Kann Wertschätzung Abgrenzung überwinden? 
Dienstag, 22. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Kollektive Abgrenzungsmechanismen werden immer mehr zum gesellschaftlichen Problem und zur globalen politischen Herausforderung. Von Trump bis Brexit tritt immer mehr zutage, dass manche gesellschaftliche Gruppierungen, die sich von anderen nicht wertgeschätzt fühlen (hier zählt die subjektive Erfahrung, nicht, ob das Empfinden auch objektiven Tatsachen entspricht), zu Formen des kollektiven Narzissmus neigen. Eine britische Studie belegt nun - Menschen, die sich auf diese Weise missachtet fühlen, leiden unter einer Art Dauerkränkung und mobilisieren alle möglichen Abgrenzungsstrategien, um innerhalb der eigenen Gruppe das Selbstbewusstsein zu stärken. Im Unterschied beispielsweise zu konventionellen Nationalisten oder auch gewöhnlichen Fußballfans, beides Beispiele für starke Gruppenzugehörigkeiten, die eine aus ihrer Sicht positive Gruppenidentität bilden, ist die Identität der kollektiven Narzissten sehr fragil und bedarf anscheinend genau deshalb einer ständigen negativen Abgrenzung von allem, was die eigene Identität vermeintlich bedroht. Studien wie diese zeigen, welch sozialer Sprengstoff unter der gesellschaftlichen Oberfläche liegt. Denn gerade Menschen, die ihre zentralen Zugehörigkeiten als bedroht wahrnehmen, koppeln sich immer mehr von umfassenderen gemeinschaftlichen Prozessen ab. Damit verstärken sie eigentlich die gefühlte Ausgrenzung und werden gleichzeitig für Diskurse des Gemeinsamen immer weniger ansprechbar.
Kollektive Narzissten, Psychologie heute 9.10.19

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Das Essen und die Lebenszufriedenheit 
Montag, 21. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In einer Zeit, in der ungesunde Essgewohnheiten und die Neigung zu Übergewicht immer mehr zu einem gesellschaftlichen Thema werden, blüht auch die Erforschung unserer Essmotivationen. Eine neue Studie aus Singapur etwa zeigt: Menschen, die sich mit anderen vergleichen und sich dabei finanziell oder sozial als schlechter gestellt empfinden, neigen eher zu ungesunden Essgewohnheiten. In besagter Studie beispielsweise bedienten sie sich weit häufiger bei den zur Verfügung gestellten Snacks als jene, die mit ihrer Position zufrieden waren. Interessanterweise lässt sich dieser Frusteffekt auch umkehren. So wiesen die Wissenschaftler ihre Testpersonen an, über zwei Wochen in einem Tagebuch festzuhalten, was ihnen im Alltag Gutes widerfuhr und wofür sie dankbar waren. Die geistige Ausrichtung auf Positives hatte zur Folge, dass die Probanden im Testzeitraum weniger aßen. So einfach kann es bisweilen sein, das eigene Verhalten in eine gesündere Richtung zu lenken ...
Falsches Essen aus Unzufriedenheit, Psychologie heute 9.10.19

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Plädoyer für eine Lebenskunst 
Freitag, 18. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Gesund sein, sich ausgewogen ernähren, genügend schlafen, sich eben rundum wohlfühlen - für immer mehr Menschen gehört all das, bewusst gelebt, zu einem guten Leben dazu. Doch diese Verhaltensweisen werden für immer mehr auch zu einer Selbstoptimierungsstrategie, die das Leben vereinnahmt. Im Interview mit dem Focus plädiert die Philosophin Ariadne von Schirach deshalb für eine neue Lebenskunst. "Selbstoptimierung ist nicht an sich schlecht, im Gegenteil. Wir sind immer beides – Oberfläche und Innenwelt, Verstand und Gefühl – und müssen immer wieder zwischen diesen Widersprüchen vermitteln. Problematisch wird es, wenn die Balance kippt. Wenn der Wert des Menschen nur sein Marktwert ist, dann fällt all das weg, was sich eben nicht berechnen, nicht abbilden und nicht vergleichen lässt. Und das ist wirklich ein Problem, weil der Sinn, den wir unserem Leben geben und zugleich abgewinnen können, innen liegt", erklärt sie. Selbstoptimierung ist für sie eine Arbeit am Quantitativen, während die Lebenskunst nach Qualitativem strebe. Ihre Perspektive wirklicher Lebensqualität: "Wenn der Wert des Lebens nur noch aus seiner Verwertbarkeit besteht, dann geht das, was wir früher Charakter, Persönlichkeit und Tiefe nannten, verloren. Individualität lässt sich nicht durch Konsum herstellen, sondern entsteht durch einen bewussten Umgang mit dem eigenen Leben. Wenn es nur noch darum geht, mit anderen in Konkurrenz zu treten und dabei möglichst gut abzuschneiden, dann verlieren wir die Qualität unseres Lebens, also das, was uns persönlich daran angeht und dadurch auch seinen Sinn."
Philosophin zum Selbstoptimierungswahn: Hört endlich auf zu funktionieren! focus.de 11.10.19

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Das Glück von weniger Konsum 
Donnerstag, 17. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Konsum ist für viele Menschen Selbstbelohnung. Sich etwas zu gönnen, macht glücklich, so die Devise. Eine amerikanische Studie zeigt nun allerdings: Weniger Konsum macht erst recht glücklich. In der Untersuchung wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob das Konsumieren nachhaltiger, ökologischer Güter stärker auf das Wohlbefinden wirkt als wahlloser Konsum - und wie sich im Vergleich Konsumverzicht auswirkt. Für die sehr materiell eingestellten Personen unter den Probanden war "grüner" Konsum eine Alternative, ihre Konsumbedürfnisse weiterhin zu erfüllen - und Verzicht keine Option. Bei den Probanden, die sich in Konsumverzicht übten, stellte sich aber ein größeres Wohlbefinden, verbunden mit weniger Stress ein. Die Forscher deuten die Ergebnisse Studie so, dass Besitz eben immer auch Ballast bedeute und dieser verringere sich durch geringeren Konsum.
Weniger kaufen macht glücklicher, wissenschaft.de 9.10.19

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Lügen schaffen soziale Distanz 
Mittwoch, 16. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wer lügt, weicht der Wirklichkeit aus, doch die Wahrheit auszublenden, hat noch mehr Folgen. Eine amerikanische Studie zu Sozialverhalten zeigt: Menschen, die die lügen, tun sich schwerer damit, die emotionale Befindlichkeit anderer Menschen einzuschätzen. In verschiedenen Experimenten hatten Probanden die Möglichkeit zu lügen. Anschließend sollten sie dann in einem Test aufgrund des Gesichtsausdrucks entscheiden, in welcher inneren Verfassung andere Menschen waren. Dabei zeigte sich: Menschen, die zuvor gelogen hatten, hatten hierbei deutliche Probleme. Die Wissenschaftler glauben, dass das Lügen zu einer sozialen Distanz führe, und die klingt nach, selbst in Kontexten, in denen Verbundenheit gefragt wäre.
Die Folgen des Lügens, spektrum.de 9.10.19

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Trotzköpfe machen Karriere 
Dienstag, 15. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Schreien, toben, wütend sein - für Kinder mit ihrem ungebremsten Elan ist das Verhalten, das ihre Eltern leicht in Sorge geraten lässt oder auch einfach nur nervt, nicht ungewöhnlich. Doch was wird aus solchen Trotzköpfen, wenn sie mal erwachsen sind? Die Bunte berichtete kürzlich über eine Studie, die Hoffnung macht. In einer Längsschnittuntersuchung wurde 59 Jahre später untersucht, was aus einer Probandengruppe trotziger Kinder geworden ist. Überraschende Erkenntnis: Je wütender als Kids, umso erfolgreicher waren die Personen als Erwachsene im Beruf. Die Psychologen deuten dies dahingehend, dass diese Charaktere später im Berufsleben mehr Engagement für die eigenen Interessen an den Tag legen. Ihre Eltern hätte sich also seinerzeit keine Sorgen machen brauchen. Aber vielleicht sollten wir uns Sorgen machen, dass ungezügeltes Verhalten anscheinend den beruflichen Aufstieg begünstigt. Das erklärt zumindest den ein oder anderen Wutausbruch in der Führungsetage. Gesund für Unternehmen muss das aber nicht sein.
Trotzige Kinder sind später erfolgreicher im Job, bunte.de 8.10.19

