Die lieben Banker und das Vertrauen 
Dienstag, 3. November 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die großen Finanzskandale der letzten Jahre haben nicht nur immer wieder Schlaglichter auf das Finanzwesen als Branche geworfen, sondern auch auf die Menschen, die hier tätig sind. Forscher der Universität Mainz sind der Frage nachgegangen, ob der Bankensektor vielleicht Menschen eines bestimmten Schlages besonders anzieht. Dazu befragten sie 2013 an der Universität Frankfurt 265 Wirtschaftsstudierende nach ihren Berufswünschen, sozialen Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen. Außerdem testeten sie in einem Experiment die Vertrauenswürdigkeit der Studierenden. In den Jahren 2019 und 2020 führten die Wissenschaftler mit ihren Probanden, die nun größtenteils im Berufsleben standen durch, um zu erfahren, wo sie gelandet waren. Dabei zeigte sich: Jene, die einen Beruf in der Finanzbranche gewählt hatten, waren zugleich diejenigen, welche bei dem früheren Experiment eher weniger Vertrauenswürdigkeit bewiesen hatten. Aus dieser überschaubaren Untersuchung lassen sich zwar keine Rückschlüsse darauf ziehen, dass Banker generell nicht vertrauenswürdig sind. Die Wissenschaftler sehen aber für das Bankwesen durchaus die Frage, ob es sich nicht lohnen könnte, mehr zu reflektieren, warum diese Menschen besonders vom Sektor angezogen werden - und wie man hier vielleicht andere Voraussetzungen schaffen könnte.
Haben Banker zu Recht einen schlechten Ruf?, FAZ 21.10.20

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Corona zeigt uns, wer wir sind 
Montag, 2. November 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Unsere Reaktionen (oder auch Nicht-Reaktionen) auf die Zumutungen der Pandemie sind in ihrer ganz eigenen Weise auch ein Spiegel, wo das Menschsein in der modernen Welt gerade steht. Sie zeigen uns, was uns wichtig ist, was wir verteidigen, und auch, was uns gleichgültig ist. Der Psychoanalytiker Hans Jürgen Wirth erklärt gegenüber dem Spiegel die psychischen Kontext, in dem sich unser Ringen mit den gegenwärtigen Herausforderungen abspielt. Das Tragen der Masken beispielsweise wird in seiner Wahrnehmung vom autonomen Ich als Zumutung erfahren, weil es den individuellen Selbstausdruck einschränke und uns alle optisch gleich mache. Das, was gegenwärtig gerne als Pandemiemüdigkeit beschrieben werde, sei auch ein Zeichen für ein Zurückweichen vor der Komplexität und den Widersprüchlichkeiten der Krise. In mir hat der Spiegel-Beitrag noch einmal viel mehr die Wahrnehmung dafür sensibilisiert, wie hilflos wir werden, wenn unsere üblichen Identifikationsräume sich auflösen. Unsere Reaktionen analytisch zu deuten, ist eine Sache. Eine andere wäre es, mehr danach zu fragen, warum uns anscheinend kaum konstruktive neue Verhaltensmuster einfallen, warum wir anscheinend recht wenig innere Stärke entwickeln. Als die Pandemie begann, habe ich, wie manch anderer wohl auch, mal wieder Camus' Pest zur Hand genommen. Sein Psychogramm erscheint nun aktueller denn je. Camus beschreibt, wie lang die Phase von Verleugnung, innerem Widerstand und auch Rückzug anhalten kann, bevor wir bereit sind, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Und anscheinend sind wir nun, wo die "zweite Welle" begonnen hat, immer noch nicht ganz in der Realität angekommen. Einer Realität, die uns vor Augen hält, dass die Zeit der Beschränkung wohl noch sehr lange anhalten wird. Aber erst dieses Anerkennen ist es, das uns wirklich ankommen lässt bei dem, was ist. Und nur wenn uns dies gelingt, können wir vielleicht auch neue Handlungsmuster entwickeln, jenseits von Trotz oder übersteigerten Ängsten.
Warum wir so undiszipliniert sind, spiegel.de 20.10.20

