Die Kehrseite der Soft Skills 
Montag, 26. November 2012 - Arbeit
Sie werden gerne beschworen und gewinnen im Business immer mehr an Bedeutung - die Rede ist von den so genannten Soft Skills, von den sozialen Kompetenzen von Mitarbeitern und damit einhergehend von einem Perspektivwechsel, der der menschlichen Seite im Arbeitsleben mehr Geltung verschaffen soll. Doch es gibt auch eine Kehrseite, die vielleicht mitbedacht werden sollte. So geht eine Kolumne auf jetzt.de der Frage nach, ob der Fokus auf Soft Skills nicht vielleicht auch das Arbeitsleben härter macht. "Es ist nicht neu, dass es plötzlich nicht mehr nur wichtig erscheint, was wir können und gelernt haben, sondern dass auch zählt, wer und wie wir sind. ... Klar, man könnte naiverweise erst einmal davon ausgehen, dass die Arbeitswelt dadurch menschlicher wird, persönlicher, wärmer und freundlicher. Aber der Ruf nach Soft Skills bedeutet, dass die Ansprüche steigen, dass uns noch mehr abverlangt wird im Job", meint Bernd Kramer. Der Autor sensibilisiert für die Kehrseite der Medaille, die er wie folgt beschreibt: "Der Widerspruch hat Methode: Wenn die Anforderungen der Arbeitswelt einander ausschließen, heißt das auch, dass man sie nie ganz wird erfüllen können. Sobald man irgendwo in seinem Qualifikationsprofil ein Häkchen setzen kann, tut sich an anderer Stelle fast auto-matisch eine Lücke auf. Was bleibt, ist ein ständiges Gefühl des Nichtgenügens. Obwohl man in Wirklichkeit natürlich sämtliche wichtigen Voraussetzungen für seinen Job erfüllt. Denn mal ehrlich: Letztlich geht es bei der Arbeit doch nur darum, dass der ganze Kram erledigt wird. Das Perfide ist, dass das Gefühl des Ungenügens nicht im Job hängen bleibt. Es begleitet uns wie die Dienstmails, die wir auch nach Feierabend noch beantworten." Zwar bewusst polarisierend, aber im Kern bedenkenswert, wird hier die Frage aufgeworfen, ob das, was menschenfreundlich gemeint ist (und sicherlich auch Berechtigung hat), nicht durch die Hintertür zu einer anderen Form der Härte führt, denn Situationen des Drucks, die im konventionellen Denken eher als Folge äußerer Umstände entstehen, werden nun auch nach innen verlagert. Und wenn jeder für die softe Seite im Job selbst verantwortlich ist, wirft das natürlich auch die Frage auf, ob dann nicht die individuelle Kompensation äußerer Unzumutbarkeiten der nächste Schritt ist.
Hard Skills, please, jetzt.de 11.11.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Pillen für den Push im Job 
Dienstag, 13. November 2012 - Arbeit
Ritalin, Amphetamine, Betablocker oder gar Kokain? In der 24/7-Leistungsgesellschaft, in der die Erschöpften gnadenlos auf der Strecke bleiben, scheint inzwischen fast jedes Mittel recht, um halbwegs mithalten zu können. Ob es sich beim Thema Hirndoping, das inzwischen regelmäßig durch die Medien geistert, bereits um einen alarmierenden gesellschaftlichen Wandel handelt, ist eine Frage der Interpretation. Ein Beitrag auf Spiegel online verweist beispielsweise darauf, dass Studien zufolge in den USA bereits ein Viertel der Studenten zu Pharmazeutika greife, um den Anforderungen im Studium standzuhalten. Eine deutsche Untersuchung unter 8.000 Studenten komme zu dem Schluss, dass 90 Prozent der hierzulande Studierenden überhaupt keine Mittel zur Leistungssteigerung einsetzen. Fünf Prozent nutzen "sanfte" Mittel wie Vitaminpräparate, Koffein oder homöopathische Mittel. Die übrigen fünf Prozent greifen hingegen zu Ritalin, Amphetaminen, Betablockern, Kokain oder kiffen. Eine Untersuchung der DAK unter Berufstätigen brachte zutage, dass von 3.000 Befragten zwei Prozent "regelmäßig, gezielt und systematisch" zu Arzneimitteln greifen, die sie medizinisch betrachtet nicht benötigen. Der Prozentsatz mag nicht hoch erscheinen, umgerechnet auf alle Berufstätigen würde er jedoch bedeuten, dass es in Deutschland bereits 800.000 Hirndoper gibt. Eine Entwicklung, die zumindest für die Betroffenen problematisch sein kann. So zitiert der Beitrag den Arzt Götz Mundle, der vor Abhängigkeit, Persönlichkeitsveränderungen und Aggressionen als Folge des Substanzmissbrauchs warnt. Alles in allem: Der übertriebene Leistungsethos in der Arbeitswelt, verschärft durch immer höhere Anforderungen an die Berufstätigen aufgrund von Sparmaßnahmen, zeitigt bedenkliche Folgen - und ohne gesellschaftliche und politische Diskussion über das, was Arbeitnehmern zuzumuten ist, dürfte die Zahl der Hirndoper weiter steigen.
