Betriebsklima wichtiger als Geld 
Freitag, 16. Oktober 2015 - Studien
Die Hochschule Niederrhein ging in einer Untersuchung mit 475 Berufstätigen der Frage nach, was für die Beschäftigten die Attraktivität eines Arbeitgebers ausmacht. An der Spitze rangiert eindeutig das Betriebsklima, wobei dies den Arbeitnehmern bis 30 Jahren noch etwas wichtiger ist als den Älteren. Aspekte wie Unternehmensgröße, Gesundheitsförderung oder Internationalität sind den Befragten indes weniger wichtig. Die Forscher untersuchten auch, in welchem Verhältnis der Anspruch der Arbeitnehmer zur Wirklichkeit steht. Die größte Lücke zeigte sich hier beim Thema "angemessenes Gehalt" - ein Unterschied von beinahe eineinhalb Schulnoten lag zwischen dem, was die Befragten verdienen, und dem, was sie gerne bekommen würden. Auch im Hinblick auf Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeitsabläufe und die Unternehmensleitung zeigten sich größere Diskrepanzen. Doch insgesamt ist die Zufriedenheit groß - 86,9 Prozent der Befragten sahen ihre Ansprüche an die Attraktivität des Unternehmens mit der Realität in Einklang.
Harmonie ist wichtiger als Geld, FAZ 7.10.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Achtsam Wirtschaften als Weg 
Donnerstag, 15. Oktober 2015 - sonstiges
Das buddhistisch orientierte Netzwerk Achtsame Wirtschaft hat einen kleinen Leitfaden herausgegeben, der "Grundlagen einer angewandten, buddhistisch inspirierten Wirtschaftsethik" vermittelt. Das kostenlos zum Download zur Verfügung stehende Büchlein erklärt, was Achtsamkeit bedeutet, formuliert Leitsätze und ein Menschenbild achtsamer Wirtschaft und beleuchtet, wie sich achtsamer arbeiten, mit Geld umgehen und konsumieren lässt. In der zur Zeit hochkochenden McMindfulness-Diskussion liefert die Broschüre wohltuend geerdete Impulse, die zum Nachdenken und Ausprobieren einladen. Auf der Webseite des Netzwerkes stehen außerdem zahlreiche weitere Texte und auch Anleitungen für Achtsamkeitsübungen zur Verfügung.
Download "Achtsam Wirtschaften als Weg"

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Einfach mal abschalten 
Mittwoch, 14. Oktober 2015 - Arbeit
Vielleicht ist der Kampf gegen Burnout leichter, als wir es uns vorzustellen wagen. Die FAZ sprach in einem Interview mit dem Medizin-Nobelpreisträger und Neurowissenschaftler Thomas Südhof, wie wir der permanenten Erreichbarkeit und Rund-um-die-Uhr-Kommunikation konstruktiv begegnen können. Südhof selbst hat für sich eine sehr einfache Methode gefunden: Einfach mal abschalten. Seine elektronischen Geräte haben von 20 Uhr bis nach dem Frühstück Sendepause. Ende der Durchsage. Interessant an dem Gespräch ist, dass Südhof sich nicht in komplexen Erklärungen und daraus abgeleiteten Lösungsvorschlägen ergeht, sondern einfach mal den gesunden Menschenverstand bemüht: "Mein normaler Menschenverstand sagt mir: Es kann auf Dauer nicht gut sein, so zu arbeiten, wie viele es heute tun. Wir sind über die Smartphones nie mehr unerreichbar, nie außer Dienst. Wir stehen per Mail quasi minütlich im Kontakt zu unserer Arbeit, zu unserer Familie. Diese Dauerbelastung führt zu chronischem Stress, der den Menschen und sein Gehirn verändert. Dauerhaftes Leben auf der Überholspur kann nicht gutgehen." Ja, so ist es. Und wir wissen es. Fragt sich also nur, wann wir anfangen, nach dieser Erkenntnis auch zu leben.
