. Meditation ist eine der Methoden, deren entspannende Wirkung in vielen klinischen Studien gezeigt werden konnte. Darüber hinaus wird auch die Konzentration gesteigert, und viele Menschen machen die Erfahrung, dass Meditation sie wieder mehr zu sich selbst bringt, zu ihrer inneren Mitte." Weitere positive Effekte: Wem es gelingt, sich von der äußeren Hektik nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen, dessen Horizont kann sich weiten, was gut für die Kreativität ist. Auch entwickeln Meditierende leichter Sensibilität - für sich selbst und die eigenen Belastungsgrenzen wie auch als Empathie für andere.
"Meditation hat Effekte auf Aktivität und Struktur des Gehirns", Human Capital Care 31.8.15

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So geht Meditation 
Montag, 7. September 2015 - Arbeit
"Meditieren ist kein ominöses Esoterikspielchen. Es hilft, mit Stress besser umzugehen und sich selbst bewusster wahrzunehmen. Dafür braucht es nicht viel: Man muss nur regelmäßig üben und am Anfang etwas Geduld haben" - was klingt, wie der gediegene Ausschreibungstext zu einem Volkshochschulkurs ist eine Handreichung für die stressgeplagten High Potentials, die das Manager Magazin lesen. Das Business-Magazin hat einen ganzen Artikel dem Thema Meditation gewidmet und lässt zwei Meditationslehrer erklären, mit welchen Methoden sich Einsteiger am besten mit den Achtsamkeitsübungen vertraut machen. Wo sich im letzten Jahr bereits Norbert Reihofer von BMW und Peter Terium von RWE als Meditierende outeten, ist nun die Praxis angesagt. Meditation für jedermann im Management. Bisweilen verblüffend, welchen "Siegeszug" das Thema Achtsamkeit in den letzten Jahren angetreten ist. Einziger Wehrmutstropfen: Das große Interesse rührt nicht zuletzt daher, dass immer weniger Menschen mit dem zum Teil exorbitanten Stress im Berufsleben zurechtkommen.
Wie man in wenigen Minuten total entspannt, Manager Magazin 30.8.15

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Übermüdete Entscheidungen sind keine gute Idee 
Mittwoch, 29. Juli 2015 - Arbeit
Der Verhandlungsmarathon zu Griechenland hat wieder einmal gezeigt, wie viele existenzielle Entscheidungen in der Politik unter den Vorzeichen der Übermüdung getroffen werden. Damit sind die Politiker nicht allein, denn schätzungsweise ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung schläft regelmäßig weniger als sechs Stunden und schleppt sich so mit permanentem Schlafmangel durch den Job. Verlangsamte Reaktionsfähigkeit kann in Berufen, in denen es auf Schnelligkeit ankommt, schnell - und offensichtlich - dramatische Auswirkungen haben. Im Politbetrieb sind wir mit der Beurteilung meist milder, und das, obwohl die Auswirkungen von Schlafentzug mit einem leichten Alkoholrausch vergleichbar sind. " Der Unterschied liegt darin, dass wir Entscheidungen von alkoholisierten Politikern oder Managern für absolut verantwortungslos hielten, während für nächtliche Verhandlungsrunden eine große Akzeptanz besteht. Solche Leistungen werden verstanden als Aufopferung. Ob Entscheidungsfindungen in der Nacht eine gute Idee sind, wird gar nicht hinterfragt", erklärt der Sozialpsychologe Jan Häusser. Wenngleich also eher widersinnig, können Verhandlungen, die unter akutem Schlafmangel geführt werden, auch strategische Gründe haben: "Da kann es darum gehen, die Gegenseite zu zermürben. Aber auch darum, der Öffentlichkeit zu signalisieren: Wie reiben uns auf für euch." Vielleicht fängt mehr Wachheit im öffentlichen ja einfach mit mehr Schlaf an. Aber vielleicht ist das auch zu einfach.
"Die Gegenseite zermürben", KarriereSpiegel 20.7.15

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Zen als angemessener Weg in die Wirklichkeit 
Dienstag, 30. Juni 2015 - Arbeit
Die Stuttgarter Nachrichten gehen in einem Interview mit dem Zen-Meister Hinnerk Polenski der Frage nach, was Zen eigentlich ist und welche Bedeutung es in unserer heutigen Lebenswelt haben kann. "Das Zauberwort heißt Angemessenheit. Es ist der Weg der Mitte. Viele spirituelle Ausrichtungen verlangen von den Menschen oft, dass sie allem entsagen ... Sie gehen raus aus der Welt. Zen geht in die Welt rein. Zen ist ein anderes Wort für die Liebe zur Welt selber", so Polenski, der in Deutschland zu den ersten Anbietern von Zen für Führungskräfte zählt. Warum die Meditation nicht nur bei High Potentials, sondern auch der breiten Bevölkerung auf immer größere Nachfrage stößt, erklärt sich vielleicht auch aus dem impliziten Versprechen von Freiheit, das die Praxis in sich birgt: "Das Erste ist nicht, den Menschen den Weg zur Meditation zu zeigen, sondern die Sehnsucht nach Freiheit in die Herzen zu pflanzen. Menschen glauben, dass sie so sind, wie sie sind. Sie glauben, ihr Charakter sei unveränderlich und gottgewollt. Und daraus folgt das entsprechende Leiden in Beziehungen. Es geht mir darum, Menschen zu zeigen, dass sie sich ändern können. Ein Geheimnis aufzuzeigen: Wenn du dich änderst, ändert sich die Welt." Warum das nicht nur aus individueller Sicht wünschenswert ist, sondern vielleicht sogar in größerem Kontext notwendig, bringt der Zen-Meister unverblümt auf den Punkt: "Ich sage mal so: Wenn wir nichts verändern, fliegt uns der Scheiß um die Ohren."
"Ich bin doch keine Schlaftablette", Stuttgarter Nachrichten 22.6.15

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