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Lesen? Besser auf Papier ... 
Montag, 14. Oktober 2019 - Lebensart, Studien, Arbeit
Mal schnell im Internet einen Zeitungsartikel lesen oder einen Fachaufsatz? Und eBooks auf dem Tablett sind ja so viel leichter in der Handhabung, als ständig schwere Bücher mit sich rumzuschleppen ... Wohl jede*r von uns ist in der einen oder anderen Form schon länger von digitalen Lesegewohnheiten infiziert. Und doch sollte man sich genau überlegen, welche Inhalte man am besten über welches Medium zu sich nimmt. Denn eine Auswertung von 54 Studien mit insgesamt 170.000 Probanden aus knapp 20 Jahren zeigt: Vor allem wenn es um die Aufnahme von Informationen geht, ist das Lesen am Bildschirm den auf Papier gedruckten Texten unterlegen. Die Wissenschaftler stellten in ihrer Übersichtsstudie nämlich fest, dass Informationen am Bildschirm wesentlich schlechter aufgenommen werden - wahrscheinlich, weil das Medium als solches eher zum Überfliegen von Texten animiert, aber auch, weil die digitalen Geräte selbst viele Ablenkungen produzieren, seien es eingehende Nachrichten, Werbebanner, Links, die man weiterverfolgt und dabei die ursprüngliche Aufgabe aus dem Blick verliert ... Entwarnung gilt nur für die Leser*innen von unterhaltenden Texten wie Romanen oder Erzählungen. Hier zeigen die Studien keine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Medien.
Papier sticht online, Psychologie heute 11.9.19

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Management muss sich um die Menschen kümmern 
Mittwoch, 9. Oktober 2019
Bodo Janssen ist ein Erfolgsunternehmer. Als seine Mitarbeiter ihm vor einigen Jahren in einer Befragung ungeschminkt die Meinung geigten, ging er in sich. Seitdem beschäftigt Janssen sich mit Themen wie Meditation und Management und hat seine Unternehmenskultur nachhaltig verändert. Kürzlich veröffentlichte er ein Buch darüber, wie man entlang der Regeln des Heiligen Benedikts besser führen kann. "Wenn ich mich um die Menschen kümmere, kümmern sich die Ergebnisse um sich selbst. Die Wirtschaft ist das Mittel, den Menschen zu stärken. Die Stimmung in einem Unternehmen ist wichtiger als jedes Wissen oder Kapital. Der Wandel bedeutet: Vom Ergebnis zum Erlebnis", erzählt er in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Für Janssen stehen Aspekte wie mehr Effektivität und Effizienz nicht im Vordergrund seiner neuen Führungsmethoden, sie sind eher eine Beigabe zum besseren Betriebsklima. "Wenn das psychische Wohlbefinden von Menschen gut ist, sie sich geistig fit und sozial angenommen fühlen, steigt die Produktivität derartig steil, dass sie mit sehr viel weniger Aufwand viel mehr schaffen. Das geschieht momentan in meinem Unternehmen: Vergangenes Jahr sind wir um 50 Prozent gewachsen – und das war nicht geplant. Vor zehn Jahren hatten wir einen Umsatz von 20 Millionen Euro, in diesem Jahr werden wir 60 Millionen haben. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich aber nicht verdreifacht, sondern nicht einmal verdoppelt. Die Produktivität ist gestiegen, weil die Mitarbeiter weniger krank sind und die Fluktuation sehr gering ist. Und selbst wenn Mitarbeiter nur ‚Dienst nach Vorschrift‘ machen, ihr Gehalt aber nicht als reines Schmerzensgeld sehen, dann trägt auch das zur Produktivität bei", sagt er.
„Führung heißt, die Stärke des Einzelnen zu erkennen“, WiWo 29.9.19

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