Null Bock auf Führung 
Dienstag, 19. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Über Jahrzehnte schien der Aufstieg in eine Führungsposition für viele Berufstätige etwas sehr Erstrebenswertes. Doch inzwischen scheint das Blatt sich zu wenden. Eine repräsentative Befragung der "Initiative Chefsache", einem Zusammenschluss von Führungskräften unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel, mit 5.000 Personen zeigt: Die Neigung, ganz nach oben zu wollen, lässt deutlich nach. Bei der Erhebung im Vorjahr wollten noch 45,1 Prozent der Männer und 37,5 Prozent der Frauen im Job eine Führungsposition erreichen. Nun, ein Jahr später, sind an einer Führungsposition nur noch 40 Prozent der Männer und 33,7 Prozent der Frauen interessiert. Warum das so ist, zeigt die Studie nicht. Allerdings ist anzunehmen, dass selbst ambitionierte Menschen immer seltener bereit sind, das immense Spannungsfeld, das mit Führungspositionen verbunden ist, in ihr Leben zu lassen. Karriere bedeutet für sie vielleicht eher, etwas bewegen zu wollen, aber nicht um jeden Preis. Theoretisch kann das eine gute Entwicklung sein, denn bei all den Initiativen zu mehr Agilität in Unternehmen, die ja auch Hierarchien abbauen wollen, sind Führungspositionen vielleicht ohnehin ein Auslaufmodell.
Wer will schon Chef sein? spiegel.de 8.11.19

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Aufmerksamkeit ist ein Politikum 
Montag, 18. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der Achtsamkeits-Hype lässt immer mehr Menschen darüber nachdenken, wie sie im Alltag ein bisschen mehr entspannen und ihre Resilienz fördern können. Womöglich gehen individuelle Initiativen aber an den eigentlichen Herausforderungen vorbei. Die Autorin Lisa Herzog jedenfalls findet, dass Aufmerksamkeit eigentlich ein Politikum ist. In der Zeit schreibt sie: "Die Verantwortung wird dem einzelnen Individuum zugeschoben. Wer heute sein Humankapital optimal vermarkten will, hat eben auch die eigene Aufmerksamkeit und Erholung selbst zu managen! Aufmerksamkeit – und damit auch ihre digitalen Feinde – sind aber keine rein individuelle Angelegenheit, sondern eine gesellschaftliche, und, in gewissem Rahmen, auch eine politische." Einerseits deutet sie darauf, dass immer mehr vor allem digitale Geschäftsmodelle unsere menschliche Aufmerksamkeit kommerzialisieren. Das mache es schwer, noch wirklich persönliche Lebensentwürfe zu entwickeln. Darüber hinaus würden die Aufmerksamkeitsräume zunehmend privat, beispielsweise wenn ich meditiere oder ich dafür sorge, dass ich nicht durch mein Handy gestört werden. Herzog findet, es fehlen heute zunehmend Räume einer geteilten Aufmerksamkeit, solche, in denen beispielsweise auch "spontane Begegnungen mit anderen Menschen stattfinden können". Sie fragt: "Wer weiß, wie viele andere Veränderungen möglich würden, wenn durch ein bisschen weniger digitalen Aufmerksamkeitsklau neue Freiräume für das Weiterdenken spontaner Ideen oder für neue Begegnungen mit Mitmenschen entstünden!" Es geht ihr um mehr als nur ein bisschen mehr Miteinander, denn mit der Frage, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und mit wem wir sie teilen, ist sehr Grundsätzliches verbunden. "Was dabei auf dem Spiel steht, ist die Art und Weise, wie wir arbeiten, aber auch, wie wir leben, in einem sehr existenziellen Sinn", so Herzog.
Für Ihre Erholung müssen Sie schon selbst sorgen!, zeit.de 31.10.19

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Schläfrige Agilität 
Freitag, 15. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Agilität ist in aller Munde, vor allem in den Führungsetagen, schließlich möchte kein Manager, der etwas auf sich hält, diesen Trend verpassen. Doch wenn es um die Umsetzung geht, hinken viele Führenden hinterher. Sie glauben vielleicht, agil mit ihren Mitarbeiter*innen umzugehen, doch sehen diese das ganz anders, so die Erkenntnis einer Befragung des Jobportals Stepstone von 10.000 Fach- und Führungskräften. 61 Prozent der Befragten finden flache Hierarchien wichtig, doch nur in einem Drittel der Firmen seien diese auch gegeben. Die Anwendung agiler Methoden erscheint jedem dritten Befragten wichtig, umgesetzt werden sie allerdings gerade einmal in jeder zehnten Firma. Die Hälfte der Führungskräfte ist der Meinung, sie binde ihre Mitarbeiter gut in Entscheidungsprozesse ein, aber nur jeder sechste Mitarbeiter kommt zum gleichen Schluss. Ähnliches beim Thema Motivation. Zwei von drei Führungskräften glauben, sie motivieren ihre Mitarbeitenden, aber nur gut jede*r Vierte sieht das genauso. Agilität kommt also durchaus in vielen Unternehmen noch eher schläfrig daher.
Mitarbeiter wollen agil arbeiten – Unternehmen sind die Bremser, WiWo 29.10.19

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Heimat als offener Raum des Sich-Verbindens 
Donnerstag, 14. November 2019 - Medien
Es ist wieder mal so weit - die neue Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur ist draußen. Dieses Mal haben wir uns mit dem Thema "Offene Heimat - Wie kann sie gelingen?" beschäftigt. Der Titel mag wie ein Widerspruch in sich klingen, denn allzuoft verbinden wir mit Heimat das tief Verwurzelte, Geschichte und Tradition, etwas, das unverbrüchlich Halt gibt. Unsere kulturelle Realität zeigt uns aber auch, dass dies oft eher eine romantische Vorstellung ist. Umzüge aus beruflichen Gründen sind heute für viele Menschen Alltag. Die weltweite Migration verändert lokale Bezüge. Und das einzig Stetige scheint genau dieser Wandel zu sein. In evolve fragen wir danach, wie sich unter den Vorzeichen einer solchen kulturellen Volatilität neue Formen des Heimisch-Seins entwickeln können. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot etwa spricht über die wachsende Bedeutung regionaler Identitäten und eine tiefere spirituelle Kraft, die wir in der Beziehung zu unseren Lebenswelten entfalten könnten. Der Philosoph Jochen Kirchhoff hingegen schweift in die Weite des Kosmos, in deren Angesicht die Idee, Heimat mit einem kleinen Stück Land zu verbinden, plötzlich recht engstirnig wirken könnte. Besonders berührt hat mich das Interview mit der Maori Whaea Moetu-Taiha, die spürbar werden lässt, wie sehr wir doch oft in abstrakten Ideenwelten nach Beheimatung suchen und darüber die lebendige Beziehung zu dem, was uns real umgibt, verlieren. Es ist ein spannendes Heft geworden, das dazu anregt, neue Heimaten zu schaffen.

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Verbote sorgen für seelische Entlastung 
Mittwoch, 13. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In der Klimadiskussion geraten die Befürworter von Verboten und die Verfechter der Freiheit immer wieder aneinander. Der Kölner Psychologe Stephan Grünewald findet: Verbote machen uns das Leben leichter. "Überall, wo die Gesellschaft für Verhaltensänderungen auf Freiwilligkeit und Gebote mit bloßem Empfehlungscharakter setzt, führt das dazu, dass sich die Menschen dauernd selber in den Hintern treten müssen. Dann doch lieber eine klare Ansage, an die sich alle halten müssen. Psychologisch tragen Verbote somit dem Wunsch nach Entlastung Rechnung", sagt er. Hinzu komme, dass insbesondere in Fragen des Klimawandels immer mehr Bürger*innen das Gefühl hätten, dass die Industrie Narrenfreiheit genieße, während sie selbst - siehe die Diskussionen über Fleischkonsum oder Dieselautos - sich beschränken sollen. Mehr Verbote, die die Lage grundsätzlich justieren, könnten hier auch ein Ausdruck von Gerechtigkeit sein, so Grünewald. Der Markt- und Sozialforscher möchte damit allerdings nicht einem alles regulierenden Staat das Wort reden, sieht jedoch durchaus auf der psychologischen Ebene auch ein Bedürfnis vieler Menschen, einer "entfesselten Beliebigkeit" zu entkommen.
Die neue Lust am Verbot

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Vier Tage Arbeit machen 40 Prozent produktiver 
Dienstag, 12. November 2019 - Arbeit, Management
Es wird immer mehr zum Trend, dass Unternehmen die Arbeitszeit reduzieren und dann verblüfft feststellen, dass ihre Mitarbeiter dabei produktiver werden. Jüngstes Beispiel ist Microsoft in Japan, wo im August alle Belegschaften jede Woche nur vier Tage arbeiteten. Dabei waren sie um 40 Prozent produktiver, so das Unternehmen (wobei es nicht offenlegte, wie dieser Zuwachs gemessen wurde). Microsoft hat allerdings durch einige Änderungen auch Rahmenbedingungen geschaffen, die hilfreich waren für dieses Ergebnis und beispielsweise die Dauer von Meetings auf 30 Minuten begrenzt und diese öfter als Videokonferenz abgehalten. Das lässt natürlich mehr Zeit, um "richtig" zu arbeiten. Außerdem sanken im Versuchszeitraum die Energiekosten um knapp 25 Prozent und die Mitarbeiter druckten 60 Prozent weniger Unterlagen aus. Aus der Arbeitsforschung ist bekannt, dass die durchschnittliche Tagesproduktivität eines Mitarbeiters nach oben deutliche Grenzen hat. Wahrscheinlich fühlen sich viele von der Aussicht auf einen zusätzlichen freien Tag beflügelt, sich stärker reinzuknien. Interessant wäre es natürlich, zu diesem Thema einmal Langzeitversuche zu sehen. Denn es ist natürlich auch eine Frage, wie lange sich eine erhöhte Schlagzahl durchhalten lässt.
Microsoft verordnet Mitarbeitern langes Wochenende, spiegel.de 4.11.19

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Schüchtern und zufrieden in der Natur 
Montag, 11. November 2019 - Lebensart
Sie sind eher schüchtern, hängen oft in der Sauna ab und im zweiten Jahr in Folge die glücklichste Nation der Welt. Die Rede ist von den Finnen und bescheinigt wird ihnen ihr Glück vom World Happiness Report. In einem Bericht des Deutschlandfunks wird deutlich, was eine mögliche Quelle dieser tiefen Zufriedenheit ist: die Natur. "Es mag sich vielleicht nach einem Klischee anhören, aber unsere Naturverbundenheit spielt eine große Rolle. Egal, was du machst, egal, wo du lebst: Innerhalb kürzester Zeit bist du draußen. In der Natur. Kannst abschalten", erklärt ein Finne in dem Beitrag. Und viele der weiteren befragten Vorzeige-Finnen stimmen ihm hier zu. Ich frage mich, ob das nur persönliches Empfinden ist, oder ob es nicht auch eine Rolle spielt, dass die Finnen sich hier kulturell sehr einig sind, denn neben dem Saunabesuch scheint das Draußensein für viele Finnen eine wesentliche Rolle zu spielen. Vielleicht bringt es insgesamt mehr Balance in ein kulturelles Feld, wenn man nicht allein immer wieder im Alltag nach kleinen Auszeiten suchen muss, sondern wenn dieses Relaxen fester Bestandteil einer gemeinsamen Kultur ist.
Das glücklichste Land der Welt, Deutschlandfunk 4.11.19

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Klimawandel: Erst mal fragen, was ist denn ein gutes Leben 
Freitag, 8. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Die Frage, welche Verhaltensänderungen in nahezu allen Alltagsgewohnheiten nötig sind, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels wenigstens ein wenig abzumildern, beschäftigen Politik, Medien und Bürger*innen vor allem in den letzten Wochen in besonderem Maße. Das Schwierige an unserer Lage weltweit: Wir werden um Einschnitte in unserer Lebensführung nicht herumkommen. Doch die Diskurswelt, in der wir leben, ist eine, die uns zutiefst verinnerlichen lässt, dass dies vor allem "Verlust" bedeutet. "Dieses Denken vom Wachstum hier, überall und in jeder Bevölkerungsgruppe, beruht darauf, dass es als politisch nicht durchsetzbar oder auch nur denkbar gilt, dass jemand etwas von dem wieder abgibt, was er oder sie schon hat. Nie wird infrage gestellt, wie sich Menschen denn eigentlich sicher versorgt fühlen. Aber das Unsicherheitsgefühl wird immer mit so einer Rhetorik von »es wäre dann schlechter als heute« angeworfen", kritisiert die Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in der taz. Für Göpel ist es an der Zeit, statt mit Verlustängsten zu ringen, besser wesentliche Fragen zu stellen: "Ich glaube, es ist im Moment ein Fenster da, über tiefere Fragen nachzudenken: »Worum geht es denn eigentlich? Was macht ein gutes und sinnvolles Leben aus? Warum machen wir jeden Tag das, was wir tun?« Das ist neu und entstanden durch diese vielen Demonstrationen und die klaren Forderungen gerade der jungen Leute von Fridays for Future." Für sie ist auch klar, dass systemische Probleme auch auf einer systemischen Ebene gelöst werden müssten: "Meine Alltagspraxis ist in eine Struktur eingebaut, die mich in Richtung Zerstörerseite drückt. Ich glaube, viele Verbote würden sehr viele Menschen jetzt einfach mal befreien. Zu wissen, dass nicht nur ich mich einschränke, sondern dass es alle tun. In vielen Umfragen ist das genau der Punkt: Warum soll ich das tun und die anderen machen es im Zweifel nicht und haben dadurch noch mehr Planet zur Verfügung?"
Verbote können Menschen befreien, taz

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