Wenn das Leben mehr will als Arbeit 
Donnerstag, 18. Dezember 2014 - Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung beleuchtet in einem Beitrag wieder einmal das Thema Downshifting und zeigt dabei, wie sich unser Verhältnis zur Arbeit immer mehr zu verschieben scheint. War über die Jahrhunderte das, was wir heute unter Vollerwerbstätigkeit verstehen, zunächst eine Notwendigkeit der Subsistenzwirtschaft - die bäuerliche Selbstversorgung kannte schlicht so gut wie keine Pausen, haben wir seit der industriellen Revolution dieses Paradigma schlicht nie hinterfragt. Die Differenzierung unserer Lebensverhältnisse hat letztlich unser Menschsein an sich über die Zeit immer reicher werden lassen, und in Anbetracht der realen Vielfalt von Lebensmöglichkeiten erscheint es immer mehr Menschen beinahe schon als wider ihre Natur, den größten Teil ihrer Lebenszeit allein auf "arbeitende" Tätigkeiten zu beschränken. In Großbritannien sind bereits 57 Prozent der Bevölkerung von der Idee einer Vier-Tage-Woche angetan, und sogar 71 Prozent glauben, dass weniger zu arbeiten die Menschen glücklicher machen würde. In Deutschland würden einer Studie des Familienministeriums zufolge gerne drei Viertel der Männer und die Hälfte der Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren. Die finanziellen Einbußen, die mit einer geringeren Arbeitszeit verbunden sind, dürften dabei nur einer der Gründe sein, warum dieser Trend bisher eher in den Köpfen denn in der Welt selbst zuhause ist. Denn gerade in Deutschland ist die Teilzeitkultur immer noch vor allem weiblich. In den letzten 20 Jahren sank die Wochenarbeitszeit von Frauen von 34 auf 30,5 Stunden, die der Männer von 41,8 auf 39,8 Stunden. Der britische Ökonom John Maynard Keynes prognostizierte 1930, dass wir in 100 Jahren (wir hätten also noch gut 15 Jahre Zeit) nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Gemessen an der wirtschaftlichen Produktivität könnten wir diesem Ideal schon heute recht nahe kommen - wenn der volkswirtschaftliche Wohlstand gleicher verteilt wäre. Denn noch sind es hauptsächlich die Gutverdiener, die sich leisten können, weniger zu arbeiten - dies allerdings nur in seltenen Fällen auch tun, weil wir weiterhin daran festhalten, Jobs allein als Vollzeitmodell zu denken. doch der kulturelle Wandel in den Köpfen wird sich nicht aufhalten lassen. Die viel beobachtete Generation Y lebt in ihren Haltungen bereits in einen Wandel hinein, der auch die typischen Vollerwerbsmodelle in Frage stellt. Und je mutiger wir sind, es nicht bei unserer Einstellung zu belassen, sondern ihr auch konkreten Ausdruck zu verleihen, umso leichter dürften sich auch die äußeren Voraussetzungen der Arbeitswelt verändern lassen.
Wenn doch bloß drei Tage Wochenende wäre, SZ 7.12.14

