Stehen wir am Rande eines Corona-Burn-out? 
Mittwoch, 11. November 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Einige psychologische Studien zeigen bereits, wie sehr die gegenwärtige Lage den Menschen seelisch zusetzt. Der Psychiater Joachim Galuska warnt bereits vor einem "Corona-Burn-out", der sich hier abzeichne. Die von ihm gegründeten Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen haben bereits jetzt mehr als 50 Prozent mehr Anfragen für Krankenhausbehandlungen. "Ich bin davon überzeugt, dass wir auf einen Corona-Burnout zusteuern. Je länger Corona bleibt, umso mehr ist die Gefahr von Burnout-Erkrankungen in der Gesellschaft gegeben. Normalerweise dauert ein solcher Prozess ungefähr ein halbes Jahr", so Galuska. Als bedrohlich sieht er, dass viele Menschen der dauerhaften Anspannung, der sie ausgesetzt sind, nicht mehr lange werden standhalten können. Hinzu komme, dass manche Menschen ohnehin schon mit der immer größer werdenden Komplexität des Lebens überfordert sind. Galuska sieht aber auch die Chancen, die in der Krise liegen, sofern Menschen die Hilfe bekommen, die sie benötigen. "Die Erfahrung zeigt: Menschen, die einen Burnout-Prozess hinter sich haben, sind hinterher meistens reifer und führen ein besseres Leben als vorher. Sie haben ihr Leben durch die Therapie und durch Selbstreflexion verändert, weil sie erkannt haben, was sie falsch gemacht haben. Häufig haben die Erkrankten gegen ihre Werte verstoßen. Sie haben oft zu lange in einer Situation gelebt, mit der sie nicht im Einklang waren", sagt er. Vielleicht trägt ja auch die sich mehrende Zeit für Reflexion und das immer kleiner werdende Angebot an Ablenkungen dazu bei, dass Menschen sich vermehrt mit ihrer persönlichen, inneren Situation auseinandersetzen. Und in der Pandemie wird dann nur offensichtlich, was eigentlich schon länger schief läuft. Insofern könnte die Krise auch im positiven Sinne zum Wegbereiter für Veränderungen werden, wenngleich diese sich erst einmal schmerzlich ankündigen.
"Steuern auf einen Corona-Burnout zu": Psychiater aus Franken sieht Pandemie als extreme Belastung, inFranken.de 30.10.20

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Freizeitbeschäftigungen sind gut fürs Gemüt 
Dienstag, 10. November 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Wer in seiner Freizeit etwas macht, das ihm Freude bereitet, ist wesentlicher besserer Stimmung als Menschen, die keinem Hobby nachgehen. Eine britische Studie zeigt nun, dass angenehme Freizeitbeschäftigungen auch Menschen mit Depressionen in besserer Verfassung sein lassen. Diese Erkenntnis fußt in der Analyse der Daten einer Langzeituntersuchung, in der 8.800 ältere Erwachsene über zwölf Jahre lang mehrmals befragt worden waren. Den Wissenschaftlern lagen Angaben zur Gemütsverfassung vor und zu depressiven Symptomen sowie darüber, ob die Befragten einem Hobby nachgingen (wobei hier in der Studie nur Personen betrachtet wurden, die Beschäftigungen zum Zeitvertreib nachgingen ohne Sport - da Sport erwiesenermaßen auch das psychische Befinden positiv beeinflusst). Unter jenen, die einem Hobby nachgingen, war das Risiko, im Verlauf der Studie an einer Depression zu erkranken, um 32 Prozent geringer als bei Menschen, die keiner solchen Beschäftigung nachgingen. Bei jenen, die schon an einer Depression erkrankt waren, zeigte die Freizeitbeschäftigung positive Folgen. Die Erkrankten entwickelten weniger gravierende Symptome und ihre Chance auf Genesung war drei Mal so hoch wie bei den Erkrankten ohne Hobby.
Hilft ein Hobby gegen Depression?, spektrum.de 23.10.20

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Keine Lust auf Chef-Sessel 
Montag, 9. November 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die Pandemie scheint vielen Menschen die Lust auf eine berufliche Karriere zu nehmen. Eine Repräsentativbefragung im Auftrag der "Initiative Chefsache" zeigt, wie die Ambitionen des beruflichen Aufstiegs in den letzten Monaten gebröckelt sind. Befragt wurden jeweils mehr als 1.000 Arbeitnehmer zu drei Zeitpunkten - im Januar vor Beginn der Pandemie, im April nach dem ersten Lockdown sowie im September. Im Januar gaben noch 46 Prozent der Befragten an, eine Führungsposition anzustreben. Gegenwärtig sind es gerade einmal noch 14 Prozent. Mit der Pandemie haben sich auch die Arbeitsgewohnheiten und damit die -wünsche verändert. 81 Prozent der Befragten gaben im September an, auch künftig die Möglichkeit nutzen zu wollen, von zuhause aus zu arbeiten. Die Hälfte plädiert für ein Recht auf Home Office. Und 45 Prozent gaben an, künftig mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit daheim verbringen zu wollen.
Chef sein? Och nö..., Manager Magazin 19.10.20

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Corona macht uns sparsam 
Freitag, 6. November 2020 - Lebensart, Wissenschaft
Als ich letzte Woche bei meiner Friseurin war, wurde mir deutlich, wie stark die Corona-Krise auf unsere alltäglichen Gewohnheiten durchschlägt. Sie klagte über einen Umsatzeinbruch von rund 30 Prozent - weil die Leute weniger ausgehen, weniger Feste feiern und es irgendwie kaum noch Anlässe gibt, die dazu animieren, sich aufzuhübschen. Ich trage weiterhin treu zu ihrem Umsatz bei, weil ich es einfach nicht leiden kann, wenn meine praktische Kurzhaarfrisur beginnt, ein Eigenleben zu führen ... Aber grundsätzlich scheint es ein Trend zu sein, die eigenen Konsumaktivitäten zurückzufahren. Einer Untersuchung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken zufolge ist die Sparquote gegenwärtig mit 15 Prozent so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. 56 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sparsamer leben. Man kann natürlich denken, dass in der Krise und in Anbetracht einer ungewissen Zukunft viele Menschen reflexhaft dazu neigen, ihr Geld zusammenzuhalten. Vielleicht zeigt der Wegfall vieler Konsumaktivitäten uns aber auch, dass wir vieles, das wir gewohnt sind, schlicht nicht brauchen.
Repräsentative Umfrage: So viel Geld haben die Deutschen im letzten Jahr durchschnittlich angespart, Business Insider Deutschland 28.10.20

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Wenn die Welt sich uns entzieht 
Donnerstag, 5. November 2020 - Bewusstsein, Lebensart
In den Monaten der Pandemie hat sich unsere Weltwahrnehmung zum Teil dramatisch verändert. Das Leben, wie wir es kennen, scheint sich uns immer mehr zu entziehen, oder, wie Theresa Schouwink im Philosophie-Magazin schreibt: "Anstelle einer berührbaren und antwortenden Wirklichkeit ist etwas getreten, das wie ihr virtuelles Abbild anmutet und lediglich beobachtet werden kann. Die schweigenden, möglichst voneinander entfernt sitzenden Passagiere in den öffentlichen Verkehrsmitteln, deren Gesichter bis auf die Augen verdeckt sind, wirken geradezu wie Allegorien der Melancholie." Sie beschreibt, wie die Gegenwart sich in eine Art Leere auszudehnen scheint, weil das, was wir bisher als Zukunft kannten, uns kaum noch zugänglich zu sein scheint: "Die Gegenwart mit ihren Beschränkungen des öffentlichen Lebens dehnt sich ins Ungewisse aus. Genau diese Zeitstruktur – eine gedehnte Gegenwart ohne gestaltbare Zukunft – ist Kennzeichen eines depressiven Zustands." Und doch scheint dieses Gefühl der Lückenhaftigkeit, des Löchrigen auch eine positive Seite zu haben. Denn irgendwie macht es uns auch frei von all dem, was uns bisher bestimmt hat. Wir können uns in die Depression fallen lassen, wir können aber auch die Unzugänglichkeit des bisher Gewohnten und des künftig Erhofften als einen im positiven Sinne leeren Raum erfahren, in dem bisher Ungeahntes möglich werden könnte. Das geschieht natürlich nicht auf Knopfdruck. Und wir müssen uns einlassen auf etwas Unerwartetes. Denn eines ist zur Zeit sicher - unser gewohntes Leben wird noch eine ganze Weile außer Reichweite bleiben. Aber wir können gespannt darauf sein, was sich stattdessen einstellt.
Das Entgleiten der Welt, Philosophie-Magazin 26.10.20

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Wenn überraschende Lösungen im Schlaf kommen 
Mittwoch, 4. November 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Schlaf ist wichtig, damit sich Körper und Geist regenerieren können. Doch die Wissenschaft zeigt auch, dass sich in unserem Gehirn im Schlaf zugleich überraschende Einsichten einstellen können. Das liegt daran, dass unser übliches Denken, während wir ruhen, aus seiner Routine gerissen wird. Im Non-REM-Schlaf, den ruhigeren Schlafphasen also, kann unser Gehirn Informationen in sinnvolle Kategorien einordnen. Im REM-Schlaf hingegen, der Traumphase, entstehen Perspektiven, die über diese Begrenzungen hinausreichen, so dass zwischen Informationen unerwartete Verbindungen entstehen können. Das liegt daran, dass in dieser Schlafphase Inhalte, die unser Gehirn gespeichert hat, oft spontan aufgerufen werden, also aus unseren üblichen Denkschubladen herausgeholt werden - und während wir träumen auf ungeahnte Weise zusammenfinden. Ich habe den Eindruck, dass solche Phänomene sich sogar schon zeigen können, wenn man gar nicht richtig schläft. Wenn ich mein Mittagsschläfchen mache, wobei ich allenfalls ein bisschen Döse, kommen mir immer wieder Assoziationen, die meinem Denken zuvor nicht zugänglich waren. Es lohnt sich also, gut zu schlafen.
Kann Schlaf Probleme lösen?, wissenschaft.de 21.10.20


