Bei der Führung ist Vertrauen oft Fehlanzeige 
Mittwoch, 4. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Wunsch und Wirklichkeit klaffen bei Führungsfragen bisweilen sehr auseinander. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Respondi mit rund 2.000 Fachkräften zeigt, was diese sich von ihren Chefs vor allem wünschen: fachliche Kompetenz (87,2 Prozent), Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern (86,1 Prozent) sowie Vertrauen und Rückhalt (84,4 Prozent). Erfüllt werden diese Erwartungen jedoch nur ansatzweise. Immerhin 65 Prozent halten ihre Chefs tatsächlich für kompetent. Wertschätzung erfahren nach eigenem Bekunden hingegen nur 58 Prozent. Und Vertrauen und Rückhalt sind nur für 56,5 Prozent der Befragten gegeben. Ähnlich groß sind die Lücken, wenn es um die Motivationsfähigkeit der Führenden geht und darum, die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter im Blick zu behalten.
Fachkräfte wünschen sich bessere Chefs, WiWo 26.11.19

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Feedback-Kultur oder totale Überwachung? 
Freitag, 29. November 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Manche sprechen von 360-Grad-Überwachung, andere von "Stasi-Methoden" - das beim Online-Versand Zalando eingesetzte Feedback-System Zonar beschwört öffentliche Diskussionen herauf. Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung zeigt, dass das System, mit dem 5.000 Vorgesetzte und Mitarbeiter von Zalando sich gegenseitig bewerten, bei vielen ein Gefühl von Überwachung, Leistungsdruck und Stress erzeuge. "Im Kern geht es darum, Beschäftigte permanent zu bewerten, zu kontrollieren und zu sanktionieren", heißt es in der Studie. Zalando ist da sicher kein Einzelfall, denn all die technischen Möglichkeiten zur Erfassung von Meinungen machen Daten transparent, die ansonsten eher in der Gerüchteküche oder dem Flurfunk im Diffusen verbleiben. Die Bewertung von Leistung und sozialem Verhalten lässt Mitarbeiter in dem Gefühl zurück, nicht mal mehr einen schlechten Tag haben zu dürfen. Eine interne Zalando-Umfrage zeigt - immerhin 67 Prozent der Beschäftigten würden das Unternehmen anderen als Arbeitgeber empfehlen. Und für Zalando selbst ist das Tool schlicht ein Mittel zur Leistungskontrolle. "Wir glauben, dass wir den Mitarbeitern mit Zonar sehr entgegenkommen", so Personalchefin Astrid Arndt.
Kritik an Software zur Personalbewertung bei Zalando, welt.de 20.11.19

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Wie Kategorisierungen uns versteinern lassen 
Donnerstag, 28. November 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Unterscheidungsfähigkeit ist eine wesentliche menschliche Fähigkeit, die wir mühevoll in Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte entwickelt haben. Doch wenn sie zum Kategorisierungswahn wird, dann wird es für uns eng. Gerade im Business ist das Einordnen und Strukturieren eine gängige Methode, um die vorherrschende Komplexität handhabbar zu machen. Das hat Nebeneffekte, derer wir uns oft gar nicht bewusst sind. "Wir komprimieren die Elemente einer Kategorie und übertreiben ihre Ähnlichkeit. Gleichzeitig verstärken wir die Unterschiede zwischen den Elementen unterschiedlicher Kategorien. Wir diskriminieren, das heißt wir favorisieren bestimmte Kategorien. Und wir neigen zur Versteinerung, weil wir unsere Einteilungen für statisch halten", erklärt etwa der Verhaltensökonom Ernst Fehr. Kategorien suggerieren Eindeutigkeit und scheinen uns so etwas wie Verhaltenssicherheit zu geben. Aber sie stutzen die komplexe Realität auch zurecht. Fehr glaubt, dass wir Kategorien brauchen für ein "sinnvolles Verständnis der Welt". Und er empfiehlt Führungskräften, analytische Kompetenzen aufzubauen, Entscheidungskriterien immer wieder zu überprüfen und ihre Annahmen über Kategorien regelmäßig zu hinterfragen. Auf mich wirkt dieser Vorschlag wie der Versuch, ein bisschen Wachheit in grundsätzliche Enge zu bringen. Und das Beispiel zeigt, wie sehr wir doch in einem Denken verhaftet sind, das darauf angewiesen ist, alles auf eine Klarheit und Eindeutigkeit herunterzubrechen, die der Vielfalt des Lebens aber auch irgendwie grundsätzlich widerspricht.
Wie Sie Ihr Bauchgefühl überlisten, HBM 19.11.19

