Weniger Selbstmorde im Shutdown 
Donnerstag, 28. Mai 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wie stressig und belastend Menschen die Arbeitswelt empfinden, zeigt sich manchmal gerade dann, wenn diese Stressoren plötzlich wegfallen. In Japan beispielsweise ist die Selbstmordrate im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 Prozent gesunken. Ursprünglich war die Befürchtung, dass durch den Pandemie-Stress selbst und das temporärer Wegfallen vieler Hilfsangebote die psychischen Belastungen höher werden. Doch dies scheint, zumindest was das Empfinden extremer Ausweglosigkeit angeht, nicht der Fall zu sein. Die Menschen sind öfter zuhause bei ihren Familien und nicht so sehr durch die in Japan geradezu überbordende Leistungskultur betroffen, was zu Entspannungen zu führen scheint. Der verspätete Schulanfang könnte zusätzlich zum Rückgang der Selbstmorde beigetragen haben, denn in Japan leiden bereits viele Schüler unter Überforderung oder Mobbing. Hinzu kommt eine typische Eigenheit der japanischen Kultur - in Krisenzeiten versuchen sie stark zu sein für ihr Land. So konnten die Wissenschaftler auch im Jahr 2011, als ein Tsunami zur Reaktorkatastrophe in Fukushima führte, weniger Selbstmorde feststellen. Insgesamt ist es eindrücklich, wie sich durch die teils dramatischen Veränderungen im gewohnten Leben durch die Pandemie nun Stück für Stück zeigt, in welchen Bereichen ganze Kulturen und Gesellschaften sich über lange Zeit in dysfunktionalen Normalitäten eingerichtet haben. Die Frage ist, was wir aus diesen Erkenntnissen für eine bessere Zukunft lernen können.
Weniger Arbeit, mehr Familie, Freitag 18.5.20

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Die Arbeitswelt formiert sich neu 
Mittwoch, 27. Mai 2020 - Arbeit, Management
"Das Büroleben wird niemals mehr so sein wie früher", schreibt die Wirtschaftswoche in einem Artikel, der unter die Lupe nimmt, wie schnell sich durch die Corona-Pandemie einst als unabdingbar angesehene Arbeitsstrukturen wandeln. Noch wenigen Wochen im Home Office ziehen erste Unternehmen bereits Konsequenzen und stellen ihr Organisationsformen auf den Kopf. Das Großraumbüro beispielsweise beginnt bereits, aufgrund der Abstandsbeschränkungen zu sterben. Einige Firmen sind bereits dabei, ihre Arbeitsräume umzugestalten, um sie Pandemie-sicherer zu machen. Andere wiederum sind so angetan von der reibungslosen Zusammenarbeit der Mitarbeiter im Home Office, dass sie planen, diese aus der Not geborene Option in einen Normalzustand zu überführen. Die Mitarbeiter von Google oder Facebook etwa können bis zum Jahresende von Zuhause aus arbeiten. Eine Kommunikationsagentur aus Wales hat sich sogar entschlossen, künftig nur noch virtuell zu arbeiten und die eigenen Büroräume, die einen Großteil der Firmenkosten ausmachten, gekündigt. Bei Dell zeichnen sich zumindest Verschiebungen ab. Vor Corona arbeiteten hier etwa 30 Prozent der 165.000 Vollzeitkräfte virtuell, im Moment sind es 90 Prozent und für nach der Krise rechnet das Unternehmen damit, dass etwa die Hälfte der Mitarbeitenden kontinuierlich von Zuhause arbeiten wird. Es sind spannende Zeiten. Und sie werfen natürlich auch die Frage auf, wie sich die menschliche Dimension beim virtuellen Zusammenarbeiten so kultivieren lässt, dass sie der räumlichen Distanz nicht zum Opfer fällt.
Pandemie wird Büroleben neu formen, WiWo 16.5.20

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Positive Leadership entwickeln 
Dienstag, 26. Mai 2020 - Arbeit, Management
Wo viele Mitarbeiter im Home Office gelandet sind, wirft das auch die Führungsstrukturen in Unternehmen über den Haufen. In Zeiten von Corona zeigt sich, wo Unternehmensstrukturen schon lange Zeit porös waren. "In den Unternehmen fehlt es an Neugierde und Offenheit. Diese Eigenschaften wurden den Menschen in den vergangenen vier Jahrzehnten abtrainiert, sie sollten nur mehrheitlich das bestehende, erfolgreiche Geschäftsmodell fortschreiben", sagt etwa der Leadership-Professor Wolfgang Jenewein. Seiner Meinung liegt das daran, dass in vielen Firmen lange Zeit eine negative Leadership praktiziert wurde: "Der Fokus lag auf Fragen wie zum Beispiel: Wo können wir effizienter werden? Was läuft falsch? Wer ist für den Fehler verantwortlich? So haben wir in den letzten Jahren vielfach spaß-, sinn- und emotionsfreie Organisationen geschaffen." Er rät Führungskräften dazu, "eine neugierige, offene Haltung in ihren Organisationen aufzubauen" und die Sinndimension des gemeinsamen Handelns mehr in den Vordergrund zu rücken. Es helfe zu erklären, warum verschiedene Tätigkeiten wichtig sind und welche Bedeutung die jeweiligen Mitarbeitenden für das Unternehmen haben. Dazu gehöre auch, die zwischenmenschliche Dimension explizit zu adressieren, denn in Zeiten der virtuellen Zusammenarbeit müsse dieser tiefere Zusammenhalt bewusst gehalten werden.
"Gockelgehabe aus dem Büro weglassen", spiegel.de 15.5.20

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Kann Corona uns zeigen, was Lebendigkeit ist? 
Montag, 25. Mai 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Die Corona-Pandemie kommt uns vor allem in Form von Beschränkungen entgegen. Unser Alltag, so wie wir ihn bisher kannten, ist auf einmal in der bisherigen Form nicht mehr lebbar. Diese Situation erfahren wir meist vor allem als einen Verlust. Der Biologe und Philosoph Andreas Weber richtet allerdings den Blick auch darauf, was sich durch die gegenwärtige Situation vielleicht öffnen könnte - in unserer Wahrnehmung wie auch in unserer Beziehung zum Leben und seiner Lebendigkeit. "In der Corona-Pandemie begreifen wir, dass die Welt eine Allmende ist, die wir alle gemeinsam hervorbringen. Wir teilen unsere Leben miteinander. Menschen schränken ihre Kontakte ein und nehmen Entbehrungen in Kauf, um die Gemeinschaft zu schützen. Gegenseitigkeit – Fürsorge für die anderen – ist die Erfahrung, dass ich zu anderen in einer Beziehung des Teilens und des Teilhabens stehe, und dass letztlich dadurch die Gemeinschaft des Lebendigen intakt gehalten wird. Erst wenn wir verstehen, dass der Prozess, durch den wir am Leben teilhaben, also unser individueller Stoffwechsel mit der belebten Erde, eine Gemeinschaft ernährt, die wir mit anderen Wesen teilen, können wir davon loskommen, andere - menschliche und nicht-menschliche Wesen – als Objekte zu behandeln, mit denen wir allein unter der Maßgabe der Effizienz umgehen", sagt Weber. Seit unser gesellschaftliches Leben langsam wieder hochfährt, weckt das natürlich das Bedürfnis, möglichst schnell wieder zurück zu den alten Gewohnheiten zu kommen. Aber vielleicht können wir auch innehalten, tiefer spüren und wahrnehmen, was diese Gemeinschaftlichkeit, die Weber hier anspricht, für uns in Zukunft bedeuten könnte. Lebendige Beziehungen in einer lebendigen Welt können sich jenseits von Vereinnahmung oder Konsum entfalten. Sie sind eine Einladung, gelebt zu werden. Und wir fangen gerade erst an, eine Ahnung davon zu bekommen, wie wir sie gestalten könnten.
Leben stiften in pandemischen Zeiten, Heinrich Böll Stiftung 11.5.20

