Ein bisschen LSD gefällig? 
Donnerstag, 8. Dezember 2016 - Arbeit
Aus den USA schwappt gerade ein neuer Selbstoptimierungstrend nach Europa. Unter denen, die gerne das Maximale aus sich herausholen möchten, wächst das Interesse an LSD. Sie werfen keine Trips ein, um high zu werden, sondern sprühen sich eine Microdosis in den Rachen, um ihre Kreativität und Leistungsfähigkeit temporär zu erhöhen. "Was Kokain für die Wallstreet in den 80er-Jahren war, könnte Microdosing für die heutige Leistungsgesellschaft werden", spekuliert die SZ. Die Wissenschaft liefert Indizien, dass LSD tatsächlich in diesem Kontext wirkungsvoll sein könnte. 1966 machte beispielsweise der US-Psychologe James Fadiman einen Versuch, bei dem er 27 Wissenschaftlern LSD und Meskalin verabreichte und sie dann schwierige physikalische und maschinenbauliche Probleme lösen lies. Der Gruppe gelang es, 40 der 44 Herausforderungen ganz oder zumindest teilweise zu lösen. Manche Anwender der Microdosen berichten von einer gesteigerten Empathie. Sie fühlen sich mehr mit ihrer Umwelt verbunden und diese tiefere Eingebundenheit scheint sie aus einem größeren Raum schöpfen zu lassen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben.
Noch ein Sprühstoß LSD vor dem Meeting? SZ 1.12.16


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Achtsamkeit zwischen Hilfe und Selbstoptimierung 
Mittwoch, 30. November 2016 - Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung geht in einem Beitrag mal wieder dem Achtsamkeitstrend im Business nach und beschreibt, wie Meditation im Bereich der Stressprävention helfen kann und es Menschen erleichtert, sich besser bei der Arbeit zu fokussieren. Die Experten geben sich allerdings zurückhaltend im Hinblick darauf, von der Praxis der Stille zu viel zu erwarten. "Wir wissen noch nicht mit Sicherheit, ob Achtsamkeit die Leistung erhöht", sagt etwa Ute Hülsheger, assoziierte Professorin an der Fakultät für Psychologie und Neurowissenschaft an der Universität Maastricht. Sie konnte in einer Studie zeigen, dass Menschen im direkten Kontakt mit anderen bei der Arbeit weniger Stress erleben, wenn sie achtsam sind. Gleichzeitig wisse man aber noch nicht, ob Achtsamkeit beispielsweise auch die Leistung erhöhe. Gerade diesbezügliche Begehrlichkeiten sehen Wissenschaftler eher kritisch. "Es besteht die Gefahr, dass dem Mitarbeiter die Verantwortung zugeschoben wird, sich noch mehr zu optimieren", so Hülsheger.
Was Achtsamkeit im Job bringt, SZ 25.11.16

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Was weniger Arbeit bringt 
Montag, 10. Oktober 2016 - Arbeit
In den letzten Wochen gibt es verstärkt Berichte über Unternehmen, die sich zu einer Verkürzung der Arbeitszeit entschließen. Die Gründe sind vielfältig. Mal steht im Vordergrund, dass die Mitarbeiter ihre Arbeit flexibler gestalten können, mal geht es eher darum, dass eine geringere Arbeitszeit Erholung und Gesundheit zugute kommt. Die Zeit hat nun in einem Beitrag deutsche Vorreiter befragt, warum und wie sie neue Arbeitszeitmodelle eingeführt haben. Bei MediaEvent Services, einem Unternehmen für digitale Medienanwendungen, gibt es beispielsweise bereits seit fünf Jahren die Vier-Tage-Woche bei entsprechendem Lohnverzicht. "Ich merke schon, dass die Kollegen, die nur an vier Tagen hier sind, entspannter sind. Ein zusätzlich freier Tag und damit ein längeres Wochenende bedeutet nun mal deutlich mehr Erholung", so CTO Christian Becker über die Wirkung. Jan Eppers, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Frische Fische, hat die Arbeitszeit auf 10 Stunden pro Tag verlängert, so dass die Mitarbeiter bei gleichem Gehalt einen Tag weniger am Schreibtisch verbringen. Die längere Arbeitszeit sei kein Problem, zumal die Mitarbeiter die Zeiten des Arbeitsbeginns und -endes an ihre Bedürfnisse anpassen können. "Es gibt immer Interesse an unserem Modell, die Nachfrage scheint wirklich hoch zu sein. Ich verstehe nicht, warum nicht schon mehr Unternehmen das Modell umsetzen oder zumindest einmal ausprobieren", so Eppers. Bei der DocCheck AG, einem Dienstleister im Health-Care-Bereich, arbeiten 24 von 225 Mitarbeitern nur vier Tage die Woche oder weniger. "Wenn die Teams gut aufgestellt sind, ist es kein Problem, wenn ein Kollege nicht jeden Tag da ist. Außerdem gibt es weniger Probleme, je größer die Teams sind. Aktuell praktizieren sogar einige Führungskräfte von uns das Vier-Tage-Modell. Das funktioniert nur, wenn die Teams gut zusammenarbeiten", sagt Personalleiter Rouven Schäfer. Ein Arbeitsleben jenseits des permanenten Präsentismus scheint also möglich - und vor allem bei vielen Mitarbeitern beliebt.
Wenn Donnerstag schon Freitag ist, Zeit online 1.10.16

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Weniger Arbeit, mehr Leben 
Dienstag, 4. Oktober 2016 - Arbeit
Arbeitszeitverkürzung, das war früher eine Domäne der Gewerkschaften. Heute sind es - vor allem hippe - Unternehmen, die von sich aus das Weniger-Arbeiten zur Devise erklären. Bike Citizens, ein Fahrradhersteller mit Niederlassungen in Berlin und Graz, etwa hat eine Vier-Tage-Woche eingeführt. Bei dem vor fünf Jahren gegründeten Start-up waren die Mitarbeiter in der Anfangsphase mit Wochenarbeitszeiten um die 70 Stunden so busy wie Banker, doch auf Dauer lasse sich das nicht durchhalten, glaubt Gründer Andreas Stückl. Seit zwei Jahren bleiben die Mitarbeiter deshalb freitags zuhause. Die Arbeitszeit an den anderen vier Wochentagen haben sie auf ca. neun Stunden pro Tag erhöht und ihr Gehalt etwas reduziert. "Das Wochenende ist länger. Du kannst einfach mehr deinen privaten Interessen nachgehen und am gesamtgesellschaftlichen Leben teilnehmen. Manche haben auch Familie und finden es gut, sich mehr einbringen zu können. Alle sind motivierter, die Atmosphäre ist entspannt. Wir wollen in erster Linie, dass es unseren Mitarbeitern gut geht. Und wenn alle motivierter sind, hat das natürlich einen Einfluss auf die Qualität der Arbeit. Ich würde es so sagen: Wir arbeiten weniger und der Laden läuft trotzdem.", so Stückl.
"Am Freitag sind wir nicht da!" Zeit online 26.9.16

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Fünf Stunden im Job pro Tag reichen auch 
Donnerstag, 15. September 2016 - Arbeit
Der amerikanische Paddle-Board-Hersteller Tower hat mit einem ungewöhnlichen Vorstoß für Aufsehen gesorgt. Das 10-Mann-Unternehmen hat die tägliche Arbeitszeit auf fünf Stunden verkürzt. Die Mitarbeiter sind, von Ausnahmen bei höherem Arbeitsanfall abgesehen, nur noch von 8 bis 13 Uhr in der Firma. Firmengründer Stephan Aarstol ist allerdings kein Gutmensch, eher ein cleverer Pragmatiker. Das neue Arbeitszeitmodell basiert darauf, dass die Angestellten in der verkürzten Zeit doppelt so viel leisten, wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer den ganzen Tag. Ein Modell, das bei den Betroffenen auf positive Resonanz stieß. Und es scheint zu funktionieren. Der Jahresumsatz erhöhte sich jedenfalls von 7,2 auf 9 Millionen Dollar.
Ein Fünf-Stunden-Tag für alle, FAZ 8.9.16

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Amazon versucht sich an Arbeitszeitverkürzung 
Donnerstag, 8. September 2016 - Arbeit
Nachdem Amazon in den Medien wiederholt in die Kritik geraten war, weil das Arbeitsklima im Unternehmen durch starke Überlastung der Arbeitnehmer geprägt sei - und dies nicht nur im Hinblick auf die Mitarbeiter in der Logistik-Kette, sondern auch im Management - startet das Unternehmen nun einen Testlauf mit einer 30-Stunden-Woche. So sollen einige Technik-Teams inklusive ihrer Führungskräfte auf das Teilzeitmodell umstellen - bei gleichen Nebenleistungen für die Mitarbeiter und 75 Prozent des Gehalts. An dem Projekt nehmen zunächst nur einige Dutzend Mitarbeiter teil, die vor allem mit technischen Aufgaben im Personalbereich befasst sind.
Amazon testet die 30-Stunden-Woche, FAZ 27.8.16

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Verkürzte Arbeitszeit bedeutet mehr als weniger Arbeit 
Montag, 29. August 2016 - Arbeit
Zeit Campus ist einmal der Frage nachgegangen, wie sich verschiedene in Schweden lancierte Projekte zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit auswirken. Vorstöße wie der in Göteborg, wo ein Altenheim zum Test die Wochenarbeitszeit von acht auf sechs Stunden reduzierte, sorgen in den Medien regelmäßig für Furore. Fehlende oder mangelhafte wissenschaftliche Evaluationen machen es indes schwierig, die Wirkungen solcher Versuche nachzuvollziehen. Im Fall Göteborg waren die Angestellten zwar um 20 Prozent zufriedener als in einem anderen Altenheim - doch wurde bei ihnen kein Vorher-Nachher-Vergleich im Zeitraum des Tests gemacht. Die Krankenrate sank mit der Arbeitszeitverkürzung um gerade einmal 0,6 Prozent. Im Sahlgrenska-Universitäts-Krankenhaus in der Nähe von Göteborg wird ebenfalls mit dem 6-Stunden-Arbeitstag experimentiert. Hier waren die Ideen des Projekts, die Arbeitsplätze attraktiver zu machen und die Fluktuationsrate der Mitarbeiter zu senken. Beide Ideen scheinen aufzugehen. Das Krankenhaus konnte außerdem, da aus einer 8-Stunden-Schicht nun zwei 6-Stunden-Schichten wurden, die Zahl der Operationen erhöhen. Das soll den Umsatz um 20 Prozent erhöhen. Bei den Mitarbeitern scheint der Vorstoß auf große Akzeptanz zu stoßen, da sie nun besser mit der hohen Belastung, die der Job, gleich wie viele Stunden man ihn macht, mit sich bringt, umgehen können. Auch schwedische Start-ups experimentieren mit kürzeren Arbeitszeiten - und das sehr pragmatisch. Da es eine Illusion sei, dass Menschen acht Stunden am Stück konzentriert arbeiten, tun sie es in solchen Firmen nur sechs Stunden - Kaffeepausen und ähnlicher Zeitvertreib entfallen dafür. Das ist die rationale Seite der Arbeitszeitverkürzung - die für Mitarbeiter, die gegen straffes Arbeiten nichts einzuwenden haben, natürlich auch mehr mehr Freizeit mit sich bringt.
Zwei Stunden mehr Leben, Zeit Campus 9.8.16

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Gefangen im Kapitalismus 
Montag, 8. August 2016 - Arbeit
"Das ganze System basiert auf Ausbeutung – Ausbeutung von Menschen und von Natur. Kaum etwas im Kapitalismus ist nachhaltig, auch wenn das ein neues Modewort ist. Selbst aus Subkulturen und Kapitalismuskritik entstehen noch neue Produkte", beklagt der Philosoph Patrick Spät in einem Interview mit der Zeit. Es scheint, als wären wir gefangen. Wissenschaftler und Aktivisten überbieten sich mit klugen Analysen, was am System falsch ist, nicht funktioniert - und organisieren Proteste. Doch irgendwie scheinen wir gefangen in diesem System, das sich selbst erhält, gleich was wir tun. "Krisen sind ja auch ein Geschäftsmodell, seit 2008 hat die Anzahl der Millionäre weltweit rapide zugenommen. Es gehört zu den Wesensmerkmalen des Kapitalismus, immer neue Verwertungspotentiale zu finden. Oder alte Verwertungspotentiale wieder zu nutzen – oft mit wahnsinnigen Renditen. Nach der Krise 2008 etwa hat eine Rückbesinnung auf reale Güter stattgefunden. Seither nehmen Land- und Watergrabbing weltweit stark zu", beschreibt Spät. Es scheint, als könnten wir keinen Schritt tun, der uns über die Grenze des Bestehenden hinausführt. Im Gegenteil: Viele Vorstöße lassen das, wogegen sie sich richten, sogar hochkochen. Arbeiter demonstrieren? Mal schauen, welche Jobs ohnehin von Robotern gemacht werden können ... Doch wie überwindet man ein System, in dem wachsende Vermögensungleichheit und damit Machtkonzentration den Normalzustand darstellen? Wir leben in einer Zeit, in der wir schmerzlich feststellen, dass das Erkennen von Problemen nicht unbedingt auch Lösungen hervorbringt. Im Gegenteil. Der Mindestlohn beispielsweise kommt scheinbar denen, die zu wenig haben, zugute, doch unterstützt er die Konsumstrukturen, die den äußeren Rahmen für die Ungleichheiten, die überwunden werden sollen, schaffen. Vielleicht sitzt der Schmerz über all die Sackgassen, die dieses System für so viele bereit hält, noch nicht tief genug. Vielleicht schmerzt es einfach noch nicht genug, dass wir immer wieder an diese Grenzen stoßen. Wie wäre es, wenn wir einfach nicht mehr mitspielen? Nicht als Lösung, als Versuch herauszufinden, was dann geschehen kann ...
"Das Bedingungslose Grundeinkommen wird uns nicht retten", Zeit online 29.7.16

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter