Wie kommt wirklich Neues in die Welt? 
Mittwoch, 21. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit
Innovation ist eine vielbemühte Idee in der heutigen, sei es in Unternehmen oder auch, wenn es darum geht herauszufinden, wie wir der Klimakrise angemessen begegnen können. Doch vieles, was als vermeintlich innovativ gelabelt wird, stellt eigentlich nur eine eher marginale Erweiterung des Bestehenden dar. Anstatt Kraftstoff zu verbrennen, Autos mit Strom fahren lassen? Oder darauf hoffen, dass irgendeine Durchbruchstechnologie bestehende Engpässe einfach überwindet? Ein Kommentar in der NZZ analysiert auf eloquente Weise, dass der Durchbruch in wirkliches Neuland im heute beobachtbaren innovativen Denken kaum vorkommt. Vielleicht, weil wir aus dem falschen Blickwinkel auf die Welt schauen? Wo dieser beginnen könnte, formuliert der Beitrag so: "Die Normalität ist der Ausnahmefall, der Ausnahmezustand hingegen die Regel. Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass sich die traute Vergangenheit linear in die Zukunft fortschreibt. Hingegen können wir darauf vertrauen, dass alles Erwartbare die Ausnahme bleibt, dass hingegen das Unvorhersehbare immer schon eine Normalität war, was wir nur leider zu verdrängen gelernt haben." Das Unvorhersehbare lässt sich nicht direkt adressieren oder gar erreichen. Es fragt nach einer tiefgreifenden Veränderung unserer Lebensart und unserer Weltbeziehung. Die NZZ meint deshalb: "Wir tun darum gut daran, uns auf das Unvorhergesehene einzustellen und uns im Umgang damit zu üben. Wir können dabei nicht in die Kristallkugel der Zukunft schauen, und wir werden nie punktgenau antizipieren, was die bösen Überraschungen von morgen sein werden. Aber wir können in die Schule der Vorstellungskraft gehen und ins Mentaltraining des Unerwarteten. Die Antwort auf die Unwägbarkeiten des Kommenden heisst Phantasie. Sie mag ebenso eine Antwort von gestern sein, aber sie hat den Vorzug, Vorstellungswelten plausibel zu machen, die jenseits des Vorstellungsvermögens liegen." Was wäre, wenn wir uns alle öfter in diesem Territorium jenseits des Vorstellbaren treffen? Und von dort aus unsere Fühler gemeinsam ausstrecken? Das Neue ist kein Ziel, dass wir einfach erreichen können. Es offenbart sich nur im Unerwarteten.
Innovation heißt oft noch mehr vom Gleichen, NZZ 13.7.21

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Junge Berufstätige leiden stark unter der Pandemie 
Dienstag, 20. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Die Pandemie hat wohl bei allen Menschen bereits tiefe Spuren hinterlassen. Für junge Berufstätige und Auszubildende, für die dieser Lebensabschnitt ohnehin schon eine Phase des Übergangs darstellt, sind die Auswirkungen enorm. Die Studie Plan B der IG Metall und des Jugendforschers Simon Schnetzer mit 1.000 Befragten zeigt, dass sich die psychische Gesundheit bei 61 Prozent des Nachwuchses in der letzten Zeit verschlechtert hat. 51 Prozent leiden darunter, dass sie ihr eigenes Leben nicht mehr kontrollieren können und 55 Prozent sehen negative Auswirkungen auf ihre Freundschaften. 71 Prozent ringen mit einer massiv verschlechterten Situation an den Berufsschulen, während Menschen im dualen Studium unter den eingeschränkten Bedingungen an den Hochschulen leiden. Unter den Studierenden fürchtet ein Drittel, nach dem Abschluss nicht übernommen zu werden, bei den Auszubildenden sind es sogar 40 Prozent. Die Frage ist, wie Unternehmen dieser Unsicherheitslage begegnen könnten.
Auszubildende klagen über Isolation und Zukunftschancen, FAZ 14.7.21