Immer her mit den bunten Psychopillen, Spiegel online 5.11.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Bundesländer fordern seelische Unversehrtheit im Job 
Donnerstag, 8. November 2012 - Arbeit
Die Bundesländer Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Brandenburg haben eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht, die zum Ziel hat, Arbeitnehmer besser vor psychischen Problemen zu schützen. Der Arbeitsschutz bezieht sich in Deutschland gegenwärtig vor allem auf körperliche Belange. Veränderte Arbeitsbedingungen wie ständige Erreichbarkeit oder die Verdichtung des Arbeitspensums, die bei immer mehr Menschen auch zu psychischen Problemen bis hin zum Burn-out führen, werden in der Gesetzgebung hingegen kaum berücksichtigt. Ein erster Entwurf der Bundesratsinitiative sieht vor, Firmen dazu zu verpflichten, das Arbeitsumfeld auf Quellen psychischer Belastungen zu prüfen, die Gefährdung der Arbeitnehmer einzuschätzen und, falls erforderlich, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Firmen sollen Burn-out bekämpfen, SZ 30.10.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Charakter muss reifen 
Mittwoch, 7. November 2012 - Arbeit
Einschleimen bringt nichts, findet der Psychologe und Karriereberater Christoph Burger. Seine Devise: "Um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen, braucht man Persönlichkeit. Und um die zu entwickeln, helfen drei Dinge: anecken, auf die Schnauze fallen und rumhängen." Laut Burger führten die Hetze an Schule und Uni immer dazu, dass Menschen sich kaum menschlich entwickeln könnten. Im Pendeln zwischen sozialem Engagement und Langeweile - man könnte auch sagen: Leere - hingegen erfahre man oft viel über sich selbst und seine wahren Ziele. Burger rät außerdem zu einer rückhaltlosen Analyse der eigenen Stärken und Schwächen - um sich dann auf die Stärken zu konzentrieren. Ein Rat, den der Karriereberater auch selbst beherzigt - da er zuweilen unbeherrscht und wenig diplomatisch ist, berät er meist Menschen, denen es ebenso geht, weil er sich in diese Klientel besonders gut hineinversetzen kann.
Runter von der Schleimspur! Zeit online 30.10.12

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Zukunft gehört den Allroundern 
Montag, 29. Oktober 2012 - Arbeit
Klare Stellenbeschreibungen und Spezialistenkompetenzen gehören, wenn man der Financial Times Deutschland glaubt, bald der Vergangenheit an, denn in einem Beitrag geht das Blatt dem neuen Trend zum Allroundertum in der Arbeitswelt nach. Die Verbindung unterschiedlicher Aufgabenfelder, inhaltliche Flexibilität und stetiges Lernen prägen nach Auffassung des Autors die Berufswelt von morgen: "Auf dem Arbeitsmarkt, der nach wie vor von Unsicherheit geprägt ist, besteht heute die wertvollste Qualifikation in der Fähigkeit, sich neue Fähigkeiten anzueignen. Während früher Experten wichtiger waren als Allrounder, entsteht jetzt eine neue Managergattung. Diese Führungskräfte schaffen den Spagat zwischen unterschiedlichen Disziplinen und können Rollen ausfüllen, die sich einer starren Stellenbeschreibung entziehen." Da die Grenzen zwischen einzelnen Arbeitsbereichen immer mehr verschwimmen und zunehmend fachübergreifende Kompetenzen gefragt sind, schlägt die Stunde der Teamplayer, die vernetzt denken und handeln können. Das bringt natürlich neue Herausforderungen im Hinblick auf die eigene permanente Weiterbildung mit sich, eröffnet aber auch neue Freiräume, denn: "Ganz gleich, ob Sie Manager, Angestellter oder Unternehmer sind, kann eine mehrdimensionale Rolle erfüllender sein und dafür sorgen, dass Sie entweder ein attraktiverer Arbeitnehmer sind oder sich besser von der Konkurrenz abheben."
