Wie das Digitale unser Denken begrenzt 
Montag, 14. Juni 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wir Menschen sind komplexe Wesen, doch wenn wir digital unterwegs sind, treffen wir auf eher verkümmerte Möglichkeitsräume, denn all die Grauzonen und Zwischenbereiche, mit denen wir es alltäglich zu tun haben, lassen sich in der Logik der Nullen und Einsen nur schwer oder gar nicht fassen. Deshalb kreiert das Digitale häufig Schwarz-Weiß-Welten von Entweder-Oder und jeder Klick, den wir machen, suggeriert eine Beherrschbarkeit, die eher Illusion ist. "Der Siegeszug der digitalen Anwendungen in unserem Alltag lässt uns denken, dass etwas, was wir uns wünschen, Realität werden kann: Eindeutigkeit, Ambivalenzfreiheit, Klarheit, Kontrollierbarkeit. Das menschliche Maß aber liegt im Dazwischen, im Zufälligen und Unvorhersehbaren", erklärt der Psychoanalytiker Volker Münch in Psychologie heue. Er warnt davor, sich von den Erleichterungen, die uns viele technische Möglichkeiten verschaffen, zu sehr beeindrucken zu lassen: "Die schiere Datenmenge, die verarbeitet wird, imponiert, wir freuen uns über das, was wir hervorgebracht haben. Und genau da liegt die Gefahr der Hybris: Denn hervorgebracht haben wir nicht die Welt, die es gibt, sondern eine, die wir als Kopie in die Rechner einspeisen; die Digitalisierung kann die „alte Realität“, unser menschliches Hin- und Hergerissensein, unsere mangelnde Perfektion nie abschaffen. Alles andere ist eine Illusion. Doch Maschinen könnten uns vergessen lassen, was unsere Stärke ist: Mitfühlen, Widersprüche interessant finden, Zuhören und Lachen."
Volker Münch stört: „Unser Denken wird digital“, Psychologie heute 14.6.21

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Karriere ist für immer weniger Frauen und Männer ein Thema 
Freitag, 11. Juni 2021 - Studien, Arbeit, Management
So richtig Lust auf Karriere hatten in den vergangenen Jahren immer weniger Menschen. Auch im letzten Jahr sind die diesbezüglichen Ambitionen weiter zurückgegangen. Die "Initiative Chefsache", zu der sich Sozialverbände, Unternehmen und Konzerne unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin zusammengeschlossen haben, befragt zwei Mal im Jahr rund 5.000 Beschäftigte zu ihren Karriereambitionen. Die jüngste Erhebung zeigt: Unter Frauen ist der Karrierewunsch in den letzten zwei Jahren deutlich zurückgegangen. Strebte damals noch mehr als jede dritte Frau eine exponierte Position an, ist es heute nur noch knapp jede vierte. Der Optimismus, sich den eigenen Karrierewunsch erfüllen zu können, schwand ebenfalls. Waren vor zwei Jahren noch 33,5 Prozent der Frauen diesbezüglich optimistisch, sind es heute nur noch 30,6 Prozent. Bei den Männern ging die Zahl der Karrieristen von 42 auf 36 Prozent zurück. Ihr Optimismus hingegen stieg leicht von 44 auf 44,6 Prozent. Grund für das In-Deckung-Gehen könnte unter anderem sein, dass 51 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer sich bei Beförderungen oder Gehaltserhöhungen vom Arbeitgeber nicht fair behandelt fühlen.
Umfrage: Frauen wünschen sich seltener eine Führungsposition, WiWo 1.6.21

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Pandemiefolgen: Depressiv auf der Couch 
Donnerstag, 10. Juni 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Wie sehr die Pandemie Körper und Geist zusetzt, zeigt eine Studie der Universität Frankfurt, für die im April und Mai 2020 rund 15.000 Menschen aus 14 Ländern befragt worden waren. Im Untersuchungszeitraum gingen die sportlichen Aktivitäten deutlich zurück. Mäßiger Sport wurde zu 41 Prozent weniger ausgeübt, bei anstrengenden sportlichen Betätigungen lag der Rückgang bei 42 Prozent. Und Menschen über 70 Jahre bewegten sich sogar 67 Prozent weniger als sonst. 73 Prozent der an der Studie Teilnehmenden bekundeten, dass sich ihr mentales Befinden verschlechtert habe. Im Bereich der sehr niedrigen Zufriedenheitswerte, die auf eine Depression deuten können, erhöhte sich der Anteil der Betroffenen von 15 auf 45 Prozent. Hier waren insbesondere Frauen und Jüngere sehr betroffen. Die Frage ist, ob sich diese Effekte nach der Pandemie wieder verlieren und die Menschen wieder zu ihrer alten Form zurückfinden - beziehungsweise auch, wie man ihnen dabei helfen könnte.
Lockdown macht Menschen träge und depressiv, FAZ 1.6.21

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Warum Koffein die Performance nicht rettet 
Mittwoch, 9. Juni 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit
Nach einer zu kurzen Nacht morgens eine Extra-Dosis Koffein und der Tag ist gerettet? Gefühlt mag das für viele Menschen so sein, denn nach einem starken Kaffee fühlt man sich oft energiegeladener und die Stimmung hebt sich. Unser Gehirn (und seine Leistung) lässt sich davon allerdings kaum beeindrucken, wie eine neue Studie zeigt. Die Wissenschaftler ließen ausgeruhte und unausgeruhte Menschen Aufmerksamkeitsaufgaben sowie einen komplexen, mehrstufigen Test durchlaufen. Dabei wurde deutlich, wie sehr Schlafmangel auf die Performance schlägt. Nach einer ordentlichen Dosis Koffein (200mg) wiederholten die Müden die Tests. Die einfachen Aufmerksamkeitsübungen meisterten sie dann besser als zuvor, auf die kognitive Leistungsfähigkeit bei komplexen Aufgaben hatte das Koffein hingegen keinen Einfluss, weil das unausgeschlafene Gehirn weiter langsamer arbeitete. Wer sich durch Kaffeekonsum wacher fühlt, könnte also leicht dem Irrglauben erliegen, in Normalform zu sein. Dies dürfte vor allem in komplexen Situationen ein Problem sein, denn wer sich überschätzt, macht Fehler, die je nach Arbeitsumgebung erheblich sein können. Wieder ein Grund mehr, dem Schlaf genügend Raum zu geben.
Koffein macht Müde nicht wirklich munter, spektrum.de 31.5.21

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Care-Arbeit wird von der Wirtschaft ausgeblendet 
Dienstag, 8. Juni 2021 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit
Wie wichtig die fürsorgliche Tätigkeiten sind, wurde in der Pandemie mehr als deutlich. Vom System der Wirtschaft wird dieser Bereich jedoch nach wie vor gezielt ausgeklammert. Der Forscher Hans Rusinek, der an der Universität St. Gallen am Institut für Wirtschaftsethik zu Sinn und Arbeit promoviert, bezeichnet den vorherrschenden Wirtschaftsbegriff als "kryptonormativ", was so viel bedeutet wie: Er vermittelt Dinge, die als normal gelten, beispielsweise all die harten Fakten des Business, und blendet andere zum Teil völlig aus. Fürsorge, die durch Erziehung beispielsweise erst Menschen zu Arbeitenden werden lässt und dazu beiträgt, die Arbeitsfähigkeit aufrechtzuerhalten, kommt in vielen Wirtschaftslehren als normativer Faktor gar nicht vor. "So spielt Care-Arbeit dann auch in der Wirtschaftswissenschaft kaum eine Rolle. Die wenigen, die dazu forschen, wie sich Fürsorgearbeit in ökonomische Prognosen und Modelle integrieren lässt, sodass unser Wirtschaftsverständnis diesen riesigen blinden Fleck überwindet, müssen dies meist fernab universitärer Belohnungssysteme machen", so Rusinek. Das habe handfeste Folgen: "In einer ähnlichen Logik wie bei der Umwelt werden die Kosten von Care nicht beachtet und eben meist auch nicht in Rechnung gestellt. Care und Umwelt sind die zwei Systeme, die wir für Regeneration haben. Unser Wirtschaften ist auf beide angewiesen – und beutet beide aus." In der Schweiz, errechnete dort das Bundesamt für Statistik, beläuft sich der Gegenwert der Fürsorgearbeit auf 360 Milliarden Euro, ein Volumen, das höher ist als die Wirtschaftskraft der Banken oder der Pharmaindustrie. Man darf gespannt sein, ob die Lehren aus der Pandemie die blinden Flecken im System vielleicht neu beleuchten.
Care-Arbeit darf nicht länger ignoriert werden, Deutschlandfunk Kultur 27.5.21

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Kollektive Intelligenz lebt von Koordination 
Montag, 7. Juni 2021 - Studien, Arbeit, Management
Wie kann sich in Teams die bestmögliche Kooperation und damit eine wirksame kollektive Intelligenz entfalten? Eine Frage, der Unternehmen viel Aufmerksamkeit schenken. Eine amerikanische Studie, für die die Daten von 1.356 Teams mit rund 5.000 Personen ausgewertet wurden, verdeutlicht nun einige Erfolgsfaktoren. Als wesentlich für gelingende Teamprozesse und ein effektives gemeinsames Wirken erwiesen sich dabei die gemeinsame Strategie der Beteiligten, Anstrengung und Koordination. Diese Prozesse waren etwa für die Hälfe der kollektiven Leistung einer Gruppe maßgeblich und hatten damit einen nahezu doppelt so hohen Einfluss wie die individuellen Fähigkeiten der Teammitglieder.
Die Koordination ist entscheidend, spektrum.de 26.5.21

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Meditation ist nicht nur nett 
Freitag, 4. Juni 2021 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
In therapeutischen Settings hat Meditation Hochkonjunktur, denn immer mehr Studien lege nahe, dass Achtsamkeitsmethoden beispielsweise in der Psychotherapie ähnlich positive Effekte zeitigen wie eine konventionelle Medikation. Allerdings hat das Meditieren ähnlich wie Medikamente bisweilen auch Nebenwirkungen. Eine amerikanische Studie mit knapp 100 Teilnehmenden untersuchte die Wirkungen einer achtwöchigen achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie und zeigt, dass sich bei 58 Prozent der Übenden mindestens jeweils ein negativer Effekt zeigte. Die Wirkungen beinhalteten beispielsweise eine andauernde Überempfindlichkeit, Albträume oder auch traumatische Ereignisse, die den Teilnehmenden wieder ins Bewusstsein gerufen wurden. Ängstlichkeit oder emotionale Ermattung zählten ebenfalls zu den weniger angenehmen Folgen des Meditierens. Für 37 Prozent der Studienteilnehmer waren die negativen Effekte so groß, dass sie sich im Alltag sogar beeinträchtigt fühlten. Bei sechs Prozent hielten die Beschwerden länger als einen Monat an. Gleichzeitig zeigte sich allerdings auch, dass sich bei vielen Teilnehmenden trotz dieser unerwünschten Effekte die Symptome, aufgrund derer sie die Therapie mit Meditation absolvierten, darunter Stressprobleme, Angst oder Depressionssymptome, verbesserten. Die Wissenschaftler betrachten die Erkenntnisse ihrer Studie nicht als ungewöhnlich. Es gelte schlicht, die positiven wie negativen Effekte des Meditierens bewusst zueinander ins Verhältnis zu setzen.
Die negativen Seiten der Achtsamkeit, spektrum.de 20.5.21

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Meditations-Apps werden immer beliebter 
Mittwoch, 2. Juni 2021 - Bewusstsein, Studien
Mit digitalen Helfern zu meditieren, wird immer beliebter. Eine globale Konsumenten-Studie mit knapp 5.000 Befragten weltweit zeigt, wie gefragt Meditations-Apps in verschiedenen Ländern sind. In Indien beispielsweise haben schon 40 Prozent der User eine App zum Meditieren auf dem Smartphone. In den USA, Großbritannien und Schweden sind es jeweils etwa ein Drittel der Befragten. In der Schweiz, Deutschland und Spanien findet man die Entspannungshelfer auf etwa jedem vierten Handy. In Frankreich hat immerhin jeder fünfte Befragte eine Achtsamkeits-App auf dem Phone. Zurückhaltender sind die Österreicher (16 Prozent) und die Chinesen (12 Prozent). Erinnert man sich, dass vor rund zehn Jahren Achtsamkeit und Meditation allenfalls "Eingeweihten" ein Begriff war, ist das schon eine erstaunliche kulturelle Entwicklung. Eine Frage, die in der Erhebung nicht thematisiert wurde, ist allerdings natürlich auch, wie intensiv die digitalen Helfer wirklich genutzt werden.
So verbreitet sind Meditations-Apps, statista.de 18.5.21

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