Wer würde denn dann die Drecksarbeit machen? 
Montag, 26. Januar 2009 - Arbeit
Die Diskussion um das Grundeinkommen führt immer wieder zu öffentlichem Unverständnis, stellt sie doch die Grundannahme unseres Kapitalismus, dass jeder Mensch arbeiten muss, um leben zu können, auf den Kopf. Auf YouTube findet sich ein kurzer Clip, in dem Michel Friedman mehr als deutlich das auf den Punkt bringt, was wohl vielen Kritikern durch den Kopf geht, wenn sie über das Grundeinkommen ein wenig nachdenken - der Beitrag macht zugleich deutlich, welche Vorurteile mitschwingen und gesellschaftliche Weiterentwicklung - bis auf weiteres - lähmen. Der O-Ton von Michel Friedman jedenfalls (an dieser Stelle im Gespräch mit Katja Kipping von der Linken, die sich für ein Grundeinkommen in Höhe von 800 bis 1.000 Euro stark macht) spricht für sich: "... Das finde ich geil. Sie nehmen von mir im obersten Drittel dafür, dass ich zwei Drittel finanziere. In so einem Land muss ich nicht als Wohlhabender leben. Es gibt viele, viele Hunderttausende Jobs, in denen die Leute arbeiten, weil sie müssen, nicht unbedingt, weil sie wollen. ... Wenn die das dann nicht mehr müssen, wer soll denn dann die Schmutzarbeit in Deutschland in Zukunft machen? Stellen Sie sich mal meine Sekretärin vor, 2.500 (Euro) netto ... Dafür malocht die bei mir den ganzen Monat. Warum soll die noch ins Büro kommen? Wer wird in Zukunft die Jobs noch machen, wenn ich netto sogar mehr in der Kasse habe, als mit den Jobs? Wenn jemand jetzt genug Geld hat, wird er solche Jobs nicht mehr machen. Wer wird diese Jobs machen? Was machen Sie, wenn diese Leute sagen, solche Jobs mache ich nicht mehr? Wer soll die machen?"
Friedmann vs. Grundeinkommen, YouTube


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Wirtschaft und Gesellschaft neu denken 
Dienstag, 13. Januar 2009 - Arbeit
Der Gründer der Bio-Supermarktkette Alnatura Götz Rehn lädt in einem Artikel auf der Webseite des Unternehmens dazu ein, Wirtschaft und Gesellschaft neu zu denken. Der Anthroposoph sieht in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise den Ausdruck einer "Selbstversorgungsillusion". "Wir haben in vielen Bereichen der Wirtschaft gegen ein Grundgesetz der Wirtschaft verstoßen: Wirtschaften heißt immer für andere leisten können und wollen. Wirtschaft ist praktischer Altruismus, nicht eine Selbstversorgungsveranstaltung", sagt Rehn. Er geht davon aus, dass die Weltwirtschaft umso besser funktioniert, je weniger der Einzelne aus einer Selbstversorgungshaltung heraus agiert, desto besser funktioniere der soziale Organismus. "Wenn wir jedoch erkennen, dass wir alle füreinander tätig sind, ist es nur noch ein kleiner Schritt zu einer vernetzten Wirtschaft", so Rehn.
"Die Finanzkrise als Ausdruck der 'Selbstversorgungsillusion'", Alnatura Magazin 1.2009


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Traumberuf? Für fast die Hälfte der Deutschen Fehlanzeige 
Dienstag, 9. Dezember 2008 - Arbeit
54 Prozent aller Deutschen arbeiten in ihrem Traumberuf, so das Ergebnis des aktuellen Bildungsbarometers der Universität Koblenz-Landau. Eine positive Zahl, möchte man auf den ersten Blick meinen, doch die Kehrseite: Fast die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet in einem Job, der ihnen nicht wirklich am Herzen liegt. 40 Prozent derjenigen, die sich mit einem Beruf zweiter Wahl arrangiert haben, nennen fehlende Voraussetzungen in Familie und Schule als Ursache. 16 Prozent glauben etwa, dass sie mit größerer Unterstützung aus der Familie mehr hätten erreichen können, 13 Prozent sehen in fehlenden schulischen Voraussetzungen den Grund dafür, nicht ihren Traumjob ergriffen zu haben. Für 12 Prozent ist es das Fehlen angemessener Förderung und für 5 Prozent die eigene soziale Herkunft, die es verhindert hätten, dass der Weg zum Traumjob eingeschlagen werden konnte. Die Forscher sehen in diesen Ergebnissen einen Beweis für fehlende Chancengerechtigkeit im Bildungssystem. Eine Frage, die in der Studie leider nicht aufgegriffen wurde, ist die, inwiefern die Befragten überhaupt bereit waren, für ihre Ziele und Ideale zu kämpfen. Denn häufig obsiegen bei der Berufswahl auch der Wunsch nach vermeintlicher Sicherheit und die Anpassung an Vorbilder, die den Konventionen folgen anstatt eigene Wege zu gehen.
"Der Traumberuf! Chance vertan?" idw-online 19.11.2008


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EKD fordert neuen Lebenswandel in Zeiten der Krise 
Freitag, 21. November 2008 - Arbeit
Die 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) fordert in einem kürzlich veröffentlichten Beschluss einen neuen Lebenswandel ein, um den krisenhaften Herausforderungen der Gegenwart besser gerecht zu werden. Laut EKD geht es nicht nur um einen Wandel in der Klimapolitik und im Umgang mit der knappen Ressource Wasser, sondern darum, in Wirtschaft und Alltag wieder zu einem Gottesbezug zu finden und nicht menschliche Egoismen ins Zentrums des Handelns zu stellen. „Rationale, emotionale, religiöse, ethische und moralische Potenziale des Menschen müssen stärker als bisher miteinander vernetzt werden. Die Verinselung der Daseinsbereiche muss einem besseren Zusammenspiel Platz machen. Wirtschaftliches Handeln muss sich an den mittel- und langfristigen Zielen des Überlebens aller orientieren. Politik muss den Markt kritisch beobachten, Regeln setzen und notfalls regulierend eingreifen. Alle sind aufgerufen, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich den Aufgaben der Zukunft zu stellen“, zitiert der Fachdienst CIW. Ein zukunftsfähiger Lebenswandel werde ein „4-D-Lebenswandel“ sein müssen, der bestimmt sei von „Dank, Demut, Denken und Dienst“.
"Beschluss der EKD-Synode fordert grundlegend anderen Lebenswandel", CIW 6.11.2008


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Einzigartigkeit zählt 
Donnerstag, 6. November 2008 - Arbeit
Zu den wichtigsten Zukunftsqualifikationen gehört, so die Zukunftsforscherin Imke Keicher, die Einzigartigkeit der Arbeitnehmer. In einem Beitrag für das Weiterbildungsmagazin ManagerSeminare rät die Expertin den Arbeitnehmern, sich verstärkt folgende Fragen zu stellen: "Was sind die Werte und Grundüberzeugungen, die mich antreiben? Was kann ich wirklich außergewöhnlich gut? Welche Arbeit gibt mir Energie? Welche Herausforderungen bringen mir Freude? Mit welcher Art Menschen arbeite ich in welchem Kontext und in welcher Arbeitskultur besonders gerne zusammen? Wie viel Struktur und Regeln brauche ich? Und wo benötige ich Freiräume?" Die Antworten auf Fragen wie diese markieren das individuelle Uniquability-Profil, das in den Augen der Zukunftsforscherin immer wichtiger wird, um künftig einen den eigenen Fähigkeiten und Motivationen entsprechenden Job zu finden. Arbeitgebern rät die Expertin, vermehrt genau diese Fragen zu stellen und sich bei der Stellenbesetzung verstärkt auf solche Individualisten einzustellen, denn: "Arbeitnehmer, die gemäß ihren Stärken und Leidenschaften gefordert und gefördert werden, sind deutlich produktiver als jene, die 'nur' ihren Job machen."
"Einzigartigkeit schlägt Employability", managerSeminare November 2008