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Die lieben Banker und das Vertrauen 
Dienstag, 3. November 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die großen Finanzskandale der letzten Jahre haben nicht nur immer wieder Schlaglichter auf das Finanzwesen als Branche geworfen, sondern auch auf die Menschen, die hier tätig sind. Forscher der Universität Mainz sind der Frage nachgegangen, ob der Bankensektor vielleicht Menschen eines bestimmten Schlages besonders anzieht. Dazu befragten sie 2013 an der Universität Frankfurt 265 Wirtschaftsstudierende nach ihren Berufswünschen, sozialen Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen. Außerdem testeten sie in einem Experiment die Vertrauenswürdigkeit der Studierenden. In den Jahren 2019 und 2020 führten die Wissenschaftler mit ihren Probanden, die nun größtenteils im Berufsleben standen durch, um zu erfahren, wo sie gelandet waren. Dabei zeigte sich: Jene, die einen Beruf in der Finanzbranche gewählt hatten, waren zugleich diejenigen, welche bei dem früheren Experiment eher weniger Vertrauenswürdigkeit bewiesen hatten. Aus dieser überschaubaren Untersuchung lassen sich zwar keine Rückschlüsse darauf ziehen, dass Banker generell nicht vertrauenswürdig sind. Die Wissenschaftler sehen aber für das Bankwesen durchaus die Frage, ob es sich nicht lohnen könnte, mehr zu reflektieren, warum diese Menschen besonders vom Sektor angezogen werden - und wie man hier vielleicht andere Voraussetzungen schaffen könnte.
Haben Banker zu Recht einen schlechten Ruf?, FAZ 21.10.20

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Corona zeigt uns, wer wir sind 
Montag, 2. November 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Unsere Reaktionen (oder auch Nicht-Reaktionen) auf die Zumutungen der Pandemie sind in ihrer ganz eigenen Weise auch ein Spiegel, wo das Menschsein in der modernen Welt gerade steht. Sie zeigen uns, was uns wichtig ist, was wir verteidigen, und auch, was uns gleichgültig ist. Der Psychoanalytiker Hans Jürgen Wirth erklärt gegenüber dem Spiegel die psychischen Kontext, in dem sich unser Ringen mit den gegenwärtigen Herausforderungen abspielt. Das Tragen der Masken beispielsweise wird in seiner Wahrnehmung vom autonomen Ich als Zumutung erfahren, weil es den individuellen Selbstausdruck einschränke und uns alle optisch gleich mache. Das, was gegenwärtig gerne als Pandemiemüdigkeit beschrieben werde, sei auch ein Zeichen für ein Zurückweichen vor der Komplexität und den Widersprüchlichkeiten der Krise. In mir hat der Spiegel-Beitrag noch einmal viel mehr die Wahrnehmung dafür sensibilisiert, wie hilflos wir werden, wenn unsere üblichen Identifikationsräume sich auflösen. Unsere Reaktionen analytisch zu deuten, ist eine Sache. Eine andere wäre es, mehr danach zu fragen, warum uns anscheinend kaum konstruktive neue Verhaltensmuster einfallen, warum wir anscheinend recht wenig innere Stärke entwickeln. Als die Pandemie begann, habe ich, wie manch anderer wohl auch, mal wieder Camus' Pest zur Hand genommen. Sein Psychogramm erscheint nun aktueller denn je. Camus beschreibt, wie lang die Phase von Verleugnung, innerem Widerstand und auch Rückzug anhalten kann, bevor wir bereit sind, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Und anscheinend sind wir nun, wo die "zweite Welle" begonnen hat, immer noch nicht ganz in der Realität angekommen. Einer Realität, die uns vor Augen hält, dass die Zeit der Beschränkung wohl noch sehr lange anhalten wird. Aber erst dieses Anerkennen ist es, das uns wirklich ankommen lässt bei dem, was ist. Und nur wenn uns dies gelingt, können wir vielleicht auch neue Handlungsmuster entwickeln, jenseits von Trotz oder übersteigerten Ängsten.
Warum wir so undiszipliniert sind, spiegel.de 20.10.20

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