"Dauerstress schädigt das Gehirn", FAZ 3.10.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Achtsamkeitforum am 6./7. November bei Köln 
Dienstag, 13. Oktober 2015 - Veranstaltungen
Am 6./7. November 2015 bietet die Kalapa Leadership Academy in Bensberg bei Köln ein Achtsamkeitsforum, das sich an Personalverantwortliche, Organisationsentwickler, Führungskräfte, Trainer und Berater richtet. Auf der Agenda stehen neben Meditation Themen wie "Wege bahnen zur achtsamen Organisation: Das Wechselspiel von Struktur und Kultur", "Achtsamkeit als Corporate Identity" und "Mindful Leadership".
Weitere Informationen

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Das Produkt-ive-Versprechen der Achtsamkeit 
Montag, 12. Oktober 2015 - Management
Achtsamkeit als Produkt kommt immer mehr in Mode. So beschreibt Zeit online in einem Beitrag, wie vor allem in den USA immer mehr Beratungsgesellschaften entstehen, die Firmen in der Fähigkeit zur Innenschau und Selbsterkenntnis schulen. Unternehmen wie L'Oreal oder Novartis zahlen laut dem Artikel schon einmal 15.000 Dollar, damit ihre Mitarbeiter ein bisschen entstressen. "Für die relativ neue Variante der kommerziell produktiven Achtsamkeit hat sich jetzt in Rekordzeit der Begriff McMindfulness eingebürgert. Er beschreibt das Phänomen, dass Achtsamkeit heute allzu oft aus serieller Fertigung stammt und in leicht verdaulichen Portionen zum unmittelbaren Verzehr angeboten wird", so die Zeit. Und nicht nur das. Indem ein Erkenntnisprozess, der von jedem Menschen - zumindest in der Theorie - ohne Kosten jederzeit durchlaufen werden könnte, zur Ware gemacht wird, fügt er sich perfekt in die kapitalistische Logik ein: "Eine Gegenwart, die sich sogar den Abnabelungsprozess von der Konsumgesellschaft als Produkt vorstellt, befindet sich in einem perfekten Kreislauf: Jede Lösung schafft ein Problem, das die nächste Lösung überhaupt erst ermöglicht, und immer so fort. Im buddhistischen Weltbild ist dieser Kreislauf allerdings ziemlich genau das, was in der christlichen Lehre die Hölle ist." An Kritik wie dieser ist natürlich viel dran. Andererseits: Wer weiß, welche langfristigen Nebenwirkungen der Achtsamkeits-Trend noch haben wird? Vielleicht erleben wir noch so manche positive Überraschung ...
Reguliere dich selbst, Zeit online 22.9.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Handy nervt und ist trotzdem immer an 
Freitag, 9. Oktober 2015 - Studien
Mit dem Handy verbindet uns eine Hassliebe. Obwohl sich immer mehr Menschen vom Dauergedaddel genervt fühlen, sind die meisten dann doch fast immer "on". Die Repräsentativstudie "American's Views on Mobile Etiquette", für die gut 3.000 Erwachsene befragt wurden, zeigt: 92 Prozent der Umfrageteilnehmer besitzen ein Handy und 90 Prozent davon tragen das Gerät immer bei sich. 31 Prozent schalten das Smartphone nie, 45 Prozent nur selten aus. Gleichzeitig fühlen sich 82 Prozent in Gesprächssituationen durch den Griff ihres Gegenübers zum Handy genervt. Gleichzeitig räumen 89 Prozent, Aktivitäten auf dem Smartphone zu unternehmen, während sie mit anderen zusammen sind. 30 Prozent gaben sogar zu, dass sie bisweilen das Handy zücken, um nervenden Gesprächssituationen zu entkommen. Ist das die Morgendämmerung eines neuen Trends - der digitalen Asozialität?
