Vier Tage Arbeit machen 40 Prozent produktiver 
Dienstag, 12. November 2019 - Arbeit, Management
Es wird immer mehr zum Trend, dass Unternehmen die Arbeitszeit reduzieren und dann verblüfft feststellen, dass ihre Mitarbeiter dabei produktiver werden. Jüngstes Beispiel ist Microsoft in Japan, wo im August alle Belegschaften jede Woche nur vier Tage arbeiteten. Dabei waren sie um 40 Prozent produktiver, so das Unternehmen (wobei es nicht offenlegte, wie dieser Zuwachs gemessen wurde). Microsoft hat allerdings durch einige Änderungen auch Rahmenbedingungen geschaffen, die hilfreich waren für dieses Ergebnis und beispielsweise die Dauer von Meetings auf 30 Minuten begrenzt und diese öfter als Videokonferenz abgehalten. Das lässt natürlich mehr Zeit, um "richtig" zu arbeiten. Außerdem sanken im Versuchszeitraum die Energiekosten um knapp 25 Prozent und die Mitarbeiter druckten 60 Prozent weniger Unterlagen aus. Aus der Arbeitsforschung ist bekannt, dass die durchschnittliche Tagesproduktivität eines Mitarbeiters nach oben deutliche Grenzen hat. Wahrscheinlich fühlen sich viele von der Aussicht auf einen zusätzlichen freien Tag beflügelt, sich stärker reinzuknien. Interessant wäre es natürlich, zu diesem Thema einmal Langzeitversuche zu sehen. Denn es ist natürlich auch eine Frage, wie lange sich eine erhöhte Schlagzahl durchhalten lässt.
Microsoft verordnet Mitarbeitern langes Wochenende, spiegel.de 4.11.19

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Schüchtern und zufrieden in der Natur 
Montag, 11. November 2019 - Lebensart
Sie sind eher schüchtern, hängen oft in der Sauna ab und im zweiten Jahr in Folge die glücklichste Nation der Welt. Die Rede ist von den Finnen und bescheinigt wird ihnen ihr Glück vom World Happiness Report. In einem Bericht des Deutschlandfunks wird deutlich, was eine mögliche Quelle dieser tiefen Zufriedenheit ist: die Natur. "Es mag sich vielleicht nach einem Klischee anhören, aber unsere Naturverbundenheit spielt eine große Rolle. Egal, was du machst, egal, wo du lebst: Innerhalb kürzester Zeit bist du draußen. In der Natur. Kannst abschalten", erklärt ein Finne in dem Beitrag. Und viele der weiteren befragten Vorzeige-Finnen stimmen ihm hier zu. Ich frage mich, ob das nur persönliches Empfinden ist, oder ob es nicht auch eine Rolle spielt, dass die Finnen sich hier kulturell sehr einig sind, denn neben dem Saunabesuch scheint das Draußensein für viele Finnen eine wesentliche Rolle zu spielen. Vielleicht bringt es insgesamt mehr Balance in ein kulturelles Feld, wenn man nicht allein immer wieder im Alltag nach kleinen Auszeiten suchen muss, sondern wenn dieses Relaxen fester Bestandteil einer gemeinsamen Kultur ist.
Das glücklichste Land der Welt, Deutschlandfunk 4.11.19

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Klimawandel: Erst mal fragen, was ist denn ein gutes Leben 
Freitag, 8. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Die Frage, welche Verhaltensänderungen in nahezu allen Alltagsgewohnheiten nötig sind, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels wenigstens ein wenig abzumildern, beschäftigen Politik, Medien und Bürger*innen vor allem in den letzten Wochen in besonderem Maße. Das Schwierige an unserer Lage weltweit: Wir werden um Einschnitte in unserer Lebensführung nicht herumkommen. Doch die Diskurswelt, in der wir leben, ist eine, die uns zutiefst verinnerlichen lässt, dass dies vor allem "Verlust" bedeutet. "Dieses Denken vom Wachstum hier, überall und in jeder Bevölkerungsgruppe, beruht darauf, dass es als politisch nicht durchsetzbar oder auch nur denkbar gilt, dass jemand etwas von dem wieder abgibt, was er oder sie schon hat. Nie wird infrage gestellt, wie sich Menschen denn eigentlich sicher versorgt fühlen. Aber das Unsicherheitsgefühl wird immer mit so einer Rhetorik von »es wäre dann schlechter als heute« angeworfen", kritisiert die Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in der taz. Für Göpel ist es an der Zeit, statt mit Verlustängsten zu ringen, besser wesentliche Fragen zu stellen: "Ich glaube, es ist im Moment ein Fenster da, über tiefere Fragen nachzudenken: »Worum geht es denn eigentlich? Was macht ein gutes und sinnvolles Leben aus? Warum machen wir jeden Tag das, was wir tun?« Das ist neu und entstanden durch diese vielen Demonstrationen und die klaren Forderungen gerade der jungen Leute von Fridays for Future." Für sie ist auch klar, dass systemische Probleme auch auf einer systemischen Ebene gelöst werden müssten: "Meine Alltagspraxis ist in eine Struktur eingebaut, die mich in Richtung Zerstörerseite drückt. Ich glaube, viele Verbote würden sehr viele Menschen jetzt einfach mal befreien. Zu wissen, dass nicht nur ich mich einschränke, sondern dass es alle tun. In vielen Umfragen ist das genau der Punkt: Warum soll ich das tun und die anderen machen es im Zweifel nicht und haben dadurch noch mehr Planet zur Verfügung?"
Verbote können Menschen befreien, taz

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Schüchtern und glücklich in der Natur 
Donnerstag, 7. November 2019 - Lebensart
Sie sind eher schüchtern, hängen oft in der Sauna ab und im zweiten Jahr in Folge die glücklichste Nation der Welt. Die Rede ist von den Finnen und bescheinigt wird ihnen ihr Glück vom World Happiness Report. In einem Bericht des Deutschlandfunks wird deutlich, was eine mögliche Quelle dieser tiefen Zufriedenheit ist: die Natur. "Es mag sich vielleicht nach einem Klischee anhören, aber unsere Naturverbundenheit spielt eine große Rolle. Egal, was du machst, egal, wo du lebst: Innerhalb kürzester Zeit bist du draußen. In der Natur. Kannst abschalten", erklärt ein Finne in dem Beitrag. Und viele der weiteren befragten Vorzeige-Finnen stimmen ihm hier zu. Ich frage mich, ob das nur persönliches Empfinden ist, oder ob es nicht auch eine Rolle spielt, dass die Finnen sich hier kulturell sehr einig sind, denn neben dem Saunabesuch scheint das Draußensein für viele Finnen eine wesentliche Rolle zu spielen. Vielleicht bringt es insgesamt mehr Balance in ein kulturelles Feld, wenn man nicht allein immer wieder im Alltag nach kleinen Auszeiten suchen muss, sondern wenn dieses Relaxen fester Bestandteil einer gemeinsamen Kultur ist.
Das glücklichste Land der Welt, Deutschlandfunk 4.11.19

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Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung hat oft gute Gründe 
Donnerstag, 7. November 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Jetzt sparen und an später denken oder das Stück Kuchen lieber liegen lassen, um nicht dick zu werden? Das Aufschieben der Befriedigung von Bedürfnissen oder gar der gänzliche Verzicht werden gerne mit innerer Stärke gleichgesetzt und mit intelligenter Lebensplanung. Doch unter bestimmten Umständen kann es vielleicht klüger sein, sich unmittelbar etwas zu gönnen. Eine neue Studie zeigt: Menschen ziehen kurzfristige Vorteile vor allem dann vor, wenn sie glauben, dass ihre Situation in der Zukunft ungünstiger sein wird. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es aus der Sicht von sozial schlechter Gestellten oft sehr sinnvoll erscheint, das bisschen Geld, das sie haben, gleich auszugeben, oder früher Kinder zu bekommen. Denn wenn das eigene Leben als sehr fragil empfunden wird und die Zukunftsaussichten als wenig rosig, weiß man zumindest im Moment, was man hat.
Was vernünftig ist, ist relativ, spektrum.de 28.10.19

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Haben Sie noch ein Gespür für Ihre "Naturzeit"? 
Mittwoch, 6. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wann wir morgens aufstehen oder abends ins Bett gehen, ist uns oft von äußeren Faktoren vorgegeben, bei denen, die einer Arbeit nachgehen, vor allem von den regulären Arbeitszeiten. Wir mögen uns daran stoßen, dass wir morgens vielleicht noch nicht so recht wach sind oder, wenn wir zu den Frühaufstehern gehören, Meetings am frühen Abend lieber vermeiden, aber meist sind wir uns nicht bewusst, was diese Fremdtaktung wirklich für Körper, Geist und Seele bedeutet. Wir hechten einfach einer Anforderung nach der anderen hinterher. "Der menschliche Körper ist ein rhythmisches Instrument. Er repräsentiert Zeit, indem er mir anzeigt, wann ich aufnahmefähig und aktiv bin und wann müde. Die Uhr ist hingegen ein Taktinstrument und die Umstellung auf die Winterzeit bringt uns sozusagen aus dem Takt. Man könnte sie aber auch als eine Chance sehen, um wieder in den natürlichen Rhythmus zu kommen, den wir in den vielen Jahren, in denen wir nach der Uhr gelebt haben, verlernt haben", erlärtt der Zeitforscher Karlheinz Geißler in einem Interview mit der SZ. Doch selbst, wenn vieles an unserem Tagesrhythmus von außen vielleicht vorgegeben ist, können wir immer noch auf der Mikroebene wieder sensitiver werden für die Feinheiten unseres ganz persönlichen Zeitempfindens. Ein kleines Nickerchen, wenn man zwischendurch müde wird, kann da ebenso helfen, wie die Mahlzeiten auf Phasen zu verschieben, in denen man wirklich hungrig ist. Auch mit dem Schlafengehen ist das so eine Sache. Mal Hand aufs Herz - gehen Sie abends immer zeitnah ins Bett, wenn Sie sich müde fühlen? Oder ist der Krimi im Spätprogramm dann gerade so spannend, dass es noch ein halbes Stündchen länger sein muss ...Karlheinz Geißler rät dazu, sich mehr auf die Zeit der eigenen Natur zu fokussieren, denn: "Wenn ich von der Uhrzeit zur Naturzeit komme - also zu einem Rhythmus, der von meiner eigenen inneren Natur ausgeht oder der äußerlichen Natur - dann ist die Chance am größten, dass ich zufrieden bin."
"Den Einfluss der Uhr zurückdrehen", SZ 26.10.19

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Die Schattenseite der Positiven Psychologie 
Dienstag, 5. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, weiß der Volksmund. Die so genannte Positive Psychologie befeuert diesen Gedankengang. Unzählige Selbsthilfebücher weisen uns den Weg in ein glücklicheres Leben. Doch geht es hier längst nicht allein um unser privates Wohlergehen. Eher um ein Politikum. Das meint zumindest die Soziologin Eva Illouz. In einem Interview mit der NZZ deutet sie darauf, wie diese Fokussierung auf das Positive und die Betonung von Selbstverantwortlichkeit uns aus größeren Zusammenhängen herauslösen und anfällig machen für Manipulation. "Viele Arbeitgeber nutzen Methoden der Positiven Psychologie. Es ist ein effektiver Weg, um Leute zu kontrollieren und sie produktiver zu machen. Wenn die Leute für sich selbst und für alles verantwortlich gemacht werden, gibt es keinen Grund, warum sie bessere Arbeitsbedingungen fordern sollten", erklärt sie. Ähnlich kritisch sieht sie die sich wandelnde Rolle des Staates in diesem Spiel, denn privatisierte Glücksverantwortlichkeit führe da leicht in eine Selbstisolation: "Der Staat spielt nicht länger die Schlüsselrolle, indem er die Bürger befähigt, ihr Glück zu suchen, wie es in der amerikanischen Verfassung steht, sondern die Bürger müssen das allein tun, wie wenn kein Kontext und keine Institutionen existieren würden. Dieser Ansatz ist sehr erfolgreich und beeinflusst auch die Politik." Hinzu komme, dass der inhärente Zwang zum positiven Denken auch in eine seelische Abwärtsspirale münden könne: "An der Positiven Psychologie kritisiere ich, dass sie dazu führt, dass man sich für negative Gefühle schämt. Depression, Wut und Angst werden zu Gefühlen von Verlierern. Den Leuten wird vermittelt: Wenn ihr verletzt werdet, stimmt etwas nicht mit euch. Ihr müsst die Bedingungen eurer mentalen Gesundheit selbst schaffen. Glückspsychologie schafft ein neues Erfolgsmodell, das von der Fähigkeit zu positivem Denken abhängt." Interessant am Gesamtbild ist, wie man hier sehen kann, dass die positiven Seiten der Individualisierung so leicht in ihr Gegenteil kippen können.
"Glück ist ein Statussymbol geworden", NZZ 25.10.19

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Linke fordert Anti-Stress-Verordnung 
Montag, 4. November 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Stress ist inzwischen zur Krankheitsursache Nummer 2 geworden und damit häufiger als eine Erkältung. Eine Anfrage der Fraktion der Linken brachte zutage, dass psychische Leiden und Verhaltensstörungen seit 2008 um 144 Prozent zugenommen haben. Die Zahl der Krankheitstage stieg im gleichen Zeitraum um 71 Prozent. Auch andere Erkrankungsarten haben in ähnlichem Umfang zugenommen. Am Häufigsten erkranken Arbeitnehmer immer noch am Muskel-Skelett-System. Für die Linke deuten diese Zahlen daraufhin, dass wir dringend eine Anti-Stress-Verordnung brauchen, um diesem Negativtrend Einhalt zu gebieten. Sie möchte darauf hinwirken, dass Arbeitgeber verbindliche Richtlinien an die Hand bekommen, wie sie Stress eindämmen können. Gefährdungsbeurteilungen zur psychischen Belastung der Mitarbeiter seien wichtig, um Abhilfe zu schaffen. Man kann die Aufschreie der Arbeitgeber schon hören und ihre Angst vor Produktivitätsverlusten, wenn Menschen bei der Arbeit vielleicht künftig mehr geschont werden müssten. Wie unproduktiv hingegen heutige Arbeitskulturen gesamtgesellschaftlich sind, steht außer Frage. Die immer wieder wachsenden Defizite der Krankenkassen liefern hier handfeste Zahlen. Vom Verlust an menschlichem Wohlbefinden und Lebensqualität mal ganz zu schweigen.
Zahl der Krankentage in Deutschland stark gestiegen, welt.de 23.10.19

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