Junge streben nach Sinn im Job 
Donnerstag, 22. Juli 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Arbeit soll nicht nur Geld bringen, sondern auch Sinn. Diese Haltung treibt immer mehr vor allem jüngere Menschen um. Eine vor zwei Jahren erstellte Studie des Zukunftsinstituts zeigt: Einem Großteil der Millenials, 87 Prozent, ist eine sinnvolle und erfüllende Berufstätigkeit wichtig. Hoher Verdienst ist hingegen nur für 55 Prozent von Bedeutung. Die deutsche Unternehmenslandschaft macht es dem Nachwuchs allerdings nicht immer leicht, denn hierzulande dominieren nach wie vor klassische Industrieunternehmen, die Themen wie Nachhaltigkeit und innovative Ansätze, die nicht nur zu Gewinnen, sondern auch einer besseren Welt beitragen, erst beginnen zu entdecken. Hippe Start-up-Kulturen, deren expliziter Fokus Gemeinwohl, ökologische Verträglichkeit und soziale Innovationen sind, kennt man hingegen eher aus den Vereinigten Staaten oder Aufsteiger-Ländern wie Israel. Für die junge Generation bedeutet das, häufig Kompromisse zu machen. Nur knapp ein Drittel der Millenials würden den Arbeitgeber wechseln, wenn sich seine Nachhaltigkeitsversprechen nicht erfüllen, im globalen Vergleich sind es zehn Prozent mehr. Bequemlichkeit und Sicherheit scheinen also auch eine bedeutende Rolle zu spielen.
Millenials und die Suche nach dem Sinn, FAZ 13.7.21

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Wie kommt wirklich Neues in die Welt? 
Mittwoch, 21. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit
Innovation ist eine vielbemühte Idee in der heutigen, sei es in Unternehmen oder auch, wenn es darum geht herauszufinden, wie wir der Klimakrise angemessen begegnen können. Doch vieles, was als vermeintlich innovativ gelabelt wird, stellt eigentlich nur eine eher marginale Erweiterung des Bestehenden dar. Anstatt Kraftstoff zu verbrennen, Autos mit Strom fahren lassen? Oder darauf hoffen, dass irgendeine Durchbruchstechnologie bestehende Engpässe einfach überwindet? Ein Kommentar in der NZZ analysiert auf eloquente Weise, dass der Durchbruch in wirkliches Neuland im heute beobachtbaren innovativen Denken kaum vorkommt. Vielleicht, weil wir aus dem falschen Blickwinkel auf die Welt schauen? Wo dieser beginnen könnte, formuliert der Beitrag so: "Die Normalität ist der Ausnahmefall, der Ausnahmezustand hingegen die Regel. Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass sich die traute Vergangenheit linear in die Zukunft fortschreibt. Hingegen können wir darauf vertrauen, dass alles Erwartbare die Ausnahme bleibt, dass hingegen das Unvorhersehbare immer schon eine Normalität war, was wir nur leider zu verdrängen gelernt haben." Das Unvorhersehbare lässt sich nicht direkt adressieren oder gar erreichen. Es fragt nach einer tiefgreifenden Veränderung unserer Lebensart und unserer Weltbeziehung. Die NZZ meint deshalb: "Wir tun darum gut daran, uns auf das Unvorhergesehene einzustellen und uns im Umgang damit zu üben. Wir können dabei nicht in die Kristallkugel der Zukunft schauen, und wir werden nie punktgenau antizipieren, was die bösen Überraschungen von morgen sein werden. Aber wir können in die Schule der Vorstellungskraft gehen und ins Mentaltraining des Unerwarteten. Die Antwort auf die Unwägbarkeiten des Kommenden heisst Phantasie. Sie mag ebenso eine Antwort von gestern sein, aber sie hat den Vorzug, Vorstellungswelten plausibel zu machen, die jenseits des Vorstellungsvermögens liegen." Was wäre, wenn wir uns alle öfter in diesem Territorium jenseits des Vorstellbaren treffen? Und von dort aus unsere Fühler gemeinsam ausstrecken? Das Neue ist kein Ziel, dass wir einfach erreichen können. Es offenbart sich nur im Unerwarteten.
Innovation heißt oft noch mehr vom Gleichen, NZZ 13.7.21

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Warum Demut so wichtig ist in der Führung 
Montag, 19. Juli 2021 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
Die Zeiten, in denen vor allem "harte Kerle" als gute Führungskräfte angesehen wurden, sind lange vorbei. Aber welche weichen Tugenden sind es eigentlich, die Vorgesetzte zu guten Führenden werden lassen? Die Antwort mag überraschen. Management-Studien zeigen, dass neben der schon länger gerne beschworenen Empathie vor allem Demut eine wesentliche Fähigkeit zu sein scheint. Das Verhalten von Führungskräften beeinflusst zu bis zu 70 Prozent, ob Menschen sich in einem Unternehmen wohlfühlen und so auch ihr bestes geben können. Bescheidenheit, ein Bewusstsein für die eigenen Vorurteile wie auch die Neugier auf andere Menschen tragen dazu bei, tragfähige Arbeitsbeziehungen zu stiften. Wenn es um Vorurteile geht, können Führende mit gutem Beispiel vorangehen, doch braucht es einiges, um hier keine Placebos zu verteilen. Denn zu bekunden, selbst nicht von Vorurteilen frei zu sein, wird leicht zum Freibrief, wenn es so aussieht, als könne man an diesen nur wenig ändern. Genau hier kommt die Demut ins Spiel, denn Führende, die es ernst meinen, bitten ihre Mitarbeiter aufrichtig um Feedbacks, die blinde Flecken ansprechen. Studien zeigen, so ein Artikel im Harvard Business Manager, dass das Eingeständnis von Voreingenommenheit, wenn es sich mit Empathie verbindet, das Zugehörigkeitsgefühl im Unternehmen um ein Drittel stärker werden lässt.
Als Führungskraft alle mitnehmen, HBM 6.7.21

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Wenn Mitarbeiter einfach aussortiert werden 
Freitag, 16. Juli 2021 - Arbeit, Management
Ein Artikel des Business Insider wirft wieder mal einen Blick auf die eher brutaleren Führungsmethoden großer Unternehmen. So liegen dem Portal nach eigenen Angaben Unterlagen von Amazon vor, aus denen hervorgehe, dass die Führungskräfte in ihren Bereichen jedes Jahr einen bestimmten Prozentsatz an Mitarbeitern, die nicht die erhoffte Leistung erbringen, wieder loswerden sollen. Das nennt man "unbedauerliche Abgänge", die entweder erfolgen, weil jemand von selbst kündigt, oder aber, wenn er gefeuert wird. Besonders krass an dem Ansatz ist, dass für jedes Jahr eine prozentuale Quote vorgegeben wird, die erfüllt werden müsse. Sollten zufällig alle Mitarbeitenden gut gearbeitet haben, trifft es dann also die etwas weniger Guten, die hinausbefördert werden. Man kann sich gut vorstellen, was für ein Arbeitsklima das mit sich bringt. Von der grundsätzlichen Menschenverachtung, die in diesem Denken mitschwingt, einmal ganz zu schweigen.
Der neue Amazon-CEO hat eine Rate, wie viele Menschen jährlich das Unternehmen verlassen sollen, zeigen interne Dokumente, Business Insider 8.7.21

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Wie die 4-Tage-Woche zufrieden macht 
Donnerstag, 15. Juli 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Weniger zu arbeiten, ist der Traum vieler Menschen. Und das nicht, weil sie etwa arbeitsscheu werden. Experimente zeigen immer wieder, dass die, die ihre Arbeitszeit reduzieren, in der gewonnenen freien Zeit nicht untätig bleiben, sondern sich schlicht Dingen widmen, die sie besonders interessieren oder ihnen gut tun. Die isländische Regierung untersucht in einem Experiment auf fünf Jahre angelegten Experiment mit 2.500 Teilnehmenden, was sich verändert, wenn Menschen statt an fünf nur noch an vier Tagen zur Arbeit müssen. Erste Erkenntnis: Weniger Zeit im Job zu verbringen, macht glücklicher und entstresst das Leben. Ein Grund dafür könnte sein, dass die freie Zeit mehr Entscheidungsfreiräume ins Leben bringt. "Wichtig ist vor allem, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein hohes Maß an Selbstständigkeit bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit hatten. Selbstbestimmung macht zufrieden, das ist erwiesen", so der Politikwissenschaftler Jack Kellam, der das Experiment begleitet. Er weist auch darauf hin, dass viele positive Effekte des Experiments sich womöglich erst lange danach zeigen werden. So nutzen viele Menschen die gewonnene Zeit, um mehr Sport zu treiben oder öfter etwas Gesundes zu kochen. Die isländischen Gewerkschaften nutzten das Projekt als Steilvorlage, um die Arbeitszeiten neu zu verhandeln und etwas zu senken. "Aktuell haben 86 Prozent der Arbeitnehmer in Island nun kürzere Arbeitszeiten oder zumindest die Möglichkeit dazu. Doch die Entwicklung geht ganz eindeutig in Richtung weniger Arbeitszeit und mehr Freizeit. Ich bin optimistisch, dass die Isländer schon in ein paar Jahren bei 32 Arbeitsstunden pro Woche angelangt sind. Und Island kann ein Vorbild für andere Länder sein", so Kellam in der Zeit.
"Die Viertagewoche könnte auch in Deutschland funktionieren", zeit.de 8.7.21

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Wenn Macht das Verständnis einschränkt 
Mittwoch, 14. Juli 2021 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
Macht verändert die Wahrnehmung. Welche Folgen das hat, zeigt eine Reihe neuer sozialpsychologischer Studien. In verschiedenen Experimenten befragten die Wissenschaftler vor ihren jeweiligen Tests ihre Probanden entweder, wie mächtig sie sich fühlten im Leben, oder wiesen ihnen in den Versuchskonstellationen mal Positionen mit mehr, mal mit weniger Macht zu. Dann sollten sie über verschiedene soziale Szenarien urteilen, in den es darum ging, andere Menschen zu beurteilen. Dabei zeigte sich, dass bei allen Versuchen die Personen, die sich machtvoll fühlten oder eine machtvolle Position vorab zugewiesen bekamen, in ihren Urteilen deutlich strenger waren als jene, die eher machtlos waren. Interessant finde ich, dass Macht anscheinend diese Wirkung selbst dann entfaltet, wenn die Menschen eine fiktive Rolle, mit der Macht verbunden ist, zugewiesen bekommen - sie also gar nicht direkt auf die eigene Erfahrung im Nutzen dieser Macht zurückgreifen, wenn sie urteilen. Allein schon die Vorstellung, mächtig zu sein, scheint etwas mit Menschen zu machen. Die Wissenschaftler möchten mit ihrem Experiment darauf hinweisen, welche Auswirkungen Macht beispielsweise in Politik oder Wirtschaft hat, wenn Politiker sich die Sorgen und Nöte weniger mächtiger Menschen nur noch schwer vorstellen können oder Chefs automatisch denken, ihre Untergebenen hätten die gleichen Möglichkeiten wie sie selbst. Denn die Strenge, die die Versuche offenbarten, scheint auch auf mangelndes Verständnis der jeweiligen Menschen zurückzuführen zu sein. Macht schafft also eine Distanz, die nicht immer hilfreich ist.
Wer Macht hat, urteilt strenger über Fehler, spektrum.de 6.7.21

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Wenn die Geringverdiener die größeren Lasten tragen 
Donnerstag, 8. Juli 2021 - Lebensart, Arbeit
Wer viel verdient, zahlt auch viel in die Sozialsysteme ein, möchte man meinen. Eine Anfrage der Linken beim Bundesarbeitsministerium zeigt jedoch: Dank der Beitragsbemessungsgrenze ist das nicht wirklich so. Besserverdiener mit einem Jahreseinkommen zwischen 70.000 und 100.000 Euro tragen elf Prozent der Sozialabgaben, haben aber einen Anteil von 13 Prozent an allen Einkommen. Bei Großverdienern ab 110.000 Euro geht die Schere noch weiter auseinander - auf sie entfallen 23 Prozent der Einkommen, aber nur neun Prozent der Sozialabgaben. Am unteren Ende der Skala ist das Bild genau umgekehrt. Menschen mit einem Jahreseinkommen von bis zu 30.000 Euro zahlen nämlich 36 Prozent der Sozialabgaben, obwohl auf sie nur 24 Prozent der Einkommen entfallen. Verkehrte Welt ...
Geringverdienende zahlen überproportional viel Geld in Sozialkassen, zeit.de 29.6.21

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Die Augenwischerei mit der Achtsamkeit 
Mittwoch, 7. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Der Deutschlandfunk hat in einem Beitrag den Achtsamkeitstrend in den Blick genommen und kommt zu sehr differenzierten Einschätzungen. Der Artikel stellt ausführlich vor, wie typische MBSR-Kurse einen Einstieg in Achtsamkeit vermitteln und welche positiven gesundheitlichen Wirkungen sich aus der Praxis ergeben können. Gleichzeitig lässt er auch Kritiker zu Wort kommen, die davor warnen, dass die Meditationspraxis auch dazu beitragen könne, dass gesellschaftliche Strukturprobleme einmal mehr aufs Individuum verlagert werden, dass sich dann eben selbst helfen soll. Der Soziologe Hartmut Rosa etwa sagt: "Ein Problem, das ich dabei sehe ist eben, dass man die Problemlage auf die Individuen verschiebt. Dass man damit sagt, wenn du nur genügend Achtsamkeit trainieren würdest oder dein Leben richtig ausrichtest, dann hättest du kein Problem mehr und die Problemlagen, von denen ich als Soziologe unbedingt sagen will und auch sagen kann, dass sie in ganz hohem Maße gesellschaftlich verursacht sind, strukturell bedingt sind, die werden eben dem Individuum angelastet – du musst lernen damit zurechtzukommen. Und deshalb halte ich Achtsamkeit als politische Lösung für problematisch." Hier wird Achtsamkeit mehr und mehr auch zu einem Politikum.
Achtsamkeit ist politisch – und problematisch, Deutschlandfunk 28.6.21

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