Smartphones nerven, darauf verzichten wollen aber nur wenige, wired.de 1.10.15


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Was Essen mit Denken zu tun hat 
Donnerstag, 8. Oktober 2015 - sonstiges
In der FAZ unternimmt der Philosoph Richard David Precht im Interview einen kleinen Streifzug durch die historische Entwicklung unserer Esskultur. Für Precht hängt das heute so große Interesse am Thema Essen, das sich nicht zuletzt in einem wachsenden Trend zu Vegetarismus, Veganismus und anderen Diät-Formen ausdrückt, nicht zuletzt an unserer Selbstbezüglichkeit: "Wir leben in einer Gesellschaft, die uns erlaubt, viel Aufmerksamkeit auf uns selbst zu richten. Schon als Kinder erfahren wir mehr Aufmerksamkeit und Liebe als in früheren Zeiten. Das ist gut. Aber es geht eine eigentümliche Verbindung mit dem kapitalistisch-materialistischen Imperativ ein, sich selbst zu optimieren. Die Sorge um sich spielt eine riesige Rolle. Das schließt die Ernährung ein." Für den Philosophen ist augenscheinlich, dass die Entwicklung einer "allgemein gültigen Hierarchie des ethisch Vertretbaren" beim Thema Essen kaum greifbar ist, weshalb er dafür plädiert: "Jeder muss sich fragen: Was halte ich selbst für vertretbar?" Ein Blick in die Philosophiegeschichte könne dabei helfen. "Ernährung hat viel mit Religion zu tun. Die Diätetik des Abendlandes beginnt mit den Orphikern und Pythagoreern. Sie glaubten, dass man die Reinheit der Seele durch die Reinheit der Ernährung kultivieren müsse. Die Optimierung des Geistes stand im Vordergrund und wurde im Laufe der griechischen Philosophiegeschichte immer wichtiger. Heute ist es umgekehrt. Man optimiert den Körper und nimmt ein bisschen für den Geist mit", so Precht. Guten Appetit!
Ein Intellektueller muss ungesund essen, FAZ 1.10.15


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Leerlauf ist nicht mehr vorgesehen 
Mittwoch, 7. Oktober 2015 - Arbeit
Gestresst sein ist längst nicht mehr nur ein gesundheitliches Warnsignal. In der Hochleistungskultur der Gegenwart wird es auch zum Statussymbol oder Überlebensmechanismus, je nachdem, von welcher Seite man schaut. Die Werbeagentur Havas Worldwide befragte mehr als 10.000 Menschen in 28 Ländern. Dabei zeigte sich, dass immer mehr Leute sich gestresster geben, als sie eigentlich sind. Geschäftigkeit auszustrahlen scheint in Zeiten der Überwachbarkeit und ständigen Erreichbarkeit zur Notwendigkeit zu werden. "In unserer Gesellschaft sind wir extrem auf Leistung gepolt, da dürfen Angestellte natürlich niemals durchleuchten lassen, dass sie nicht 180 Prozent Gas geben. Wenn diese Menschen dann auch noch das Damokles-Schwert des drohenden Jobverlusts über sich spüren, dann geben sie schon aus reinem Selbstschutz vor, mehr zu tun, als sie wirklich leisten. Das hat mit Faulheit nichts zu tun, sondern damit, dass Menschen an ihre Grenzen getrieben werden und ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt", kommentiert Zeitmanagement-Coach Cordula Nussbaum in der SZ diesen perversen Trend. Wo früher Müßiggang gesellschaftlich als Musezeit akzeptiert war, wird er heute als überflüssig betrachtet. Laut Nussbaum eine besorgniserregende Entwicklung: "Wir brauchen Phasen, in denen wir Gedanken nachhängen können. Erholte Mitarbeiter sind um vieles produktiver als gestresste. Wenn Top-Führungskräfte behaupten, sie kämen mit vier Stunden Schlaf aus, dann verschweigen sie dabei, dass ihre Gehirnleistung der eines Menschen mit zwei Promille entspricht."
Angst vor der Überflüssigkeit, SZ 30.9.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter