Management muss sich um die Menschen kümmern 
Mittwoch, 9. Oktober 2019
Bodo Janssen ist ein Erfolgsunternehmer. Als seine Mitarbeiter ihm vor einigen Jahren in einer Befragung ungeschminkt die Meinung geigten, ging er in sich. Seitdem beschäftigt Janssen sich mit Themen wie Meditation und Management und hat seine Unternehmenskultur nachhaltig verändert. Kürzlich veröffentlichte er ein Buch darüber, wie man entlang der Regeln des Heiligen Benedikts besser führen kann. "Wenn ich mich um die Menschen kümmere, kümmern sich die Ergebnisse um sich selbst. Die Wirtschaft ist das Mittel, den Menschen zu stärken. Die Stimmung in einem Unternehmen ist wichtiger als jedes Wissen oder Kapital. Der Wandel bedeutet: Vom Ergebnis zum Erlebnis", erzählt er in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Für Janssen stehen Aspekte wie mehr Effektivität und Effizienz nicht im Vordergrund seiner neuen Führungsmethoden, sie sind eher eine Beigabe zum besseren Betriebsklima. "Wenn das psychische Wohlbefinden von Menschen gut ist, sie sich geistig fit und sozial angenommen fühlen, steigt die Produktivität derartig steil, dass sie mit sehr viel weniger Aufwand viel mehr schaffen. Das geschieht momentan in meinem Unternehmen: Vergangenes Jahr sind wir um 50 Prozent gewachsen – und das war nicht geplant. Vor zehn Jahren hatten wir einen Umsatz von 20 Millionen Euro, in diesem Jahr werden wir 60 Millionen haben. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich aber nicht verdreifacht, sondern nicht einmal verdoppelt. Die Produktivität ist gestiegen, weil die Mitarbeiter weniger krank sind und die Fluktuation sehr gering ist. Und selbst wenn Mitarbeiter nur ‚Dienst nach Vorschrift‘ machen, ihr Gehalt aber nicht als reines Schmerzensgeld sehen, dann trägt auch das zur Produktivität bei", sagt er.
„Führung heißt, die Stärke des Einzelnen zu erkennen“, WiWo 29.9.19

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Arm und ärmer 
Dienstag, 8. Oktober 2019 - Studien, Arbeit
Die die ungleiche Einkommensverteilung wird in Deutschland immer wieder zum Thema. Schaut man auf die Statistik im Großen, dann ist zwar bemerkbar, dass die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen immer weiter auseinandergeht, doch wirken die Zahlen auf den ersten Blick nicht unbedingt dramatisch. Doch wirft man einen näheren Blick auf die Situation der Ärmsten, zeigt sich, wie prekär die Lage bereits ist. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat dies kürzlich getan und dabei festgestellt, dass vor allem die 40 Prozent Haushalte mit dem geringsten Einkommen sehr wahrnehmbar immer weiter zurückfallen. 2005 fehlten den armen Haushalten im Vergleich zu jenen, die knapp oberhalb der Armutsgrenze stehen (was schon mehr als herausfordernd ist), 239 Euro im Monat. 2016 waren es bereits 288 Euro - eine Vergrößerung der Lücke um gut 20 Prozent. Den untersten zehn Prozent der Haushalte stand 2016 weniger Einkommen zur Verfügugn als noch 2010, denn die Einkommen im Niedriglohnsektor steigen sehr langsam, Lebenshaltungskosten indes viel schneller. Die realen Beträge, um die es hier jeweils geht, mögen sich klein anhören. Fakt ist aber, dass alle, die mit so wenig Geld leben müssen, schmerzlich wissen, mit welch deutlichen Einschränkungen sie leben müssen. Statistiken suggerieren gerne Aufschwung und Verbesserung - und über die Geschichte trifft das auch immer wieder für große Bevölkerungsgruppen zu. Aber das entbindet uns nicht davon, immer wieder Sorge dafür zu tragen, dass es allen zumindest nicht schlecht(er) geht.
Die Ärmsten werden immer ärmer, zeit.de 7.10.19

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Wie Innenschau beim Führen hilft 
Montag, 7. Oktober 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Immer noch verbinden viele Führungskräfte die Frage der Leadership vor allem mit dem Erlernen entsprechender Skills. Der Jesuit Michael Bordt, der Kurse für angehende Leader im Alter von 20 bis 30 Jahren anbietet, nimmt eher die subtilen Dimensionen des Führens ins Visier. Ganz selbstverständlich stehen in seinen Workshops Yoga und Meditation auf dem Programm, um wach und klar in den Tag zu starten. Und viele der Übungen, die er mit seinen Teilnehmenden macht, zielen vor allem darauf ab, dass diese sich selbst besser kennenlernen - ihre tiefsten Wünsche, Sehnsüchte und Motivationen ebenso wie ihre Schattenseiten. "Im Laufe der Woche wird den Menschen immer mehr klar, weil sie immer sensibler für sich selbst werden, dass sie spüren, was das Fundament ihres eigenen Lebens ist. Und ob die Vision ihres Lebens – wie es mal gut sein soll – tatsächlich auf dem Fundament beruht, oder auf irgendwelchen gesellschaftlichen Klischees oder moralischem Druck", so Bordt in einer Sendung des Deutschlandfunks. Solche Prozesse des Tiefergehens sind nicht immer leicht, denn sie bringen auch all die äußeren Anforderungen, unter denen man steht, ans Licht. "Wer sich wirklich auf die Meditation einlässt, auf sich selbst, ist sehr schnell damit konfrontiert: Wer bin ich eigentlich wirklich? Was ist eigentlich meine Sehnsucht? Und das steht dann oft in einer sehr großen Spannung zu dem, was ein Unternehmen von einem erwartet", so Bordt. In Firmen ist Führung oft auch eine große Anpassungsleistung, denn letztlich hat jedes Unternehmen seine eigene Agenda. Spannend wird es, wenn Führende hier auch die in solchen Seminaren gemachten Selbsterkenntnisse aktiv einbringen.
Mit Meditation zum Erfolg, Deutschlandfunk 1.10.19

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Home Office macht produktiv und stresst dabei sehr 
Freitag, 4. Oktober 2019 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, schätzen daran oft nicht nur die besseren Möglichkeiten der Zeiteinteilung, sondern bemerken auch, dass sie von zuhause aus viel produktiver sind. Eine Umfrage der Krankenkasse AOK unter 2.000 Beschäftigten zeigt aber auch, dass die Heimarbeiter dafür einen Preis zahlen. 73,4 Prozent von ihnen fühlten sich im letzten Jahr erschöpft, unter den Büroarbeitern sagten dies "nur" 66 Prozent von sich. Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei Wut und Verärgerung, die 69,8 Prozent der zuhause Arbeitenden empfinden, während es bei den im Büro Arbeitenden 58,6 Prozent sind. Auch die Nervosität und Reizbarkeit lag im Home Office mit 67,5 Prozent höher als im Büro (52,7 Prozent). Auch die bessere Zeiteinteilung bei der Arbeit von zuhause scheint nicht zu funktionieren, jeder Fünfte hatte hier Probleme, im Büro nur jeder Zehnte. 38,3 Prozent fällt es schwer, nach einem Home Office Tag abzuschalten, bei denen, die aus dem Büro nach Hause kommen, sind es 24,9 Prozent. Die Umfrage hat die genauen Gründe für diese Diskrepanzen nicht untersucht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das subjektive Gefühl, alle Lasten auf den eigenen Schultern zu tragen, bei Menschen, die allein von zuhause aus arbeiten, größer ist. Was ich darüber hinaus bemerkenswert finde, ist, dass beide Gruppen von Arbeitenden eine sehr hohe Belastung zeigen, was alles andere als gesund ist.
Homeoffice ist für viele eine Belastung, zeit.de 17.9.19

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Führungsmüde und arbeitsmüde 
Mittwoch, 2. Oktober 2019 - Studien, Arbeit, Management
In deutschen Unternehmen scheint sich eine deutliche Arbeits- und Führungsmüdigkeit anzuzeichnen. Einer internationalen Studie der Boston Consulting Group zufolge würden 37 Prozent der befragten Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung und 28 Prozent der Führungskräfte am liebsten nicht mehr arbeiten. Und nur sieben Prozent der Angestellten können sich vorstellen, in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine Führungsposition anzustreben. Wie anders sind da die Vorzeichen in einem Land wie China. Hier sind nur 13 Prozent der Führungskräfte arbeitsmüde, unter den Angestellten sogar nur vier Prozent. Wobei ich mich bei letzter Zahl frage, ob sie wirklich den Empfindungen der Menschen entspricht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Arbeitende in China allein den Gedanken, nicht mehr zu arbeiten, für undenkbar halten, wirkt er doch in einem autokratischen System, in dem Individualismus gerade erst dabei ist, sich tiefer zu entwickeln, wirklich vermessen. Unter den Chinesen würden gerne 47 Prozent aufsteigen und Führungsaufgaben übernehmen. Vielleicht, weil ein solcher Schritt illustriert, dass man es geschafft hat. 64 Prozent der deutschen Führungskräfte fühlen sich gestresst und 82 Prozent sagen, dass ihr Job immer schwerer wird. Die Indizien häufen sich also, dass es in unserer Arbeitswelt an vielen Ecken bröckelt. Die Frage ist, wie wir damit kulturell und gesellschaftlich umgehen können.
Keine Lust auf Karriere, spiegel.de 21.9.19

