Zocken untergräbt die Moral von Gesellschaften 
Dienstag, 9. Dezember 2014 - Arbeit
Zeit online hat einen Auszug aus einem Vortrag des politischen Philosophen Michael J. Sandel veröffentlicht, in dem der Harvard-Professor der Frage nachgeht, wie das sich in der Wirtschaft immer mehr verbreitende Spekulieren auf die Moral einer Gesellschaft auswirkt. Während konventionelle Investitionen der Herstellung nützlicher Güter und Dienstleistungen dienten, sei Zocken eine reine Form der Unterhaltung oder eine Möglichkeit zum Geldverdienen, bei der keine nützlichen Produktionen abfielen. In den letzten Jahren sei die Unterscheidung zwischen diesen unterschiedlichen Wirkungen immer stärker in den Hintergrund gerückt, was wesentliche moralische Konsequenzen habe: "Abgesehen von den Systemrisiken und wirtschaftlichen Schäden, die eine rücksichtslose, wild ausufernde Spekulation mit sich bringen kann, entstehen auch moralische Kosten: Wenn Spekulationen, die keinem erkennbaren nützlichen Zweck dienen, belohnt werden, wirkt sich das zersetzend auf den Charakter aus. Sie zersetzen nicht nur den Charakter einzelner Menschen, sondern auch die Tugenden und Einstellungen, die eine gerechte Gesellschaft ausmachen." Laut Sandel steht der Zunahme des Spekulativen in der Wirtschaft eine vergleichsweise stabile Einstellung gegenüber, nämlich die Annahme, dass Erfolg - in diesem Falle der wirtschaftliche - immer mehr oder weniger mit einem Verdienst (gegenüber der Allgemeinheit beispielsweise) verbunden sei. Doch dies sei immer weniger der Fall: "Diese Spannung zwischen unserer Überzeugung, dass nützliche Arbeit belohnt wird oder werden sollte, und der Art, wie die Wirtschaft Belohnungen tatsächlich zuweist, ist eine zunehmende Quelle von Dissonanz und Frustration. Wir spüren, dass sich harte Arbeit und Fairness immer weniger auszahlen, und dies gilt insbesondere für die Menschen in der Mitte oder am unteren Ende der Einkommensskala. Daher klingt es zunehmend nach einer hohlen Phrase, wenn Politiker und Leitartikler die Ethik der Arbeit beschwören."
Warum Zocken den Charakter verdirbt, Zeit online 17.11.14

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Weniger Burn-outs, aber keine Entwarnung 
Montag, 8. Dezember 2014 - Studien
Laut Meldungen der Krankenkasse DAK sind in den letzten zwei Jahren die Krankschreibungen aufgrund einer Burn-out-Diagnose deutlich zurückgegangen. Grund dafür könnte eine differenziertere Diagnose-Praxis sein, denn gleichzeitig stieg die Zahl der Depressions-Diagnosen an. 2012 verbuchte die DAK pro 1.000 Versicherte noch 100 Fehltage aufgrund von Burn-out, im Folgejahr sank die Zahl auf 67 Tage. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends waren es noch lediglich 6 Tage gewesen. Bei den Depressionen hat sich indes die Zahl der Fehltage innerhalb der letzten 13 Jahre um 178 Prozent erhöht. 2013 beliefen sich die Kosten der DAK für psychische Erkrankungen auf 237 Millionen Euro - ein Anstieg um 15 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Laut Deutscher Rentenversicherung leiden gegenwärtig fast 43 Prozent der Bezieher einer Erwerbsminderungsrente unter psychischen Störungen.
Auf dem Rückzug, FAZ 25.11.14