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Frust im Job? Lieber gelassen bleiben ... 
Mittwoch, 22. Oktober 2008 - Arbeit
Die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer ist mit ihrem Job nicht zufrieden. Mehr Gelassenheit täte ihnen gut, sagt Autor Volker Kitz, denn: "Wenn wir kündigen und uns einen neuen Job suchen, werden wir früher oder später wieder die gleichen Sorgen haben wie zuvor." Frustthema Nr. 1 ist für die meisten Angestellten eine als zu schlecht empfundene Zahlen - da sind sich laut Kilz alle vom Fließbandarbeiter bis zum Top-Manager einig, denn immer kennt man jemanden, der mehr hat als man selbst. Für Kilz sind nicht allein die sachlichen Rahmenbedingungen ein Grund für Unzufriedenheit, sondern die individuelle Neigung zum permanenten Vergleich. Kitz rät dazu, das persönliche Glück nicht allein vom Beruf abhängig zu machen. Darüber hinaus sei es hilfreich, das schätzen zu lernen, was man bereits erreicht hat und nicht immer nur nach dem zu schielen, was einem gerade fehlt.
"Der nächste Chef ist auch nicht besser", SZ 13.10.2008


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No Mail today 
Dienstag, 7. Oktober 2008 - Arbeit
Das Zukunftsinstitut diagnostiziert in seinem aktuellen Zukunftsletter eine wachsende Online-Müdigkeit. So zitieren die Zukunftsforscher die regelmäßige Online-Studie von ARD und ZDF, der zufolge es in Deutschland inzwischen 2,6 Millionen Menschen gibt, die sich zu den Ex-Onlinern zählen, also dem Internetkonsum abgeschworen haben. Eine Untersuchung von Basex zeigt, dass die tägliche E-Mail-Flut amerikanische Unternehmen jedes Jahr 650 Millionen US-Dollar kostet, weil die Produktivität der Mitarbeiter unter ständigem E-Mail-Beschuss sinkt. Intel begegnete der permanenten Ablenkung mit einem 7-monatigen Projekt "Quiet Time" - die Mitarbeiter in Austin und Chandler könnten sich jeden Dienstagmorgen vier Stunden ohne Mailverkehr. Das Unternehmen verbuchte in dieser Zeit wachsende Effizienz und Effektivität. IBM-Manager Dan Russel rief ein Slow-E-Mail-Movement ins Leben und forderte dazu auf, Mails nur noch zwei Mal am Tag zu beantworten. Und, wie halten Sie es mit Ihren Mails? Ich bin dann mal weg ...
Zukunftsletter


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Die Gesellschaft zwischen Ausschluss und Teilhabe 
Montag, 29. September 2008 - Arbeit
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat in der vergangenen Woche den Soziologen Heinz Bude über die wachsende Spaltung der Gesellschaft befragt. Kern des Gesprächs ist das immer virulenter werden Phänomen der Exklusion: Gerade aufgrund des Produktivitätswachstums der vergangenen Jahre fallen immer mehr nicht gut ausgebildete Menschen aus dem Erwerbsprozess heraus und finden keinen Weg zurück. Laut Bude sind vor allem Alleinerziehende, ausbildungsmüde Jugendliche und so genannte Migrationsverlierer besonders stark vom sozialen Abstieg betroffen. Bude kritisiert, dass es gegenwärtig kaum positive Vermittlungsmechanismen zwischen der Welt derer, die einen guten Job haben, und derer, die wohl nie mehr einen finden werden, gibt. "Es braucht eine politische Botschaft jenseits von Hartz IV. Die lautet: Wir befähigen jeden, sich wieder aufzurichten, aber wir überlassen niemanden seinem Schicksal", so der Soziologe. Bude warnt auch davor, die Armutsdiskussion allein an Einkommensgrenzen aufzuhängen, denn solange hier nur mit statistischen Größen hantiert wird, bleibt die größere Perspektive, nämlich die Frage, wie diese "Armen" wieder in den Stand versetzt werden können, an der gesellschaftlichen Entwicklung teilzuhaben, außen vor.
"Jeder kennt einen, der ins schwarze Loch gefallen ist", FAS 21.9.2008


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