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Null Bock auf Führung 
Dienstag, 19. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Über Jahrzehnte schien der Aufstieg in eine Führungsposition für viele Berufstätige etwas sehr Erstrebenswertes. Doch inzwischen scheint das Blatt sich zu wenden. Eine repräsentative Befragung der "Initiative Chefsache", einem Zusammenschluss von Führungskräften unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel, mit 5.000 Personen zeigt: Die Neigung, ganz nach oben zu wollen, lässt deutlich nach. Bei der Erhebung im Vorjahr wollten noch 45,1 Prozent der Männer und 37,5 Prozent der Frauen im Job eine Führungsposition erreichen. Nun, ein Jahr später, sind an einer Führungsposition nur noch 40 Prozent der Männer und 33,7 Prozent der Frauen interessiert. Warum das so ist, zeigt die Studie nicht. Allerdings ist anzunehmen, dass selbst ambitionierte Menschen immer seltener bereit sind, das immense Spannungsfeld, das mit Führungspositionen verbunden ist, in ihr Leben zu lassen. Karriere bedeutet für sie vielleicht eher, etwas bewegen zu wollen, aber nicht um jeden Preis. Theoretisch kann das eine gute Entwicklung sein, denn bei all den Initiativen zu mehr Agilität in Unternehmen, die ja auch Hierarchien abbauen wollen, sind Führungspositionen vielleicht ohnehin ein Auslaufmodell.
Wer will schon Chef sein? spiegel.de 8.11.19

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Schläfrige Agilität 
Freitag, 15. November 2019 - Studien, Arbeit, Management
Agilität ist in aller Munde, vor allem in den Führungsetagen, schließlich möchte kein Manager, der etwas auf sich hält, diesen Trend verpassen. Doch wenn es um die Umsetzung geht, hinken viele Führenden hinterher. Sie glauben vielleicht, agil mit ihren Mitarbeiter*innen umzugehen, doch sehen diese das ganz anders, so die Erkenntnis einer Befragung des Jobportals Stepstone von 10.000 Fach- und Führungskräften. 61 Prozent der Befragten finden flache Hierarchien wichtig, doch nur in einem Drittel der Firmen seien diese auch gegeben. Die Anwendung agiler Methoden erscheint jedem dritten Befragten wichtig, umgesetzt werden sie allerdings gerade einmal in jeder zehnten Firma. Die Hälfte der Führungskräfte ist der Meinung, sie binde ihre Mitarbeiter gut in Entscheidungsprozesse ein, aber nur jeder sechste Mitarbeiter kommt zum gleichen Schluss. Ähnliches beim Thema Motivation. Zwei von drei Führungskräften glauben, sie motivieren ihre Mitarbeitenden, aber nur gut jede*r Vierte sieht das genauso. Agilität kommt also durchaus in vielen Unternehmen noch eher schläfrig daher.
Mitarbeiter wollen agil arbeiten – Unternehmen sind die Bremser, WiWo 29.10.19

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Vier Tage Arbeit machen 40 Prozent produktiver 
Dienstag, 12. November 2019 - Arbeit, Management
Es wird immer mehr zum Trend, dass Unternehmen die Arbeitszeit reduzieren und dann verblüfft feststellen, dass ihre Mitarbeiter dabei produktiver werden. Jüngstes Beispiel ist Microsoft in Japan, wo im August alle Belegschaften jede Woche nur vier Tage arbeiteten. Dabei waren sie um 40 Prozent produktiver, so das Unternehmen (wobei es nicht offenlegte, wie dieser Zuwachs gemessen wurde). Microsoft hat allerdings durch einige Änderungen auch Rahmenbedingungen geschaffen, die hilfreich waren für dieses Ergebnis und beispielsweise die Dauer von Meetings auf 30 Minuten begrenzt und diese öfter als Videokonferenz abgehalten. Das lässt natürlich mehr Zeit, um "richtig" zu arbeiten. Außerdem sanken im Versuchszeitraum die Energiekosten um knapp 25 Prozent und die Mitarbeiter druckten 60 Prozent weniger Unterlagen aus. Aus der Arbeitsforschung ist bekannt, dass die durchschnittliche Tagesproduktivität eines Mitarbeiters nach oben deutliche Grenzen hat. Wahrscheinlich fühlen sich viele von der Aussicht auf einen zusätzlichen freien Tag beflügelt, sich stärker reinzuknien. Interessant wäre es natürlich, zu diesem Thema einmal Langzeitversuche zu sehen. Denn es ist natürlich auch eine Frage, wie lange sich eine erhöhte Schlagzahl durchhalten lässt.
Microsoft verordnet Mitarbeitern langes Wochenende, spiegel.de 4.11.19

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Linke fordert Anti-Stress-Verordnung 
Montag, 4. November 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Stress ist inzwischen zur Krankheitsursache Nummer 2 geworden und damit häufiger als eine Erkältung. Eine Anfrage der Fraktion der Linken brachte zutage, dass psychische Leiden und Verhaltensstörungen seit 2008 um 144 Prozent zugenommen haben. Die Zahl der Krankheitstage stieg im gleichen Zeitraum um 71 Prozent. Auch andere Erkrankungsarten haben in ähnlichem Umfang zugenommen. Am Häufigsten erkranken Arbeitnehmer immer noch am Muskel-Skelett-System. Für die Linke deuten diese Zahlen daraufhin, dass wir dringend eine Anti-Stress-Verordnung brauchen, um diesem Negativtrend Einhalt zu gebieten. Sie möchte darauf hinwirken, dass Arbeitgeber verbindliche Richtlinien an die Hand bekommen, wie sie Stress eindämmen können. Gefährdungsbeurteilungen zur psychischen Belastung der Mitarbeiter seien wichtig, um Abhilfe zu schaffen. Man kann die Aufschreie der Arbeitgeber schon hören und ihre Angst vor Produktivitätsverlusten, wenn Menschen bei der Arbeit vielleicht künftig mehr geschont werden müssten. Wie unproduktiv hingegen heutige Arbeitskulturen gesamtgesellschaftlich sind, steht außer Frage. Die immer wieder wachsenden Defizite der Krankenkassen liefern hier handfeste Zahlen. Vom Verlust an menschlichem Wohlbefinden und Lebensqualität mal ganz zu schweigen.
Zahl der Krankentage in Deutschland stark gestiegen, welt.de 23.10.19

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Warum Blender und Narzissten leichter Chefs werden 
Freitag, 1. November 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Es gibt unzählige Studien, die international darauf hinweisen, wie inkompetent viele Führungskräfte sind, nicht zwingend auf der fachlichen Seite, wohl aber, wenn es um den Umgang mit Mitarbeitenden geht. In einem Interview mit der Zeit erklärt der Psychologe Tomas Chamorro-Premuzic, dass dies unter anderem daran liege, dass wir ein falsches Verständnis von Führung haben. "Wenn jemand ein übermäßig großes Selbstbewusstsein hat und derjenige auch charismatisch ist, vielleicht sogar narzisstische Züge hat, trauen wir dieser Person Führungspotenzial zu. Das Problem ist, dass genau das die Eigenschaften sind, die jemanden zu einem schlechten Chef machen. Er handelt nach seinem eigenen Nutzen, verfolgt nur seine Ziele und sieht seine Fehler nicht", sagt er. Und deutet darauf, dass in Bewerbungsgesprächen eher darauf geachtet werden sollte, welche "Lernfähigkeit, emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz und Integrität" Kandidaten mitbringen. "Ein kompetenter Chef ist jemand, der einen Haufen Menschen dazu bringt, ihre persönliche Agenda beiseitezulegen, um etwas zu erreichen, das sie alleine nicht schaffen könnten. Kompetente Führungskräfte sorgen dafür, dass sich die Teammitglieder vertrauen, alle sich einbringen und zusammen Leistungen bringen, mit denen sie andere Teams übertreffen", so Chamorro-Premuzic.
"Narzissten trauen wir Führungspotenzial zu", zeit.de 21.10.19

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