Viel zu viele Informationen 
Freitag, 2. Dezember 2016 - Studien
Mal schnell eine Google-Suche, sich auf ein paar Nachrichtenseiten den Überblick über das Tagesgeschehen verschaffen, Twitter-Nachrichten checken - für immer mehr Führungskräfte wird das immense Informationsangebot zur Last. Eine Umfrage im Auftrag des Beratungsunternehmens Hill+Knowlton, für die rund 1600 Führungskräfte befragt wurden, zeigt: 60 Prozent der Manager fühlen sich von der Datenflut überfordert. Der Masse an Inhalten begegnen drei Viertel der Befragten durch gezielte Selektion. So folgen sie auf Facebook und Twitter nur wenigen ausgewählten Meinungsmachern. Jeder dritten Führungskraft ist es wichtig, täglich solche Impulse von außen zu bekommen. Jeder Fünfte hat im letzten Jahr seinen Konsum solcher Beiträge deutlich erhöht. Gefragt sind hierbei vor allem inspirierende Beiträge von Vordenkern. Die Selektion könnte indes auch Nachteile haben. Die Notwendigkeit, die Datenflut zu filtern, ist nachvollziehbar, doch wer die eigenen Selektionskriterien nicht immer wieder hinterfragt, läuft auch leicht Gefahr, ob kurz oder lang die Spannweite des eigenen Radars erheblich zu verringern. Vielleicht ist gerade das, was ich nicht auf den ersten Blick als spannend empfinde, dennoch wesentlich? Diese Frage sollten wir, auch wenn Selektion nötig und hilfreich ist, immer mal wieder stellen.
Zu viele Infos für die Chefs, FAZ 27.11.16

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Intelligenz ist relativ in der Menschheitsgeschichte 
Donnerstag, 1. Dezember 2016 - Wissenschaft
Unser zeitliches Vorstellungsvermögen scheint bisweilen recht begrenzt. Menschheitsgeschichtlich sind wir die intelligenteste Spezies, die diesen Planeten bisher bewohnte. Doch schauen wir uns einmal um: Was haben wir daraus gemacht? In einer Phase der Evolution hat Intelligenz dazu geführt, dass Menschen mehr Nachkommen zeugen konnten, so dass die Intelligenteren über die Jahrtausende sich stärker vermehren konnten als ihre weniger schlauen Zeitgenossen. Doch in komplexen Lebensbedingungen wie den heutigen ist Intelligenz längst nicht mehr das Einzige, was zählt. ""Ich denke es ist eher unwahrscheinlich, dass höhere Intelligenz in den nächsten paar tausend Jahren stetig einen Vorteil bringen wird. Eher bestimmen die wechselnden und verschiedenen kulturellen Einflüssen die Anzahl der Nachkommen", sagt etwa Wolfgang Enard vom Lehrstuhl für Anthropologie und Humangenetik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er sensibilisiert für die große Zeitspanne des menschlichen Daseins. Wo wir heute Intelligenz als gegeben und unabdingbar ansehen, sind wir mit unserer Vorstellungswelt doch auch nur ein Augenblinzeln im Universum. Oder, wie es der Anthropologe ausdrückt: ""Für evolutionäre Maßstäbe ist die hochentwickelte Intelligenz mit etwa 200.000 Jahren noch sehr jung. Um als erfolgreich zu gelten, müsste sie sich schon noch einige Millionen Jahre halten."
Evolution: Wird der Mensch intelligenter? Bild der Wissenschaft 26.11.16

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Achtsamkeit zwischen Hilfe und Selbstoptimierung 
Mittwoch, 30. November 2016 - Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung geht in einem Beitrag mal wieder dem Achtsamkeitstrend im Business nach und beschreibt, wie Meditation im Bereich der Stressprävention helfen kann und es Menschen erleichtert, sich besser bei der Arbeit zu fokussieren. Die Experten geben sich allerdings zurückhaltend im Hinblick darauf, von der Praxis der Stille zu viel zu erwarten. "Wir wissen noch nicht mit Sicherheit, ob Achtsamkeit die Leistung erhöht", sagt etwa Ute Hülsheger, assoziierte Professorin an der Fakultät für Psychologie und Neurowissenschaft an der Universität Maastricht. Sie konnte in einer Studie zeigen, dass Menschen im direkten Kontakt mit anderen bei der Arbeit weniger Stress erleben, wenn sie achtsam sind. Gleichzeitig wisse man aber noch nicht, ob Achtsamkeit beispielsweise auch die Leistung erhöhe. Gerade diesbezügliche Begehrlichkeiten sehen Wissenschaftler eher kritisch. "Es besteht die Gefahr, dass dem Mitarbeiter die Verantwortung zugeschoben wird, sich noch mehr zu optimieren", so Hülsheger.
Was Achtsamkeit im Job bringt, SZ 25.11.16

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Kreativität ist kein Instant-Produkt 
Dienstag, 29. November 2016 - Studien
Eine wesentliche Grundlage von Kreativität ist Neugier. Wissenschaftler der Oregon State University untersuchten nun näher, wie sich diese Offenheit für Neues konkret auswirkt. Die Wissenschaft unterscheidet zunächst einmal zwei Arten der Neugier. Spezifische Neugier führt dazu, dass Menschen immer tiefer in eine bestimmte Materie eintauchen wollen und sich in die Lösung bestimmter Probleme vertiefen. Die diverse Neugier hingegen führt mehr in die Breite und beinhaltet eine Offenheit für Neues im allgemeinen. In einem Test mit 122 Teilnehmern ermittelten die Forscher zunächst, wie diese Arten der Neugier bei den Probanden ausgeprägt waren. Anschließend bekamen alle Studienteilnehmer verschiedene Materialien ausgehändigt, auf deren Basis sie einen Marketingplan für ein Unternehmen entwickeln sollten. Wie lange sie sich dabei mit dem Material beschäftigten, war ihnen freigestellt. Nach der Erstellung eines ersten groben Plans sollten die Probanden diesen für eine zweite Präsentation weiter ausarbeiten und konnten erneut das Material einsehen. Dabei zeigte sich: Die Probanden mit einer besonders ausgeprägten diversen Neugier beschäftigten sich deutlich länger mit dem Ausgangsmaterial und ihre Marketingideen erwiesen sich als ausgereifter, origineller und von höherer Qualität. Unter dem Strich zeigt die Studie also, dass diverse Neugier in besonderem Maße eine Basis für Kreativität legt. Für die Arbeitswelt wirft die Studie allerdings auch Fragen auf. In einer Zeit, in der vor allem Instant-Informationen und eine Schnell-schnell-Mentalität dominieren, fällt es immer schwerer, Räume zu schaffen, in denen diese Vielfalt an Informationen noch wirken kann, sich Zusammenhänge herstellen lassen und Zeit dafür ist, Inhalte mit Muse zu bewegen.
Neugier beflügelt die Kreativität, spektrum.de 25.11.16

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Medienkompetenz ist Mangelware 
Montag, 28. November 2016 - Studien
In keiner Zeit standen uns mehr Medien zur Verfügung, um uns über die Welt zu informieren. Doch scheinen wir diesem Informationsangebot eher hilflos gegenüberzustehen. Eine Studie der Stanford History Education Group jedenfalls zeigt, dass es um die Medienkompetenz junger Menschen nicht sonderlich gut bestellt ist. Die Wissenschaftler untersuchten mit 7.800 Schülern und Studenten im Alter von zehn bis 20 Jahren aus verschiedenen Bildungsmilieus, wie souverän deren Umgang mit Informationen aus dem Internet ist. Die 10- bis 14-Jährigen beispielsweise sollten auf einer Webseite Nachrichten und Werbung erkennen. Klassische Online-Banner identifizierten immerhin drei Viertel als werbliche Inhalte. Dass es sich bei "Sponsored Content" ebenfalls um Beiträge handelt, die nicht zwingend journalistischer Natur sind, wusste indes nur ein Fünftel der Probanden. Studenten bekamen Twitter-Beiträge zu einer Studie vorgelegt, in der Waffenbesitzer befragt worden waren. Durchgeführt wurde die Studie von einem renommierten Institut, Auftraggeber war eine politische Institution. Nur ein Bruchteil der Studierenden befragte diesen Gesamtkontext daraufhin, ob hier vielleicht einfach geschicktes Agenda-Setting betrieben werde. Das Fazit der Forscher ist insgesamt ernüchternd. "Die Fähigkeit junger Leute, Schlüsse aus Informationen aus dem Internet zu ziehen, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: trostlos", zitiert die Wirtschaftswoche aus der Studie.
US-Schüler können Nachrichten nicht von Werbung unterscheiden, WiWo 25.11.16

