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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2023

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Wie das Ich seinen inneren Kompass verliert

In einem Interview mit der Wirtschaftswoche spricht der Soziologe Heinz Bude über ein subtiles Angstphänomen, das immer mehr unser menschliches Selbstbild zu prägen scheint. In der Multioptionsgesellschaft gerät seiner Ansicht nach das liberale Ich in die Krise, weil es immer weniger eine Antwort auf die Frage, was will ich eigentlich, zu finden scheint. "Ich glaube, dass die Ära des selbstbestimmten, innengeleiteten Menschen sich dem Ende zuneigt. Dieser Mensch hatte noch einen sehr individuellen Lebensplan. Er fragte sich etwa: Soll ich einen guten Bildungsroman lesen, mich mit Gottesfragen beschäftigen oder die Relativitätstheorie zu verstehen suchen? Ein solcher Typ suchte und fand Anerkennung - nicht zuletzt bei sich selbst", so Bude. Da in der Arbeitswelt immer mehr die Anpassung zähle, entwickeln in den Augen des Soziologen immer mehr Menschen eine Art "Geschmeidigkeit", die sie ihren inneren Kompass verlieren lässt. Die Folge: "Der außengeleitete Mensch muss ständig auf den Anderen schauen, sich vergleichen. Daraus erwächst eine permanente Angst des Ungenügens. Keine spezifische, leicht adressierbare Angst, sondern eine allgemeine, diffuse Angst im Hinblick auf andere", erklärt der Soziologe. Das Fatale daran: "Diese Angst ist eine Stimmung. Im Unterschied zum Affekt, der plötzlich aufblitzt, bildet sie den atmosphärischen Rahmen für die Art und Weise, in der wir die Welt wahrnehmen. Vielleicht kann man am besten mit einem Bild beschreiben: Die Stimmungsangst hat etwas Rieselndes, sie dringt unmerklich in die Poren der Gesellschaft ein."
Die rieselnde Angst vor dem eigenen Ungeschick, WiWo 28.9.14

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Buch-Tipps
Meine beiden Bücher, die ich mit Paul J. Kohtes geschrieben habe.

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