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Mentaler Kontrast erleichtert es, Träume zu erfüllen 
Montag, 15. Dezember 2014 - Arbeit
Positives Denken kann in eine Sackgasse führen, findet die Professorin für Pädagogische Psychologie und Motivation an der Universität Hamburg Gabriele Oettingen. Sich die Erfüllung von Wünschen im Geiste auszumalen, könne zwar positive Gefühle hervorrufen, aber führe nicht zwangsläufig zu ihrer Erfüllung. Im Gegenteil: Das virtuelle Wohlgefühl könne einem sogar die Energie rauben, Pläne in die Tat umzusetzen. "Mentales Kontrastieren ist eine mentale Strategie, die auf Zukunftsträumen basiert, aber hier nicht stehen bleibt, sondern die positiven Zukunftsphantasien mit einem klaren Bewusstsein für die widerständige Realität anreichert. Die Lösung ist nicht, auf Träume und positives Denken zu verzichten. Es geht vielmehr darum, unsere Fantasien motivational zu nutzen - dadurch, dass wir sie dem gegenüberstellen, was uns oft zu ignorieren geraten wird: nämlich die Hindernisse in uns, die Sperren, die uns vom Handeln abhalten, die uns im Wege stehen. Mentales Kontrastieren, so zeigt eine Vielzahl von Studien, führt dazu, dass wir Pläne machen und Kraft gewinnen zur Umsetzung unserer Wünsche, wenn diese wichtig und auch erreichbar sind; mentales Kontrastieren führt aber auch dazu, dass wir unsere Energie in andere vielversprechendere Projekte investieren können, wenn die Wünsche nicht erreichbar oder am Ende doch nicht so wichtig sind", so Oettingen. Sie rät dazu, sich aktiv mit möglichen Hindernissen auseinanderzusetzen und konkrete Strategien zu entwickeln, wie sich diese überwinden lassen. Bei Gedankenspielen wie diesen zeige sich schnell, ob sich Wünsche wirklich umsetzen lassen. Auch die Erkenntnis, dass etwas unmöglich ist, sei dabei nicht negativ - denn sie erleichtere es, sich von Träumen, die immer Träume bleiben werden, zu verabschieden und die eigene Energie auf Dinge zu richten, die sich verwirklichen lassen.
Hört endlich auf zu Träumen! WiWo 3.12.14

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Deformierender Konformitätsdruck 
Mittwoch, 10. Dezember 2014 - Arbeit
Die FAZ geht in einem Beitrag der Frage nach, wie sehr der wachsende Konformitätsdruck im Arbeitsleben den Beschäftigten zusetzen kann. In der Organisationsforschung werde üblicherweise zwischen Einstellungs- und Anpassungskonformität unterschieden. Diejenigen, die Meinungen oder Normen, die im Arbeitskontext gelten, einfach verinnerlichen, scheinen es noch am leichtesten zu haben, da sie erfahrungsgemäß im Job wunderbar zurecht kommen und sich kaum an den äußeren Gegebenheiten reiben. Diejenigen hingegen, die sich zwar äußerlich anpassen, aber bei ihrer abweichenden inneren Haltung bleiben, laufen Gefahr, sich in eine Auszehrung zu treiben. Die zunehmende Arbeit in Teams und flache Hierarchien führten dazu, dass sich der Druck zur Leistungskonformität stetig erhöhe. Aufgaben abzulehnen, weil man ohnehin schon überlastet ist, erscheine in vielen Arbeitsumgebungen nicht opportun - "wer weniger leistet, fliegt raus" sei oft das unausgesprochene Motto, das durch offensive Geringschätzung, subtile Ausgrenzung oder Mobbing etabliert werde. Für Einstellungskonforme dürfte dies kein Problem sein - sie leisten munter und finden es vielleicht sogar gut, ihre eigenen Grenzen aus den Augen zu verlieren. Doch die Anpassungskonformen hängen nicht nur in der Leistungsspirale, sondern tun dies sehenden Auges und in innerem Widerstand. Da ist doppelte Auszehrung vorprogrammiert.
Was die Arbeit mit mir macht, FAZ 26.11.14

