Loyalität kann zur Unehrlichkeit verleiten 
Dienstag, 16. Oktober 2018 - Bewusstsein, Psychologie
Viele Firmenskandale rufen berechtigterweise Unverständnis und Kritik hervor, beispielsweise wenn Manager die Öffentlichkeit bewusst hintergehen, um Missstände im eigenen Unternehmen zu verschleiern. Die moralische Entrüstung ist dann gleich groß, denn es ist von außen betrachtet so offensichtlich, dass manchmal einfach dreist gelogen wird, um die eigene Haut zu retten. Eine amerikanische Studie mit 1.400 Freiwilligen zeigt nun, dass die empfundene Loyalität gegenüber einer Gruppe das Lügen gegenüber Außenstehenden begünstigen kann und denen, die die Unwahrheit sagen, als moralische Entschuldigung dient. In verschiedenen Testszenarien wurden die Studienteilnehmer daraufhin getestet, in welchen Konstellationen ihre Bereitschaft zum Lügen besonders groß war und wie sie selbst die Situation einschätzten. Dabei stellte sich heraus, dass Lügen gerade dann als probates Mittel gesehen wurde, wenn das Verbreiten von Unwahrheiten die Loyalität zur eigenen Gruppe bekräftigte. Diese Loyalität hatte für die Beteiligten im Kontext dann einen höheren Wert als die Ehrlichkeit und sie betrachteten ihr Verhalten entsprechend als moralisch gerechtfertigt. In Konstellationen, in denen es nicht darum ging, die eigene Gruppe zu schützen, die also frei von Konkurrenz waren, ließ die Neigung zum Lügen hingegen deutlich nach. Es scheint fast, als würden gesellschaftliche und kulturelle Systeme, die auf Konkurrenz basieren, also beispielsweise die Wirtschaft, aber auch die Politik, das Lügen durch die systemische Kraft des Wettbewerbs und das menschliche Bedürfnis nach Selbstbehauptung im Kontext der eigenen Gruppe begünstigen. Es ist leicht, bei Skandalen immer einfach die Keule der Moral zu schwingen. Womöglich sollten wir unser Interesse aber mehr darauf richten, wie wir Formen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens kreieren können, die in sich selbst nicht mit einem höheren moralischen Anspruch in Konflikt geraten.
Was ist wichtiger: Treue oder Ehrlichkeit? spektrum.de 8.10.18

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Der Digitalisierung mit Menschlichkeit begegnen 
Montag, 15. Oktober 2018 - Psychologie, Arbeit, Management
Die Digitalisierung ruft heute mindestens genauso viele Ängste wie Fantasien hervor. Techno-Fans wollen viel Menschliches am liebsten durch Computer oder Roboter ersetzen. Andere argumentieren, dass wir unter den Vorzeichen des Digitalen nur noch mehr gefragt sind, uns unserer ur-menschlichen Ressourcen, die uns von Maschinen unterscheiden, wieder bewusst zu werden. "Wir sind hypersoziale Wesen. Das – zusammen mit unserer ausgeprägten Vorstellungskraft – zeichnet uns als Menschen schon immer aus. Allein sind wir kaum lebensfähig, gemeinsam erobern wir das Weltall. Wir leben von Kommunikation und Kooperation, von geteilter Fantasie. Es ist keine Überraschung, dass wir das Internet erfunden haben. ... Wie also könnte uns diese Eigenschaft, unsere einzigartige Fähigkeit zur Kommunikation und Kooperation, auch jetzt wieder weiterhelfen? Sie ist und bleibt der Schlüssel zu unserem Erfolg als Spezies, als Gesellschaft, für Unternehmen, Gruppen und Individuen. Daran sollten wir uns auch im Angesicht der aktuellen Herausforderungen wieder erinnern", schreibt Edeltraud Leibrock in einem Kommentar in der Welt. Die Managerin zeigt, wie Silodenken oder Anreizsysteme, die Konkurrenz fördern, in Firmen leicht Separation stiften statt Zusammenhalt. Und wie das Festhalten an alten Machtstrukturen und eine Kultur, die darauf ausgelegt ist, Versagen zu geißeln, Innovationen blockieren. Für Leibrock liegt ein Schlüssel für zukunftsfähiges Handeln in der Anerkennung, dass wir zutiefst kommunikative Wesen sind - und diese Beziehungsfähigkeit durch die modernen Technologien intensivieren können. Doch das Digitale ist für sie nur eine Ergänzung, denn: "Moderne Kommunikationsmittel helfen enorm, ersetzen aber niemals das persönliche Kennenlernen und vor allem das gemeinsame Feiern. Nur dadurch entstehen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Ehrgeiz, gemeinsam etwas zu schaffen."
Um die Digitalisierung zu meistern, müssen wir kooperieren, welt.de 4.10.18

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Neue Schrift soll Lernen erleichtern 
Freitag, 12. Oktober 2018 - Bewusstsein, Studien
Mit einer neuen Schrift wollen australische Designer und Wissenschaftler es Menschen erleichtern, sich abgetippte Notizen besser zu merken. Die "Sans Forgetica" wurde durch gezielte Auslassungen im Schriftbild so konzipiert, dass es besondere Aufmerksamkeit erfordert, das in ihr Geschriebene zu lesen. Durch diese kleine Zusatzanstrengung sollen im Gehirn Erinnerungspuren leichter aktiviert werden. Wo man bekannte, gut lesbare Schriften einfach überfliegt und leicht am Ende der Zeile schon wieder den Anfang vergessen hat, erhofft man sich von der "Sans Forgetica", das bei ihr mehr hängen bleibt. Man darf gespannt sein, welche Früchte die Schrift in der Praxis dann trägt. Auf jeden Fall sieht sie cool aus!
Diese Schrift soll eine erstaunliche Wirkung auf euer Gehirn haben, Business Insider Deutschland 4.10.18

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Nichts leisten 
Donnerstag, 11. Oktober 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Meditation erfreut sich als Ausgleichssport für von der Leistungskultur Gebeutelte großer Beliebtheit. Doch kann man Stille einfach machen? Im Interview mit dem SRF erzählt die Schweizer Zen-Meisterin Anna Gamma, warum Meditation sich am ehesten dann einstellt, wenn man sie von dem gewohnten Gedanken, etwas erreichen zu wollen, frei hält. "Wir brauchen einen Raum, in dem wir einfach sein können – und nichts leisten müssen", so Gamma. Ihrer Erfahrung nach können Meditations-Apps oder auch Disziplin zwar in einem gewissen Rahmen helfen, eine kontinuierliche Praxis der Stille zu entwickeln, doch sieht sie dabei auch Grenzen: "Dann können auch noch die ganzen Über-Ich-Geschichten dazukommen. Zum Beispiel «Du bist gut, wenn du das durchziehst» oder Ähnliches. Das funktioniert auf Dauer nicht", meint sie. Und sie lädt dazu ein, sich dem Ungewohnten der Stille einfach anzuvertrauen, damit es sich über die Zeit im Leben entfalten kann: "Die Meditation lässt einen eine ganz und gar andere Erfahrung machen: Es ist wunderbar, dass es dich gibt, noch vor jeder Leistung. Das ist ein universelles Grundbedürfnis der Menschen. Es geht um das Sein, nicht um das Leisten. In der Meditation können wir spüren, wie das Leben durch uns lebt, wie wir getragen sind von einem kosmischen Strom von Leben.
Das klingt vielleicht etwas schräg, es macht nur in der direkten Erfahrung Sinn. Hat man das aber genügend oft erlebt – also geübt –, kann man Stille auch mitten im Trubel erfahren. Magisch."
Meditation to go: Bringt's das?, SRF 3.10.18

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Fondsgesellschaft führt 4-Tage-Woche ein 
Mittwoch, 10. Oktober 2018 - Lebensart, Arbeit, Management
Es war ein Test - und er war mehr als erfolgreich: Die neuseeländische Fondsgesellschaft Perpetual Guardian probierte vor einigen Wochen aus, was sich im Unternehmen ändert, wenn die Mitarbeiter statt an fünf nur noch an vier Tagen pro Woche arbeiten. Der Inhaber des Unternehmens mit 240 Mitarbeitern hatte zahlreiche Untersuchungen darüber gelesen, dass sich durch eine Arbeitszeitverkürzung Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit steigern lassen. Der Testlauf wurde wissenschaftlich begleitet und dabei zeigte sich: Durch die Arbeitszeitverkürzung, deren Maßgabe es war, dass dennoch jeder das vereinbarte Arbeitspensum erbringen muss, stieg die Work-Life-Balance von 54 auf 78 Prozent. Der Stresslevel sank von 45 auf 38 Prozent. Das überzeugte den Firmeninhaber so sehr, dass ab November die Vier-Tage-Woche bzw. eine wöchentliche Arbeitszeitreduzierung um sieben Stunden zur Norm wird.
Fondsgesellschaft testet Vier-Tage-Woche – mit klarem Ergebnis, welt.de 2.10.18

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Apple macht aus Achtsamkeit eine Challenge 
Dienstag, 9. Oktober 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Silicon Valley und Mindfulness werden heute immer öfter in einem Atemzug genannt. Apple zeigt nun, wie man aus dem Achtsamkeitsthema ganz im Sinne der modernen Leistungskultur eine wunderbare Challenge machen kann. Diesen Monat sind die Mitarbeiter des Unternehmens dazu aufgerufen, regelmäßig kleine Achtsamkeitspausen einzulegen. Die mentalen Auszeiten können mit einer beliebigen App dokumentiert werden. Wer nach 25 Tagen besonders achtsam war, bekommt ein exklusives T-Shirt. Leider wird in den zahlreichen Meldungen, die zur Challenge im Netz kursieren, nichts darüber gesagt, ob es für den persönlichen Achtsamkeitseinsatz auch eine Obergrenze gibt. ;-)
Apple-Mitarbeiter können exklusives T-Shirt in Achtsamkeits-Challenge gewinnen, macerkopf.de 1.10.18

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Digitale Feedback-Kultur 
Montag, 8. Oktober 2018 - Psychologie, Arbeit, Management
Firmen, die etwas auf sich halten, fühlen der Unternehmenskultur mit Mitarbeiterbefragungen auf den Zahn. Meist sind das dann große Fragebogen, bei denen die Angestellten einmal im Jahr die Möglichkeit zum großen Rundumschlag haben. Doch kommen in solchen Erhebungen die Details zum Tragen, die die Menschen tagtäglich am Arbeitsplatz beschäftigen? Und was hilft es, wenn man sich Monate nach einem Ärgernis darüber in einer Umfrage Luft verschaffen kann? Eine dänische Firma hat ein nun ein Analysetool entwickelt, mit dem Unternehmen ihre Mitarbeiter regelmäßig befragen kann. Peakon schöpft aus einem Fragekatalog, der wissenschaftlich validiert wurde. In kurzen Zyklen, zum Beispiel ein Mal pro Woche, erhalten die Mitarbeiter wenige Fragen, auf die sie antworten können. Tests zeigen, das Tool stößt auf gute Resonanz. Im Schnitt liegen laut Unternehmen die Antwortraten bei 81 Prozent. Der Anbieter rühmt sich damit, dass vor allem diese kurzen Zyklen es erleichtern, beispielsweise Neuerungen oder Veränderungen zeitnah zu testen und so Feedback über die Wirkungen zu erhalten. Macht Sinn in Zeiten, in denen alle von Agilität sprechen ... "Es fällt auf, dass Arbeitnehmer immer stärker nach dem Warum fragen: Wohin führt meine Arbeit? Welches Ziel haben wir eigentlich? Außerdem wünschen sich deutsche Arbeitnehmer schnellere Wege, ihre Meinung zu äußern. Viele Unternehmen hierzulande haben noch immer eine starke Hierarchiestruktur. Das erzeugt Scheu, Feedback zu äußern", erzählt Julian Tesche, der für Peakon in Deutschland zuständig ist. Eine Frage ist natürlich, ob man in der Führungsetage auch hören möchte, wie die Sinnfrage im eigenen Unternehmen beantwortet wird ...
"Jeder Mitarbeiter ist Kunde", Zeit online 26.9.18


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Meditations-App Calm nun auch auf Deutsch verfügbar 
Freitag, 5. Oktober 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Digitale Meditationshelfer erfreuen sich großer Beliebtheit. Geführte Meditationen oder auch Timer erleichtern es Einsteigern, eine regelmäßige Praxis zu entwickeln. Die Meditations-App Calm ist nun auch in deutscher Sprache erhältlich. Die App bietet Kurse zum Runterkommen, für besseren Schlaf, Fokussierung und Stressmanagement. Außerdem zeigt sie jeden Tag einen Denkanstoß an. Zum Einschlafen bietet Calm neben Meditationshilfen auch Gute-Nacht-Geschichten.
Calm-Pressemitteilung 25.9.18

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