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Eigeninitiative will gelernt sein 
Freitag, 22. Mai 2020 - Arbeit, Management
Neue Arbeitsmodelle waren schon vor Corona für viele ein Thema. Durch die Krise scheinen die Innovatoren, die schon seit Jahren mit alternativen Führungsmodellen experimentieren, nun bestätigt zu werden. Die Zeit sprach mit der Betterplace-Gründerin Joana Breidenbach, über das Zusammenspiel digitaler Innovationen und sozialer Ideen. Breidenbach schaffte ihren Führungsjob in ihrem Think Tank betterplace lab schon vor einigen Jahren ab. In ihren Projektteams werden die Führungsaufgaben sehr konkret vergeben und immer wieder aufs Neue. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn eine Junior-Mitarbeiterin ein Projekt leitet und die einstige Chefin ihr zuarbeitet. "Wir machen alle gemeinsam die Jahresplanung und verhandeln unsere Gehälter untereinander. Jeder führt Bewerbungsgespräche und stellt neue Kollegen ein. Und vor allem kann jeder selbst bestimmen, an welchem Projekt er mitarbeiten will, wie viel und von wo", erklärt Breidenbach. Ihre Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass dies ein Lernweg ist, der sich nicht theoretisch definieren lässt. "Es braucht Zeit. Unsere Gesellschaft ist nicht darauf angelegt, dass Menschen Eigeninitiative ergreifen. Denn das bedeutet nicht nur Freiheit, sondern auch Risiko. Die Kompetenz dazu muss man gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickeln. Dabei ist der Prozess der Persönlichkeitsbildung wichtiger als die konkrete Umstellung im Unternehmensaufbau. Anfangs wollten viele ständig die Kollegen im Team nach ihrer Meinung fragen und alles basisdemokratisch abstimmen, aber so kommt man nicht voran. Die Leute müssen wissen, was sie bewegt und was sie mit ihrer Idee erreichen wollen."
"Die Post-Corona-Welt kann menschlicher und nachhaltiger sein", zeit.de 13.5.20

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Warum Führungskräfte bedingungslos lieben sollten 
Mittwoch, 20. Mai 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Mit dem Achtsamkeits-Trend sind nicht nur populäre Verflachungen von Meditation verbunden. Die neue Offenheit in Unternehmen gegenüber der Bewusstseinsdimension fördert auch immer Programm zutage, die auf Tiefe setzen. Der Mediziner Ramaswami Balasubramaniam verbindet in seinen Trainings für Führungskräfte Spiritualität und Neurowissenschaft, ganz ohne Bypass. Einer seiner Tipps für Führungskräfte: "Üben Sie, bedingungslos zu lieben. Heutzutage ist alles eine Transaktion. Können wir eine oder zwei Stunden die Woche damit verbringen, anderen einen Dienst zu erweisen, ohne etwas zu erwarten - nicht mal Anerkennung? Emotionale Gesundheit bedeutet, Mitgefühl mit sich und anderen zu lernen." Meditation und Yoga sind für ihn selbstverständlicher Teil seiner Schulungen, aber er macht auch die Erfahrung, dass Führungskräfte viele konkrete Hilfestellungen brauchen, um sich in der Tiefe weiterzuentwickeln. "Sehr oft fehlt es den Personen an Vertrauen in ihre eigenen Kompetenzen. Gleichzeitig könne sie ihre Inkompetenzen nicht akzeptieren. Es herrscht eine große Angst vorm Scheitern. Ich versuche ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, sich selbst anzunehmen. Ihnen zu versichern: Es ist okay zu scheitern, es ist okay verletzbar zu sein. Die beste Art mit Unsicherheit umzugehen ist, sie anzunehmen. Wenn ich eingestehe, was ich nicht weiß, öffne ich mich neuen Möglichkeiten. Das bedeutet auch, zu erkennen: Ich muss nicht für jedes Problem eine Lösung haben. Es gibt mir die Freiheit, die eigentliche Ursache zu finden. Ich kann dann andere mobilisieren, die helfen könnten", so Balasubramaniam.
Erleuchtete Spitze, spiegel.de 6.5.20