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Zocken untergräbt die Moral von Gesellschaften 
Dienstag, 9. Dezember 2014 - Arbeit
Zeit online hat einen Auszug aus einem Vortrag des politischen Philosophen Michael J. Sandel veröffentlicht, in dem der Harvard-Professor der Frage nachgeht, wie das sich in der Wirtschaft immer mehr verbreitende Spekulieren auf die Moral einer Gesellschaft auswirkt. Während konventionelle Investitionen der Herstellung nützlicher Güter und Dienstleistungen dienten, sei Zocken eine reine Form der Unterhaltung oder eine Möglichkeit zum Geldverdienen, bei der keine nützlichen Produktionen abfielen. In den letzten Jahren sei die Unterscheidung zwischen diesen unterschiedlichen Wirkungen immer stärker in den Hintergrund gerückt, was wesentliche moralische Konsequenzen habe: "Abgesehen von den Systemrisiken und wirtschaftlichen Schäden, die eine rücksichtslose, wild ausufernde Spekulation mit sich bringen kann, entstehen auch moralische Kosten: Wenn Spekulationen, die keinem erkennbaren nützlichen Zweck dienen, belohnt werden, wirkt sich das zersetzend auf den Charakter aus. Sie zersetzen nicht nur den Charakter einzelner Menschen, sondern auch die Tugenden und Einstellungen, die eine gerechte Gesellschaft ausmachen." Laut Sandel steht der Zunahme des Spekulativen in der Wirtschaft eine vergleichsweise stabile Einstellung gegenüber, nämlich die Annahme, dass Erfolg - in diesem Falle der wirtschaftliche - immer mehr oder weniger mit einem Verdienst (gegenüber der Allgemeinheit beispielsweise) verbunden sei. Doch dies sei immer weniger der Fall: "Diese Spannung zwischen unserer Überzeugung, dass nützliche Arbeit belohnt wird oder werden sollte, und der Art, wie die Wirtschaft Belohnungen tatsächlich zuweist, ist eine zunehmende Quelle von Dissonanz und Frustration. Wir spüren, dass sich harte Arbeit und Fairness immer weniger auszahlen, und dies gilt insbesondere für die Menschen in der Mitte oder am unteren Ende der Einkommensskala. Daher klingt es zunehmend nach einer hohlen Phrase, wenn Politiker und Leitartikler die Ethik der Arbeit beschwören."
Warum Zocken den Charakter verdirbt, Zeit online 17.11.14

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Kritik am Akademisierungswahn 
Freitag, 5. Dezember 2014 - Arbeit
In einem Interview mit der taz kritisiert der Philosoph und Staatsminister d.D. Julian Nida-Rümelin eine zunehmende Überakademisierung in der Arbeitswelt: "Meine Kritik des Akademisierungswahns ist auch eine Kritik am akademischen Bildungsdünkel. Ich kann nicht erkennen, warum eine besondere Begabung, nämlich die der kognitiven Intelligenz, das Maß aller Dinge sein soll. Warum nicht genauso technische, handwerkliche, kaufmännische, soziale und ästhetische Kompetenzen wertgeschätzt werden." Diese Einseitigkeit führe unter anderem dazu, dass für die Gesellschaft existenziell wichtige Berufe wie in der Pflege, in der Pädagogik, aber auch im öffentlichen Dienst nicht allein durch geringe Bezahlung, sondern auch eine Abwertung der nichtuniversitären Ausbildung beinahe schon stigmatisiert würden. Nida-Rümelin plädiert indirekt in diesem Kontext für einen gleichen Lohn für alle und rät dazu, Bildung nicht zur Statusfrage werden zu lassen. Denn die Tatsache, dass ein Studium heute immer mehr einfach dazu gehöre, ungeachtet der individuellen Fähigkeiten, führe letztlich dazu, dass das universitäre Niveau sinke - und vor allem das wirklich wissenschaftliche Arbeiten an den Universitäten immer mehr zurücktrete hinter direkt verwertbaren Berufsqualifikationen.
"Wissenschaft ist nicht das Einzige", taz 29.11.14


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Coffee-to-go wird zum Müll-Dilemma 
Mittwoch, 3. Dezember 2014 - Arbeit
Auf dem Weg ins Büro oder zum Geschäftstermin schnell mal einen Kaffee für unterwegs gekauft - für Millionen von Arbeitnehmern ist dies ein längst als Ritual zur Gewohnheit geworden. An die Zeiten, als man sich noch mit Kaffee am Schreibtisch oder im Speisewagen begnügte, können manche sich schon gar nicht mehr erinnern. Doch die ständige Verfügbarkeit des Kaffees führt längst zu einem Müllproblem. So geht die Verbraucherzentrale Deutschland davon aus, dass jährlich hierzulande 6,4 Milliarden Pappbecher inklusive Plastikdeckel im Müll landen. Allein bei der Produktion eines Bechers werden 110 Gramm CO2 verursacht, so dass pro Person im Jahr 40 Kilogramm zusammenkommen. Der Kaffeeverband hält entgegen, dass pro Person im Jahr nur 23 Becher statt der veranschlagten 80 verbraucht würden. Gleich, wie viele es nun wirklich sind - vielleicht sollten wir uns einfach mal überlegen, ob wir es nicht mal ein paar Stunden auch ohne mobiles Heißgetränk aushalten können. Ganzen Generationen vor uns ist das schließlich auch gelungen. Und wer vom warmen Schluck unterwegs nicht lassen möchte, könnte ja auch einen Mehrwegbecher verwenden.
Der Becher-Streit, taz 26.11.14