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Kritik am Akademisierungswahn 
Freitag, 5. Dezember 2014 - Arbeit
In einem Interview mit der taz kritisiert der Philosoph und Staatsminister d.D. Julian Nida-Rümelin eine zunehmende Überakademisierung in der Arbeitswelt: "Meine Kritik des Akademisierungswahns ist auch eine Kritik am akademischen Bildungsdünkel. Ich kann nicht erkennen, warum eine besondere Begabung, nämlich die der kognitiven Intelligenz, das Maß aller Dinge sein soll. Warum nicht genauso technische, handwerkliche, kaufmännische, soziale und ästhetische Kompetenzen wertgeschätzt werden." Diese Einseitigkeit führe unter anderem dazu, dass für die Gesellschaft existenziell wichtige Berufe wie in der Pflege, in der Pädagogik, aber auch im öffentlichen Dienst nicht allein durch geringe Bezahlung, sondern auch eine Abwertung der nichtuniversitären Ausbildung beinahe schon stigmatisiert würden. Nida-Rümelin plädiert indirekt in diesem Kontext für einen gleichen Lohn für alle und rät dazu, Bildung nicht zur Statusfrage werden zu lassen. Denn die Tatsache, dass ein Studium heute immer mehr einfach dazu gehöre, ungeachtet der individuellen Fähigkeiten, führe letztlich dazu, dass das universitäre Niveau sinke - und vor allem das wirklich wissenschaftliche Arbeiten an den Universitäten immer mehr zurücktrete hinter direkt verwertbaren Berufsqualifikationen.
"Wissenschaft ist nicht das Einzige", taz 29.11.14


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Entgrenztes Arbeiten steigert Stressempfinden 
Donnerstag, 4. Dezember 2014 - Studien
Einer Repräsentativbefragung des Marktforschungsinstituts YouGov zufolge führt die wachsende Verschmelzung von Berufs- und Privatleben für immer mehr Menschen zu einem gesteigerten Stressempfinden. 40 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten bereits mit fließenden Grenzen zwischen Job und Freizeit, 31 Prozent hingegen noch nach dem klassischen Modell - wenn sie den Schreibtisch verlassen, haben sie einfach frei. 29 Prozent springen, wenn's unbedingt sein muss, auch mal in der Freizeit ein, wenn etwas im Job gerade dringlich ist - sie tun dies allerdings nur einmal im Monat oder sogar seltener. Fast jeder zweite Arbeitnehmer, der zu den entgrenzt Arbeitenden zählt, fühlt sich am Ende eines Arbeitstages erschöpft, so die Untersuchung. Bei den klassisch Arbeitenden trifft dies nur auf jeden Dritten zu. Insgesamt fühlen sich 38 Prozent aller Beschäftigten nach Arbeitsende ausgelaugt - nur 23 Prozent verneinen das explizit.32 Prozent der Befragten fühlen sich während der Arbeit häufig angespannt, 35 Prozent zumindest teilweise.
Arbeitsmarktstudie: Angestellte durch flexibles Arbeiten häufiger erschöpft, YouGov 28.11.14


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Coffee-to-go wird zum Müll-Dilemma 
Mittwoch, 3. Dezember 2014 - Arbeit
Auf dem Weg ins Büro oder zum Geschäftstermin schnell mal einen Kaffee für unterwegs gekauft - für Millionen von Arbeitnehmern ist dies ein längst als Ritual zur Gewohnheit geworden. An die Zeiten, als man sich noch mit Kaffee am Schreibtisch oder im Speisewagen begnügte, können manche sich schon gar nicht mehr erinnern. Doch die ständige Verfügbarkeit des Kaffees führt längst zu einem Müllproblem. So geht die Verbraucherzentrale Deutschland davon aus, dass jährlich hierzulande 6,4 Milliarden Pappbecher inklusive Plastikdeckel im Müll landen. Allein bei der Produktion eines Bechers werden 110 Gramm CO2 verursacht, so dass pro Person im Jahr 40 Kilogramm zusammenkommen. Der Kaffeeverband hält entgegen, dass pro Person im Jahr nur 23 Becher statt der veranschlagten 80 verbraucht würden. Gleich, wie viele es nun wirklich sind - vielleicht sollten wir uns einfach mal überlegen, ob wir es nicht mal ein paar Stunden auch ohne mobiles Heißgetränk aushalten können. Ganzen Generationen vor uns ist das schließlich auch gelungen. Und wer vom warmen Schluck unterwegs nicht lassen möchte, könnte ja auch einen Mehrwegbecher verwenden.
Der Becher-Streit, taz 26.11.14