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Geld allein ist nicht der Punkt 
Dienstag, 19. Mai 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit
Das zweijährige Experiment der finnischen Regierung, Arbeitslosen ein Grundeinkommen in Höhe von 560,- Euro auszuzahlen, wurde inzwischen fertig ausgewertet. Die ersten Eindrücke mögen ernüchternd sein, denn die Effekte im Hinblick auf eine Verbesserung der Arbeitsmarktteilhabe der Teilnehmenden waren gering. Als wesentlich erachtet Projektleiterin Marjukka Turunen, dass das Geld den Betroffenen Sicherheit gegeben und zu emotionaler Entlastung beigetragen habe. Auch soziale Effekte waren messbar. So leisteten die begünstigten während des Experiments doppelt so viel Freiwilligenarbeit und auch andere unbezahlte Tätigkeiten wie die Betreuung von Angehörigen erweiterten die Empfänger um ein gutes Drittel. Im konventionellen Arbeitsmarktdenken mögen diese Entwicklungen nicht bedeutsam erscheinen. Aber sie zeigen, dass Menschen bereit sind, sich zu engagieren (also zu arbeiten), wenn keine großen finanziellen Sorgen auf ihnen lasten. Vielleicht sollte wissenschaftlich viel mehr erforscht werden, was der mit unseren Arbeitssystemen oft verbundene Druck verhindert statt möglich macht. Dann sehen wir vielleicht, dass es gar nicht vordergründig um Geld geht, sondern darum, die grundlegenden Lebensbedürfnisse nicht Tag für Tag erkämpfen zu müssen.
"Es reicht nicht, den Menschen Geld zu schenken", zeit.de 11.5.20

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Überschaubare Lebensziele 
Montag, 18. Mai 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Was wir im Leben erreichen möchten, empfinden wir wohl für gewöhnlich als zutiefst persönliche Angelegenheit. Die Wissenschaft zeigt uns jedoch, dass unsere Ziele alles andere als individuell sind. In einer amerikanischen Studie legten die Wissenschaftler einer Gruppe von 1.000 Proband*innen eine Liste mit gut 1.000 Begriffen vor, die sie einem Lexikon entnommen hatten, und baten die Teilnehmenden zu bewerten, wie sehr die unterschiedlichen Aspekte für sie ein Ziel darstellen. Die folgende statistische Analyse zeigte schließlich, dass sich die als wesentlich erachteten Aspekte in lediglich vier größere Lebensthemen gliedern. Da gibt es Menschen, denen es vor allem wichtig ist, wichtig zu sein. Sie sehnen sich nach Macht, Wohlstand, Erfolg oder Popularität. Dann gibt es jene, für die Verbundenheit zentral ist - sie setzen vor allem auf Menschlichkeit, Empathie und soziale Aspekte. Für wieder andere ist besonders wichtig, Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Sie waren erkennbar an jenen Aspekten, die sie bewusst zu vermeiden suchen in ihrem Leben wie Ärger, Stress, Ablehnung oder Isolation. Die vierte Gruppe schließlich fühlte sich vor allem verpflichtet, Hergebrachtes zu bewahren, also Traditionen zu pflegen, Pflichtgefühl zu haben oder auch Unverfälschtheit wertzuschätzen. Welchen diesen übergeordneten Lebenszielen wir uns zuwenden, hängt natürlich mit unserer Persönlichkeit zusammen. Die aber scheint, was Diversität angeht, durchaus überschaubar zu sein.
Wo es uns hinzieht, Psychologie heute 8.5.20

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