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Bildung braucht mehr Tiefe 
Freitag, 25. November 2016 - Wissenschaft
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung plädiert der Neuropsychologe Ernst Pöppel dafür, die Tiefendimension von Bildung wieder ernster zu nehmen. Pöppel kritisiert, dass die heutige Google-Mentalität leicht zu Verdummung führe, da Menschen immer weniger die größeren Zusammenhänge überblicken, die zwischen einzelnen Daten und Fakten bestehen. Ein Problem: "Unser Bildungssystem, die ganze Erziehung und eben auch das Arbeitsleben sind so ausgelegt, immer genau das zu tun, was andere mir sagen. Wenn ich aber immer nur das lernen soll, was in den Büchern steht, wie kann ich dann begreifen, dass ich auch selbst denken könnte? Wir verlernen Stück für Stück, uns selbst zu trauen, uns ein eigenes Urteil zu bilden." Der Neuropsychologe plädiert für eine Dreigliederung im Bildungswesen. Einerseits sollten Menschen sich auf eine Sache spezialisieren, um in ihrem gewählten Feld zum Experten zu werden. Weiterhin brauche jeder eine "Landkarte des Wissens in der Welt", eine Art kanonisches Wissen, die es erlaube, an das eigene Fachgebiet angrenzende Felder zu erkennen und sich mit deren Experten auszutauschen. Weiterhin müsse die Wertschätzung zwischen den Experten gefördert werden. Rückrat für ein solches fundiertes Miteinander müsse eine Gesprächskultur sein: "Das Wichtigste ist: zuhören. Ich muss offen sein für die Meinung anderer. Was leider sehr häufig passiert, ist, dass derjenige, der am schnellsten und besten reden kann, dominant wird. Wer nicht den Mut hat, sich zu äußern, wird umgepflügt."
"Der blinde Glaube ans Expertenwissen ist ein Zeichen von Dummheit", SZ 18.11.16

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Meditation kommt in den Universitäten an 
Donnerstag, 24. November 2016 - Wissenschaft
An der Hochschule München und der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Thema Achtsamkeit bereits angekommen. Meditations-Lehrveranstaltungen in neun Studiengängen, bekannt als das „Münchner Modell“, wurde hier 2010 von Professor Andreas de Bruin eingeführt. Die University of Applied Sciences in Frankfurt will nun im Sommersemester 2017 nachziehen. Reiner Frey, vormals Kanzler der Hochschule, will ein Programm für Studierende einführen, das diesen zu mehr innerer Klarheit verhelfen soll. Neben Übungen zu Meditation und Achtsamkeit sollen den Studierenden verwandte Themen aus Soziologie, Ethik und den Naturwissenschaften vermittelt werden. Auch eigene Forschung, beispielsweise zu Persönlichkeitsentwicklung und dem Verständnis von Wissenschaft, sind geplant. Frey möchte das geplante Programm nicht allein als Möglichkeit zu besserer Stressbewältigung verstanden wissen. Neben einer Förderung der Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung geht es ihm laut FAZ um eine "Rekonstruktion der Bildung", so dass er das Projekt auch als "Fortsetzung der Aufklärung" betrachtet.
Meditieren gegen Stress im Studium, FAZ 16.11.16


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Schokolade achtsam gegessen macht glücklicher 
Mittwoch, 23. November 2016 - Studien
Wer schon einmal einen Kurs in Mindfulness-Based Stress Reduction besucht hat, wird die Übung kennen: Man nimmt eine Rosine, betrachtet sie aus allen Perspektiven, erspürt ihre äußere Beschaffenheit und lässt sie schließlich gewissermaßen langsam im Mund zergehen, um einmal zu erfahren, welchen Unterschied es macht, sich einmal ganz bewusst diesem Esserlebnis zu widmen. Forscher des Gettysburg College gingen nun dem Achtsamkeitserlebnis beim Essen mit einer Studie nach. Sie teilten Probanden in vier Gruppen ein. Zwei Gruppen sollten einen salzigen Snack, Cracker, verzehren, die anderen beiden bekamen Schokolade. Eine Cracker- und eine Schokolade-Gruppe wurden während knapp fünf Minuten dazu aufgefordert, einfach ihre Snacks zu futtern, die Vergleichsgruppen erhielten in der gleichen Zeit eine Anleitung zum besonders achtsamen Verzehr. Vor und nach dem Versuch wurden die Studienteilnehmer zu ihrer Gemütsverfassung befragt. Dabei zeigte sich: Die Schokolade machte die Probanden glücklicher als die Cracker. Am glücklichsten waren die Teilnehmer, die die Schokolade achtsam gegessen hatten. Man kann also sagen: Wer der Lust nach Süßem achtsam nachgeht, hat am meisten davon.
Bewusstes Schokoladeessen macht glücklicher, spektrum.de 16.11.16


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