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Ende gut, heißt nicht immer alles gut 
Freitag, 30. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wir neigen dazu, Erfahrungen, die wir einmal gemacht haben, zur Entscheidungsgrundlage für neue Handlungen zu machen. Doch manchmal trügt uns unsere Erinnerung. Eine Studie aus Cambridge zeigt nun, dass viele Menschen dazu neigen, wenn eine Situation gut geendet hat, ihren eigentlichen Verlauf auszublenden und damit wesentliche Entwicklungen zu ignorieren. Im Experiment wurden Probanden zwei Töpfe mit Münzen gezeigt, wobei sie jeweils mehrere Ausschnitte aus dem Topfinhalt zu sehen bekamen - mal standen die großen, wertvolleren Münzen im Vordergrund, mal eher kleinere mit geringerem Wert. Am Ende der Sequenzen sollten sich die Teilnehmenden entscheiden, in welchem Topf mehr Geld ist. Dabei zeigte sich: Bekamen die Probanden gegen Ende einer Sequenz mehr große Münzen zu sehen, entschieden sie sich öfter für diesen Topf, obwohl in ihm weniger Geld war. Sie gewichteten also das Ende ihrer Wahrnehmungserfahrung stärker als den Gesamteindruck. Die Wissenschaftler untersuchten während der Entscheidungsfindung im Hirnscanner, wie die Probanden die Informationen verarbeiteten. Dabei wurde deutlich, dass die Gesamtsituation vor allem in der Amygdala verarbeitet wird, die für emotionale Bewertungen zuständig ist. Das Ende einer Situation hingegen wird von der vorderen Insula verarbeitet, die für Sinneswahrnehmungen relevant ist. Probanden, bei denen die Prozesse in der Amygdala stärker ausgeprägt waren, entschieden sich häufiger für den wertvolleren Topf, weil sie die Gesamtsituation in der Wahrnehmung behielten. Die Erkenntnisse über die beteiligten Hirnregionen widersprechen anderen Studien, die davon ausgehen, dass Prozesse der Amygdala rationalen Entscheidungen eher im Wege stehen, weil es sich um einen primitiveren Teil des Gehirns handelt. Vielleicht ist es aber auch so, dass unsere Emotionen durchaus zuverlässig sind bei der Urteilsbildung - wenn wir eben alle Emotionen berücksichtigen, also nicht nur die, die wir haben, wenn etwas zu einem guten Ende kommt. Auf jeden Fall laden die Erkenntnisse dieser Studie dazu ein, im Alltag wacher zu sein und Situationen im Detail zu betrachten und nicht nur die Ausschnitte, die unsere positiven Erwartungen erfüllen.
Warum ein Happy End täuschen kann, wissenschaft.de 20.10.20

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Mehr rauchen und trinken aus Langeweile 
Donnerstag, 29. Oktober 2020 - Psychologie, Studien
Die Pandemie hat die Gewohnheiten vieler Menschen verändert. Und gerade weniger hilfreiche Verhaltensweisen auch verstärkt. Eine eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse etwa zeigt: Seit der Virus unser Leben im Griff hat, ist der Alkohol- und Drogenkonsum in der Bevölkerung gestiegen. Von den Menschen, die bereits zuvor mehrmals in der Woche Alkohol tranken, äußerte ein Viertel, seit Beginn der Pandemie mehr zu trinken. Bei den Rauchenden hat jede neunte Person ihren Zigaretten-Konsum erhöht. Die Untersuchung der Krankenkasse geht davon aus, dass für viele Menschen Rauschmittel einen Bewältigungsmechanismus darstellen. Doch gerade bei längerem erhöhten Konsum bestehe auch die Gefahr, langfristig abträgliche Gewohnheiten zu entwickeln. In den letzten zehn Jahren etwa sei die Zahl derer, die wegen einer Abhängigkeit oder Entzugserscheinungen ärztlich behandelt werden mussten, bei exzessivem Rauschtrinken um 37 Prozent gestiegen.
Konsum von Alkohol und Tabak steigt in Coronakrise deutlich, spiegel.de 20.10.20

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Home Office - verbarrikadieren in der kleinen Privatwelt? 
Mittwoch, 28. Oktober 2020 - Lebensart, Arbeit, Management
Die Corona-bedingten Zeiten im Home Office haben bei manchen Arbeitenden Begehrlichkeiten geweckt. Für sie hat das Arbeiten von zu Hause einige Entlastung gebracht. Keine zeitraubenden Wege ins Büro mehr, keine ständigen Unterbrechungen, keine nervigen Kollegen. Arbeiten daheim ist einfach wunderbar bequem. Doch es gibt auch andere Perspektiven. FAS-Autor Rainer Hank beispielsweise hält in einer Kolumne gar nichts von "Remote im Reihenhaus". Nicht, weil Chefs dann keine Kontrolle mehr haben, sondern weil er Eintönigkeit befürchtet. Für Hank ist das Sich-Verbarrikadieren in den eigenen vier Wänden ein Rückfall hinter historische Errungenschaften, denn das Arbeiten außer Haus hat ein Privatleben, wie wir es heute kennen, überhaupt erst möglich gemacht. Home Office wäre damit ein Rückfall in eine vormoderne Welt. Ich finde seine Einwände aus einem anderen Grund bedenkenswert. Zuhause mag es gemütlicher sein als im Office. Und ruhiger vielleicht auch. Doch macht das Arbeiten daheim auch die Welt als solche kleiner. Denn das "richtige" Leben ist immer auch eines mit anderen Menschen. Vielleicht sollten wir eher überlegen, statt in Büros zu sitzen, wechselnde Orte aufzusuchen. Und damit meine ich nicht hippe Coworking-Spaces oder Starbucks. Sondern Orte, an denen uns das Leben der anderen - für die wir ja nicht zuletzt arbeiten - wieder gegenwärtiger wird.
Für immer Homeoffice?, FAZ 19.10.20

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Corona zeigt die widersprüchliche Logik unserer Systeme 
Dienstag, 27. Oktober 2020 - Lebensart, Wissenschaft
Die Verwirrung oder gar Wut, die viele Menschen angesichts immer unübersichtlicher werdender Corona-Regeln verspüren, ist womöglich gar nicht nur der aktuellen Krise und dem mit ihr verbundenen Kontrollverlust über das eigene Leben geschuldet. In einem Interview mit dem Handelsblatt verdeutlicht der Soziologe Armin Nassehi, dass im Ringen um vermeintliche Lösungen vielmehr die unterschiedlichen Logiken der Subsysteme, die unsere Gesellschaft ausmachen, darunter Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, stärker zum Vorschein kommen - gerade weil sie sich widersprechen. "Diese Subsysteme haben getan, was sie immer tun. Sie reagieren mit ihren je eigenen Mitteln. Wirtschaftliche Akteure achteten darauf, zahlungsfähig zu bleiben. Wissenschaft forschte und wies zugleich auf die Unsicherheiten der eigenen Arbeit hin. Medien bemühten sich um die Suche nach Berichtenswertem. Und die Politik war bemüht, Loyalitäten aufrechtzuerhalten. Das ist doch gerade die Versuchsanordnung, durch die moderne Gesellschaften stets als krisenhaft erscheinen. Die unterschiedlichen Logiken lassen sich nicht einfach synchronisieren – das wird nun erst recht sichtbar, etwa daran, dass wir es nicht einmal schaffen, mit so einem Virus fertigzuwerden", erklärt er. Nassehi spricht sich dafür aus, in Prozessen die unterschiedlichen Perspektiven ins Gespräch zu bringen, um zu gemeinsamen Handlungsmöglichkeiten zu kommen. Er sagt: "All diese Perspektiven müssen in die politische Entscheidungsfindung mit einbezogen werden. Diese interdisziplinären Ansätze sind ein großer zivilisatorischer Fortschritt." Und er findet die Zeit gekommen, bewusster die bestehenden Risiken abzuschätzen und mit ihnen aktiv umzugehen: "In der Soziologie unterscheiden wir zwischen Gefahren und Risiken. Eine amorphe Gefahr macht uns zu passiv Betroffenen, wir müssen das in ein Risiko verwandeln, also Handlungsoptionen diskutieren. Eine Gefahr wird zu einem Risiko, sobald wir Entscheidungen treffen und dann die Frage nach der Verantwortung und den erwartbaren Schäden stellen. Da geht es um klassische ethische Dilemmata, denn jede Maßnahme auf der einen Seite bedeutet Kosten auf einer anderen. Diese Balance muss ständig neu gefunden werden."
„Unsere Debatten über Kontaktbeschränkungen müssen für viele Länder wie Hohn klingen“, HB 19.10.20

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Besser gelaunt und leistungsfähiger in den Tag 
Montag, 26. Oktober 2020 - Lebensart
Meditation hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Alltagstrend entwickelt. Nun wirbt sogar das Portal Business Insider für eine morgendliche Achtsamkeitsroutine. Das Versprechen: Man kann seinen Stress- und Angst-Level, hat bessere Laune und kann sich über dies noch besser konzentrieren und wird bei der Arbeit produktiver. Für Einsteiger empfiehlt Business Insider drei Meditationsformen. Bei der Achtsamkeits-Meditation wird geraten, sich auf den eigenen Atem zu konzentrieren und so lange zu üben, bis der Kopf frei wird. Die Dankbarkeits-Meditation wird empfohlen, um das eigene Wohlbefinden zu verbessern - man soll einfach an drei Dinge denken, für die man dankbar ist und sich in den folgenden Minuten dann innerlich für diese bedanken. Die Gehmeditation wiederum bringt mit besonders achtsam gesetzten Schritten Bewegung ins Spiel. Für Meditationserfahrene mag sich das vielleicht etwas schlicht anhören. Doch ein Anfang ist es allemal.
Wie ihr euch zum Meditieren am Morgen überwindet und dabei bleibt — auch, wenn ihr kein Morgenmensch seid, Business Insider Deutschland 18.10.20

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Narzissmus geschickt aushebeln 
Freitag, 23. Oktober 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Narzissten lässt man am besten links liegen, denn gegen ihr Naturell ist kaum ein Kraut gewachsen. Doch im Job lassen sich solche Zeitgenossen nicht so leicht umschiffen. Doch mit ein bisschen Wachsamkeit kann man ihnen zumindest den Wind etwas aus den Segeln nehmen. In Capital rät die Psychologin Bärbel Wardetzki, die eigenen Reaktionsmuster bewusst zu durchleuchten, um Narzissten nicht in die Hände zu spielen. "Das erste ist, sich im seelischen Erleben so unabhängig wie möglich zu machen, auch wenn eine materielle Abhängigkeit besteht. Wenn wir beispielsweise wissen, welche narzisstischen Bedürfnisse der Chef für uns erfüllen soll, können wir ihre Befriedigung woanders suchen und müssen uns nicht weiter seiner Macht ausliefern", sagt sie. Da offene und emotional tragfähige Beziehungen zu Narzissten eher selten sind, rät die Psychologin auch, von ihnen keine Wertschätzung zu erwarten, um sich ihnen nicht auszuliefern. Narzissten mögen ein Problem sein, aber mit dem rechten Maß an Selbstverantwortung nehme man ihnen die Macht: "Je autonomer und selbstbestimmter wir auftreten und für uns einstehen, umso besser können wir unsere Arbeit und unser Leben nach unseren Vorstellungen und Wertmaßstäben ausrichten. Das aber bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und nachzudenken, statt sich manipulieren zu lassen."
Wie Sie sich mit narzisstischen Chefs arrangieren, capital.de 10.10.20

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