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Mit Unsicherheit leben 
Dienstag, 1. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die Suche nach Sicherheit gehört wohl zu den Grunddilemmata des menschlichen Lebens. "Im Gegensatz zum Tier hat der Mensch die Freiheit, die Zukunft zu gestalten, und das bedeutet immer eine gewisse Unsicherheit. Das ist an sich überhaupt nichts Schlimmes, problematisch ist es nur, wenn die Unsicherheit zu groß wird", sagt der Wirtschaftsethiker Martin Booms in einem Interview mit der Zeit. In Zeiten, in denen man sich nicht sicher sein kann, seinen Arbeitsplatz auch noch in ein paar Jahren zu haben, in denen Mieten ständig steigen und die soziale Verunsicherung zunimmt und im Angesicht eines Klimawandels, dessen Folgen für unsere Lebensumstände wir uns noch gar nicht vorzustellen vermögen, wird das leicht zum Problem, weil wir uns von allen Seiten überfordert fühlen. Booms rät dazu, diese Volatilität der Lebensumstände nicht nur als Bedrohung aufzufassen, sondern auch Chancen darin zu erkennen. Doch sieht er auch, dass individuelle Anstrengungen allein hier nicht ausreichen, denn wenn die äußeren Lebensgrundlagen bröckeln, wird es existenziell. "Der Einzelne allein kann das nicht tragen. In Umbruchzeiten geht es deshalb darum, Menschen nicht allein zu lassen, sondern neue gesellschaftliche Modelle von Unterstützung und Teilhabe zu etablieren. Das wird aber nur gehen, wenn wir uns vorher gedanklich frei machen und nicht aus bloßer Angst vor der Veränderung erstarren", so der Ethiker. Für ihn liegt in Ideen wie dem Grundeinkommen eine Möglichkeit, Menschen genügend Freiraum zu geben, ohne akute Bedrohungsängste immer wieder ihren Weg zu finden unter den Vorzeichen der Veränderung.
"Erst seit wir etwas haben, haben wir auch etwas zu verlieren", zeit.de 13.9.19

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Wenn Halbwissen zur Sackgasse wird 
Montag, 30. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In Zeiten, in denen man nahezu alles googeln kann, wird das Gehirn faul. Ich merke oft genug bei mir selbst, wie ich mir bisweilen Details nicht mehr so gerne merke wie zu Zeiten, als einmal vergessene Informationen noch viel schwieriger wiederzuerlangen waren. Eine solche Lässigkeit im Umgang mit potentiellem Wissen kann jedoch gravierende Nachteile haben. Eine amerikanische Studie untersuchte kürzlich in Tests mit rund 3.500 Schülern, wie essentiell das Kennen von Fachbegriffen ist, um größere Zusammenhänge zu verstehen. Dabei zeigte sich, dass wenn die Schüler weniger als 60 Prozent der Schlüsselbegriffe eines Textes verstanden, sich ihnen auch der Gesamtzusammenhang kaum erschloss. Vielleicht kann man sagen, je kleiner unsere Wissensbasis ist, umso enger werden dadurch auch unsere Möglichkeiten, die Welt zu verstehen. Das mag banal klingen. Doch man kann leicht selbst an sich beobachten, ob man dazu neigt, Wissen eher zu inhalieren und sich somit eine dauerhafte Verstehensgrundlage für größere Zusammenhänge zu schaffen, oder ob man geneigt ist zu denken: "Na ja, sollte ich das noch mal wissen müssen, kann ich's ja googeln."
Halbwissen bringt nichts, spektrum.de 26.8.19

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Arbeiten, arbeiten, mehr arbeiten 
Freitag, 27. September 2019 - Studien, Arbeit, Management
Der Arbeitszeitmonitor der Beratungsgesellschaft Compensation Partners zeigt wieder einmal, dass Überstunden in der Arbeitswelt längst eine branchenübergreifende Selbstverständlichkeit sind. Zwischen 1,85 Wochenstunden (Steuerberater) und 5,18 Wochenstunden (Unternehmensberater) liegt die in der Erhebung erfasste Mehrarbeit, wobei Menschen in höheren Karrierepositionen mehr Überstunden leisten als jene, die in niedrigeren Positionen tätig sind. Erstaunlich finde ich, wie oft Überstunden heute nicht vergütet werden. Bei Menschen mit Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze (6700 Euro brutto im Westen, 6150 Euro brutto im Osten) gilt Mehrarbeit oft bereits via Arbeitsvertrag als abgegolten. Aber über die Branchen hinweg ist das Bild dennoch erstaunlich, denn je nach Branche werden zwischen 52 Prozent (Messebetreiber) und 75 Prozent (Unternehmensberatung) nicht bezahlt. Die nichtvergütete Mehrarbeit erreicht also auch die nicht so gut bezahlten Angestellten. Welche Denkweise und Kultur dahinter steckt, spiegelt das Zitat einer Karriereberaterin zu den Zahlen in dem Bericht der Welt wider: "Wenn man hier mit dem Arbeitspensum unzufrieden ist, lohnt es sich eher zu hinterfragen, ob das der richtige Job ist und wo man in seiner Karriere wirklich hin will." Menschlichkeit oder menschliches Maß scheinen hier kein Thema zu sein, man huldigt eben einer Leistungskultur des immer Mehr.
In diesen Jobs drohen Ihnen die meisten Überstunden, welt.de 17.9.19

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