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Jeder vierte Angestellte sucht nach neuem Job 
Dienstag, 2. Dezember 2014 - Studien
Die jährliche Gallup-Studie zeigt immer wieder, dass beinahe konstant nur rund 15 Prozent der Arbeitnehmer sich ihrem Job wirklich verbunden fühlen. so wundert es nicht, dass eine aktuelle Arbeitsmarktstudie des Personalunternehmens Orion herausgefunden hat, dass 24,3 Prozent der Angestellten sogar aktiv nach einem Arbeitgeber Ausschau halten. Einen Grund für die hohe Wechselwilligkeit sehen die Personaler darin, dass selbst im öffentlichen Dienst immer mehr mit befristeten Stellen gearbeitet werde, was die Arbeitnehmer verunsichere. So halten diese die Augen offen, ob sich nicht andernorts doch irgendwie eine Festanstellung auftue. Andere Gründe seien jähzornige Chefs, fehlende Aufstiegschancen oder monotone aufgaben. Besonders groß ist die Wechselwilligkeit unter den Arbeitnehmern, die keinen beruflichen Bildungsabschluss besitzen - von ihnen suchen 30,5 Prozent aus Unzufriedenheit nach einer neuen Stelle. Unter den Akademikern herrscht ebenfalls deutliches Missbehagen im Job - hier sind 23,8 Prozent auf der Suche nach neuen Optionen.
Deutsche sind unzufrieden - und auf Jobsuche, WiWo 27.11.14

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Natur schafft gutes Arbeitsklima 
Montag, 1. Dezember 2014 - Arbeit
Die Wirtschaftswoche geht in einem Beitrag der Frage nach, welche Bedeutung eine natürliche Bürogestaltung für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern haben kann. Pflanzenwände, große Brunnen, schöne Zimmerpflanzen - in immer mehr Büros hält natürliches Grün Einzug. In Großraumbüros können die gezielt eingesetzten Grünflächen zu Schallschluckern werden, aber sie sorgen nebenbei auch für eine Wohlfühlatmosphäre, die die Mitarbeiter zu schätzen wissen. In der Studie "Arbeitsmotivation 2014" der ManpowerGroup Deutschland gaben 28 Prozent der 1.000 Befragten an, dass Zimmerpflanzen die Optik des Büros und das Raumklima verbessern. Eine Untersuchung der Universität Exeter, bei der 1.000 Menschen über fünf Jahre begleitet wurden, zeigte, dass diejenigen, die in grüneren Stadtvierteln lebten, sich generell besser fühlten und weniger depressiv waren als solche aus weniger grünen Gegenden. Eine norwegische Studie wiederum komme zu dem Schluss, dass Grün am Arbeitsplatz die Konzentration und Produktivität erhöhe, weil Pflanzen die Menschen auf andere Gedanken bringe. Und eine Untersuchung, die die Arbeitseinstellung von Mitarbeitern in zwei großen Gewerbebüros in Großbritannien und den Niederlanden unter die Lupe nahm, kommt zum Ergebnis, dass grüne Büroräume das Engagement der Angestellten verbessere, da diese sich körperlich, kognitiv und emotional stärker in ihre Arbeit eingebunden fühlten. Der Arbeitsplatz als grüne Oase bringt also nicht nur eine Ökonote ins Business, sondern hat handfeste positive Wirkungen.
Wald- und Wiesenoptik macht Bürojunkies produktiver, WiWo 25.11.14

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Zukunftsorientierung eine Frage äußerer Einflüsse? 
Freitag, 28. November 2014 - Studien
Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersuchte das Rheingold Institut in einer tiefenpsychologischen Studie mit 54 Personen unterschiedlicher Altersgruppen, wie die Zukunftsorientierung sich in verschiedenen Lebensaltern gestaltet. Wahlentscheidungen von Älteren beispielsweise seien durch vergleichsweise langfristige Perspektiven geprägt, während jüngere sich eher an ihren individuellen Bedürfnissen und der aktuellen Lebenssituation in ihren politischen Entscheidungen orientieren. Eltern äußern zwar vielfach eine starke Zukunftsorientierung, doch in der Realität - möglicherweise, weil die Beanspruchung im Alltag hoch ist - treffen sie eher kurzfristig ausgerichtete Entscheidungen, die sich an aktuellen Bedürfnissen orientieren. Vor allem äußere Einflüsse wie wirtschaftliche Unsicherheit trage dazu bei, dass die Zukunftsorientierung innerhalb der Bevölkerung abnehme. Gefühle der Überforderung führten dann dazu, dass Menschen eher am Erhalt des Status quo interessiert seien. Dennoch äußern die Befragten über alle Altersgrenzen hinweg den Wunsch nach langfristiger Sicherheit und Stabilität und mahnen die Politik an, nicht nur auf tagesaktuelle Probleme zu reagieren, sondern auch Zukunftsvisionen zu vermitteln.
Von wegen Rentnerdemokratie, wissenschaft.de 20.11.14

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter