Auf der Suche nach dem Karriere-Gen 
Donnerstag, 22. Januar 2009 - Wissenschaft
Die Wirtschaftswoche berichtet in einem Beitrag über verschiedene Studien, die der Frage nachgehen, inwiefern Erfolg, Intelligenz und ähnliche Faktoren genetisch verankert sind. So kommt eine britische Studie zu dem Ergebnis, dass Unternehmergeist genetisch bedingt sein könnte, da bei eineiigen Zwillingen signifikant öfter beide Zwillinge Unternehmer wurden als bei Geschwistern mit unterschiedlichen Genen. Soziologen wiederum fanden heraus, dass auch die Erziehung maßgeblich die spätere Selbstwirksamkeit fördert. So erwarten Eltern aus bildungsnahen Schichten von ihren Kindern, keine übertriebene Autoritätsgläubigkeit an den Tag zu legen und ihr Kommunikationsverhalten auszuprägen. Die Folge: Diese Kinder bilden früh Selbstbewusstsein aus und lernen, für sich einzustehen. Amerikanische Wissenschaftler wiederum kommen zu dem Schluss, dass oft der Glaube allein schon Berge versetzen kann. In einer Studie erlitten Männer, die davon überzeugt waren, ein geringes Infarktrisiko aufzuweisen, drei Mal weniger Herzinfarkte - und dies unabhängig von ihrer DNA. Kommentar der Wirtschaftswoche: "Manchmal reicht schon eine gesunde Portion Optimismus."
"Erfolg im Job durch richtige Gene", WiWo 7.1.2009


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Lügen als bewährte Alltagsstrategie 
Mittwoch, 14. Januar 2009 - Wissenschaft
Wahrhaftigkeit, Ethik und Moral - gerade in der gegenwärtigen Krisenanalyse werden diese Tugenden besonders beschworen. Und doch sind sie eher eine Ausnahmeerscheinung. Die Wirtschaftswoche widmet sich in einem Artikel dem Massenphänomen der Lüge und stellt fest: Selbst in einer nur zehnminütigen Konversation belügen sich 60 Prozent aller Gesprächspartner bis zu drei Mal - meist durch beiläufige Flunkerien, derer sie sich gar nicht bewusst sind, die aber beinahe ein Drittel aller Lügen ausmachen. 41 Prozent der Menschen lügen, um sich Ärger zu ersparen und keine Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen zu müssen, 14 Prozent wollen sich mit ihren Lügen das Leben erleichtern, acht Prozent versuchen, damit ihre Beliebtheit zu erhöhen und sechs Prozent lügen schlicht aus Faulheit. Studien zeigen auch, dass die virtuelle Kommunikation das Lügen begünstigt. So zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung German Consulting Group, dass 63 Prozent der Befragten ihre Geschäftspartner via SMS belügen, und amerikanische Forscher fanden heraus, dass nahezu alle Mail-Schreiber ihre Partner anlügen, während bei Briefe-Schreibern "nur" 64 Prozent zu Unwahrheiten bereit sind.
"Dienen Lügen wirklich der Karriere?", WiWo 5.1.2009


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Neuer Index für Messung von Humankapital 
Donnerstag, 8. Januar 2009 - Wissenschaft
Die Frage, wie Unternehmen ihr Humankapital messen können, beschäftigt die Personalexperten seit geraumer Zeit. Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wurde nun im Rahmen des Forschungsprojekts "Sicherung der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen durch Verbesserung qualitativer humanressourcenorientierter Kriterien" ein so genannter Human Potenzial Index entwickelt, der verschiedene für das Mitarbeiterpotenzial entscheidende Dimensionen systematisch erfasst. Das neue Instrument, das im März 2009 detaillierter vorgestellt werden soll, umfasst Aspekte wie Personalstrategie, -auswahl und -entwicklung, Unternehmenswerte, Führung, Kommunikation, Mitarbeiterengagement und -bindung, Compensation & Benefits, Gesundheitsförderung und Diversity. Ziel ist es, Wertschöpfungsprozesse und Nachhaltigkeitsinstrumente gezielt zu erkennen und einzusetzen. Erste Evaluierungen haben bereits gezeigt, dass sich rund 41 Prozent des Unternehmenserfolgs durch Faktoren erklären lassen, die mit der Humankapitalstruktur eines Unternehmens einher gehen.
Architektur des HPI


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Lohas - ein Trend, der Trendmüde macht 
Mittwoch, 12. November 2008 - Wissenschaft
Lohas, die Lifestyles of Health and Sustainability, sind in aller Munde. Doch scheint das Trendgeflüster auch zu einer Trendmüdigkeit zu führen. Seit das Marketing hier eine neue Zielgruppe gewittert hat, überbieten sich die Marktforscher in ihren Analysen, wie viele Deutsche wohl dazu gehören. Bei AC Nielsen soll es ein Drittel der deutschen Bevölkerung sein, bei der GFK immerhin noch 23 Prozent, und auch AWA und Sinus Sociovision bemühen sich, das Phänomen in ihren Zielgruppenpanels darzustellen. Das Zukunftsinstitut verkündet in seinem Zukunftsletter vom November genüsslich, dass die Trendforscher dieses Phänomen bereits seit 2003 auf dem Radar haben - also wieder einmal die Ersten waren, die eine bedeutende gesellschaftliche Veränderung erkannt haben. Bei all dem Trendgeklapper und -geplapper verlieren sich die Trendanalysen jedoch in marketingaffinen Oberflächlichkeiten, denn: Wo heute die meisten Beobachter auf Lohas als neue Konsumstrategie aufspringen, vergessen sie die Ursprünge dieser Entwicklung, die viel mit gesellschaftlichen und persönlichen Veränderungen, mit Visionen und gerade nicht mit Konsum, zu tun hat. Paul Ray, amerikanischer Soziologe und Marktforscher (!) war einer der ersten, der bereits 2001 in seinem Buch "The Cultural Creatives" einen fundamentalen gesellschaftlichen Wandel vorhersagte, in dessen Zuge sich neben Konservativen und Modernisten eine neue gesellschaftliche Gruppe herausbildet, die den Wandel maßgeblich vorantreibt. Diese Kulturkreativen stehen für eine neue Politik, setzen sich für ökologische Ziele ein, propagieren neue gesellschaftliche Lebensformen und, ja, aber das ist nur eine der vielen Folgen ihrer Einstellungen, sind sehr kritische Konsumenten. Während die Marketingwelt sich zugleich auf die Konsumkomponente stürzte, blieben die tiefer gehenden Themen, die die Kulturkreativen bewegen, auf der Strecke und die neue Strömung wurde auf den Lohas-Aspekt verkürzt. Die, die zur Pseudo-Zielgruppe gehören (sollen), fühlen sich derweil immer unwohler, denn nach wie vor stehen kritische Konsumenten nicht in erster Linie für Konsum, sondern für gesellschaftliche Veränderung. Je mehr das Marketing Lohas-Parolen verkündet, umso müder wird der Trend. Burda versuchte mit dem Portal Ivyworld und einem zugehörigen Magazin, die neue Zielgruppe zu binden - und stellte das Experiment inzwischen ein. Vielleicht, weil es diese Zielgruppe eigentlich gar nicht gibt? Ich esse jeden Tag. Aber ist Lohas für mich ein Thema, nur weil ich bevorzug Bio-Lebensmittel einkaufe und mir die Unternehmen, deren Produkte ich erwerbe, genau unter die Lupe nehme? Ganz bestimmt nicht. Mich beschäftigt der spirituelle Wandel der Gesellschaft, die positive Veränderung der Arbeitswelt und der Wirtschaft. Aber auf Trendgeklapper habe ich wirklich keine Lust.
Lohas-Seite des Zukunftsinstituts


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Geld - nur eine Selbsttäuschung? 
Freitag, 31. Oktober 2008 - Wissenschaft
In einem Interview mit der taz spricht der Soziologe Christoph Deutschmann über den Tunnelblick, der oftmals unser Umgehen mit Geld bestimmt: "Bei vielen mittelständischen Aktionären und Spekulanten kann man beobachten, dass der finanzielle Reichtum eine Art Tunnelblick zur Folge hat: Sie sehen nur noch das Geld und die finanziellen Gewinnchancen, alle anderen sozialen Rücksichten geraten aus dem Blick. Es wird zum Beispiel vergessen, dass Weizen und Reis nicht nur Spekulationsobjekte, sondern auch Lebensmittel sind. Die Leute geben sich großen Selbsttäuschungen hin und erhalten jetzt die Quittung dafür." Einerseits konstatiert Deutschmann, dass Geld mittlerweile in der Gesellschaft eine quasi-religiöse Funktion erfüllt, weist jedoch zugleich darauf, dass diese Konstruktion auf Dauer nicht tragfähig sein könne: "Eine Gesellschaft, die durch nichts anderes mehr zusammengehalten wird als durch den Markt, und die den finanziellen Erfolg zum obersten Lebensziel erhebt, wird Probleme bekommen. Geld ist ja nicht nur ein Tauschmittel, sondern ein Medium, das Individualisierung und persönliche Unabhängigkeit mitten in der Gesellschaft ermöglicht, aber in einer Gesellschaft, die uns alle in einer unvorstellbaren Weise voneinander abhängig gemacht hat. Diese Abhängigkeit vergessen wir gern und werden erst zwangsweise mit ihr konfrontiert, wenn das Finanzsystem nicht mehr funktioniert, wie in der gegenwärtigen Krise."
"Geld erfüllt religiöse Funktionen", taz 13.10.2008




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Einsichten zu Meditation von Wolf Singer 
Mittwoch, 29. Oktober 2008 - Wissenschaft
Der Neurobiologe Wolf Singer spricht in einem Interview mit der Zeit über seine persönlichen Erfahrungen beim Meditieren. "Man kann viel darüber lernen, wie das Gesamtsystem im Grundzustand arbeitet. Man erlebt, was passiert, wenn einen nichts zwingt zu reagieren, sondern wenn sich einfach entfalten kann, was in diesem System alles steckt. In diesem Default-Zustand stellt sich ein Gefühl des »In-der-Welt-Seins« ein. Diese Erfahrung entspricht mit Sicherheit getreuer der Persönlichkeit, die man ist, als das, was man erlebt, wenn man ständig von Tagesereignissen getrieben wird", beschreibt Singer die Einsichten, die sich dem Meditierenden offenbaren. Dass Erkenntnisse wie diese kein Selbstzweck sind, wird deutlich, wenn der Neurobiologe darüber philosophiert, wie diese persönliche Erfahrung unsere Vorstellungen über moralische Werte und deren praktische Verankerung im Alltag beeinflussen könnte. "Man müsste, glaube ich, auch bereit sein, zuzugeben, dass man nicht durch schieres Nachdenken jede Lebenssituation im moralischen Sinne entscheiden kann. Und sicher spielt das Wort Demut eine große Rolle. Vielleicht kann man durch mentale Praktiken wie die Meditation Menschen dazu bringen, Einsichten zu gewinnen, die es ihnen erlauben, über den schnöden rationalen Egoismus hinauszusehen", sagt Singer.
"Der Weg zu sich selbst", Die Zeit 23.10.2008


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In der Wirtschaft ist das einzig Stetige der Wandel 
Montag, 6. Oktober 2008 - Wissenschaft
Die aktuelle Krise der weltweiten Finanzmärkte und der öffentliche Umgang damit erwecken nur allzu leicht den Eindruck, dass wir gegenwärtig Zeugen eines außergewöhnlichen Störfalls werden. Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und Professor für Soziologie an der Universität Köln ist das anderer Meinung. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung stellt er fest: "Nicht die Krise ist das große Rätsel des Kapitalismus, sondern die Fiktion der Stabilität." Streeck schärft den Blick dafür, dass Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs mit anschließenden Zeiten scheinbarer Stabilität eigentlich immer nur Intermezzi waren. Nach großen Krisen wie beispielsweise 1929 beruhigten sich die Märkte zwar immer wieder längerfristig, doch daraus zu schließen, dass der Kapitalismus eigentlich eine stabile Ordnung garantiert, ist für Streeck ein - allerdings allzu menschlicher - Fehlschluss: "Kapitalismus als soziale Ordnung ist durch und durch unwahrscheinlich: eine Ordnung, deren Wesen die unablässige Selbsttransformation ist. Für menschliche Wesen ist das schwer zu begreifen; sie wollen wissen, wohin sie gehören und wer sie bleiben können. Vielleicht ist das der Grund, weshalb wir auch in den modernen Kapitalismus eine vormoderne Stabilität hineinphantasieren, die er nicht zu bieten hat." Der Soziologe legt den Finger darüber hinaus in eine andere Wunde und zeigt, dass im Kern viele Menschen, die sich dessen nicht unbedingt bewusst sind, Anteil haben an der dem Kapitalismus inhärenten Dynamik der Zuspitzungen: "Als Investoren und Konsumenten setzen wir die Unternehmen unter Druck, die dann uns als Arbeitnehmer unter Druck und am Ende gar frei setzen." Ohne das kapitalistische Maximierungsdenken zu kritisieren, stellt Streeck nüchtern fest, dass genau dieses Paradigma es ist, das nicht nur Wachstum und Entwicklung ermöglicht, sondern eben auch immer wieder krisenhafte Phasen: "Maximierung verlangt Kreativität, nicht Routine. Kreativität zerstört. Zerstörung aber ist riskant, für den, der zerstört wird, aber auch für den der zerstört. Risiko, wie alles im Kapitalismus, ist ungleich verteilt." Brauchen wir also eine neue Diskussion des Ungleichheitsthemas? Fest steht eigentlich nur, dass Komplexität nicht mit einfachen Lösungen zu meistern ist.
"Lektion zum Kapitalismus", FAS 28.9.2008


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Nicht alles ist Kultur oder gar Religion 
Dienstag, 19. August 2008 - Wissenschaft
Dank Diversity Management werden Unternehmen immer sensibler für die kulturellen Unterschiede innerhalb ihrer Belegschaften. So positiv dieser noch recht neue Blick auf Differenz auch sein mag, inzwischen zeigt er auch Schattenseiten, denn eine übermäßige Bezugnahme auf kulturelle Diversität verstellt leicht den Blick dafür, dass nicht alle Facetten eines Individuums durch - meist als homogen verstandene - kulturelle Konzepte geprägt sind. So lenkt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem kritischen Beitrag das Augenmerk auf die Gefahr, kulturelle Muster zu stereotypisieren oder gar religiöse Vorstellungen mit einer Kultur als Ganzem gleichzusetzen. Wenn einzelne Gruppen im Namen ihrer Kultur versuchen, ihren Interessen Ausdruck zu verleihen, kann eine falsch verstandene Toleranz leicht nach hinten losgehen. "Ideen und Waren können immer freier zirkulieren, und ihr Ursprung hat immer weniger Bedeutung", schreibt die FAZ und rät dazu, die Wahrnehmung von Kulturen zu hinterfragen: "Dem Kulturalismus liege ein falscher Kulturbegriff zugrunde. Wir nehmen Kulturen als in sich geschlossene und homogene Gebilde, obwohl sie in Wirklichkeit fließende Grenzen haben, intern heterogen sind und umstritten ist wer und was dazugehört." Heute noch den "den Chinesen" oder "den Arabern" zu sprechen, hält uns davon ab, die individuelle Ausprägung kultureller Hintergründe zu erkennen - was zu einem Übersehen von Differenz auf einer neuen Ebene führt.
"Die Irrtümer des Kulturalismus", FAZ 11.8.2008




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