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Warum Demut so wichtig ist in der Führung 
Montag, 19. Juli 2021 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
Die Zeiten, in denen vor allem "harte Kerle" als gute Führungskräfte angesehen wurden, sind lange vorbei. Aber welche weichen Tugenden sind es eigentlich, die Vorgesetzte zu guten Führenden werden lassen? Die Antwort mag überraschen. Management-Studien zeigen, dass neben der schon länger gerne beschworenen Empathie vor allem Demut eine wesentliche Fähigkeit zu sein scheint. Das Verhalten von Führungskräften beeinflusst zu bis zu 70 Prozent, ob Menschen sich in einem Unternehmen wohlfühlen und so auch ihr bestes geben können. Bescheidenheit, ein Bewusstsein für die eigenen Vorurteile wie auch die Neugier auf andere Menschen tragen dazu bei, tragfähige Arbeitsbeziehungen zu stiften. Wenn es um Vorurteile geht, können Führende mit gutem Beispiel vorangehen, doch braucht es einiges, um hier keine Placebos zu verteilen. Denn zu bekunden, selbst nicht von Vorurteilen frei zu sein, wird leicht zum Freibrief, wenn es so aussieht, als könne man an diesen nur wenig ändern. Genau hier kommt die Demut ins Spiel, denn Führende, die es ernst meinen, bitten ihre Mitarbeiter aufrichtig um Feedbacks, die blinde Flecken ansprechen. Studien zeigen, so ein Artikel im Harvard Business Manager, dass das Eingeständnis von Voreingenommenheit, wenn es sich mit Empathie verbindet, das Zugehörigkeitsgefühl im Unternehmen um ein Drittel stärker werden lässt.
Als Führungskraft alle mitnehmen, HBM 6.7.21

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Positives Denken weckt viele Fähigkeiten 
Montag, 12. Juli 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wir alle kennen es aus eigener Erfahrung, dass wir, wenn wir gute Laune haben, oft Berge versetzen können, während wir, wenn es uns nies geht, oft nicht viel auf die Reihe bekommen. Die Wissenschaft kann diese Unterschiede gut erklären. So belegen Studien, dass negative Gefühle wie Angst oder Wut dazu führen, dass wir uns in uns selbst zurückziehen, körperlich verhärten und unsere Wahrnehmung verengen. Dann ist in unseren Beziehungen zu anderen Menschen und zum Leben nicht viel möglich. Sind wir hingegen positiv gestimmt, verhält es sich genau umgekehrt. In einem Experiment, in dem die Wissenschaftler ihre Probanden eingangs in eine positive Stimmung versetzten, zeigten diese einen größeren Hang zu Aktivität und bezogen sich in Beziehungen zu anderen eher auf das, was einander verbindet, als auf Trennendes. Außerdem erweitert sich bei guter Laune das periphere Sichtfeld, so dass Menschen mehr im Blick haben. Und ihr Denken wird verbundener, sie nehmen Zusammenhänge leichter wahr. Ein Überschwang an Positivität bringt allerdings auch negative Folgen mit sich, denn dann unterschätzen Menschen mögliche Gefahren und werden in ihren Urteilen unrealistischer.
Wie positive Emotionen Wahrnehmung und Denkvermögen erweitern, Psychologie aktuell 19.5.21

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Vertrauen ist gut 
Freitag, 9. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie
In unseren volatilen Zeiten widmet die NZZ eine wunderbare Betrachtung dem Thema Vertrauen. "Gemeinhin gilt Vertrauen als etwas, was aus guten Erfahrungen in der Vergangenheit und der Hoffnung auf das Gute im Menschen entsteht", heißt es in dem Artikel und wenn man das liest und sich die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Monate anschaut, kommt einem diese Einschätzung leicht vor wie aus einer anderen Zeit. Für den Autor Paul Jandl ist das Misstrauen, dass sich in vielen Kontexten im Zuge der Pandemie so deutlich gesteigert hat, nicht einfach das Gegenteil von Vertrauen. Im Gegenteil, es wird zum Sog, der jedes Vertrauen verschlingt: "Sind wir erst einmal im Zustand des Misstrauens, können wir uns nicht mehr dafür entscheiden, zu vertrauen. Der Zweifel hat ein Loch ins dünne Eis geschlagen, das wir Wirklichkeit nennen. Bei jedem Schritt hören wir, wie dieses Eis unter uns knackt. Wer politisch Gespenster sieht, sieht sie bald überall. Er verbindet sich mit anderen Gespenstersehern und hofft, damit wieder festen Boden unter den Füssen zu haben." Hört sich an, als bräuchten wir an vielen Stellen eine neue Vertrauensoffensive.
Der Mensch ist dem Menschen kein Wolf, NZZ 30.6.21

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Die Augenwischerei mit der Achtsamkeit 
Mittwoch, 7. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Der Deutschlandfunk hat in einem Beitrag den Achtsamkeitstrend in den Blick genommen und kommt zu sehr differenzierten Einschätzungen. Der Artikel stellt ausführlich vor, wie typische MBSR-Kurse einen Einstieg in Achtsamkeit vermitteln und welche positiven gesundheitlichen Wirkungen sich aus der Praxis ergeben können. Gleichzeitig lässt er auch Kritiker zu Wort kommen, die davor warnen, dass die Meditationspraxis auch dazu beitragen könne, dass gesellschaftliche Strukturprobleme einmal mehr aufs Individuum verlagert werden, dass sich dann eben selbst helfen soll. Der Soziologe Hartmut Rosa etwa sagt: "Ein Problem, das ich dabei sehe ist eben, dass man die Problemlage auf die Individuen verschiebt. Dass man damit sagt, wenn du nur genügend Achtsamkeit trainieren würdest oder dein Leben richtig ausrichtest, dann hättest du kein Problem mehr und die Problemlagen, von denen ich als Soziologe unbedingt sagen will und auch sagen kann, dass sie in ganz hohem Maße gesellschaftlich verursacht sind, strukturell bedingt sind, die werden eben dem Individuum angelastet – du musst lernen damit zurechtzukommen. Und deshalb halte ich Achtsamkeit als politische Lösung für problematisch." Hier wird Achtsamkeit mehr und mehr auch zu einem Politikum.
Achtsamkeit ist politisch – und problematisch, Deutschlandfunk 28.6.21

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Volkssport pendeln 
Dienstag, 6. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie
Wer arbeiten geht, ist vielfach Pendler, denn immer seltener arbeiten die Menschen auch an dem Ort, an dem sie leben. Inzwischen sind es 59 Prozent aller Arbeitnehmer, also 18,4 Millionen Menschen, die nicht am Wohnort ihr Geld verdienen. Und die Pendelstrecken werden länger. So stieg die Zahl derer, die einen täglichen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern haben, in den letzten 20 Jahren von 13 auf 21 Prozent. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien zeigt: Die Fahrerei nervt, frustriert, schlägt auf die Psyche und auch auf die körperliche Gesundheit. Doch der Traum vom Wohnen im Grünen und einem gut bezahlten Job in der nächsten großen Stadt wird weiterhin von vielen nicht nur geträumt, sondern auch in die Tat umgesetzt. Die Wirtschaftswoche beschreibt in einem Artikel, wie verschiedene Faktoren das Phänomen weiter anheizen. Neubaugebiete in den Speckgürteln sind verlockend für viele. Wer sich abends beim Chillen auf der eigenen Terrasse sieht, verdrängt gerne, dass er, wenn der Nahverkehr schlecht ist oder er im Stau steht, diese Komfortzone später erreicht, als einem lieb sein kann. Viele Kommunen unterstützen mit ihrer Verkehrspolitik die Begehrlichkeiten. Wenn es Pendlern leichter gemacht wird, mit dem öffentlichen Nahverkehr in die nächste Stadt zu kommen anstatt sich schnell in der eigenen Stadt zu bewegen, erscheint ein Arbeitsplatz weiter weg in attraktiverem Licht. Die Frage ist, wann hier wer bereit ist, den Teufelskreis als erstes zu durchbrechen.
Pendler betrügen sich selbst, WiWo 28.6.21

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Plaudern hilft, egal mit wem 
Montag, 5. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Mit Bekannten ist das Reden am erfreulichsten, möchte man meinen. Doch die Wissenschaft belehrt uns eines besseren. Verschiedene Studien zeigen nämlich: Wenn wir mit Fremden reden, hebt das deutlich die Stimmung. Gespräche mit uns noch nicht Bekannten mögen zwar bisweilen (aber nur in seltenen Fällen) etwas ruckeliger verlaufen als beispielsweise mit Partnern oder Freunden. Doch zeigen die Erfahrungen aus verschiedenen Untersuchungen auch: Die meisten Menschen fühlen sich richtig gut, wenn sie - sei es in der Bahn, im Supermarkt oder einem Café - mit Leuten ins Gespräch kommen, die sie gar nicht kennen. Am besten selbst einmal ausprobieren!
Mit Fremden zu reden, tut gut, spektrum.de 26.6.21

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