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Natur schafft gutes Arbeitsklima 
Montag, 1. Dezember 2014 - Arbeit
Die Wirtschaftswoche geht in einem Beitrag der Frage nach, welche Bedeutung eine natürliche Bürogestaltung für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern haben kann. Pflanzenwände, große Brunnen, schöne Zimmerpflanzen - in immer mehr Büros hält natürliches Grün Einzug. In Großraumbüros können die gezielt eingesetzten Grünflächen zu Schallschluckern werden, aber sie sorgen nebenbei auch für eine Wohlfühlatmosphäre, die die Mitarbeiter zu schätzen wissen. In der Studie "Arbeitsmotivation 2014" der ManpowerGroup Deutschland gaben 28 Prozent der 1.000 Befragten an, dass Zimmerpflanzen die Optik des Büros und das Raumklima verbessern. Eine Untersuchung der Universität Exeter, bei der 1.000 Menschen über fünf Jahre begleitet wurden, zeigte, dass diejenigen, die in grüneren Stadtvierteln lebten, sich generell besser fühlten und weniger depressiv waren als solche aus weniger grünen Gegenden. Eine norwegische Studie wiederum komme zu dem Schluss, dass Grün am Arbeitsplatz die Konzentration und Produktivität erhöhe, weil Pflanzen die Menschen auf andere Gedanken bringe. Und eine Untersuchung, die die Arbeitseinstellung von Mitarbeitern in zwei großen Gewerbebüros in Großbritannien und den Niederlanden unter die Lupe nahm, kommt zum Ergebnis, dass grüne Büroräume das Engagement der Angestellten verbessere, da diese sich körperlich, kognitiv und emotional stärker in ihre Arbeit eingebunden fühlten. Der Arbeitsplatz als grüne Oase bringt also nicht nur eine Ökonote ins Business, sondern hat handfeste positive Wirkungen.
Wald- und Wiesenoptik macht Bürojunkies produktiver, WiWo 25.11.14

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Positive Gefühle machen produktiv 
Freitag, 7. November 2014 - Arbeit
In einem Interview mit der Arbeitspsychologin Laura Venz geht Zeit online der Frage nach, welche Bedeutung das Gefühlsleben von Arbeitenden in der Berufswelt hat. "Unsere Gefühle beeinflussen alles, was wir leisten können und wollen. Wer glücklich ist, der ist in der Regel auch leistungsfähig. Wer hingegen traurig ist und stark belastet, der bringt oft geringere Leistungen. Wobei durchaus auch negative Gefühle kurzfristig positive Effekte haben können – Wut etwa kann produktiv und durchaus kreativ machen", so Venz. Die Arbeitspsychologin geht davon aus, dass genügend Handlungsspielraum, Unterstützung und ein angenehmes, von Wertschätzung geprägtes Betriebsklima sich förderlich auf das Gefühlsleben der Mitarbeiter auswirken. Und sie rät, die emotionale Dimension in der Führung ernst zu nehmen, auch wenn sich ihre Bedeutung oft nicht direkt in harten Fakten messen lasse: "Es lässt sich durchaus feststellen, dass in Teams und in Unternehmen, in denen sich die Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und in einem angenehmen Klima arbeiten, die Fluktuation und auch die Krankenstände geringer sind. Andersherum sinkt die Leistung der Mitarbeiter in Unternehmen, in denen viele innerlich bereits gekündigt haben."
"Gut gelaunte Chefs haben erfolgreiche Teams", Zeit online 30.10.14

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