Für Allrounder schlägt nun die Stunde, FTD 22.10.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
In der Nachhaltigkeitsfalle 
Donnerstag, 4. Oktober 2012 - Arbeit
In einem Interview mit dem Freitag spricht Ulrich Brand, Mitglied der Enquete-Kommission zu Wachstum und Wohlstand, über das Dilemma der Nachhaltigkeit. Obwohl Themen wie die Schonung der natürlichen Ressourcen, Energieeffizienz und Recycling längst Hochkonjunktur haben, entfalten sie in den Augen von Brand nicht die wünschenswerte Wirkung, weil letztlich so genannte Rebound-Effekte die eigentlichen Erfolge aufzehren. Wo ein alter Kühlschrank durch einen neuen, energieeffizienteren ersetzt werde, verpuffe der Einspareffekt, wenn der neue Kühlschrank dafür umso größer sei und letztlich genau so viel Energie wie vorher verbrauche, so Brand. Der Sachverständige fordert von der Politik mehr Konsequenz, notfalls auch gegen die Interessen von Unternehmen und Verbrauchern. Brands Credo: "Der Staat ist darauf getrimmt, dass die kapitalistische Ökonomie wächst, dass sie wettbewerbsfähig bleibt, dass sie Steuern abwirft und Arbeitsplätze schafft. Was aber ausgeblendet wird: Wohlstand entsteht auch durch gesellschaftliche Tätigkeiten, die nicht marktförmig sind: Sorgearbeit, Freiwilligenarbeit, Erziehungsarbeit. ... Wachstum hat einen herrschaftlichen Charakter. Wachstum bedeutet, dass die Mehrheit der Bevölkerung in die kapitalistische Modernisierung reingerissen wird, etwa der Arbeiter in der Weltmarktfabrik in China. ... Die gesamte Stimmung unserer Gesellschaft hängt an der Wachstumsfrage. ... Wir müssen uns sowieso auf abnehmende Wachstumsraten einstellen, Wohlstand anders verstehen. Aber das muss man gegen den Willen der Vermögensbesitzer durchkämpfen, die Rendite wollen. Auch der Staat muss eine andere Steuer- und Sozialversicherungspolitik betreiben und weg von der Wachstumsnadel kommen." Brand kritisiert, dass es derzeit keinen erkennbaren politischen Willen gebe, etwas an den Rahmenbedingungen zu verändern. Seine Vision: Bessere Recyclingsysteme, ein Arbeitsverständnis, das sich nicht nur auf Lohnarbeit beruft, aber auch eine Selbstbeschränkung der Bevölkerung, die abwägt, welche Folgen ihr eigenes (Konsum-)Verhalten haben wird.
"Wohlstand geht bald anders", Der Freitag 25.9.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Arbeit ... ist nicht alles 
Donnerstag, 16. August 2012 - Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung beleuchtet in einem Beitrag einmal mehr den neuen Trend zum Downshifting. Immer mehr vor allem hochqualifizierte Mitarbeiter denken nicht mehr allein an Einkommen und Aufstieg, sondern suchen in ihrer Arbeit gezielt nach Sinn, wünschen sich mehr freie Zeit für Familie, Ehrenamt oder schlicht Freizeit und wollen den Kopf auch frei haben, um sich persönlich weiterzuentwickeln. Für Berater ist bereits klar, dass das Modell "Karriere um jeden Preis" längst nicht mehr für alle gut Qualifizierten Gültigkeit hat. Die zunehmende Arbeitsverdichtung, aber auch die überproportional geforderte Permanent-Präsenz in Führungsjobs lassen immer mehr Menschen am damit verbundenen Selbstverschleiß zweifeln. Sie wollen mehr Freiräume, um ihr Menschsein auch außerhalb des Jobs zu kultivieren und zu leben. Personaler raten Firmen deshalb bereits dazu, Gestaltungsfreiheiten, sinnvolle Aufgaben und flexible Arbeitszeiten im Auge zu behalten, denn wer diese Randbedingungen nicht anbiete, dürfte künftig beim Recruiting Probleme bekommen.
Wenn Geld und Macht nicht mehr locken, 14.7.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Alles hat seinen Preis 
Freitag, 13. Juli 2012 - Arbeit
Wenn es nach Siemens-Personalvorstand Brigitte Ederer geht, dann könnte mehr Bodenständigkeit ein neues Signal setzen in der gegenwärtigen Burn-out-Debatte. Ihr Credo: "Ich kann nicht alles haben." Ederer vertritt die Ansicht, dass manche Mitarbeiter selbst zu viel wollen und sich damit überfordern. Beruflicher Erfolg, Familie mit Kindern, aufwändige Hobbys - je mehr Wünsche, umso größer die Gefahr, sich zu erschöpfen. Ederer rät Arbeitnehmern, auch auf sich selbst aufzupassen. Der in vielen Firmen üblichen Präsenz-Kultur, die diejenigen implizit bestraft, die nicht ständig erreichbar sind, hält die Personalchefin entgegen, dass andererseits viele Angestellte aus Angst, etwas zu versäumen, sich selbst in ständige Alarmbereitschaft versetzten. Ederer macht Mut zu mehr Gelassenheit und dazu, Niederlagen nicht krampfhaft vermeiden zu wollen. "Aus denen habe ich selbst immer am meisten gelernt", so die Vorstandsfrau.
"Die Mitarbeiter wollen selbst zu viel", Spiegel online 24.6.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter