Anderen Menschen durch Meditation näher kommen 
Donnerstag, 16. Februar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Dank Internet und Social Media haben wir heute viel leichter Kontakt zu anderen Menschen. Doch wirkliche Nähe stellt sich in virtuellen Begegnungen oft nicht ein. Und auch im Job mögen wir täglich viele Gespräche führen, doch allzu leicht ist auch hier tiefere Verbundenheit im Miteinander Mangelware. Das von der Neurowissenschaftlerin Tania Singer initiierte ReSource-Projekt untersucht, welche Bedeutung Partner-Meditationen für das soziale Zusammensein haben können. In einem neunmonatigen Kurs lernten die Studienteilnehmer unter anderem die Stille Meditation alleine kennen, den Body Scan wie auch eine Form der Partner-Meditation, bei der jeweils zwei Teilnehmer sich - meist virtuell per Videokonferenz - dialogisch miteinander verbanden. In den Dialog-Meditationen sprach jeweils ein Partner über Gefühle und Körperwahrnehmungen in schwierigen Situationen oder teilte verschiedene Perspektiven einer persönlichen Erfahrung, während die andere Person einfach achtsam zuhörte. In der Untersuchung zeigte sich, dass die Partnerübungen nicht nur die Nähe zwischen den Beteiligten erhöhte (wobei für die Übungen die Partner immer wieder gewechselt wurden), sondern die Meditierenden auch bereiter waren, sehr Persönliches preiszugeben. Studienleiterin Bethany Kok geht davon aus, dass die Näheerfahrung nicht zuletzt durch das achtsame Zuhören und die Akzeptanz gegenüber den Sprechenden gestützt wurde, während in alltäglichen Gesprächen Menschen oft beim Zuhören in eigene Gedanken versunken sind, schon über ihre mögliche Antwort nachdenken oder ihr Gegenüber bewerten. Die Studienteilnehmer bewerteten die Partner-Meditationen insgesamt höher als die Meditationen allein, die sie ebenfalls während der Untersuchung regelmäßig absolvierten.
Can meditating together improve your relationships? Greater Good 6.2.17


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Entspannen mit der Natur via Youtube 
Mittwoch, 15. Februar 2017 - Lebensart, Medien
Die Videos von Johnnie Lawson sind ein echtes Phänomen. Auf Youtube veröffentlicht der irische Maler immer wieder stundenlange Videos von Naturimpressionen, die von Millionen von Menschen gesehen werden - um zu entspannen, zur Ruhe zu kommen, besser zu schlafen. Die Idee zu dem Projekt entstand durch einen Zufall. Lawson hatte Naturszenen ins Internet gestellt, um sie mit anderen Künstlern zu diskutieren, und bekam auch Feedback von anderen Zuschauern, die sich bei ihm für die "heilende" Wirkung seines Films bedankten. Ein achtständiges Video von einem wunderschönen Bach in ländlicher Idylle wurde auf Youtube schon mehr als 16 Millionen Mal angesehen. Manche Zuschauer lassen die Clips sogar die ganze Nacht über laufen, um ihre Schlafprobleme zu überwinden. "Mir ist klar geworden, dass ich die Heilungskräfte der Natur per Film weitergeben kann. Die Natur hat mich schon immer fasziniert. Ein Bach zum Beispiel kann so viele verschiedene Töne machen, so viel Energie ausstrahlen. Fließendes Wasser hat eine beruhigende, therapeutische Wirkung. Erst heute Morgen hat mir jemand geschrieben, meine Filme hätten ihn vor einer schweren Depression bewahrt. Und solche Zuschriften bekomme ich jeden Tag. Vor allem Menschen, die unter Schlaflosigkeit leiden, lieben meine Videos. Sie helfen ihnen beim Einschlafen. Deshalb auch die Länge von acht Stunden: So können sie die ganze Nacht laufen", so Lawson im Interview mit Spiegel online.
"Ich freue mich, wenn die Zuschauer einschlafen", Spiegel online 5.2.17

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Wenn Selbstoptimierung zur Falle wird 
Donnerstag, 9. Februar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Management
Wir leben in einer Zeit, in der wir das Gefühl haben, für unser Glück selbst verantwortlich zu sein. Die realen Gestaltungsmöglichkeiten, die wir haben, können jedoch auch kippen - dann wird das Streben nach einem besseren Leben leicht zu Selbstoptimierungsstress. "Uns werden von unzähligen Anbietern Methoden offeriert, wie wir uns in allen Lebensbereichen verbessern können. Die vermeintliche Logik dahinter: Nur wenn wir unsere Lebensweise optimieren, erfüllt sich auch der Wunsch glücklich zu sein", erklärt der Psychologe Steve Ayan in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Am Anfang steht die Bewusstheit - über das, was wir verändern oder erreichen wollen. Ayan warnt jedoch davor, dass die "die bewusste Konzentration auf Einzelaspekte – etwa auf persönliche Schwächen oder Nöte – unsere Wahrnehmung [verzerrt]. Kleinigkeiten erscheinen dann plötzlich bedeutsamer als sie sind. Bei vielen Gelegenheiten fahren wir also besser, wenn wir nicht so sehr nach Innen horchen und alles ganz bewusst tun wollen." Er rät dazu, für das, was einem wichtig ist, Routinen zu entwickeln - um nicht immer wieder aufs Neue entscheiden zu müssen, aber auch, um nicht ständig um sich selbst zu kreisen. Auch könne mehr Lockerheit im Hinblick auf das, was man sich wünscht, helfen. Vor allem Menschen, die im Beruf viel erreichen, setzen sich leicht selbst unter Zugzwang. Eine gute Selbstwahrnehmung mag dabei helfen, das eigene Leben besser zu justieren. Die Grenze zur Hypochondrie ist dabei jedoch bisweilen fließend. "Wir alle haben ja Phasen, in denen es uns mal besser und mal schlechter geht. Auch da ist es in den Stimmungstiefs zunächst besser für uns, Genuss und Ablenkung zu suchen, statt bis ins Kleinste zu erforschen, warum es uns nun gerade so geht. Genauso ist es ja auch, wenn einem was wehtut: Konzentriert man sich auf den Schmerz, wird er schlimmer", so Ayan. Auch einfach mal locker zu bleiben und nicht gleich in Aktionismus zu verfallen, kann also eine Verbesserung sein.
"Manager sind prädestiniert dafür, sich zu viel abzuverlangen", WiWo 30.1.17

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Unsicherheit schlägt aufs Wohlbefinden - auch nach Jahren 
Montag, 6. Februar 2017 - Lebensart, Studien, Arbeit
Die Folgen von Stress, der durch Überlastung im Job entsteht, werden bereits vielfach untersucht. Seine "Vorstufen", beispielsweise das unterschwellige Unbehagen, das vielen Menschen aufgrund unsicherer werdender Arbeitsverhältnisse immer öfter zum ständigen Begleiter wird, haben indes erst wenige auf dem Schirm. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) geht davon aus, dass dieser Druck auf die Betroffenen wirken kann wie körperliche Leiden. Und eine Studie des Helmholtz-Zentrums München: Die Sorge um den Job kann Langzeitfolgen haben. Die Wissenschaftler hatten 1.800 Arbeitnehmer in Süddeutschland befragt - einmal, während sie noch im Berufsleben standen, und 20 Jahre später im Ruhestand. Diejenigen, die als Berufstätige in Sorge um den eigenen Job lebten, zeigten selbst nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben noch ein deutlich geringeres Wohlbefinden als jene, die diese Sorge nicht erlebten. Für die Forscher ein Risikofaktor für die seelische und körperliche Gesundheit.
Wenn Arbeit krank macht, SZ 16.1.17

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Meditation und Intuition als effektive Führungsinstrumente 
Freitag, 3. Februar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die Wirtschaftswoche propagiert einmal mehr den Achtsamkeitstrend im Business und erklärt Meditation sogar zum "neuen Joggen". Laut dem Artikel zählen die Harvard Business School und die französische INSEAD Meditation und Intuition zu den effektivsten Mitteln der Unternehmensführung. "Achtsames Handeln fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch Teamgeist, Kreativität und Produktivität. Bei den Führungskräften, oder sogar bei der Geschäftsführung anzusetzen, macht natürlich am meisten Sinn. Sie können Veränderungen, die gemacht werden sollten, am ehesten vorleben.", so Niko Kohls, Achtsamkeitsforscher und Professor für Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg. Allerdings dringen die Wissenschaftler auch darauf, nicht in eine naive Meditations-Euphorie zu verfallen. "Die Forschung in dem Bereich ist in den vergangenen Jahren zwar exponentiell angestiegen, aber noch immer müssen wir vorsichtig mit Zusammenhängen sein", sagt etwa die Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel. Zu leicht werden aus ein paar Neuroscans gleich konkrete Wirksamkeiten, sei es im Berufsleben oder im Hinblick auf die persönliche Entwicklung, abgeleitet, die in dem propagierten Maße sich vielleicht gar nicht einstellen. Eines wird beim genüsslichen Zitieren von Meditationsstudien nämlich leicht übersehen - oft werden die Wirkungen an Menschen untersucht, die an einem achtwöchigen MBSR-Kurs teilgenommen haben. Um durch das Meditieren die eigene Kreativität signifikant zu entwickeln, auch unter Dauerstress noch einen kleinen Kopf zu bewahren oder gar ein "besserer" Mensch zu werden, dürfte deutlich mehr Üben erfordern.
Meditieren ist das neue Joggen, WiWo 25.1.17

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Selbstgemachte Stressfallen 
Donnerstag, 2. Februar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft, Arbeit
"Die Zeit" setzt einen interessanten Impuls in der Debatte um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, indem sie der Frage nachgeht, was dran ist an der Wahrnehmung, dass es heute in Familien Doppelverdiener braucht, damit die Familie finanziell über die Runden kommt. Eines vorweg - der Beitrag ist mit zahlreichen statistischen Daten gespickt, was an sich sehr wünschenswert ist. Allerdings sollte man immer auch im Blick behalten, dass vor allem statistische Durchschnittswerte häufig wesentliche reale Lebensbezüge nicht wirklich treffen. Dennoch finde ich die Gedanken, die der Artikel anregt, sehr wesentlich, denn dem Beitrag geht es darum zu zeigen, wie in den letzten Jahrzehnten unsere Konsumbedürfnisse gestiegen sind. Und wie es gerade diese materiellen Erwartungen sind, die die finanziellen "Verpflichtungen" mit sich bringen, unter denen arbeitende Eltern dann leiden. Wie viele Fernseher, Smartphones oder andere technische Gimmicks braucht man heute, um glücklich zu sein? Eine Frage, die es sich lohnt zu stellen. Im Bekanntenkreis beobachte ich immer wieder, wie Eltern sich oft allzu leicht in bestehende Konsumzwänge fügen. Dann brauchen selbst die Jüngsten schon ein teures Smartphone, weil sie sonst nicht an der Whatsapp-Gruppe ihrer Schulklasse teilnehmen können. Sicher gibt es für viele Konsumentscheidungen praktische und pragmatische Gründe. Was mir fehlt, ist das tiefere Nachdenken über diese eingeschliffenen Routinen. Und der Mut, nach besseren Wegen zu suchen. Ich sauge immer die Geschichten von Menschen auf, die sich ganz bewusst der vorherrschenden Konsumlogik widersetzen und versuchen, ihr Leben zu vereinfachen. Solange wir in einem kapitalistischen System, das fast ausschließlich Geld-vermittelt funktioniert, leben, werden wir Geld verdienen müssen - wie viel wir brauchen, ist aber auch unsere eigene Entscheidung. In diesem Sinne ist der Zeit-Artikel sehr bedenkenswert.
Wozu der ganze Stress? Zeit online 22.1.17

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Mitgefühl ist die neue Achtsamkeit 
Donnerstag, 26. Januar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die weltweiten Entwicklungen machen bisweilen sprachlos. Wie kann man sich zum andauernden Syrien-Krieg, zum neuen amerikanischen Präsidenten oder auch den stetig deutlicher werdenden Anzeichen des Klimawandels noch in ein Verhältnis setzen, ohne zu verzweifeln? Achtsamkeit ist in den letzten Jahren zu einer Art Trend geworden, einem Weg, die eigene Bewusstheit im Hinblick auf das, was geschieht, zu entwickeln. Doch was macht man dann mit dieser Bewusstheit? Wenn ich regelmäßig meditiere, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich mich weniger gestresst fühle durch all das, was mit mir und um mich herum geschieht. Am Status quo ändert dies jedoch nichts. Vielleicht sind genau das die Gründe, warum in der letzten Zeit im Kontext von Achtsamkeit immer öfter auch das Gespräch auf Mitgefühl kommt. Die Neurowissenschaftlerin Tania Singer ist mit ihrem Resource-Projekt ja gerade dabei, verschiedene Wirkungsfelder von Mitgefühl wissenschaftlich auszuloten. Das Deutschlandradio widmete Mitgefühl kürzlich eine ganze Sendung. "Seit drei, vier, fünf Jahren ist Mitgefühl in. Vorher war Achtsamkeit die absolute Nummer eins. Das ist es immer noch. Aber heutzutage wird ganz viel über Mitgefühl, aber auch über Selbstmitgefühl geredet, weil so viele Leute unter Stress stehen, unter Druck stehen, sehr angespannt sind. Eigentlich ist Tonglen (eine buddhistische Mitgefühlsmeditation) eine Einstellungsgeschichte – das bedeutet nicht sofort, dass man helfen kann. Sondern ich versuche, mich nicht abzuschotten gegen Leid", erklärt die Meditationslehrerin Sylvia Wetzel. Yesche Udo Regel, ebenfalls Meditationslehrer, sieht das ähnlich. Für ihn bedeutet Mitgefühlsmeditation, "überhaupt eine Verbindung herstellen und dann mit dem, was da als schwierig erlebt wird, auch zusammen sein". Das Kultivieren dieser Fähigkeit erleichtert es, sich dem Leben und anderen Menschen wohlwollend und liebevoll zuzuwenden. "Es gibt unendlich viele Wesen und ich will heute meinen Beitrag leisten, dass die Welt besser wird. Und wenn das nur darin besteht, dass ich positive Energie aussende oder jemand zulächle beim Einkaufen. Irgendwie einen positiven Impuls geben", so Wetzel. Im Business hat der Achtsamkeitstrend Fuß gefasst, weil viele Menschen sich davon versprechen, dass es ihnen durch Meditation persönlich besser geht. Vielleicht ist die spezielle Mitgefühlsmeditation ein erster Schritt, dafür reif zu werden, dieses Wohlergehen auch aktiv anderen gegenüber möglich werden zu lassen - eine Art Achtsamkeit 4.0 für die Verwerfungen, die durch die Industrie 4.0 entstehen ...
Durch Meditation zum Mitgefühl, Deutschlandradio 15.1.17

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Auswege aus der Grübelfalle 
Montag, 23. Januar 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Medien
Die Journalistin Katharina Kilchenmann hat den Kongress Meditation & Wissenschaft genutzt und mit Psychologen, Neurowissenschaftlern und spirituellen Lehrern darüber gesprochen, wie wir der Falle des ewigen Grübelns entrinnen können. In dem Radio-Feature erklärt die Wissenschaftlerin Christine Kühner, warum das Grübeln für uns manchmal so verführerisch ist - und wie Achtsamkeitsübungen dabei helfen können, das Kreisen der Gedanken um sich selbst zu durchbrechen. Der Psychologe Stephan Grünewald lässt deutlich werden, dass Grübeln nicht allein ein persönliches Problem ist, sondern auch von unseren kulturellen Umständen geprägt wird. Sehr erfrischend gesteht die Zen-Lehrerin Anna Gamma, dass sie, obwohl sie regelmäßig meditiert, auch bisweilen ins Grübeln kommt. Sie zeigt, wie es gelingen kann, aus drängenden Gedanken wichtige Lehren zu ziehen - und sie dann wieder loszulassen. Ein spannendes Radio-Feature!
"Erlöse uns von dem Grübeln", Radio SRF 2 8.1.17

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