Pausen helfen der Performance 
Freitag, 16. Dezember 2016 - Wissenschaft
Pausen zu machen, ist in der Leistungskultur der Gegenwart oft nicht sonderlich angesehen. Der Blick auf verschiedene wissenschaftliche Befunde legt indes nahe, dass stundenlanges Sich-Auspowern der Produktivität nicht hilft. Wissenschaftler untersuchten, ob der Schlafrhythmus, der sich gewöhnlich in Zyklen von 90 Minuten vollzieht, auch auf das wache Leben anwendbar ist. Sie stellten fest: Bei Musikenr, Athleten, Schauspielern und Schachspielern, die Höchstleistungen vollbringen, ist ein 90-Minuten-Rhythmus sehr verbreitet. Viele dieser Hochperformer arbeiten oder trainieren bevorzugt nicht mehr als 4,5 Stunden pro Tag und legen ungefähr alle eineinhalb Stunden eine Pause ein. Diese Dosis erlaube es, über längere Zeitperioden die eigene Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Warum man alle 90 Minuten eine Pause machen sollte, Die Welt 8.12.16

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Zu wenig Schlaf hat verheerende Wirkungen 
Mittwoch, 7. Dezember 2016 - Wissenschaft
In der 24/7-Arbeitskultur erscheint Schlaf eine vernachlässigenswerte Dimension. Wer weniger schläft, hat mehr Zeit zum Arbeiten, ist ein implizites Motto der heutigen Leistungskultur. Dabei kann zu wenig Schlaf erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Wer weniger als sechs Stunden schläft und dies regelmäßig (in Deutschland sind das neun Prozent der Bevölkerung), erhöht die Wahrscheinlichkeit, vorzeitig zu sterben, um 13 Prozent. Die mit Schlafmangel verbundene verminderte Leistungsfähigkeit hat auch wirtschaftliche Konsequenzen. So errechnete die Denkfabrik Rand Europe, dass in Deutschland pro Jahr mehr als 200.000 Krankheitstage durch Übermüdung und deren Folgen entstehen, was die Wirtschaft rund 60 Milliarden Dollar pro Jahr koste. Das sind immerhin 1,56 Prozent des jährlichen BIP.
Übermüdete Mitarbeiter verursachen Milliarden-Kosten, WiWo 30.11.16

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Kongress Meditation & Wissenschaft 2016 
Montag, 5. Dezember 2016 - Wissenschaft
Meditation kommt immer mehr in der modernen Welt an und findet zunehmend Resonanz nicht nur in Medizin und Therapie, sondern auch im Business. Ich hatte die große Ehre, dieses Jahr zum vierten Mal für drei Stiftungen den Kongress "Meditation & Wissenschaft" zu organisieren, der vor einer Woche in Berlin stattgefunden hat und mit mehr als 520 Teilnehmenden komplett ausgebucht war. Besonders beeindruckend war für mich die Podiumsdiskussion zur Frage, wie viel Meditation das Business verträgt und wie viel Business die Meditation. Moderiert vom Zen-Lehrer Paul J. Kohtes sprachen Mounira Latrache von Google, Peter Bostelmann von SAP, Peter Terium von RWE und Erich Harsch von dm darüber, wie das Thema Achtsamkeit dabei ist, in der Arbeitswelt Spuren zu hinterlassen. SAP und Google beispielsweise haben in den letzten Jahren interne Programme entwickelt, die von den Mitarbeitern selbst getragen werden, so dass Meditation beginnt, zu einem nicht unwesentlichen Teil der Unternehmenskultur zu werden. Peter Terium, der selbst seit vielen Jahren meditiert, machte durch seine eigene Präsenz sehr deutlich, dass eine ernsthafte innere Zuwendung zur Dimension der Achtsamkeit weit mehr ist als nur ein nettes Gimmick, ein weiteres, neues Business-Tool. Durch ihn und seine Erfahrungen wurde deutlich, wie sehr das Meditieren Menschen stärken kann und es damit erleichtert, auch unter sehr herausfordernden Umständen sich nicht zu verlieren. Ein Highlight des Kongresses war die Videoübertragung von Jon Kabat-Zinn, dem Vater der Mindfulness-Based Stress Reduction. Selbst tief in der buddhistischen Tradition verankert, war Kabat-Zinn der Vorreiter der heutigen Mindfulness-Bewegung, weil es ihm gelang, die grundsätzliche Dimension des Meditierens auch für Menschen, die sich nicht als spirituell oder religiös verstehen, zugänglich zu machen. Die Popularität von MBSR in Medizin und Arbeitswelt geht auf sein Engagement zurück und gerade in den letzten Jahren gelingt es Kabat-Zinn zunehmend, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Meditieren nicht einfach funktionale Selbstverbesserung ist, sondern eine wesentliche Dimension des Menschseins berührt. Die Beiträge des Kongresses sind nun auch auf DVD erhältlich und im Online-Download.
Material zum Kongress "Meditation & Wissenschaft 2016"

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Intelligenz ist relativ in der Menschheitsgeschichte 
Donnerstag, 1. Dezember 2016 - Wissenschaft
Unser zeitliches Vorstellungsvermögen scheint bisweilen recht begrenzt. Menschheitsgeschichtlich sind wir die intelligenteste Spezies, die diesen Planeten bisher bewohnte. Doch schauen wir uns einmal um: Was haben wir daraus gemacht? In einer Phase der Evolution hat Intelligenz dazu geführt, dass Menschen mehr Nachkommen zeugen konnten, so dass die Intelligenteren über die Jahrtausende sich stärker vermehren konnten als ihre weniger schlauen Zeitgenossen. Doch in komplexen Lebensbedingungen wie den heutigen ist Intelligenz längst nicht mehr das Einzige, was zählt. ""Ich denke es ist eher unwahrscheinlich, dass höhere Intelligenz in den nächsten paar tausend Jahren stetig einen Vorteil bringen wird. Eher bestimmen die wechselnden und verschiedenen kulturellen Einflüssen die Anzahl der Nachkommen", sagt etwa Wolfgang Enard vom Lehrstuhl für Anthropologie und Humangenetik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er sensibilisiert für die große Zeitspanne des menschlichen Daseins. Wo wir heute Intelligenz als gegeben und unabdingbar ansehen, sind wir mit unserer Vorstellungswelt doch auch nur ein Augenblinzeln im Universum. Oder, wie es der Anthropologe ausdrückt: ""Für evolutionäre Maßstäbe ist die hochentwickelte Intelligenz mit etwa 200.000 Jahren noch sehr jung. Um als erfolgreich zu gelten, müsste sie sich schon noch einige Millionen Jahre halten."
Evolution: Wird der Mensch intelligenter? Bild der Wissenschaft 26.11.16

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Bildung braucht mehr Tiefe 
Freitag, 25. November 2016 - Wissenschaft
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung plädiert der Neuropsychologe Ernst Pöppel dafür, die Tiefendimension von Bildung wieder ernster zu nehmen. Pöppel kritisiert, dass die heutige Google-Mentalität leicht zu Verdummung führe, da Menschen immer weniger die größeren Zusammenhänge überblicken, die zwischen einzelnen Daten und Fakten bestehen. Ein Problem: "Unser Bildungssystem, die ganze Erziehung und eben auch das Arbeitsleben sind so ausgelegt, immer genau das zu tun, was andere mir sagen. Wenn ich aber immer nur das lernen soll, was in den Büchern steht, wie kann ich dann begreifen, dass ich auch selbst denken könnte? Wir verlernen Stück für Stück, uns selbst zu trauen, uns ein eigenes Urteil zu bilden." Der Neuropsychologe plädiert für eine Dreigliederung im Bildungswesen. Einerseits sollten Menschen sich auf eine Sache spezialisieren, um in ihrem gewählten Feld zum Experten zu werden. Weiterhin brauche jeder eine "Landkarte des Wissens in der Welt", eine Art kanonisches Wissen, die es erlaube, an das eigene Fachgebiet angrenzende Felder zu erkennen und sich mit deren Experten auszutauschen. Weiterhin müsse die Wertschätzung zwischen den Experten gefördert werden. Rückrat für ein solches fundiertes Miteinander müsse eine Gesprächskultur sein: "Das Wichtigste ist: zuhören. Ich muss offen sein für die Meinung anderer. Was leider sehr häufig passiert, ist, dass derjenige, der am schnellsten und besten reden kann, dominant wird. Wer nicht den Mut hat, sich zu äußern, wird umgepflügt."
"Der blinde Glaube ans Expertenwissen ist ein Zeichen von Dummheit", SZ 18.11.16

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Meditation kommt in den Universitäten an 
Donnerstag, 24. November 2016 - Wissenschaft
An der Hochschule München und der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Thema Achtsamkeit bereits angekommen. Meditations-Lehrveranstaltungen in neun Studiengängen, bekannt als das „Münchner Modell“, wurde hier 2010 von Professor Andreas de Bruin eingeführt. Die University of Applied Sciences in Frankfurt will nun im Sommersemester 2017 nachziehen. Reiner Frey, vormals Kanzler der Hochschule, will ein Programm für Studierende einführen, das diesen zu mehr innerer Klarheit verhelfen soll. Neben Übungen zu Meditation und Achtsamkeit sollen den Studierenden verwandte Themen aus Soziologie, Ethik und den Naturwissenschaften vermittelt werden. Auch eigene Forschung, beispielsweise zu Persönlichkeitsentwicklung und dem Verständnis von Wissenschaft, sind geplant. Frey möchte das geplante Programm nicht allein als Möglichkeit zu besserer Stressbewältigung verstanden wissen. Neben einer Förderung der Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung geht es ihm laut FAZ um eine "Rekonstruktion der Bildung", so dass er das Projekt auch als "Fortsetzung der Aufklärung" betrachtet.
Meditieren gegen Stress im Studium, FAZ 16.11.16


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Meditation und CSR 
Montag, 7. November 2016 - Wissenschaft
Zum Thema Meditation wird gegenwärtig viel geforscht, vor allem allerdings in den Neurowissenschaften. Noch eher selten sind Arbeiten, die sich wissenschaftlich mit dem Thema in unternehmerischen Kontexten beschäftigen. Lukas Hanus hat nun eine Bachelor-Arbeit zu "Meditation als innovatives CSR-Thema - Eine kritische Auseinandersetzung zur Integration im Unternehmen" vorgelegt. Er betrachtet darin die Herausforderung, Meditation im Business und hier speziell im Bereich Corporate Social Responsibility zu bewerten, stellt Achtsamkeit in den Kontext von Human Resource und der Organisationskultur und geht auf Fragen des Wertemanagements und des Human Spirit in Unternehmen ein.
Bachelor-Arbeit auf researchgate

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Reich? Ich doch nicht ... 
Dienstag, 18. Oktober 2016 - Wissenschaft
In vielen Studien zeigt sich, dass ein großer Teil der Bevölkerung ein sehr scharfes Gerechtigkeitsempfinden hat, wenn es um die ungleiche Reichtumsverteilung in der Gesellschaft geht. Gerade in den Industrienationen ist vielen Menschen aber nicht klar, wie begütert sie selbst eigentlich sind. Wissenschaftler nennen dies den Unterschied zwischen der realen Einkommensverteilung und der gefühlten. Ein Single, der 2.600 Euro netto zur Verfügung hat, zählt in Deutschland bereits zur oberen Mittelschicht. Aber fühlt sich das auch so an? Jobs, die ein solches Einkommen bringen, findet man meist in Großstädten. Zieht man mal die - dort exorbitante - Miete ab, Fahrtkosten, Versicherungen, Altersvorsorge, schwindet das, was zur freien Verfügung steht - der gefühlte Bonus. Betrachtet man dann noch Faktoren wie Stress, all die Ausgaben für Essengehen, Reinigung und ähnliche Dienstleistungen, mit denen man sich Zeit erkauft, bleibt auf der finanziellen Habenseite immer weniger. Und dieser Rest reicht bei vielen Menschen nicht, um ein Gefühl der Fülle zu entwickeln. Hinzu kommt: In einer Zeit, in der jeder seinen Job leicht verlieren kann, ist dieser Status alles andere als sicher. So kommt es, dass in Studien meist große Mehrheiten für eine Umverteilung plädieren, aber zurückrudern, wenn ihnen bewusst wird, dass es dabei auch um ihr Geld geht. In meiner Wahrnehmung zeigt dieses Paradox, dass es nicht reicht, die gesellschaftliche Lage allein aus Sicht der Statistik zu betrachten. Geld ist im Kapitalismus eine zentrale Maßeinheit. Aber ist es wirklich das Geld, das wir wollen? Wollen wir nicht viel mehr eine grundlegende Versorgungssicherheit, gute zwischenmenschliche Kontakte, Lebensfreude? In einem System, das alles in Geld misst, schauen wir genau darauf. Und merken nicht, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht ...
Reich sind immer die anderen, Zeit online 6.10.16

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